Die Entwicklungsgeschichte des Wäschetrockners zeigte Electrolux bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ in Nürnberg. Zu sehen waren z.B. eine Wäschemangel von 1910, hydraulische Wäschepressen aus den 30er Jahren und die moderne Wärmepumpentechnologie. RWTextilservice sprach mit Michael Wolf, Product Manager Fabric Care der Electrolux Hausgeräte Vertriebs GmbH.
◆◆ RWTextilservice: Welche Fragen stellten die Besucher?
Michael Wolf: Es ging viel um das Wärmepumpenprinzip. Die Verbraucher sind durch das EU-Energielabel sensibilisiert. Aber was für eine Technik dahintersteckt, dass wussten viele nicht.
RWTextilservice: 1958 war der erste Wäschetrockner auf dem Markt. Welche Technik verwendeten die ersten Trockner?
Michael Wolf: Sie funktionierten nach dem Abluftprinzip. Das heißt, Luft wurde angesaugt, über eine Heizung erwärmt und dann durch eine Trommel geleitet. Die Trommel hat rotiert - aber damals nur in eine Richtung. Dann wurde die Luft über das Abluftrohr wieder ausgeblasen. Das Grundprinzip ist bis heute gleich geblieben.
Bei den ersten Ablufttrocknern musste man noch die Zeit vorwählen. Jetzt gibt es die elektronische Feuchtigkeitsmessung. Das Gerät kontrolliert kontinuierlich den Feuchtigkeitsgrad und schaltet ab, wenn die gewählte Trockenstufe erreicht ist.
RWTextilservice: Welcher technische Schritt wurde hin zu einem wassergekühlten Kondensationstrockner gemacht?
Michael Wolf: Das ist ein erheblicher Sprung, denn sie haben zwei getrennte Kreisläufe. Zum einen gibt es den Prozessluftkreislauf, das ist die Luft, die ständig durch die Wäsche geblasen wird und die Feuchtigkeit aufnimmt. Dann gibt es den Kühlluftkreislauf. Das heißt, es wird Luft vom Raum angesaugt und über einen Wärmetauscher geschickt, damit aus der Prozessluft das Wasser kondensieren kann. Das Wasser wird in einem Behälter gesammelt und geht nicht in die Raumluft.
Diesen Kondensationsprozess haben die ersten Trockner mit Wasser gemacht. Diese Geräte benötigten wie eine Waschmaschine einen Wasseranschluss und -abfluss und haben mehr als 80 l Wasser für einen Trockengang gebraucht. Der technologische Fortschritt waren Trockner, die nur einen Stromanschluss brauchten. 1971 stellte die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) den ersten Trockner vor, der mit der Raumluft kühlte.
RWTextilservice: Was unterscheidet einen Wärmepumpentrockner von vorhergehenden Modellen?
Michael Wolf: Der Unterschied ist, dass es keinen richtigen Kühlkreislauf gibt. Die Kondensation wird durch eine Kühleinheit eingeleitet. Im Prinzip funktioniert ein Wärmepumpentrockner genauso wie ein Kühlschrank. An dem Kompressor gibt es eine warme Seite und einen kalten Bereich. Die Luft wird durch die Wäsche geschickt. Die warme Prozessluft kühlt danach am Wärmetauscher ab und die Feuchtigkeit kondensiert.
Ein Gebläse und Heizstäbe heizen die Luft wieder auf. Die warme, trocke Luft wird wieder in die Trommel geleitet. Insgesamt benötigt der Trockner nur noch die Hälfte der Energie, die normalerweise eine elektrische Heizung verbraucht.
RWTextilservice: Kann heute Wolle tatsächlich in den Trockner?
Michael Wolf: Das geht. Die Wolle wird bei uns mit höherer Drehzahl - bei ungefähr 80 Umdrehungen - getrocknet. Bei dieser hohen Umdrehungszahl legen sich die Wollpullover direkt an die Trommelwand und bleiben dort. Wir müssen vermeiden, dass die Wolltextilien fallen, weil sie sonst einen Schrumpf bekommen.
Normalerweise trocknet man Wolle flach auf einem Wäscheständer. Das Gleiche passiert im Trockner. Die Wäsche wird flach an die Trommelwand angedrückt und durch den vorbeiwehenden warmen Wind bei 40 bis 50 °C getrocknet. Ein Kilo, also zwei bis drei Wollpullover, können gemeinsam getrocknet werden. Je nach Dicke dauert das eineinhalb bis zwei Stunden.
RWTextilservice: Wie werden sich Trockner weiterentwickeln?
Michael Wolf: Energiesparen wird weiterhin ein Thema bleiben. Durch optimierte Kreisläufe wird man im Bereich Wärmepumpentrockner versuchen; den Energieverbrauch weiter zu senken.
Es werden mehr Spezialprogramme für empfindliche Textilien angeboten werden, damit man die gesamte Wäsche im Trockner trocknen kann. ◁ Christina Geimer