EFIT-Jahresmitgliederversammlung 2016 in Heusenstamm Von Logistik bis Lieferservice

Einen Blick auf zukünftige Chancen der Textilreinigung warfen die Teilnehmer der diesjährigen Jahresmitgliederversammlung der EFIT am 5. März 2016 in Heusenstamm bei Frankfurt am Main. Themen waren u.a. verschiedene Verbandsprojekte, neue Verfahren und Onlineservices.

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    Die EFIT-Jahresmitgliederversammlung fand am 5. März 2016 in Heusenstamm statt.  Fotos: Schönhaar
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    Friedrich Eberhard, Präsident des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV).
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    EFIT-Geschäftsführer Dr. Volker Schmid betonte, wie wichtig es ist, auf verändertes Verbraucherverhalten zu reagieren.
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    Seit September 2015 ist Robin Schmitt Mitglied der EFIT-Geschäftsführung. Er informierte über die Verbandsarbeit.
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    Ein neues Nassreinigungsverfahren für Schuhe stellte Achim Breidenbach von Seitz vor.
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    Falk Altenhöfer berichtete über den Onlinelieferdienst „Waschheld“.
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    Das Team von Salad zeigte die Reinigungstücher für Pelz in einer Livevorführung.
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    Hier trocknen die Schuhe nach der Nassreinigung: im Schuhschrank von Eco-Impact.
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    Die EFIT-Mitglieder wählten sie einstimmig für die nächsten vier Jahre (v.li.): Hans-Wilhelm Strothotte, Klaus Theissen, Friedrich Eberhard und Horst Lange.
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    Die Teilnehmer bekamen nutzwertige Tipps und neue Ideen für ihre Textilreinigung.
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    In der MyClean-Textilpflege werden täglich zahllose Hemden bearbeitet. Der Betrieb ist an seinen Kapazitätsgrenzen. Fotos: Schönhaar
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    MyClean arbeitet mit einem EAN-gestützten Teileerfassungssystem.
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    Da im alten Betrieb die Kapazitäten ausgeschöpft sind, zieht ­MyClean bald in neue Räume.
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    Auf etwa 1.300 m 2 Produktionsfläche sollen hier bald Textilien gereinigt werden.
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    Die Inhaber luden zur Besichtigung des alten und des neuen Betriebs von MyClean ein.
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    Der Neubau ist modern und stilvoll, aber auch auf Effizienz wird geachtet, so gibt es z.B. ausschließlich LED-Licht.

3 „Das Verbraucherverhalten hat sich noch nie so schnell geändert wie heute und die Dynamik wird noch zunehmen“, sagte Dr. Volker Schmid bei der Begrüßung zur diesjährigen Jahresmitgliederversammlung der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT). Durch die Informationstechnologie habe sich die Welt geändert. Auf diese Veränderungen müssen auch die Textilreiniger eingehen. „Wir müssen neue Kundenkreise akquirieren, auch und vor allem bei den Jungen“, betonte der EFIT-Geschäftsführer. Eine Verjüngung erfährt auch der Verband mit Robin Schmitt, der seit 1. September 2015 Mitglied der Geschäftsführung ist und das operative Geschäft der EFIT verantwortet. Volker Schmid wolle zwar weiterhin für die EFIT und ihre Mitglieder da sein, aber die Geschäftsführung langsam an Schmitt übergeben.

Der EFIT für die nächsten vier Jahre erhalten bleibt Friedrich Eberhard als 1. Vorsitzender, der die Teilnehmer ebenfalls in Heusenstamm willkommen hieß. Zum Organisatorischen gehörte bei der Jahresmitgliederversammlung 2016 die Wahl von Vorstand und Verwaltungsrat der EFIT. Als 1. Vorsitzenden wählten die Mitglieder einstimmig Friedrich Eberhard (Alpirsbach) wieder. Sein Stellvertreter ist ab sofort Klaus Theissen (Wemperhardt, Luxemburg). Er folgt auf Oskar Kirchner. In den Verwaltungsrat der EFIT wurden Urs Kaufmann (Zofingen, Schweiz), Hans-Wilhelm Strothotte (Geldern) sowie Susanne Paß als Nachfolgerin von Anna Nieß vom DTB Dialog Textil-Bekleidung (Kirchheim) gewählt. Als Kassenprüfer bestätigt wurden Horst Lange (Leonberg) und Kai Kölle (Heilbronn).

