Wasser- und Wärmerückgewinnung sind in modernen Wäschereien mittlerweile Standard. Doch neben einem optimierten Ressourceneinsatz gehört auch die Umweltsicherheit zu den ökologischen Herausforderungen. Die Rodinger Wäscherei setzt im Rahmen ihres Umweltmanagementsystems daher auf ein modernes, sicheres Chemikalienlager.
3 Wenn wir, die Redakteure von RWTextilservice, hinter die Kulissen eines Unternehmens schauen dürfen, fallen uns nicht nur Maschinenpark oder Wäschevolumen ins Auge. Auf dem Weg durch die Produktionshallen offenbart sich noch viel mehr. An der Art, wie Mitarbeiter den Chef begrüßen, wie Teams zusammenarbeiten und wie Arbeitsabläufe strukturiert sind, können wir manchmal eine ganze Unternehmenspolitik ablesen. Die Verantwortlichen der Rodinger Wäscherei setzen nicht nur auf dem Papier auf Offenheit, Eigenverantwortung und Miteinander. Der Produktionsleiter springt im Vorbeigehen schnell seinen Mitarbeitern zur Seite und hilft Plastikteile auszusortieren, die beim Kunden in die Wäsche geraten sind. Die Mitarbeiter wirken trotz des geschäftigen Treibens entspannt und grüßen freundlich. Als im Kesselhaus unsere Kamera aufblitzt, schaut schnell ein Mitarbeiter um die Ecke. Als er uns als Ursache des grellen Lichtes ausmachen kann, wendet er sich beruhigt wieder seiner Aufgabe zu. Gottfried Schmidbauer, Geschäftsführer der Rodinger Wäscherei, lacht: „Wir haben klar definierte Ansprechpartner und Verantwortlichkeiten, das nehmen unsere Mitarbeiter eben ernst.“
Das Unternehmen sucht den Dialog mit seinen Arbeitnehmern. „Ob Geschäftsführung, Techniker oder Reinigungskraft, jeder hat seine Aufgaben und ist Teil des ganzen Unternehmens“, erklärt Schmidbauer. Regelmäßig holt er sich Feedback von der Belegschaft. „Wir veranstalten Workshops und bilden Arbeitsgruppen“, erzählt er. Durch die offene Kommunikation gibt es eine Vielzahl an Vorschlägen, die auf Durchführbarkeit geprüft werden.
Diese Transparenz und das permanente selbstkritische Überprüfen aller Betriebsabläufe sind ebenso Teil der Unternehmenspolitik wie der durchdachte und umweltbewusste Umgang mit allen Ressourcen. In ihren Leitlinien verpflichtet sich die Rodinger Wäscherei öffentlich u.a. zur ständigen Verbesserung ihrer umweltbezogenen Leistungen, zur Vermeidung von Umweltbelastungen sowie zur Reduzierung von Ressourcenverbräuchen. In der Tat ist bereits viel geschafft und auch für die Zukunft sind weitere Projekte angedacht. Die umweltrelevanten Themen wurden im Unternehmen durch die Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9001 integriert. Ein aufwändiger und kostenintensiver Schritt, den der Betrieb im Jahr 2013 hinter sich gebracht hat. „Bei Ausschreibungen spielt die Thematik bereits eine große Rolle und wir machen durchaus die Erfahrung, dass unsere Kunden immer mehr daran interessiert sind, dass die Aufbereitung der Textilien energie- und ressourcenschonend geschieht“, berichtet Schmidbauer. In persönlichen Gesprächen ermittelt das Unternehmen den ökologischen und qualitätsbezogenen Anspruch seiner Kunden, um bei den Verfahren darauf Rücksicht nehmen zu können. Dieser Grundsatz wurde sogar in den Unternehmensleitlinien verankert.
Für eine Wäscherei sei das Thema Energieeinsatz aus Kostengründen weiterhin „brandheiß“. Ein Textildienstleister, der wie die Rodinger 50 bis 60 t täglich bearbeitet, hat enorme Energiekosten.
„Das Konstrukt im Zusammenspiel“
„Wenn man von Energieeinsparung spricht, muss immer das gesamte Konstrukt im Zusammenspiel betrachtet werden“, ist Schmidbauer überzeugt. Durch den Einsatz energieeffizienter Anlagen und intelligenter Rückgewinnungssysteme wird in Roding keine Energie verschwendet. Drei Waschstraßen tun in der Wäscherei ihren Dienst. Schließlich will ein anspruchsvolles Kundenklientel aus Pflege, Klinikbereich und Hotellerie in einem Umkreis von 200 km täglich mit frischer Wäsche versorgt werden. Eine der Anlagen, eine 22-Kammer-Waschstraße, zählt zu den größten Europas und bearbeitet allein 1.500 bis 2.000 kg pro Stunde. Dass bei solchen Umfängen leistungsfähige Wärme- bzw. Wasserrückgewinnungssysteme vonnöten sind, versteht sich von selbst. Das Abwasser der Waschstraßen wird nach der Filtration wiederverwendet, über einen Wärmetauscher abgekühlt und anschließend in den Kanal geleitet. Rückgewonnene Energie aus den vorangegangenen Waschprozessen erwärmt das Frischwasser.
