Bei der Wäsche im Haushalt wirken die gleichen Effekte wie bei der Industriewäsche. Zahlreiche Vorträge auf der diesjährigen IDC in Düsseldorf zeigten, dass beide Bereiche von vergleichbaren Trends und Entwicklungen beeinflusst werden. Den einzigen Unterschied machen die Zeitpunkte, in denen erste zarte Ansätze zu großen Trendthemen werden.

3 In der professionellen Wäscherei haben gestiegene Energiepreise und ein wachsendes Nachhaltigkeitsbewusstsein die Entwicklung von Niedrigtemperaturverfahren begünstigt. Die Strompreise lasten aber auch auf dem Otto Normalverbraucher. Statt des 60-°C-Waschprogramms wählt er daher immer häufiger das Energiesparverfahren. Damit sich bei 30, 40 °C das Waschmittel auch ganz sicher auflöst, hat das bleichmittelfreie Flüssigwaschmittel dem Waschpulver inzwischen den Rang abgelaufen. Die Auswirkungen kennt jeder Profi: In der Waschmaschine bildet sich ein nicht mehr entfernbarer, mitunter übelriechender Biofilm, der zu einer Kontamination des gesamten Waschpostens mit Mikroorganismen führt. Das ist das Ende einer hygienischen Wäsche. Nur die Behandlung im Trockner kann noch die gewünschte Reinheit herbeiführen.
Feinde der Mikroorganismen
In puncto Hygiene gibt es derzeit kaum Alternativen zu Waschtemperaturen von 60 °C und der Zugabe desinfizierender Waschmittel. Allerdings arbeiten Forscher in ganz Europa daran, einen hygienischen Wirkungsgrad auf anderen Wegen zu erreichen. In Spanien wird derzeit an Waschzusätzen auf Grundlage natürlicher Substanzen wie Mikroalgen, Pflanzen- und Fruchtextrakten gearbeitet. Insgesamt wurden mehr als 550 Arten auf ihr biozides Potenzial untersucht. Erste Ergebnisse liegen inzwischen vor. Es bleibt jedoch abzuwarten, was sich aus dem Projekt entwickelt (mehr unter www.bio-xplore.org).
Eine andere Methode, die hygienische Qualität einer Niedrigtemperaturwäsche im Haushalt zu verbessern, hat die Hochschule Rhein-Waal untersucht. Sie hat sich der Waschzeit als beeinflussender Größe angenommen. Die Forschungen ergaben, dass die hygienischen Ergebnisse einer Haushaltswäsche von der Dauer des Waschprogramms abhängen. Ein 30-°C-Waschprozess kann nach 90 Minuten zu einer Verringerung der Staphylococcus-Aureus-Fracht um drei log-Stufen führen. Das ist kein Wert, der einen Hygieniker vom Hocker reißt. Das Ergebnis lässt sich aber durch Zusatz eines Oxidationsmittels verbessern. Wirklich zufriedenstellende Effekte treten bei einer eineinhalbstündigen Waschdauer allerdings erst in einem Temperaturbereich oberhalb der 40-°C-Marke auf – ohne Zugabe von Oxidationsmittel).
Wem hingegen knappe zwei Stunden zu lang erscheinen, sollte ein Vollwaschmittel nehmen und ein Waschprogramm mit höheren Waschtemperaturen wählen. Für die Reduzierung der üblichen Haushaltskeime ist eine Temperatur von 60 °C ausreichend, um einen hygienesensiblen Verbraucher die gewünschte Sicherheit zu geben. Die Sache hat nur einen Haken: Kaum ein modernes Haushaltswaschprogramm hält in puncto Temperatur, was es verspricht. Um die Gründe zu verstehen, ist eine zeitliche Rückblende notwendig.
