Seenähe, ein traumhaft schöner Garten und jeden Tag Kontakt zu den „Celebrities“ von St. Moritz. Renata Martelli, Unternehmerin und Vorstandsmitglied des Verbands Textilpflege Schweiz, macht Textilreinigung charismatisch. Und verrät, warum erfolgreiches Marketing mehr als nüchterne Strategie braucht.

3 Reinigung ist Lifestyle. Das ist nicht etwa ihr Werbeslogan, sondern schlichtweg das Tagesgeschäft der Textilreinigung Allegra AG in St. Moritz. Die Inhaberin Renata Martelli lebt ihr Servicekonzept par excellence: charmant, stilvoll und bodenständig. Ihr Auftritt ist stimmig, ihr Stil authentisch. In freundlicher Klarheit formuliert sie ihre Vorstellungen, beispielsweise während der Jurysitzung für die Verleihung des Branchenawards „RWin“. Da sie stets den Wunsch hat, das Leben anderer zu versüßen, bringt sie neben hilfreichen Impulsen fast immer feinste Schweizer Schokolade mit. Renata Martelli weiß, was Menschen mögen. Das Reinigungsgeschäft wird charismatisch, wenn sie darüber spricht, nicht nur für die Schönen und Reichen, die in St. Moritz leben, Urlaub machen und ihre Kunden sind.
Schönheit will gepflegt werden
Ein Faible für schöne Dinge hatte sie schon immer: Für Textilien und Accessoires, die dem Leben Besonderheit verleihen. Heute leben sie und die Crew ihres exquisiten Reinigungsbetriebes von der Tatsache, dass Schönheit gepflegt werden will. Ihre unternehmerische Karriere ist die Konsequenz dieser Erfahrung. Denn ihre Affinität zur Textilreinigung wurde ihr keineswegs in die Wiege gelegt, es gab keine familiären Wurzeln in der Branche. Sie hat sich aus der Vorliebe für gepflegte Textilien entwickelt. Nach der Matura und einer abgeschlossenen Lehre als Kauffrau arbeitete Renata Martelli zunächst als Filialleiterin in anspruchsvollen Boutiquen. Hier entdeckte sie ihre Gabe, den Geschäften mit textilen Dekorationen neuen Glanz zu verleihen.
Im Jahr 1994 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und übernahm eine Reinigung in der Via Grevas in St. Moritz, die seit Jahren geschlossen war. Renata Martelli hatte die Qualität des Standortes mit Parkplätzen in Nähe des Sees und mit wunderschönem Außengelände erkannt. Zudem war sie vom Bedarf in St. Moritz überzeugt. Rasch etablierte sie sich mit einem konsequent hohen Qualitätsanspruch. Damit gewann sie insbesondere das Vertrauen derer, die auch mal 80.000 Schweizer Franken für ein Abendkleid ausgeben, um auf einem der unzähligen gesellschaftlichen Events in St. Moritz zu glänzen. Ihre Alleinstellung am Ort verdankt die Textilreinigung Allegra ihrer besonderen Flexibilität, einem Persönlichkeitsmerkmal der Chefin und daher wirkungsvoller als jede Strategie. Überall, wo sie Bedarf erkennt, findet die Fachfrau eine ebenso kreative wie pragmatische Lösung. „Eines Tages brachten wir die frisch gereinigten Kleider zu einer unserer Stammkundinnen“, erzählt sie. „Wir wurden gefragt, ob wir auch ihr Ferienhaus putzen. Natürlich haben wir ja gesagt und damit eine weitere Lücke in unserer Servicekette geschlossen.“ Mittlerweile ist eine Vielzahl von Appartements und Ferienwohnungen in der Obhut der Textilreinigung Allegra. Ein Blick auf das Dienstleistungsmenü bringt ihre Kunden und Geschäftspartner regelmäßig zum Staunen. Ob Einkaufen, Putzen, Babysitten oder den Christbaum schmücken, das Allegra-Team erledigt alles oder delegiert an kompetente Partner. Selbst Stammkunden erleben immer wieder den Aha-Moment, wenn selbst eine ausgefallene Anfrage mit einem unbeschwerten Ja beantwortet wird. Waschen, Reinigen, Bügeln gehören nach wie vor zum Kerngeschäft, das kontinuierlich läuft. Daneben floriert eine eigene Schneiderei. Instandgesetzt oder geschneidert wird alles, was der Markt fordert: aktuelle Designermode, Pelze aus Edelboutiquen oder maßgefertigte Einzelstücke. Exklusivität ist auch hier das Zauberwort.