Den Bericht der Geschäftsstelle übernahmen die EFIT-Mitarbeiter Birgit Jussen, Dieter Essing und Maria Bischoff zusammen mit Robin Schmitt. Zu den Highlights des vergangenen Verbandsjahres zählte u.a. eine Podiumsdiskussion mit drei Herstellern von Reinigungsmaschinen im März 2015, die zusammen mit dem Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV), dem Verband Textilpflege Schweiz (VTS) und der österreichischen Bundesinnung Mode & Bekleidungstechnik mit der Berufsgruppe der Textilreiniger durchgeführt wurde. Die EFIT organisierte weitere Veranstaltungen, von einem Erfahrungskreis Nassreinigung über die Seminarreihe „Checkpoint-EFIT“ in der Schweiz und Österreich bis zum FashionCare-MarketingClub. Für zwei Projekte bekam die EFIT 2015 den Branchenaward „RWin“ verliehen: für das Projekt rund um neue Lösungsmittel und für das Projekt zu fluorcarbonfreien Ausrüstungen. Letzteres ist nach wie vor im Gange; das nächste Treffen findet am 19. Mai 2016 in Metzingen statt. Weiterhin bietet die EFIT das Branchenbarometer in Kooperation mit der Hans-Joachim Schneider GmbH aus Blankenfelde-Mahlow bei Berlin, das den Betrieben einen monatlichen Vergleich der Entwicklung von Kunden und Umsatz ermöglicht. Ganz neu seit diesem Jahr haben die EFIT-Mitglieder auch Zugang zur DTV-Imagekampagne und den zugehörigen Plakaten. Einen neuen Weg in Sachen Öffentlichkeitsarbeit hat man in der Schweiz beschritten. Hier konnte die EFIT in der „Textilrevue“, einer Zeitschrift für den Textilhandel mit einer Auflage von 7.000, einmal jährlich Reinigungsthemen platzieren. Auch in der „Interieursuisse“ wurde ein Artikel über FashionCare als „Königsklasse der Textilreinigung“ veröffentlicht.

Onlineangebote und FashionCare-System

Im Onlinebereich bietet die EFIT unter www.checkpoint-efit.de ein Textilpflege-Wiki, ein Rechercheforum für Schadensfälle sowie die Möglichkeit einer Schnelldiagnose bei Schadensfällen in der Textilreinigung. Das FashionCare-Qualitätssicherungssystem inklusive Logbuch und Hygienemodul nutzen die Mitglieder auch für eigene Ideen, wie Friedrich Habermeyer zeigte. Er entwickelte mithilfe von FashionCare ein Bonisystem für seine Mitarbeiter. Für neue Ideen sorgten auch die drei Fachvorträge bei der EFIT-Mitgliederversammlung.

Achim Breidenbach von Seitz stellte ein neues Nassreinigungsverfahren für Schuhe vor. Der Referent erläuterte: „Nicht nur außen werden Schuhe schmutzig, auch im Inneren nehmen sie alles auf. Bei jedem Anziehen und Tragen haben die Füße so erneut Kontakt mit Bakterien, Schweiß, Fußpilz & Co.“ Deshalb hat Seitz ein Nassreinigungsverfahren speziell für Schuhe entwickelt. Benötigt wird dafür laut Breidenbach eine professionelle, vollprogrammierbare Waschmaschine. Wie in der Nassreinigung für Textilien sei die Maschinenkapazität auch bei der Aufbereitung von Schuhen auf 50 Prozent der ursprünglichen Kapazität reduziert. Um die Schuhe bestmöglich zu schützen, werden sie in ausreichend großen Netzen gereinigt und die Rippenzwischenräume mit Schwammblöcken ausgelegt. Als spezielle Produkte für die Nassreinigung von Schuhen bietet Seitz folgende:

