Wäscherei Flesch GmbH, Eisenberg Strategie der kurzen Wege

Nicht durch Expansion, sondern durch Verdichtung und den geschickten Einsatz ressourcenschonender Maßnahmen gelingt es Jörg Bornschein, die alteingesessene Wäscherei Flesch im ostthüringischen Eisenberg wieder in sicheres Fahrwasser zu navigieren.

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    „Durch die Umstellung von Öl- auf Gasbetrieb haben wir nicht nur die Energieeffizienz wesentlich verbessert, sondern auch 20 m 3 Betriebsraum hinzugewonnen“, erzählt der Wäschereigeschäftsführer Jörg Bornschein.
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    Moderne Technologie in der Wäscherei Flesch: Durch die Installation eines Datamatrix-Systems wurden der Zeitaufwand für die Teilekennzeichnung und die Fehlerquote auf ein Minimum reduziert. Fotos: Wylegalla
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    Durch die Installation eines Datamatrix-Systems wurden der Zeitaufwand für die Teilekennzeichnung und die Fehlerquote auf ein Minimum reduziert.

3 Wie können Unternehmer einen Betrieb ausbauen und die Rentabilität sichern? Viele Firmenchefs setzen dabei auf Expansion – doch es geht auch anders, wie das Beispiel der Wäscherei Flesch zeigt. Jörg Bornschein erwarb das Unternehmen in Eisenberg vor 13 Jahren. „Der Betrieb ist im Jahr 1900 gegründet, nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht und nach der Wiedervereinigung in Familienbesitz zurückgeführt worden“, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter. Mit der Wende brach der Kundenstamm größtenteils weg, daher begann die damalige Inhaberin und Textilreinigermeisterin Flesch nach der Reprivatisierung fast bei null. Doch es gelang ihr, den Betrieb Schritt für Schritt wieder aufzubauen. Als sie ihn an Jörg Bornschein übergab, wurde täglich rund 1 t Wäsche verarbeitet.

Nach der Übernahme verbesserte und sicherte Bornschein zunächst die Rentabilität des Betriebs. Neben der Akquise neuer Aufträge zur besseren Kapazitätsauslastung war auch die Entwicklung einer neuen Unternehmensphilosophie erforderlich. „Anstatt auf Expansion zu setzen, entschied ich mich damals für eine Strategie der kurzen Wege“, berichtet der Unternehmer. Eisenberg ist die Kreisstadt des ostthüringischen Saale-Holzland-Kreises mit insgesamt 84.000 Einwohnern, 11.000 davon leben in Eisenberg und den Ortsteilen. Gera als zweitgrößte und die Universitätsstadt Jena als drittgrößte Kommune Thüringens befinden sich innerhalb des Einzugsgebiets im Umkreis von 35 km. Ebenso nahe gelegen sind Naumburg in Sachsen-Anhalt und andere Kommunen mit interessanten Märkten. Durch die regionale Begrenzung des Firmenauftritts sind die Transportkosten überschaubar. „Die Maut und andere brisante Themen rund um die Logistik berühren mich überhaupt nicht“, erklärt Jörg Bornschein. Mittlerweile beträgt das Produktionsvolumen 3 bis 4 t pro Tag. Die Leistungspalette reicht von der Haushaltswäsche und der Pflege persönlicher Schutzausrüstung (PSA) über einen Reinigungstextilien- und Schmutzfangmattenservice bis hin zur Hotelwäsche. Die Bedeutung der Pflege von Flach-, Objekt- und Bewohnerwäsche für Seniorenheime sowie für Kliniken, Praxen und medizinische Versorgungszentren nimmt zu. Sämtliche Waschprozesse erfüllen die strengen Kriterien der Hygienewäsche.

