Petrusheim, Weeze, und Textil-Service Kork, Kork Ganz besondere Arbeitsplätze

Dass gehandicapte bzw. Menschen in besonderen Lebenslagen wertvolle Arbeitskräfte sind, ihnen durch eine Aufgabe Selbstvertrauen gegeben und Perspektiven aufgezeigt werden können, zeigen die Beispiele zweier Wäschereien: Die hausinterne Wäscherei des Petrusheims in Weeze und das Integrationsunternehmen Textil-Service Kork. RWTextilservice besuchte die zwei Textilpflegebetriebe.

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    Textil-Service Kork: Einfache Wäschesortierung mit intelligentem Scan-System.
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    4 Die Zuordnung zum Wohnbereich wird durch Lichtschranken erleichtert.
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    1 Im Petrusheim Weeze erfolgt die Zu­ordnung der Textilien über den Namen des Bewohners und des Wohnbereichs.
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    2 Trennung von unreiner zur reinen Seite erfolgt in Weeze über eine Durchreiche. Fotos: Jussen
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    3 Bei TSK in Kork stehen Waschschleudermaschinen mit Trennwandlösung. Foto: TSK
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    Die Mitarbeiter bei TSK sind stolz auf ihren Arbeitsplatz am ersten Arbeitsmarkt.

3 Das Petrusheim in Weeze am Niederrhein nahe der holländischen Grenze ist die älteste Einrichtung des Rheinischen Vereins für Katholische Arbeiterkolonien. Der Name des Vereins lässt sowohl Rückschlüsse auf seine Gründungszeit als auch auf die Idee dahinter zu. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnete der Ausdruck Arbeiterkolonie soziale Einrichtungen für arme Wanderarbeiter und Obdachlose. Wanderarbeiter gibt es heute nicht mehr in dem Sinne wie vor mehr als 100 Jahren, aber dennoch Menschen, die hilfsbedürftig und ohne Heimat sind. So hat sich das Angebot des Rheinischen Vereins der Zeit angepasst und bietet Menschen in besonders schwierigen Lebenssituationen einen Schutzraum, die Chance für einen Neubeginn sowie einen Altersruhesitz. Die heutigen Bewohner des Petrusheims sind alte und heimatlose Menschen ebenso wie Suchtkranke, die psychische Hilfe und einen Ort der Geborgenheit benötigen, um sich langsam wieder in die Gesellschaft integrieren zu können.

Den Bewohnern bietet das Petrusheim diverse Möglichkeiten, ganz ihren Fähigkeiten entsprechend, einer sinngebenden Beschäftigung nachzugehen. Es gibt mehr als 20 verschiedene Arbeitsangebote, z.B. in einer Schreinerei. Weiter werden die Bewohner auch in Bereiche der Einrichtung integriert, die in dem dorfähnlichen Anwesen der Selbstversorgung dienen. Das Petrusheim bewirtschaftet z.B. einen landwirtschaftlichen Betrieb mit angeschlossener Metzgerei. Auch die Gebäudereinigung und eine hauseigene Wäscherei gehören dazu. Hier werden die Privatgarderobe der Bewohner ebenso wie ihre Frotteewäsche und die Textilien für die Gebäude­reinigung gepflegt. Sonstige Gebrauchswäsche wie Bettwäsche etc. bearbeitet der externe Partner, die Wäscherei Brüx im nahegelegenen Sonsbeck.

Wäscherei als Integrationsfirma

Auch hinter der Textil-Service Kork gGmbH (TSK) im baden-
württembergischen Ortenaukreis steckt eine soziale Grundidee. Bei der Wäscherei handelt es sich um eine Integrationsfirma. Das bedeutet, dass mindestens 40 Prozent der Mitarbeiter eine Behinderung haben – ganz verschiedener Art und Schwere. Sie arbeiten mit den Nichtbehinderten zusammen. Der Integrationsbetrieb wurde nach der Schließung der hauseigenen Wäscherei der Diakonie Kork, die nur wenige hundert Meter von dem jetzigen Standort der TSK entfernt war, gegründet und im Juli 2014 in Betrieb genommen. Dort wurde die Wäsche aus den angegliederten Einrichtungen der Diakonie (ein Epilepsiezentrum mit Kliniken, Schulen, Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Wohn- und Betreuungsangebote) bearbeitet. Die alte Wäscherei erwies sich aber als zu eng und die technische Ausstattung war veraltet. Die ersten Überlegungen, den Betrieb einzustellen und die Wäscheversorgung extern zu regeln, wurden verworfen. Mit der Gründung der Integrationsfirma, gemeinsam mit dem gewerblichen Partner, der Textil-Service Ilse GmbH aus Baden-Baden für den Hygienewäscheservice, als gGmbH fand man eine Alternative.

So wird nun bei TSK die Privatwäsche der Bewohner im Wohnverbund der Diakonie Kork, die Frotteewäsche, Reinigungstücher und Mopps aus der eigenen Gebäudereinigung sowie Gardinen und Vorhänge bearbeitet. Die Art der Wäsche unterscheidet sich in den beiden Einrichtungen also nicht wesentlich. Das Wäscheaufkommen ist mit rund 400.000 kg im Jahr in Kork alledings gut doppelt so hoch wie in Weeze: Im Wohnverbund Kork betreut TSK 345 Bewohner wäschetechnisch. Im Petrusheim kommt die Wäsche von knapp 200 Bewohnern des Altenheims zusammen.