  • WetXWash: spezielles Reinigungsmittel für alle Lederarten in der Nassreinigung.
  • Viva Uni: neutrales Waschmittel.
  • WetX Finish: Lederöl zur Anwendung in der Nassreinigung.
  • Viva Acet: sanfte Säure zur pH-Stabilisierung.
  • Viva Geniox: spezielles Sauerstoffbleichmittel zur hygienischen Entfernung unangenehmer Gerüche, von Bakterien und Pilzen.

Das Verfahren eigne sich auch zur Aufbereitung von Handschuhen und Ledertaschen, ebenso wie bei Brandschadensfällen.

Für die Trocknung gibt es spezielle Trockenschränke, die Eco-Impact anbietet. Cornelia Brandenberger von Eco-Impact erläuterte, dass je nach Schuh die Trocknung circa 48 Stunden dauert.

Ökologische Produkte für Pelz und Leder

Extra aus Nowosibirsk in Russland angereist kam Ekatarina Sukhanova von wemakesalad.com, um über ökologisches Detachieren von Pelz und Leder zu informieren. Salad ist ein Anbieter von Reinigungstüchern und Balsamen zur Pflege von Pelz und Lederware. Dabei handelt es sich laut Unternehmen um „Flower Chemistry“. Die Produkte von Salad sollen ausschließlich natürliche Zutaten enthalten: von Kamille über Zitronensäure und Brennnessel bis Wildrose. Der Einsatz der umweltfreundlichen Naturmittel soll außerdem Strom und Wasser im Vergleich zur herkömmlichen Behandlung von Pelz und Leder in der professionellen Reinigung einsparen. Denn: Maschinen sind nicht notwendig. Die Produkte von Salad sind ausschließlich zur Verarbeitung mit der Hand vorgesehen: „Textilreiniger brauchen nur einen Tisch und eine Bürste – und schon können sie loslegen“, versprach Sukhanova. Die Produkte umfassen u.a. einen Reinigungs- oder Neutralisationsbalsam für Pelz, einen Schutzkomplex oder Fleckenentferner für Fettflecken; ebenso einen Reinigungsbalsam für Wildleder und Velours oder einen Farbenverstärker für gegerbtes Leder usw. Die Reinigungstücher gibt es auch in Versionen für Cashmere und Wolle. Deren Wirkungsweise wurde live vorgeführt: Ein Glas Rotwein wurde auf ein Stück Pelz getropft und dieses anschließend mit einem Salad-Tuch gereinigt. Salad tritt nach eigenen Angaben gerade in den europäischen Markt ein. Weitere Informationen gibt es unter www.wemakesalad.com.

