Textilreinigung ist Handwerk. Um es zu beherrschen, muss man sich mit Maschinen und Lösungsmitteln auskennen. Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es seit neuestem an der „BÖWE Academy“ in Sasbach. Erstmals fand dort nun ein Sachkundelehrgang nach BGR 500 statt.

3 Der Beruf des Textilreinigers gehört seit der Novellierung der Handwerksordnung im Jahre 2004 zu den zulassungsfreien Handwerken. Das bedeutet, dass eine Meisterqualifikation nicht mehr nötig ist, um einen Betrieb zu eröffnen. Ganz ohne Sachkunde geht es aber nicht. Gabriele Drechsler weiß das genau. Sie ist Textilreinigermeisterin mit eigenem Betrieb in Feucht bei Nürnberg, Berufsschullehrerin in Nürnberg und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Textilreinigerhandwerk: Zum einen kann nur ausreichend geschultes Personal Qualität produzieren und somit das Vertrauen der Kundschaft gewinnen. Zum anderen ist auch Sachkunde erforderlich, um sich selbst und die Umwelt bei der Bedienung und Wartung von Chemischreinigungsanlagen nicht in Gefahr zu bringen. Genau diese Sachkunde war Inhalt des von Drechsler gehaltenen Tagesseminars am 13. Juni 2015, das gemeinsam mit der BÖWE Textilcleaning GmbH in Sasbach veranstaltet wurde. Denn auch dem Geschäftsführer des Textilreinigungsmaschinenunternehmens aus dem Schwarzwald, Frank Ziermann, ist daran gelegen, dass ausreichende Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung von Personal in der Textilreinigung zur Verfügung stehen. Ziermann hat deshalb eigens die „BÖWE Academy“ ins Leben gerufen. Im gut ausgestatteten Schulungsraum der Academy fand auch der Sachkundelehrgang statt. Weitere Lehrgänge und Workshops wie zu textiler Warenkunde sollen folgen.
17 Wissbegierige mit unterschiedlichen Erfahrungen, Profilen und Bildungsabschlüssen kamen Mitte Juni nach Sasbach und gingen am Abend mit dem Zertifikat „Sachkundige/r für die Bedienung und Wartung von Chemischreinigungsanlagen“ wieder nach Hause. Alle hatten das gleiche Ziel: Die Teilnahme an einem berufsgenossenschaftlich anerkannten Ausbildungslehrgang zur Erlangung der nach der berufsgenossenschaftlichen Vorschrift für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (BGR) erforderlichen Sachkunde für die Bedienung und Wartung vom Chemischreinigungsanlagen, die mit KWL bzw. Per betrieben werden.
In einer Powerpoint-Präsentation brachte Dechsler den Teilnehmern die Zusammenhänge in Bezug auf die Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften näher, die in Kapitel 2.14 „Betreiben von Chemischreinigungen“ der BGR 500 stehen. So ganz neu waren die Inhalte den Teilnehmern aber nicht, denn sie mussten bereits Vorarbeit leisten. „Die Vermittlung ausreichender Sachkenntnisse für den Umgang mit beiden Lösungsmitteln, Per und KWL, ist an einem Tag nicht möglich“, sagt die Dozentin. So erhalten die Teilnehmer bereits sechs Wochen vor dem Lehrgang die Schulungsunterlagen. Erstmalig kam die überarbeitete Neuauflage 2015 der DTV-Schriftenreihe Nr. 25 „Textilreiniger/-in – das Fachbuch für Textilreinigung, Wäscherei und Textilservice“ zum Einsatz. „Die Teilnehmer müssen sich vorab mit dem Stoff auseinandersetzen und erhalten dann Arbeitsblätter, die sie ausgefüllt an mich zurücksenden müssen. Die Ergebnisse der Tests erhalten sie bereits vor dem Kurs, so dass allen die möglichen Defizite bereits bewusst sind und auf konkrete Fragen eingegangen werden kann.“ Den Tag hatte Drechsler in drei Themengebiete geteilt.
1. Die Lösungsmittel: Auf Per und KWL ging das Seminar intensiv ein; aber auch die neuen Lösungsmittel wie Cyclosiloxan, Dibutoxymethan, Higlo etc. wurden kurz angesprochen. Nicht jedem war bis dato klar, dass aufgrund der chemischen Struktur Per immer gleich ist, KWL von Lieferant A sich aber von dem von Lieferant B durchaus unterscheiden kann. Es ging außerdem um die unterschiedlichen Oberflächenspannungen der beiden Lösungsmittel und, wie wichtig die Kenntnis darüber bei Störfällen und Reparaturen an der Maschine sind und welche Auswirkungen die Chemikalien auf den Organismus des Menschen haben. Weiter wurden die unterschiedlichen Schmutzarten benannt und erläutert, welcher Schmutz sich worin besser löst und warum. Der Satz „Gleiches löst Gleiches“ durfte da natürlich nicht fehlen. Im Zusammenhang mit den Lösungsmitteln gab es auch eine Erklärung der Pflegesymbole.
2. Die Maschinen: Die Baugruppen und wichtigen Einzelteile der Maschinen erläuterte Drechsler nicht nur anhand der Powerpoint-Präsentation; an den diversen, in der „BÖWE Academy“ zur Verfügung stehenden Maschinen konnte alles live demonstriert werden. Den Aufbau und die Funktion von Reinigungs-, Trocken-, Rückgewinnungs- und Destillationssystemen verstanden die Teilnehmer dadurch schnell.
3. Die Maschinenabläufe: Läuft die Maschine nicht korrekt, kann es zu Betriebsstörungen kommen. Nachlässigkeiten beim Säubern der Maschine, ein verstopfter Nadelfänger, nicht mehr ausreichend funktionsfähige Dichtungen etc. können dazu führen. Treten Betriebsstörungen auf, liegt die Priorität darauf, dass kein Lösungsmittel in die Umwelt gelangt. Drechsler erläuterte ausführlich, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, um schnell auf Störungen reagieren und weitere Schäden vermeiden zu können. Ein wichtiger Hinweis in diesem Zusammenhang gilt auch der Unterweisung der nicht sachkundigen Mitarbeiter und Kenntnis über die klaren Verantwortungsbereiche: Denn nur ein Sachkundiger darf neben dem Be- und Entladen und dem Starten der Maschine auch mit offenem Lösungsmittel umgehen und zum Beispiel den Nadelfänger reinigen.