Notenskala von A+++ bis G
Im Jahr 1996 wurde das Energielabel europaweit eingeführt. Es erließ ökologische Kennzeichnungsvorgaben für Händler von Haushaltswaschmaschinen und sah eine ökologische Abstufung nach den Klassen A bis G vor. Mit der Verordnung wurde ein Wandel in der Herstellung verbrauchsarmer Haushaltswaschmaschinen eingeleitet. Einem veränderten Verbraucherverhalten geschuldet, ging die EU-Verordnung 1061/2010 in die Revision. Sie wurde im Jahr 2010 zusätzlich um Ökodesignanforderungen erweitert und erhielt eine neue Kennzeichnungshierarchie: Klasse A+++ für besonders umweltfreundliche Maschinen, Klasse D für verbrauchsintensive Typen. Die dazwischenliegenden Klassen nehmen weitere Abstufungen vor. Allerdings hätte man sich die Stufen B bis D sparen können. Anlässlich seines Vortrags „Was ist verkehrt mit dem europäischen Energielabel für Waschmaschinen?“ führte Jeremy Owen von Intertek Testing Certification aus Großbritannien aus, dass Maschinen dieser Klasse aufgrund der Ökodesignverordnung von vorneherein nicht in Umlauf gebracht werden durften. Das wird durch eine Untersuchung des Öko-Instituts in Freiburg unterstrichen. Von 6.959 Maschinen, die im Jahr 2012 auf ihr Energielabel analysiert wurden, gab es keine einzige, die mit B, C oder D ausgezeichnet gewesen ist. Mit der neuen Energielabelverordnung aus dem Jahr 2010 wurden neue Standardprogramme zur Ermittlung der Energieverbräuche bei voller und halber Maschinenbeladung festgelegt. Diese sind mit einem 60-°C- und einem 40-°C-Standardbaumwollwaschprogramm festgeschrieben. Das klingt nach einer klaren Regelung, ist es aber nicht. Man hat nämlich versäumt, eine genaue Festlegung bezüglich der zu erreichenden Temperatur zu treffen.De facto wäscht ein 60-°C-Baumwollstandardwaschprogramm bei 35 °C, das 40-°C-Waschprogramm erreicht nur Durchschnittstemperaturen von 25 °C. Der Verbraucher weiß davon nichts. Und er ahnt auch nicht, dass Keime, Hefen, Pilze und Co. keineswegs reduziert wurden, sondern sich im Gegenteil in der Waschmaschine einrichten. Immerhin laufen die energiesparsamen Standardprogramme in der Regel deutlich länger als Normalprogramme. Drei bis vier Stunden sind dabei keine Seltenheit. Aber wer ist schon bereit, so lange auf eine Wäscheladung zu warten? Immerhin: Wer sich für die kürzeren Programme entscheidet, darf mit einer ausreichenden thermisch bedingten Keimverringerung rechnen. Und einem bis zu doppelt so hohen Energieverbrauch. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Die EU-Verordnung 1061/2010 geht in die Revision und soll, wenn alles gut läuft, bis Ende 2016 abgeschlossen sein. Bis dahin könnten die alten Fehler behoben werden. Vor allem gilt es, die tatsächlich von den Verbrauchern bevorzugten Waschtemperaturen zu berücksichtigen. Mit der breit angelegten 30-°C-Kampagne nutzen immer mehr Menschen die Niedrigtemperaturverfahren. Eine am Institut für Landtechnik in Bonn durchgeführte Forschung zum virtuellen Haushalt mit einem wöchentlichen Waschvolumen von 4 kg ergab, dass theoretisch bereits 23 Prozent des Gesamtwäschevolumens eines Haushalts bei 30 °C gewaschen werden. Der Rest verteilt sich mit 46 Prozent auf eine 40-°C– und mit 31 Prozent auf eine 60-°C-Wäsche.
Der Traum von mehr Mechanik
Beim Waschen geht es nicht nur um das Energiesparen und die Hygiene, sondern auch um Fleckentfernung. In der Hoffnung auf bessere Effekte spielen die Maschinenhersteller daher mit der Waschmechanik. Konventionelle Trommelwaschmaschinen werden mit Zusatzeinrichtungen versehen, die den Waschprozess schneller und besser machen sollen. Dieses Versprechen wird für die Spraymethode gegeben, bei der die Waschflotte von vielen Seiten auf die Ware gesprüht wird. Und auch das Schaumverfahren soll durch Luftblasen in der Waschflotte den Schmutz effektiv beseitigen.
In einem Forschungsprojekt hat sich die Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach näher mit den Booster-Technologien befasst und Vergleichsuntersuchungen an unterschiedlichen Maschinentypen durchgeführt. Anhand von 20 im Haushalt verbreiteten Standardverschmutzungen wurden 40-°C-Baumwollwaschprogramme getestet. Das Ergebnis war eindeutig: Die klassische Haushaltswaschmaschine lag bei der Entfernung zahlreicher Verfleckungen entweder vorne oder belegte den zweiten Platz. Mit den bisher am Markt erhältlichen Spezialmaschinen lässt sich das herkömmliche Waschen im Grunde also kaum verbessern. Möglicherweise kommt die Revolution mit der Waschperlentechnologie. Die Aussagen der Hersteller klingen vielversprechend: Saubere Wäsche mit weniger Wasser, Wärme und Zeit.