Textilreinigung als Lieferservice

Das Konzept rund um „Waschheld“ stellte Falk Altenhöfer vor. Der 25-jährige Gründer des Start-ups sagte: „Es gibt eine erhöhte Nachfrage nach kundenfreundlichen, digitalen Services: Lieferheld oder Lieferando bringen das Essen zur gewünschten Zeit an den gewünschten Ort, Amazon stellt für seine Kunden fast jedes Produkt innerhalb weniger Tage zur Verfügung. Ich glaube, dass sich dieser Gedanke auch auf die Textilpflegebranche übertragen lässt.“ Zusammen mit Kollegen entwickelte er einen Service, der schmutzige Ware beim Kunden abholt, sie unter höchsten Qualitätsstandards reinigt und wieder ausliefert; RWTextilservice berichtete bereits ausführlich über das Konzept in Ausgabe 3/2015. Die Lieferung soll dabei abends stattfinden, wenn die entsprechende Zielgruppe daheim ist und der Fuhrpark des Reinigers ungenutzt. Gerade Jüngere, Onlineaffine will Waschheld ansprechen und für die Textilreinigungen so eine weitere Kundengruppe erschließen. „Wir bieten dafür ein komplettes Marketingkonzept rund um die Marke Waschheld – inklusive Werbemittel, Onlinemaßnahmen, Social Media und Suchmaschinenmarketing“, erläuterte Altenhöfer. Für den Reiniger falle kaum zusätzlicher Aufwand zum Alltagsgeschäft an. Das Besondere im Vergleich zu Marktbegleitern sei, dass bei Waschheld der Reiniger das Gesicht gegenüber den Kunden bleibt. Vertragspartner ist ebenfalls die Textilreinigung, Waschheld nur Mittler, so Altenhöfer. „Wir wollen den Reinigungen ihre Kunden und ihr Geschäft überlassen und bei der Umsetzung von IT und Marketing für den Lieferservice helfen.“ Momentan hat Waschheld drei Reinigungspartner in Düsseldorf, Köln und Stuttgart. Man sei aber auf der Suche nach weiteren Partnern für das Netzwerk. Die Einstiegskosten für einen Lizenzvertrag über drei Jahre variieren je nach Gebiet; die Umsatzbeteiligung beträgt fünf Prozent. Interessierte finden weitere Informationen und Kontakt unter www.waschheld.de.

Logistikprozesse in der Praxis

Als Highlight bei der EFIT-Jahresmitgliederversammlung 2016 stand ein Workshop zu EAN-gestützter Teileerfassung vor Ort in der Textilreinigung MyClean in Heusenstamm an. Die Inhaber Fatih und Ferda Camli ermöglichten es den Teilnehmern, die ausgeklügelte Logistik ihres Betriebs in der Praxis erleben zu können. EAN steht für „European Article Number“; diese wird in der Regel als maschinenlesbarer Strichcode verwendet und kann von Barcodescannern decodiert werden. Bei MyClean funktioniert die betriebsinterne Logistik über das System in Verbindung mit einer speziellen Software. Bei der Annahme bringt ein Mitarbeiter den Barcode an der Ware an. An jeder Arbeitsstation wird dieser eingescannt, um so nachvollziehen zu können, wo sich ein Bekleidungsstück gerade befindet. An einem großen Bildschirm sehen alle Mitarbeiter, welche Kunden gerade zu bearbeiten sind.

Im Betrieb von MyClean geht es eng zu, die Kapazitäten reichen nicht mehr aus. Doch ein Umzug der Textilreinigung ist in Sicht. Der Neubau ist zwar noch nicht fertig, aber schon die Besichtigung der Baustelle beeindruckte die Besucher. Von außen erkennt man den geradlinigen, modernen Stil, den die Brüder Camli überall durchsetzen wollen: Eine schräge Fassade mit großer Fensterfront kennzeichnet den Neubau. Im großzügigen Kundenbereich dahinter steht bereits die massive Theke, darüber sind Plätze für zahlreiche Bildschirme erkennbar. Im neuen Betrieb gibt es ausschließlich LED-Licht. Produziert werden soll hier in einigen Wochen auf 1.300 m2 auf zwei Stockwerken. Die beiden Chefs haben aus ihrem Büro im ersten Stock den optimalen Überblick über das Geschehen. Die Zeiterfassung der Mitarbeiter soll über ein Fingerabdrucksystem funktionieren. Auch im neuen Betrieb kommt die EAN-gestützte Teileerfassung zum Einsatz, nur noch ausgeklügelter, versprechen Fatih und Ferda Camli. Außerdem sind Bereiche für 24-Stunden-Automaten vorgesehen.

Das Thema Digitalisierung und elektronische Betriebssteuerung will die EFIT weiter begleiten. So soll am 21. September 2016 im Raum Frankfurt am Main ein Treffen sowohl zu Marketingthemen als auch zu Betriebssteuerung und Softwareentwicklung statt­finden.

Infos: www.efit-textilpflege.de