Am 26. Juni 2015 trafen sich internationale Teilnehmer zum Innovationstag Textilpflege auf Einladung von CHT/BEZEMA in der Schweiz. Neben Informationen zu neuen Produkten und der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens standen auch Fachvorträge zu Hygiene und Energie auf dem Programm.
3 Strahlenden Sonnenschein hatte CHT/BEZEMA für seine Gäste bestellt. Wie schon beim Textilpflegesymposium vor zwei Jahren lud der Chemiehersteller an die Niederlassung in Montlingen. Bei bestem Wetter gab es neben Schweizer Bergidylle auch fachlich Interessantes für die Teilnehmer.
Natal Hasler, Global Sales Director der BEZEMA AG, begrüßte die Gäste, die aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn und Tschechien angereist waren. In seiner Einführung betonte er, was eine Firma wie CHT/BEZEMA braucht: Erfolgreiche Kunden und eine enge Beziehung zu diesen; qualifizierte, motivierte Mitarbeiter; Produkte, die mit der Zeit gehen und nachhaltiges Wirtschaften ermöglichen. „Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital. Informiert, motiviert und hochqualifiziert tragen sie zum Erfolg unseres Unternehmens bei. Damit sichern sie nicht nur unseren Erfolg, sondern auch den unserer Kunden“, sagte Hasler.
Prince Charles Stevens, Leiter des Geschäftsfelds Textilpflege, stellte die CHT/BEZEMA-Gruppe vor und erläuterte die Entwicklung seines Bereichs (siehe Kasten „Textilpflegesegment wächst“). „Mit unserer Leitlinie ,One Company‘ haben wir uns das Ziel gesetzt, als integriertes, globales Chemieunternehmen unsere Kräfte zu bündeln“, so Stevens. Firmenphilosophie in allen Geschäftsbereichen sei es, offen und partnerschaftlich mit Kunden, Kollegen und Lieferanten zusammenzuarbeiten. Ständige Innovationen und Weiterentwicklungen gehören ebenfalls zum Credo. „Immer einen Schritt voraus, das ist unser Motto.“
Das gilt auch für den Bereich Textilpflege. Eine aktuelle Entwicklung bei CHT: Waschen ohne Chlor und Peressigsäure. Das war das Thema von Ender Yigitdöl, Leiter technischer Service Textilpflege. Ziel des Unternehmens ist es, Produkte anzubieten, die allen Anforderungen zum Thema Nachhaltigkeit gerecht werden: Sie sollen die Umwelt nicht belasten bzw. wenn möglich aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sein; der Anwender soll nicht belastet werden; außerdem sollen die nachhaltigen Produkte wirtschaftlich keinen Nachteil bzw. in der Gesamtbetrachtung sogar Vorteile für den Kunden bieten. In der Textilpflege gebe es bereits nachhaltige Produkte von CHT: „Das Waschmittel Beiclean natural beispielsweise basiert auf Tensiden, die zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden“, erläuterte Yigitdöl. Die Mission 2016 heißt für CHT: Smart Blue Active. Peressigsäure- und chlorfrei will man damit in die Zukunft gehen. Das neue System bringe einige Vorteile mit sich: Geringere Faserschädigung, höherer Weißgrad, Werterhalt der Textilien, kein AOX (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) im Abwasser, weniger Alkali in der Vorwäsche sowie geringere Waschtemperatur in der Vorwäsche. Auch Handling und Lagerung seien erleichtert beim peressigsäure- und chlorfreien Waschsystem.
Praxistests mit neuen Produkten
Mathias Österle, Leiter technischer Service Textilpflege, erklärte die Funktionsweise von Smart Blue Active. Das System arbeite mit einer Boostertechnologie, die sehr gezielt und ab 40 °C wirke. In Kombination mit dem neuen Produkt „CHT Enzyme“ habe das System bei Tests bereits überzeugt. Anhand eines Praxisberichts zeigte Österle bei weißer Tischwäsche, dass bei weniger Chemieverbrauch eine geringere Warenschädigung nachgewiesen wurde. Die Praxistests hätten auch ergeben, dass nicht mehr Nachwäschen als vorher (mit Chlor) angefallen waren und auch bei den Abwasseranalysen kein negativer Einfluss von Smart Blue Active bzw. den Enzymen zu erkennen war. Das Arbeiten ohne Peressigsäure und Chlor habe nicht nur beim Handling in der Wäscherei Vorteile, sondern ermöglicht es den Betrieben auch, sich für künftige Marktanforderungen zu rüsten, betonte Österle. Die Markteinführung für Smart Blue Active sei zur Texcare International 2016 geplant.
Detlef Fischer, CEO von BEZEMA, berichtete über die Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmensgruppe CHT/BEZEMA: „Nachhaltigkeit wird oft mit Umweltfreundlichkeit gleichgesetzt. Für uns ist Nachhaltigkeit viel mehr als das. Wir berücksichtigen bei allen unseren Entscheidungen alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales.“ Verantwortung übernehme man nicht nur für den Schutz und die Sicherheit von Menschen und Umwelt. Mit einem profitablen und nachhaltigen wirtschaftlichen Wachstum wolle man die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern und damit Arbeitsplätze erhalten und schaffen. Die CHT/BEZEMA-Gruppe ist in Privatbesitz zweier Stiftungen, der Beitlich Familienstiftung und der gemeinnützigen Reinhold Beitlich Stiftung. Es war laut Fischer der ausdrückliche Wunsch des Stifters Reinhold Beitlich, dass Arbeitsplätze im Unternehmen gesichert werden sollen. Die Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt ist in den Stiftungen verankert. „Nachhaltigkeit heißt für uns auch, weitsichtig zu handeln, vorauszuschauen und vorzusorgen – sowohl mit einem nachhaltigen Sortiment als auch in vertrauensvollen Beziehungen zu unseren Stakeholdern“, sagte Fischer.
