Im Gespräch mit Claus Gafner, Geschäftsführer der Gafner Systemservice GmbH Den Werten verpflichtet

Eine Vision ist mehr als ein unternehmerisches Ziel. Sie beinhaltet eine Perspektive, die motiviert und inspiriert. Ob sie Generationen überdauert, hängt davon ab, wie sie gelebt wird, sagt Claus Gafner, ein Unternehmer der Textilpflegebranche, der mit Systemstrategie Werterhalt gestaltet.

Claus Gafner ist Geschäftsführer des Unternehmens Gafner Systemservice und einer der Vorstände des Textilpflegeverbands FATEX. Foto: Gafner Systemservice - © Gafner Systemservice GmbH

3 Eine Vision. Was ist das überhaupt? Diese Frage stellte sich Claus Gafner, als es Mitte der 90er Jahre darum ging, sich mit einem zukunftsweisenden Unternehmensprofil im traditionellen Wäschereigeschäft neu aufzustellen. „Waschen können wir alle“, sagt der Geschäftsführer des 1936 gegründeten Familienunternehmens. „Das ist die Kernkompetenz, die unsere Kunden von uns erwarten dürften, ebenso wie einwandfreie Qualität.“ Um als textiler Dienstleister langfristig erfolgreich am Markt zu bleiben, bedürfe es weitaus mehr. „Unsere Kunden und unsere Mitarbeiter brauchen vor allem eine Perspektive“, betont Claus Gafner. Um diese so konkret wie möglich zu gestalten, definierte die Gafner Systemservice GmbH im Jahr 2000 ein Leitbild und Dienstleistungsversprechen.

An der Vision „Gafner 2020“ können sich sowohl Kunden als auch Mitarbeiter orientieren. Sie ist klar formuliert und nachlesbar auf der Homepage des Unternehmens. Zugewandt, freundlich und wohltuend entspannt erklärt uns der Unternehmer, Familienmensch und Vater von fünf Kindern, warum er seine Vision nicht etwa als werbewirksames Placebo versteht, sondern als eine verbindliche Richtschnur. Seine persönlichen Werte basieren auf einer christlichen Grundhaltung. Damit verbunden ist aus seiner Sicht die Bereitschaft, soziale und wirtschaftliche Zukunft verantwortungsbewusst mitzugestalten. Damit sei er im Grunde aufgewachsen.

Claus Gafner erinnert sich. Bereits in seiner Kindheit erlebte er die Weiterentwicklung des Familienunternehmens bewusst mit. Sein Großvater Robert Gafner hatte im Jahr 1936 eine Mietwaschküche in Neckarbischofsheim im Kraichgau gegründet und versorgte in erster Linie Privatkunden. Das Geschäft florierte. Mit dem Wirtschaftswunder und dem Einzug moderner Waschmaschinen in die Haushalte veränderten sich Markt und Kunden.

Wachsam für das, was kommt

Im Jahre 1966 übernahm Werner Gafner die Dampfwäscherei und siedelte 1978 in neue, erheblich größere Produktionsräume in den Nachbarort Waibstadt um. Die soliden Wurzeln des Unternehmens in der Region und die Erfüllung eines selbstgesetzten Qualitätsstandards sicherten die Expansion. Schon damals beobachtete die Geschäftsleitung marktwirtschaftliche und gesellschaftliche Trends aufmerksam und reagierte proaktiv darauf. Weitreichende Markterfahrung ist eine wertvolle Ressource, die Claus Gafner als stellvertretender Vorsitzender in die Arbeit des baden-württembergischen Fachverbands Textilpflege (FATEX) einbringt: bodenständig visionär.

Für ihn bedeutet das insbesondere, vorausschauend zu agieren. Bereits Ende der 70er Jahre hatte die Wäscherei Gafner die Signale des demografischen Wandels erkannt. Durch den steigenden Kostendruck konnten und wollten sich öffentliche und private Einrichtungen im Gesundheitsbereich keine eigenen Wäschereien mehr leisten. Die Wäscherei Gafner bot ihnen eine wirtschaftliche Alternative durch die Bereitstellung von Miettextilien und der Bearbeitung individueller Bewohnerbekleidung.

