3 Wie wird man als Reiniger zum „Lebensqualitätsanbieter“? Was bringen „Combo-Angebote“ und warum ist die Bekleidungsindustrie als Partner für die Textilreinigung so wichtig? Auf all diese Fragen gab es beim „Checkpoint EFIT“ am 19. Januar 2015 in Salzburg Antworten von Experten.
Es war bereits die zweite Veranstaltung aus der Reihe „Checkpoint EFIT“ in Österreich. Wie im letzten Jahr wurde die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) dabei von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) unterstützt und so die Zusammenarbeit der deutschen und österreichischen Textilreinigungsbranche intensiviert.
Das Seminar fand in Räumlichkeiten des Wirtschaftsförderungsinstituts Salzburg (WIFI) statt. Das WIFI ist eine Serviceeinrichtung der Wirtschaftskammer mit dem Ziel, Unternehmer und alle in der Wirtschaft Tätigen bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben und Herausforderungen zu unterstützen. Die passende Umgebung also für den „Checkpoint EFIT“ mit dem Themenschwerpunkt „Textilpflege erfolgreich verkaufen“. Die Referenten beleuchteten den richtigen Mix aus angebotener Dienstleistung, Preis, Vertrieb und Kommunikation – und zwar nicht nur im Hinblick auf den Endkunden, sondern auch innerhalb der gesamten textilen Kette.
Nach der Reinigung schöner als vorher
So gab EFIT-Mitarbeiterin Maria Bischoff in einem ihrer Vorträge anhand vieler Beispiele Anregungen, wie sich der Textilreiniger als „Lebensqualitätsanbieter“ präsentieren kann. „Wenn zum Beispiel ein Bekleidungsstück nach der Reinigung schöner ist als vorher oder einem Kunden mit einer ,Notfallreinigung‘ schnell geholfen werden kann, dann macht es ihn glücklich und somit ebenfalls den Reiniger“, meinte Bischoff. Mit der Serviceeinstellung „alle Kunden sind VIPs“ und einem gepflegten Ambiente können Textilreiniger weiter punkten. Und wer dann noch Personal an der Ladentheke hat, das nicht nur mit Kompetenz, sondern auch mit Freude, Leidenschaft und positiver Ausstrahlung arbeitet, kann seine Dienstleistung sicherlich mit Erfolg verkaufen.
Aktiv anbieten sollten Textilreinigungsunternehmer und ihre Mitarbeiter auch Zusatzdienstleistungen. Ob Polster-, Leder- oder Teppichreinigung, Appreturen gegen Schmutz, Imprägnierung oder Änderung und Reparatur – vielleicht wusste der Kunde bisher gar nicht, was ein Textilpflegebetrieb alles anbietet?
Weiter stellte Bischoff die Möglichkeiten sogenannter Combo-Angebote vor. Sinnvoll geschnürte Angebotspakete locken den Kunden an. Als Beispiel nannte sie Businesspakete, bestehend aus einer gewissen Anzahl zu pflegender Hosen, Sakkos, Hemden und Krawatten; auch Umzugspakete sind denkbar, die die Abholung verschmutzter Vorhänge, Teppiche, Textilpolstergruppen und Lieferung der gereinigten Teile an die neue Adresse beinhalten. Kreative Combo-Shopper sind auch „After Urlaub“ inklusive Aufbereitung von Schlafsäcken und Zelten oder das Paket „Schlafkomfort“ rund um Betttextilien. Diese Angebote sollten möglichst monatlich wechseln und auf der Website ersichtlich sein, ebenso wie in der lokalen Presse erscheinen, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Auch sonst sollten Textilreiniger jede Gelegenheit nutzen, in den Medien auf sich aufmerksam zu machen und ihre Leistungen zu präsentieren. Einen passenden „Aufhänger“ stellt z.B. der jährlich stattfindende Fleckentag dar. Maria Bischoff erläuterte auch eine Dienstleistung der EFIT, die der Verband seinen Mitgliedern nach der erfolgreichen FashionCare-Zertifizierung bietet: In Zusammenarbeit mit dem Reiniger wird eine Pressemeldung erstellt, die dann an ausgewählte Medien versandt wird. „Die Resonanz auf die veröffentlichten Artikel ist oft groß“, berichtete Bischoff.