Je vielseitiger, desto beliebter
Renata Martelli mag die Abwechslung, lässt sich gerne fordern. Ihr Anspruch, alles um das entscheidende Quäntchen schöner und besser zu machen, animiert sie zu Höchstleistungen. Mit ihrem Schwung nimmt sie ihr Team mit. Festangestellt sind zehn Mitarbeiter und je nach Bedarf weitere Teilzeitkräfte. Zuverlässigkeit und eine hohe Servicebereitschaft sind die Voraussetzung für einen krisensicheren Job bei Allegra. Neben der fachlichen Kompetenz seien dies die wesentlichen Erfolgskriterien für ein Geschäftsmodell, das sich seit mehr als 20 Jahren bewährt habe, so
die Inhaberin. St. Moritz sei ein einzigartiger Ort und die Textilreinigung Allegra einmalig in der Schweiz. Erfolgsfaktor Nummer eins ist für Renata Martelli der angemessene Umgang mit ihren Kunden. Ihre gewerblichen Geschäftspartner stammen überwiegend aus der Region; Allegra versorgt sämtliche Hotels in St. Moritz. Mehr oder weniger prominente Privatkunden kommen aus der ganzen Welt. Die seien vielfach genauso sensibel wie deren Textilien. Trotz höchster Dienstleistungsbereitschaft achtet Renata Martelli auf ausgewogene Geschäftsbeziehungen und Kommunikation auf Augenhöhe: „Einfühlungsvermögen ist unbedingt gefragt.“
Renata Martelli besitzt Empathie. Entspannt und zugewandt nimmt sie sich der Wünsche von „Celebreties“ und derer, die dazugehören wollen, an. Sie betrachtet es durchaus als Ehre, wenn Kostbarkeiten in ihrem Geschäft abgegeben werden, weil nahezu weltweit bekannt ist, dass Allegra deren Wert erkennt und erhält. Jedes Bekleidungsstück, jeder Auftrag sei eine willkommene Herausforderung, der Firmenphilosophie gerecht zu werden. Das Ergebnis: bestes Empfehlungsmarketing. Erfolg und seine Geschichten teilt Renata Martelli gern mit ihrer Crew. Beispielsweise die Erinnerung an die Bearbeitung eines Pelzmantels des berühmten Malers Giovanni Segantini, ein kostbares Unikat. „Wenn wir einen solch diffizilen Auftrag erfüllen, sind wir glücklich. Es ist außerdem eine fantastische Referenz“, betont die Chefin.
Vom Skianzug bis zu Moonboots
Gereinigt, gewaschen oder wieder aufgefrischt werden in der Textilreinigung Allegra alle denkbaren Bekleidungsstücke und Accessoires: unzählige Skianzüge, Betten und Kissen, Heim- und Haustextilien, selbst Moonboots oder Handtaschen. Die fachliche Qualität ihres Unternehmens wurde von der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) bestätigt. Allegra arbeitet mit dem Zertifikat „FashionCare-Qualitätsreinigung“. Damit das Leistungsniveau gesichert bleibt, werden alle Fachkräfte regelmäßig geschult. Gemeinsam mit der gesamten Crew besucht Renata Martelli vor jeder Wintersaison die teuren Boutiquen von St. Moritz. „Das wirkt“, sagt sie. Was nachhaltig wirkt, ist auch das Engagement der Unternehmerin und Branchenexpertin. Was uns noch interessiert:
RWTextilservice: Wie ist Ihr (Marketing-)Konzept aufgegangen?
