Mitarbeitergewinnung und -bindung Eigene Vorteile nutzen

Bei der Suche und Bindung von Mitarbeitern und Fachkräften haben KMU häufig das Nachsehen gegenüber Konzernen. KMU können bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern die Eigenschaften des Unternehmens als Wettbewerbsvorteil nutzen und in der Personalpolitik neue Wege gehen.

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    Es gibt viele Möglichkeiten der Mitarbeitergewinnung. Sie müssen nur ausgeschöpft werden. Foto: RonFullHD, Fotolia.com
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    Mitarbeiter möchten in ihrer Individualität erkannt werden und ihre Kreativität ausleben. Foto: Karin & Uwe Annas, Fotolia.com

3 Auf den ersten Blick bieten große Konzerne und international agierende Mittelständler für Fach- und Führungskräfte bessere Bedingungen als kleine und mittlere Unternehmen (KMU): geregelte Arbeitszeiten, bessere Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten, attraktive Zusatzleistungen etc. Auf der anderen Seite fehlt den kreativen und motivierten Topkräften in Großunternehmen aber häufig das Interesse gegenüber der eigenen Person, die Anerkennung ihrer Leistungen und ein kreativer Gestaltungsfreiraum. So werden z.B. Verbesserungsvorschläge ignoriert oder erst nach Jahren realisiert. Häufig fehlt es an Lob für besondere Leistungen und es herrscht untereinander eine Ellbogenmentalität und Anonymität. Die Person wird auf eine fünfstellige Personalnummer reduziert.

Hier können die KMU ansetzen. Topkräfte wünschen sich häufig ein inspirierendes Umfeld, Individualität sowie einen möglichst großen Handlungsspielraum. Sie möchten sehen, was sie und ihr Team leisten, und stolz darauf sein. Neben guten Aufstiegs­chancen gibt es die Möglichkeit, die Nachfolge des Firmenin­habers anzutreten.

Viele Fach- und Führungskräfte, die einige Jahre in großen und internationalen Unternehmen gearbeitet haben, zieht es in kleinere, regionale Betriebe. Sie suchen Herausforderungen, bei denen sie ihr erworbenes Know-how und ihre Erfahrungen einbringen und ihre Arbeitsweise selbst gestalten können – etwa bei der Professionalisierung von Abläufen und Prozessen, bei der Weiter­entwicklung des Unternehmens durch Projektarbeit oder bei der Umstrukturierung des Unternehmens.

Wie KMU auf sich aufmerksam machen sollten

Viele Entscheider von KMU sind der Meinung, Marketing koste viel Zeit und Geld, bringe aber wenig. Ein auf Zielgruppen ausgerichtetes Marketing mit regionalen Ansätzen steigert den Bekanntheitsgrad und spricht qualifizierte Mitarbeiter an.

Ohne Marketing keine Präsenz – und ohne Präsenz werden keine guten Fachkräfte angelockt. Zur Steigerung des Bekanntheitsgrades werden kein großes Budget und keine teuren Werbeblöcke im Fernsehen oder Anzeigen in überregionalen Zeitungen benötigt. Regionale Bekanntheit ist häufig effektiver und hält die Marketingkosten gering. Erfolgreichen Marketingmaßnahmen muss stets ein Konzept zugrunde liegen. Die richtige Wirkung wird erzielt, wenn  eine systematische Strategie einzelne Aktionen ableitet. Konkret bedeutet das: Zunächst muss die Zielgruppe definiert und deren Anreize sollten erarbeitet werden. Von Bedeutung sind ebenso die Eigenschaften, Stärken und Vorteile des eigenen Unternehmens. Es muss festgestellt werden, wie und an welcher Stelle sich das eigene Unternehmen vom Wettbewerber abgrenzt. Auf dieser Grundlage wird über die Kommunikationsart und -form entschieden. Bewerber oder neue Mitarbeiter erkennen jedoch schnell, ob durch die Strategie Unzulänglichkeiten kaschiert wurden. Aus diesem Grund sollten folgende Bedingungen erfüllt sein:

Ein gutes Betriebsklima

Wer als Arbeitgeber in seiner Region ein gutes Image besitzt, zieht einfacher Mitarbeiter an. Das gilt unter anderem für potenzielle Mitarbeiter, die bei der Konkurrenz unzufrieden sind und über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. Deshalb müssen Entscheider kontinuierlich an einer guten Unternehmens-, Fehler- und Konfliktkultur arbeiten, in der sich alle Mitarbeiter wohl fühlen. Auf lange Sicht ist die Produktion einer Hochglanzbroschüre fatal, in der das Unternehmen lediglich werbewirksam in Szene gesetzt wird. Lippenbekenntnisse reichen nicht aus und werden enttarnt.

Die Entscheider eines Unternehmens sollten die Mitarbeiter in Unternehmensentscheidungen einbeziehen, ihnen Raum für Ideen geben oder sie zumindest rechtzeitig vor Inkraftsetzung einer Veränderung ausführlich informieren.

Karrierechancen aufzeigen

„Machertypen“ sind bei KMU willkommen. Sie benötigen Gestaltungsfreiräume. In eigener oder Teamleistung möchten sie einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten. Dies treibt sie an. Sie möchten gute Ergebnisse erzielen und Projekte erfolgreich durchführen. Kleinere Unternehmen können auf diese Anforderungen flexibel reagieren und beispielsweise individuelle Weiterbildungsmöglichkeiten anbieten. Die Auswahl der Seminare, Kurse oder Fortbildungen hängt von den bereits vorhandenen Kompetenzen, der Position und den zukünftigen Planungen ab.