Die 1.600 m2 große Halle wird durch die Abwärme des Kompressors geheizt. Ein Wärmetauscher, eine Spezialanfertigung für die Rodinger Wäscherei, nutzt die Energie von allen Heizkreisläufen, deren Energie nicht anderweitig gewonnen wird, und versorgt ebenfalls das Kesselspeisewasser. Die Energievorräte reichen sogar noch für den Ersatzkessel. Dieser wird durch einen speziellen Warmhaltekreislauf auf 100 °C gehalten, muss also im Bedarfsfall nicht erst aufgeheizt werden und ist daher jederzeit kurzfristig einsatzbereit. Mit der Restenergie des Kondensatkreislaufes werden im Winter zu Produktionszeiten noch die Büroräume geheizt. Die eigentliche Heizung ist bei unserem Betriebsrundgang im Kesselhaus daher kalt und hat – heute zumindest – nichts zu tun.
Produktionsprozesse auf dem Prüfstand
Die Produktionsprozesse stehen in der Rodinger Wäscherei sowie im LavanTex-Verbund (siehe auch Kasten auf Seite 30), dem das Unternehmen angehört, ständig auf dem Prüfstand. Regelmäßig treffen sich Vertreter aller LavanTex-Betriebe, um sich auszutauschen, Probleme zu diskutieren und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern. Fachausschüsse arbeiten daran, Synergien im Technik-, Vertriebs- und Personalbereich zu nutzen. Der Verbund sucht dabei auch den Dialog mit Herstellern wie z.B. Kannegiesser. Die Erfahrungen und Anforderungen aus der Praxis werden dabei im Rahmen von Technikertreffen direkt in die Entwicklungsarbeit eingebracht. Zur effizienten ressourcenschonenden Produktion gehört auch die regelmäßige Investition in zukunftsweisende Technik. 2010 hat die Rodinger Wäscherei ihre Trocknerflotte komplett erneuert. In der Betriebshalle stehen zeitgemäße Volltrockner mit Wärmerückgewinnung durch Umluftnutzung sowie Ansaugung vorgewärmter Luft. Dabei wird die umgewälzte Prozessluft zum großen Teil weiterverwendet. Nur wenig davon wird als „feuchtigkeitsgesättigte Abluft“ in die Umgebung über das Dach abgegeben und durch vorgewärmte Frischluft ersetzt. „Der Trockner kommt mit viel weniger Energie aus, weil er die Energie, die er selbst erzeugt, zum großen Teil wieder nutzt“, erklärt Gottfried Schmidbauer. Das aktuellste Projekt der Wäscherei ist die Beleuchtung. Das gesamte Beleuchtungssystem wird durch LEDs ersetzt. Das reduziert die Energieaufnahme der Beleuchtung und amortisiert sich nach den Berechnungen des Unternehmens in einem Jahr.
Chemikalien sicher gelagert
Seit der Zertifizierung gibt es in der Wäscherei Datenblätter, die eine Gefährdungsbeurteilung aller Betriebsmittel beinhalten. „Das geht vom Desinfektionsmittel bis zum Schmierfett“, so der Geschäftsführer. Die umweltgerechte Entsorgung aller Chemikalien muss ebenso bedacht werden wie die sichere Lagerung im Unternehmen. Die Rodinger Wäscherei hat ihr Chemikalienlager im Zuge der Zertifizierung neu gestaltet und durfte sich über ein Lob der Zertifizierer freuen: „Vorbildlich“, lautete deren Urteil.
Anhand einer Datenmatrix erklärt uns Schmidbauer das System. „Hier sieht man, welche Chemikalien miteinander reagieren und welche gefahrlos zusammen gelagert werden können.“ Räumlich getrennt lagern die Chemikalien so, dass sie im Falle eines Auslaufens nicht miteinander reagieren können. Die Gebinde stehen auf einem Gitter mit darunterliegendem Auffangbecken. So ist sichergestellt, dass keine Flüssigkeiten unkontrolliert in den Kanal laufen können. Sofort wird alles ins Chemikalienlager an den richtigen Ort gebracht, ohne zeitliche Verzögerung. Zweifelsohne war allein das neu gestaltete Chemikalienlager eine große Investition. „Umweltmanagement kostet Geld“, stellt der Geschäftsführer klar. „Aber es lohnt sich auch.“ Nicht ausschließlich aus ökologischer Sicht: Das Gefährdungspotenzial an dieser Stelle wird von den Versicherungen beispielsweise auch günstiger eingestuft.
Die Zertifizierung habe das Unternehmen weitergebracht, sagt Schmidbauer. So wurde z.B. der Einkauf zentralisiert. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass sich das Unternehmen nicht vor Herausforderungen scheut. „Entweder man verändert selbst oder man wird verändert“, bestätigt Schmidbauer. Die Stellen des Sicherheitsbeauftragten und der Hygienefachkraft sind als Stabstelle zur Geschäftsleitung eingestuft. Der Geschäftsführer hat somit diesen Bereichen gegenüber keine uneingeschränkte Weisungsbefugnis. Das fördert unterschiedliche Meinungen und die Diskussion.
Gut gerüstet für den Notfall
Bei allen Veränderungen und Neuerungen gibt es in der Rodinger Wäscherei auch konstante Themen. In Bezug auf Kundenaufträge setzt die Wäscherei traditionell in einem hohen Maße auf Sicherheit. Maschinen und Anlagen lassen sich unabhängig voneinander betreiben, es steht immer eine Ersatzmaschine zur Verfügung. „So können wir sicherstellen, dass es im Falle eines Ausfalls weitergeht“, erklärt der Geschäftsführer. Sollte ein größeres technisches Problem eintreten, helfen sich die LavanTex-Betriebe gegenseitig aus. Hierfür gibt es einen eigens ausgetüftelten Notfallplan. Doch bei einem gut aufgestellten Betrieb wie dem in Roding kommt das zum Glück selten vor.