Renata Martelli: Mit Mut, Fleiß, Freude und dank der Unterstützung meiner Crew und meiner Familie. Und weil ich niemals
nein, sondern immer aus vollem Herzen ja gesagt habe, wenn wir vor einer neuen Herausforderung standen. Daher decken wir heute ein so umfangreiches Leistungsspektrum ab und können nahezu jeden realistischen Kundenwunsch erfüllen. Wir sind auch in puncto Geschäfts- und Arbeitszeiten extrem flexibel. Wenn ein Auftrag kurz vor Geschäftsschluss hereinkommt, wird er noch am selben Tag verarbeitet und ausgeliefert. Auch das schaffen wir nur im Team und mit viel Fleiß und Freude an der Arbeit.
RWT: Sie inspirieren Ihre Kollegen in ganz Europa. Warum ist Ihnen das wichtig?
Martelli: Im Verband Textilpflege Schweiz sind PR und Werbung mein Ressort. Dadurch ergibt sich die Verknüpfung für mein Engagement in der EFIT. Seit fünf Jahren bin ich Jurymitglied für den „RWin“ und einmal jährlich auf Verbandstreffen in Italien. Das schafft internationale Verbindungen, die mir sehr wichtig sind. Wir sitzen alle im selben Boot, haben ähnliche Probleme und die Chance, diese gemeinsam zu betrachten und zu lösen.
RWT: Welche Unterschiede in Europa beobachten Sie?
Martelli: Ich kann in erster Linie über die Situation in der Schweiz reden. Die klassische Textilreinigung profiliert sich auch hier mit exzellentem Hemdenservice. Die Stückzahlen der traditionellen Obergarderobe verringern sich, generell verlagert sich das Geschäft in Richtung Nassreinigung. Betriebe und Kundschaft verteilen sich auf zwei Lager: Qualitativ hochstehende Textilpflege-Dienstleistung zu einem moderaten Preis gegenüber einem deutlich geringeren Leistungspegel zum Spotpreis. Für die Betriebe bedeutet das: Entscheidung tut not!
In der Schweiz sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch. Wir zahlen deutlich höhere Löhne als in anderen Ländern Europas. Unsere Preise müssen entsprechend höher sein. Schwierig ist es vor allem im Bereich Wäscherei, aufgrund des anhaltend starken Schweizer Frankens. Anbieter aus dem ganzen Euroraum unterbieten sich mit Angeboten. Betroffen sind vor allem grenznahe Standorte. Die Betriebe müssen daher mit ausgefallenen Serviceangeboten ihre Kunden überzeugen. In unserem Betrieb haben wir zum Glück eine Klientel, das auf individuelle, fachliche Beratung Wert legt.
RWT: Wie wichtig ist Motivation für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit?
Martelli: Wer nicht wirbt, der stirbt. Textilpflegebetriebe bieten Lebensqualität. Unsere Branche kann alle textilen Pflegethemen abdecken. Zur Textilreinigung gehört neuerdings sogar die Pflege feiner Lederschuhe. Wichtig ist, dass jeder Betrieb eine eigene Botschaft für seine Kunden hat. Meine lautet: „Machen Sie im Leben das, was Ihnen Spaß macht und Erfolg bringt. Alles andere erledigen wir für Sie!“ Das heißt, wir bieten unseren Kunden die Chance, sich auf ihre Kerngeschäfte zu konzentrieren oder Lebensart zu genießen. Jede Image- oder Werbebotschaft wirkt allerdings nur, wenn ehrliche Überzeugung dahintersteht. Erfolg und Glück entstehen, wenn der Weg das Ziel ist. Das ist mein Lebensmotto. Mein Laden ist mein größtes Hobby.