Waschen bei 40, 70 und 90 °C
Wie auch Wäschereien nachhaltig arbeiten können, erfuhren die Teilnehmer von Energieberater Dieter Oppenhäuser. Er hatte eine gesamtenergetische Betrachtung mitgebracht zum Waschen bei 40, 70 und 90 °C. Der Experte erklärte zunächst das Messverfahren bzw. die Messpunkte. Ziel der Untersuchungen in der Praxis war eine exakte Energiebilanz über einzelne Bereiche. Anhand zahlreicher Grafiken zeigte Oppenhäuser auf, welche Vorteile ein 70- bzw. 90-°C-Waschverfahren gegenüber einem mit 40 °C haben kann. So waren z.B. die Stillstandszeiten bei 70 °C geringer, da die Mangel aufgrund geringerer Restfeuchte schneller laufen kann. Bei 40 °C betrug der Feuchtigkeitsgehalt etwa 95 Prozent bzw. 67 Prozent (je nach Material und Webart) nach der Pressung. Bei 70 °C waren es 56 Prozent, bei 90 °C 64 Prozent; also insgesamt bis zu 48 Prozent Feuchtedifferenz. Auch beim Brenner waren laut Oppenhäuser Unterschiede feststellbar. Beim 70-°C-Verfahren war nach dem Hochheizen am Morgen kein Zuschießen von Energie mehr nötig. „Der Betrieb konnte schneller produzieren und brauchte weniger Chemie“, berichtete der Experte. Über den Tag war ein sinkender Gasverbrauch festzustellen, beim
40-°C-Verfahren ein steigender. Oppenhäuser betonte: „Im Betrieb wurden keine weiteren Anpassungen vorgenommen, es wurde lediglich die Waschtemperatur verändert.“ Nicht nur der Gasverbrauch, auch der Wasserverbrauch sank signifikant bei 70 °C. Die Takte auf der Waschstraße dagegen stiegen, ebenso die Mangelgeschwindigkeit. Eine höhere Sicherheit in Sachen Mikrobiologie und ein höherer Weißgrad bringen die höheren Temperaturen laut Oppenhäuser ebenfalls mit sich.
Sicher entkeimen und dosieren
Sicherheit in Sachen Hygiene war das Thema von Jennifer Stevens von der Zöllner GmbH. In ihrem Vortrag „Licht an, Keime aus“ berichtete sie über Desinfektion mittels UV-C. Das Licht hat in einer bestimmten Wellenlänge eine keimtötende Wirkung. Diese Methode sei z.B. bei der Trinkwasseraufbereitung weit verbreitet. Aber auch in Textilpflegebetrieben kann UV-C-Licht an verschiedenen Stellen zur Oberflächendesinfektion eingesetzt werden. Möglichkeiten der UV-C-Entkeimung gibt es für folgende validierte Praxisanwendungen: Lkw-Ladeflächen, sämtliche Förderbänder, Prozesswasser, für die Pressenrutsche an der Taktwaschanlage, für das Förderband vom Presskuchen an der Taktwaschanlage, für die Entkeimung der Luft sowie für Wäschecontainerschleusen. Vorteile der UV-C-Methode sind u.a.: Kontinuierliche, lückenlose Desinfektion, kein Umgang mit Desinfektionsmitteln, keine Belagsbildung (wie bei manchen chemischen Mitteln), keine Ausfallzeiten, kein Personalaufwand. Nach der Mittagspause konnten sich die Gäste die UVC-Entkeimungstechnik der sterilAir GmbH aus Konstanz genauer ansehen.
Ebenso hatte Edgar Häusle von Permatech Anschauungsmaterial dabei. Die Schweizer Firma aus Rüthi bietet Technik zur vollautomatischen Dosierung von Flüssigkeiten und Chemikalien. Zu sehen war in Montlingen zum einen die Lösung smartDOS, ein kompaktes Flüssigdosiersystem. Die Dosierung erfolgt ohne Pumpe mittels Venturi-Prinzip. Durch exakte Dosierung soll eine Waschmittel- und damit auch Kosteneinsparung möglich sein. Zum anderen hatte Häusle das Dosiersystem pDOSm für Waschmaschinen und Waschstraßen dabei. Das kompakte System besteht aus einem Dosier- und einem Steuerschrank und eigne sich für die platzsparende Wandmontage. Auch hier verspricht Häusle aufgrund der Systemarchitektur, des Verfahrens und durch die Verwendung hochwertiger Durchflussmesser eine hohe Dosiergenauigkeit und dadurch eine Betriebskostenreduktion. Beide Systeme können entweder direkt am Schaltschrank, via PC, Smartphone oder Tablet-PC per WLAN oder VPN-Verbindung bedient werden. Die Erstellung von Rezepten sowie die Verwaltung aller Parameter erfolgen am PC mittels Microsoft Excel. Mit den Dosiersystemen soll es zudem möglich sein, die Wäscherei und die Prozesse in Echtzeit zentral vom Schreibtisch aus zu überwachen. Außerdem kündigte Häusle weitere Innovationen aus dem Hause Permatech an, wie eine Sauglanze oder ein „System Wiegen“, das die Chemiedosierung noch einfacher machen soll.
Nach dem Fachprogramm ging es für die Teilnehmer in die Berglihalle zum Festabend. Hier konnte man sich nochmals ausführlich mit CHT-Experten und Kollegen austauschen.