Birgit Jussen, Dipl.-Ing. Bekleidungstechnik und bei der EFIT u.a. verantwortlich für die Zusammenarbeit mit der Bekleidungsbranche, stellte dar, wie wichtig die Kommunikation zwischen den einzelnen Prozessschritten innerhalb der textilen Kette ist. Nicht zuletzt die Globalisierung, die damit im Zusammenhang stehende Verlagerung der Bekleidungsproduktion ins Ausland und der Verlust der Transparenz und Fachkompetenzen in der Zentrale der Bekleidungsunternehmen erfordert eine enge Zusammenarbeit: Denn die schönste Garderobe ist nur langfristig von Wert, wenn sie auch sachgemäß gepflegt werden kann. Dies setzt beim Konfektionär bereits in der Produktgestaltung die Grundlagen der Textilpflege und später die entsprechende Kennzeichnung voraus. Jussen berichtete, dass die EFIT diesbezüglich gerne Hilfestellung leistet. Der „Pflegekennzeichnungsservice“ ist eine neue Dienstleistung der EFIT, die auch nach und nach mehr von den Bekleidungsherstellern angenommen wird. Aber auch beim „After-sales-service“ ist es für Bekleidungshersteller wichtig zu wissen, wo qualifizierte Reinigungen zu finden sind, die sie den Endkunden empfehlen können. Jussen hält auch Schulungen für Mitarbeiter in Bekleidungsunternehmen und Verkaufsfilialen für sinnvoll, um das Verständnis für die Textilreinigung und die Pflegekennzeichnung zu steigern.
Anregungen jederzeit willkommen
Über „Neues von der EFIT“ berichtete Geschäftsführer Dr. Volker Schmid. Bei der letzten Veranstaltung in Österreich wurde das Portal „Checkpoint-EFIT Schadensfälle“ ins Leben gerufen. Die Datenbank, die Textilreiniger über mögliche Problemtextilien informiert, ist nun unter www.checkpoint-efit.de eingerichtet und lebt vom Input der Nutzer. Weiter berichtete er über das zum Jahresbeginn 2015 überarbeitete FashionCare-System (RWTextilservice berichtete in der Januar-Ausgabe 2015) und die erfolgreich abgeschlossenen Projekte zum Thema „neue Lösungsmittel“ und „Hygiene“ ebenso wie über die neuen Projekt „FC-freie Imprägnierung“ und „Geruchstest“. Es tut sich viel bei der EFIT, sagte Schmid und wies darauf hin, dass Anregungen aus der Branche jederzeit willkommen sind. Mehr Neues aus der EFIT gibt es auch bei der Mitgliederversammlung am 20. und 21. März 2015 in Stuttgart.
Mit „auf die Reise der erfolgreichen Textilreinigung“ nahm KommR Walter Imp, Bundesinnungsmeister der österreichischen Textilreiniger und Wäscher, die Teilnehmer in seinem gleichnamigen Vortrag. Neben dem wichtigen Thema Ausbildung betonte Imp, dass die Einigkeit der Branche entscheidend für deren Erfolg sei. Die unumstrittene Fachkompetenz rund um die Reinigung von Bekleidung, Textilien, Teppichen, Pelzen und Leder stellen die Österreicher nun auf eine ganz besondere Art dar. Imp berichtete über die Anfang 2015 gestartete Imagekampagne „Strahlend schön“ mit der österreichischen Sängerin und ORF-Star Petra Frey: Plakate und ein Kunstkalender zeigen das Testimonial in edlen und feinen Textilien – vom Brautkleid bis zur Tracht. Mit der Kampagne will man mit einer Branchenstimme die Konsumenten ansprechen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Imp zeigte den Teilnehmern einen Making-Off-Film zum Kampagnen-Shooting mit Petra Frey. Das Video und die Motive stehen auf der Website der Bundesinnung unter den Downloads für die österreichischen Branchenmitglieder zur Verfügung
(www.textilreiniger.at).
Rund um das Thema Tracht drehte es sich bei der Firmenbesichtigung am Nachmittag des „Checkpoint EFIT“. Das Traditionsunternehmen Gössl, das „sich ganz der Tracht und ihrer Verwandlung ins Heute verschrieben“ hat, wurde nach einem reichhaltigen Mittagessen im „Gwandhaus Gössl“ besichtigt. Wie bereits am Vormittag durch Birgit Jussen dargestellt, ist die Bekleidungsbranche ein wichtiger Partner der Textilreinigung. Denn „unser Kunde ist zunächst der Kunde der Bekleidungsindustrie bzw. des Einzelhandels und nur in enger Zusammenarbeit innerhalb der gesamten textilen Kette kann der Kunde rundum zufrieden gestellt werden. Dafür muss aber ausreichendes Verständnis und Wissen für den jeweiligen Prozessschritt aufgebracht werden bzw. vorhanden sein“, waren die Worte von Jussen. Dies bestätigte sich in der regen Diskussion mit den Mitarbeiterinnen der Gössl GmbH. So wurde über Pflegekennzeichen, die Möglichkeiten der Nassreinigung der hochwertigen Trachtenbekleidung, die Unterschiede zwischen der Behandlung in den Lösungsmitteln Per und KWL sowie über Reklamationen etc. diskutiert. Für beide Seiten zeigte sich, wie wichtig die Kommunikation innerhalb der textilen Kette ist.