Flexibilität zeigen

Auf einige Wünsche können KMU besser Rücksicht nehmen als größere Mittelständler und Konzerne: Flexibilisierung der Arbeitszeit, Berücksichtigung von Familie und Privatleben, Hilfestellung bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen, Jobsharing, Unterstützung von Mitgliedschaften in regionalen Vereinen oder unterstützende Aktivitäten zur Stärkung der Gesundheit. Erkennen die Entscheider die Situation eines jeden Mitarbeiters können sie ­individuelle Lösungen anbieten.

Frühzeitige Rekrutierung des Nachwuchses

Große Unternehmen haben eine große Anziehungskraft auf angehende Fach- und Führungskräfte. Aus diesem Grund sollte der Kontakt von KMU zu potenziellen Bewerbern frühzeitig gesucht werden. Die KMU sollten sich bei Schulen und Hochschulen präsentieren und beispielsweise Ferienjobs, Praktika oder Stellen für Werkstudenten anbieten. Eine Führungskraft könnte eine Gastvorlesung halten – Hochschulen sind für Betriebspraktiker stets offen. Ein Muss ist die Präsenz auf regionalen Jobbörsen.

Studierende sind häufig auf der Suche nach geeigneten Themen oder Unternehmen für ihre Bachelor- oder Masterarbeit. Das ist in zweierlei Hinsicht vorteilhaft für das Unternehmen: Erstens kann ein Studierender ein Projekt durchführen, für das im Tagesgeschäft keine Kapazitäten entstehen. Die Zeit- und Geldinvestition rechnet sich zeitnah. Der Studierende lernt hierdurch das Unternehmen kennen – und das Unternehmen lernt den Studierenden kennen. Daraus kann eine spätere Anstellung resultieren, die auf einer fundierten Entscheidung beider Seiten beruht.

Die Website als Visitenkarte

Damit Besucher auf der Firmenwebseite verweilen, gibt es einige Tipps: Wichtig ist die Ladegeschwindigkeit der Internetseite. ­Dauert es zu lange, wird der Besucher vermutlich schnell die Seite verlassen. Übersichtliche Websites, ein zeitgemäßes und ansprechendes Design, hochwertige Bilder und eine leicht verständliche Navigation, durch die der Besucher schnell an Informationen kommt, machen eine längere Verweildauer wahrscheinlich.

Das Internet für die Rekrutierung nutzen

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt: Waren Mitarbeiter früher auf der Suche nach geeigneten Unternehmen, ist es heute umgekehrt. Einige Entscheider haben diese Wendung verpasst. Anstatt der traditionellen Suche per Stellenanzeige in der Zeitung oder dem Einsatz von Headhuntern bei besonders schwierig zu besetzenden Stellen, rückt zunehmend das Internet in den Fokus. Der Trend geht zur Suche über soziale Netzwerke wie Xing, Linkedin etc. Potenzielle Bewerber entscheiden, ob sie sich bewerben wollen. Derzeit werden die sozialen Netzwerke fast ausschließlich von größeren Unternehmen als Rekrutierungsmöglichkeit genutzt – eine Chance, die sich KMU nicht entgehen lassen sollten.

Weiter auf dem Vormarsch sind Arbeitgeberbewertungsplattformen, wie beispielsweise Kununu. Wird das Unternehmen dort schlecht bewertet, nimmt ein vorsichtiger Bewerber erst einmal Abstand von einer Bewerbung. Schlechte Bewertungen auf diesen Portalen werden meist von gefrusteten oder gekündigten Mitarbeitern verfasst, die auf diese Weise mit dem Arbeitgeber abrechnen wollen. Bevor ein Arbeitgeber jedoch Gegenmaßnahmen einleitet, indem er z.B. selbst oder durch loyale Mitarbeiter sehr gute Bewertungen verfassen lässt, sollte er reflektieren, wie er mit kritischen Bewertungen umgeht. Häufig folgen auf eine gefälschte, sehr gute Bewertung zwei schlechte. Der Arbeitgeber sollte daher frühzeitig eine gute Kommunikationsstrategie ausarbeiten oder einen entsprechenden Kommunikationsexperten zu Rate ziehen.

Werte werden immer stärker gefordert

Die sogenannte Generation Y (Bevölkerungsgruppe, die etwa von 1990 bis 2010 zu den Teenagern zählte) sucht verstärkt nach einem Sinn in Bezug auf die Arbeit. Für diese Generation sind transparente Werte wichtig und dass sie von der Führungsebene vorgelebt und auf die Mitarbeiter übertragen werden. Die Werte nur auf der Website oder auf einer Hochglanzbroschüre darzustellen, reicht nicht aus.

Der größte Nachteil für die meisten KMU ist ihr ländlicher Standort. Denn gerade bei jüngeren Menschen gelten ländliche Regionen als unattraktiv. Kommunen, regionale Wirtschaftsverbände und dort ansässige Unternehmen sollten gemeinsam der Landflucht und dem damit einhergehenden Fachkräftemangel ent­gegenwirken. Ländliche Regionen müssen wieder attraktiver werden, beispielsweise durch ein besseres Angebot an Kinderbetreuung, Freizeitaktivitäten für Jugendliche sowie Fort- und ­Weiterbildungsangebote vor Ort. Die Infrastruktur muss die ­lokale Wirtschaft stärken und gleichzeitig weitere Unternehmen anziehen.

Tradition und Stärken besser verkaufen

Die meisten Unternehmen im ländlichen Raum sind familien- oder inhabergeführt und aufgrund ihrer Entscheidungsstrukturen, der kurzen Kommunikationswege sowie der Individualität für eine zunehmende Zahl an Fachkräften als Arbeitgeber attraktiv. Diese Unternehmen müssen ihre Traditionen und Stärken nach außen tragen und besser verkaufen.