1980 spezialisierte sich die Wäscherei konsequent auf die textile Vollversorgung von Senioren- und Pflegeheimen. Ein Jahrzehnt später hatte sie dieses Segment konsequent erweitert, durch die Serviceleistungen Controlling, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Textilmanagement.

Hinschauen, aufklären und Lösungen bieten

Der Schwerpunkt auf die Vollversorgung im Gesundheitswesen ist bis heute geblieben. Darüber hinaus profitieren Kunden in der Hotellerie und Gastronomie, Industriebetriebe sowie öffentliche und soziale Einrichtungen von der Gafner-Systemphilosophie. Sämtliche B2B-Kunden im textilen Mietservice nutzen die Management- und Beratungsleistungen.

Alle Geschäftspartner werden vor und während der Geschäftsbeziehung kompetent und ganzheitlich beraten. Sie können sich darauf verlassen, dass die Experten aus dem Hause Gafner wissen, wie Textilien wirtschaftlich effizient und praxisnah eingesetzt werden. „Wir helfen unseren Kunden ganz konkret dabei, ihre Verbräuche zu analysieren und schließlich zu optimieren“, erklärt Claus Gafner. „Das geht soweit, dass wir zum Beispiel im Bereich Alten- und Krankenpflege hinterfragen, wie die Pflegekräfte im Umgang mit der Wäsche geschult sind. Wenn es hier Optimierungsbedarf gibt, erkennen wir das, machen darauf aufmerksam und bieten sogar Schulungsmaßnahmen an. Indem wir das Personal sensibilisieren und aktiv einbeziehen, helfen wir Kosten und Ressourcen zu sparen.“

Verständnis ist das Schlüsselwort

Claus Gafner will die Bedürfnisse seiner Kunden verstehen, und die seiner Mitarbeiter. „In unserer Region ist eine Vollbeschäftigung nahezu erreicht. Das heißt, wir müssen und wollen unseren Mitarbeitern etwas bieten, was sie langfristig an uns bindet. Das schaffen wir nur durch persönliche Beziehungen. Es ist uns wichtig, wie es den Menschen geht, die für uns arbeiten. Selbstverständlich lassen wir sie in persönlichen oder familiären Krisen nicht allein und zeigen so, dass die Zugehörigkeit zum Unternehmen wertvoller sein kann als ein gut bezahlter Job.“

Mit dieser Vorstellung hatte Claus Gafner 1996, drei Jahre nach dem Einstieg in das Familienunternehmen, die Geschäftsführung übernommen. Die Umbenennung des Unternehmens in die Gafner Systemservice GmbH machte die konsequente Neupositionierung deutlich. „Unseren heutigen Marktvorsprung im Bereich Senioren- und Krankenpflege haben wir erreicht, weil wir rechtzeitig darüber nachdachten, wie wir vom Dienstleister zum Geschäftspartner werden. Durch ausführliches Hinterfragen erkannten wir, wo der tatsächliche Bedarf liegt. Wir entdeckten, dass unsere Kunden Unterstützung bei der Budgetierung brauchten und zunächst einmal einen Überblick über ihren Wäscheverbrauch. Daraus haben wir ein System entwickelt. Heute können wir weitreichende Beratungskompetenz und Erfahrung in der textilen Vollversorgung bieten.“

Was unsere Kunden wirklich brauchen

Gafner ist ein Teamplayer. Seit 2004 gehört sein Unternehmen zum Verbund mittelständischer Wäschereien (VMW). In dieser Kooperation kann er potenzielle Kunden überregional bedienen. Er schätzt zudem den Austausch auf Augenhöhe mit bewährten Marktpartnern. Als Unternehmer hat er den Gestaltungsraum, den er sich in seinem Leben wünscht. So war die Übernahme des Familienbetriebes für ihn eine attraktive Option, die Verbundenheit zur Branche ein Entscheidungskriterium. In seiner Jugend habe er zunächst andere Pläne gehabt, verrät er. Seine Ausbildung und Erfahrungen im Maschinenbau seien in der hochtechnisierten Dienstleistungsbranche allerdings sehr von Vorteil. Denn um eine kunden- und umweltfreundliche Produktion sicherstellen zu können, sei es selbstverständlich, auf dem neuesten Stand der Technik zu arbeiten.