Um- und Aufrüstung des Betriebs

Im technischen Bereich setzt der Unternehmer auf bedarfsorientierte und durchdachte Erneuerungsmaßnahmen, die den Betrieb voranbringen: „Angesichts der rasanten technischen Entwicklung hätte ich die Wäscherei komplett neu einrichten können. Ein Austausch des gesamten Maschinenparks wäre aber für mich weder finanzierbar noch aus technologischer Sicht notwendig gewesen“, erinnert sich Bornschein. Bei der Betriebsübernahme vor 13 Jahren stellte sich die Frage, ob die Installation einer neuen Waschstraße die Rentabilität des Betriebs wesentlich verbessern könnte. Der Unternehmer entwickelte indessen eine Alternative: „Die ehemalige Eigentümerin hatte erst wenige Jahre zuvor in Waschtechnik von Seibt + Kapp investiert. Ich ließ die robusten Maschinen mit einem Wasserrückgewinnungssystem aufrüsten und konnte dadurch den Wasserverbrauch von 10 l/kg auf 6 l/kg senken“, erzählt Bornschein. Da das letzte Spülwasser vorgewärmt in den nächsten Waschprozess eingespeist wird, war diese Maßnahme auch aus energetischer Sicht sinnvoll. Die zunehmende Nachfrage aus den Seniorenheimen drohte vor neun Jahren, das Finishing überzubelasten. Abhilfe schaffte die Installation eines Tunnel­finishers mit einer Stundenleistung von 200 Teilen sowie einer Frotteefaltmaschine – beide Maschinen von Kannegiesser. Für die Mitarbeiter gab es nun anspruchsvollere Aufgaben: „Als nächsten Optimierungsschritt hatte ich die Umstellung der Teilekennzeichnung auf ein Datamatrix-System vorgesehen“, sagt Bornschein. Durch den Einsatz eines Kennzeichnungssystems auf RFID-Basis von der Firma Sense-IT Jena.Ident konnten sowohl der Zeitaufwand als auch die Fehlerquote wesentlich reduziert werden. Die elektronische Erstellung von Lieferscheinen und Rechnungen entlastete auch die Verwaltung erheblich.

Im vorigen Jahr erfolgte mit der Umstellung von Öl- auf Gasbetrieb die wichtigste Maßnahme zur Verbesserung der Energieeffizienz. Der Unternehmer kann hierdurch nicht nur günstiger Energie einkaufen, sondern gewinnt zusätzlich 20 m3 Betriebsraum. Bereits 2013 hatte er auf dem Dach eine Photovoltaikanlage mit einer Leistungskapazität von 13 kW/h installieren lassen. Wird der selbst produzierte Strom in der Woche komplett für den Eigenbedarf verbraucht, so speist Jörg Bornschein ihn an den Wochenenden in das öffentliche Netz ein. Nach seinen Schätzungen wird sich die Anlage in nur vier Jahren amortisiert haben. Die Stromlieferungen von den Stadtwerken reduzierten sich um zehn Prozent. Durch eine Blindstromkompensation senkte der Unternehmer die Stromkosten weiter. LED-Leuchten rechnen sich zumindest in seinem Betrieb aus heutiger Sicht noch nicht: „Wir haben sehr günstige Tageslichtverhältnisse und bei Bedarf können wir unseren Betrieb ausreichend und kostengünstig mit Leuchtstoffröhren beleuchten.“

Einsparpotenzial ausschöpfen

Der geschäftsführende Gesellschafter hat zwar nahezu alle Möglichkeiten zur Optimierung der Energiegewinnung ausgereizt, er sieht dennoch für Energiesparmaßnahmen in einzelnen Maschinen Potenzial: „Demnächst werde ich die Wäschetrockner von  Dampf- auf Gasbeheizung umstellen, um durch die Direktbeheizung noch mehr Energie einzusparen“, verrät Bornschein. Die frei gewordene Dampfstrecke wird dann zur Waschanlage umgeleitet, um auch deren Energiebedarf zu senken. Der dritte Dampfstrang wiederum soll künftig die Waschanlage mit Brüdendampf versorgen. „Durch die Umstellung von Frischdampf auf Brüdendampf erwarte ich eine Senkung von 1,4 W/kg auf 0,8 W/kg“, prognostiziert der Unternehmer.

Auch bei der Gestaltung der betriebsinternen Logistik und beim Handling gibt es Einsparpotenzial. So wird Bornschein z.B. noch in diesem Jahr in der Expedition das Wäscheregal gegen einen mit wenigen Handgriffen zu beschickenden Paternoster austauschen. „Ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil ist die körperliche Entlastung unsere Mitarbeiter“, unterstreicht der Unternehmer.

Seit wenigen Monaten werden die Kunden mit neuen Transportern beliefert. Die Fahrzeuge sind aufgrund ihrer Ladekapazität flexibler einsetzbar als ihre Vorgänger. Anstatt Wäsche in Paketen auszuliefern, wurde vor geraumer Zeit auch für kleinere Posten das System „Container gegen Container“ eingeführt.

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