Verantwortung und Struktur

Neben der Wäschemenge gibt es andere Unterschiede der beiden Wäschereien, z.B. in der personellen Struktur: In Weeze arbeiten zwei angestellte Vollzeitkräfte. Sie werden unterstützt von vier bis fünf Bewohnern des Petrusheims. Die Bewohner holen die bereits durch das jeweilige Pflegepersonal vorsortierte Wäsche aus den verschiedenen Wohnbereichen ab und verrichten weitere leichte Arbeiten in der Wäscherei. Sie arbeiten zu Beginn ihres Aufenthaltes im Petrusheim lediglich eine Stunde bis maximal 1,5 Stunden täglich. „Die Bewohner bei uns haben seit langer Zeit kein strukturiertes Leben mehr. Längere Arbeitszeiten sind zunächst für sie undenkbar. Aber durch die verschiedenen Arbeitsangebote, wie in der Wäscherei, können sie sich ausprobieren, qualifizieren und langsam zurück zu einem geregelten Tagesablauf finden“, erklärt Gisela Lauckner, Hauswirtschaftsleiterin des Pflege- und Wohnheims und zuständig für die Wäscherei.

Anders läuft es in Kork: In der TSK sind derzeit 16 Mitarbeiter ohne und sieben mit Behinderung beschäftigt. „Wir sind ein Unternehmen des ersten Arbeitsmarktes“, erklärt Betriebsleiterin Barbara Baria. Das bedeutet, dass auch die Mitarbeiter mit Handicap einen vollen Arbeitstag bestreiten, genau wie die Kollegen ohne Behinderung. „Insbesondere den Mitarbeitern mit Behinderung bedeutet dies viel, denn die Integrationswäscherei bietet ihnen Arbeit an sogenannten Echtarbeitsplätzen“, berichtet Baria.

Aber nicht nur darauf sind sie stolz, sondern auch auf ihren Neubau. Bei TSK kann die Wäsche unter hochmodernen Bedingungen gekennzeichnet, sortiert, gewaschen, gebügelt, gefaltet, kommissioniert und verpackt werden. Bei der Neuplanung konnten die Arbeitsplätze für alle optimal gestaltet werden: räumlich, technisch, ergonomisch und energetisch. So wurde z.B. gemeinsam mit ThermoTex ein Scan-Verfahren eingeführt, das eine einfache Zuordnung der Wäscheteile ermöglicht. Auf dem Code sind nicht nur die erforderlichen Daten des Besitzers des Wäschestücks hinterlegt, sondern auch das Waschverfahren für das jeweilige Teil. Wird das Wäschestück nun gescannt, leuchtet an einem Wäschebehälter ein Licht auf. Die Behälter sind dem jeweiligen Waschverfahren zugeordnet und so findet das Teil den Weg in die richtige Trommel einer der neuen Waschschleudermaschinen mit Trennwandlösung von Vega und später in den Miele-Trockner. Die Zuordnung zum Wohnbereich erfolgt ebenfalls über eine Lösung mit Licht. Wieder wird das Teil gescannt und im richtigen Fach leuchtet ein Licht. Eine Lichtschranke erkennt, ob es auch dort abgelegt wurde, wo es hingehört. Ist das nicht der Fall, warnt eine rote Lampe. Dabei wird die Wäsche bewohnerbezogen sortiert und kann später an die Endkunden geliefert werden.

„Der Anteil der Handarbeit ist bei uns groß und die Einschränkungen der behinderten Mitarbeiter unterschiedlich. Diese neuen Arbeitsbedingungen helfen uns sehr und wir freuen uns, dass wir das ,Projekt‘ TSK mit der Unterstützung der Gelder aus der Aktion Mensch, des Integrationsamts des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg und aus Eigenmitteln verwirklichen konnten“, verrät Elke Ruf, Geschäftsführerin der Integrationsfirma.

Das Glück, eine neue Wäscherei in Weeze gestalten zu können, hatte das Petrusheim bisher nicht. Dennoch ist die Wäscherei bestens organisiert: Die Textilien werden mit dem Namen des Bewohners gepatcht. Zur Rücksortierung hat jeder sein eigenes Fach, das ebenfalls mit dem Namen versehen ist. Die Fächer sind wiederum in die vier Wohnbereiche des Altenheims eingeteilt, die mit Namen und Farbe markiert sind. Gewaschen wird in drei Electrolux-Waschschleudermaschinen. Die Trennung der unreinen zur reinen Seite ist mit einer Durchreiche realisiert. Hinter der Glaswand stehen Trockner von Passat. Gefinished wird in der Weezer Wäscherei an zwei Handbügelplätzen und mit einer Mangel für die Flachwäsche. In Kork hingegen hatte man im Zuge des Neubaus die Möglichkeit, sich zur optimalen Gestaltung des Finishbereichs von der Ziermann GmbH aus Sasbach beraten zu lassen und moderne Geräte aus dem Hause Veit anzuschaffen. Hier ist man mit einem Universalfinisher, einem Hemdenfinisher und einer Kragen- und Manschettenpresse ausgestattet.

Zur Ausstattung im Petrusheim sagt Geschäftsführerin Beate Jussen: „Wir sind uns darüber im Klaren, dass unsere Technik in der Wäscherei nicht auf dem neusten Stand ist. Sicher hätten wir auch gerne Waschschleudermaschinen mit Trennwandlösung und modernste Bügeltechnik. Aber noch kommen wir auch so gut klar, alles erfüllt seinen Zweck. Das wichtigste ist für uns, dass wir auch in der Wäscherei den Bewohnern eine Möglichkeit geben können, sich einzubringen.“