Aus Sicht Claus Gafners gehe es im Wirtschaftsfeld jedoch
längst nicht mehr darum, gewerbliche oder private Kunden mit sauberen Textilien zu beliefern. Das Wohl des Kunden stehe im Fokus und somit die Frage: Was braucht mein Kunde wirklich? Zweifelsohne erfordere dieses Serviceversprechen einen hohen Personalaufwand. Ein Aufwand, der sich nach seiner Erfahrung definitiv bezahlt macht. „Ja, wir brauchen tatsächlich viel Man­power“, bestätigt der humorvolle Geschäftsführer. „Und wie jeder Betrieb daher ausreichend motivierte Mitarbeiter mit genügend Fachwissen.“ Dieser akute und voraussichtlich noch anhaltende Bedarf stelle die Branche derzeit vor eine große Herausforderung. „Wir haben modernste Technik und Verfahren. Die sind jederzeit verfügbar. Kompetente, gut geschulte und zuverlässige Mitarbeiter sind es nicht“, betont Gafner. Das Thema Aus- und Weiterbildung betreffe alle Betriebe in der professionellen Textilpflege. Weil Gafner niemand ist, der wartet bis andere die Dinge regeln, setzt er sich dafür ein. RWTextilservice wollte von ihm wissen:

RWT: Herr Gafner, Sie engagieren sich im FATEX. Warum?

Claus Gafner: Ich bin seit 2012 im erweiterten Vorstand des ­FATEX. Im November letzten Jahres wurde der Wunsch an mich herangetragen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Diesem Wunsch habe ich gerne entsprochen. Es gibt sehr viele Auf-
gaben im FATEX und in der Branche, die wir nur im Team be­wältigen können. Das sind Sachfragen wie Behördenauflagen,
für die wir Beauftragte in unseren Unternehmen stellen müssen. Oder Schulungen für Auslieferungsfahrer, die immer wieder den gesetzlichen Vorgaben angepasst werden müssen. Lösungen, die für alle Betriebe umsetzbar sind, vom kleinsten bis zum größten Dienstleister, können wir nur gemeinsam erarbeiten. Und so profitieren am Ende auch alle FATEX-Mitglieder von der Mitgliedschaft.

RWT: Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Gafner: Die Qualifikation unserer Mitarbeiter! In unseren Firmen arbeiten viele Menschen, die keine Ausbildung haben oder Quereinsteiger sind. Ihnen müssen wir die Chance zur Weiterbildung geben – und zwar mit überschaubaren Anforderungen. Das praktizieren wir bereits in unserem Betrieb. Wir zeigen unseren Mitarbeitern, dass wir ihnen etwas zutrauen und uns ihre berufliche Zukunft wichtig ist.

Ich glaube nicht, dass unsere Branche zeitnah genügend Nachwuchskräfte für eine komplexe Ausbildung zum Textilreiniger findet. Es ist weitaus realistischer, wenn wir im eigenen Personalbestand fähige Kräfte zur Weiterbildung motivieren, um sie an unseren Betrieb und an die Branche zu binden. Wir können keine steile Karriere versprechen, aber eine solide, berufliche Perspektive in einem Unternehmen, das die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter wertschätzt.

RWT: Entspricht das der Vision „Gafner 2020“?

Gafner: Ja. Sie ist für mich unternehmerische und persönliche Verpflichtung zugleich. Wir übernehmen soziale, wirtschaftliche und ökologische Verantwortung mit Blick auf künftige Generationen. So haben wir beispielsweise unseren Energieverbrauch nachhaltig gesenkt und unsere CO2-Bilanz optimiert. Um die Nachhaltigkeit unserer Vision zu unterstreichen, ist sie fest in unseren Unternehmenszielen verankert. Ich wünsche mir nicht nur zufriedene Kunden, sondern vor allem zufriedene Mitarbeiter, die uns dabei unterstützen, saubere Systemlösungen zu entwickeln. Fairness gegenüber unseren Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Wettbewerbern bringt es auf den Punkt. Die Unternehmensvision Gafner 2020 ist ein Zukunftsbild, das wir gemeinsam gestalten und das besser ist als der Status Quo. Gabriele Rejschek-Wehmeyer

Infos: www.systemservice.de, www.fachverband-textilpflege.de