Wirtschaftsspionage Österreichische Unternehmen oft das Ziel

Die Studie zur Wirtschaftsspionage präsentierten (v.l.n.r.) Franz Lang, Peter Gridling, Peter Koren, Martin Langer, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, Maximilian Burger-Scheidlin, Generaldirektor Konrad Kogler und Martin Weiss . Foto: WKÖ - © WKÖ

3 „Jedes österreichische Unternehmen kann von Wirtschafts- und Industriespionage betroffen sein. Ein Spionageangriff kann finanzielle Verluste, den Verlust sensibler Daten und Umsatzrückgänge bedeuten“, sagte Innenministerin Mag. Johanna Mikl-Leitner bei der Präsentation einer Studie, die 2015 von Wissenschaftlern der FH Campus Wien erstellt wurde. Im Auftrag des Innenministeriums und in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Österreich und der Industriellenvereinigung wurde erhoben, wie stark österreichische Unternehmen von Wirtschafts- und Industriespionage betroffen sind. In den letzten fünf Jahren waren hochgerechnet knapp 8.400 Unternehmen in Österreich Opfer mindestens eines Spionagefalls. 22 Prozent der betroffenen Unternehmen waren von fünf oder mehr Vorfällen betroffen. Ein Drittel der Vorfälle kam in Industriebetrieben vor. Bei 71 Prozent der betroffenen Unternehmen entstanden erhebliche Folgeschäden, etwa der Verlust von Aufträgen oder Kunden sowie Imageschäden. Der Gesamtschaden beträgt jährlich etwa eine Milliarde Euro.

Knapp ein Viertel der Spionagefälle wurde einer Behörde gemeldet. Der Studie nach war nicht immer die Angst vor Imageschäden entscheidend dafür, dass die Behörde nicht informiert worden war: In den meisten Fällen waren es Beweisprobleme oder die geringe Aussicht auf Erfolg einer justiziellen Verfolgung. „Der Kontakt zwischen Unternehmen und Behörden zur Ahndung von Spionagefällen muss intensiver werden. Nur so kann es uns gelingen, unsere Unternehmen vor Wirtschafts- und Industriespionage zu schützen“, sagte der Generaldirektor für öffentliche Sicherheit im Innenministerium, Mag. (FH) Konrad Kogler.

„Österreichs Industrie ist bereit und willens, Verantwortung zu tragen und die notwendigen Schritte für mehr effektiven Industrie- und Wirtschaftsschutz aktiv und in enger Abstimmung mit den Behörden voranzutreiben – ohne dass es zu Überregulierung und flächendeckender Überwachung kommt“, sagte der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Ing. Mag. Peter Koren, über die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Behörden.

Fast 30 Prozent der befragten Unternehmensvertreter schätzen mehr als die Hälfte ihrer Informationen als schutzwürdige Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse ein. „Insbesondere jene Unternehmen, die durch ihre Exportaktivitäten im Fokus stehen, sind von Wirtschaftsspionage betroffen. Besonderes Augenmerk gilt unseren Hidden Champions, also jenen Betrieben, die Weltmarktführer in ihren Bereichen sind“, sagte Dr. Maximilian Burger-Scheidlin, Geschäftsführer der Internationalen Handelskammer in der Wirtschaftskammer Österreich. Nur zwölf Prozent beschäftigen einen Mitarbeiter, der für Risiko- und Sicherheitsmanagement gegen Wirtschafts- und Industriespionage verantwortlich ist.

Der Studie zufolge ist die größte Schwachstelle der Mensch und nicht die Technik. Die Informationsweitergabe durch Personen überwiegt IT-basierten Angriffen von außen bei Weitem. „Mit dem richtigen Know-how, klaren Verantwortlichkeiten und strategischem Vorgehen können sich Unternehmen vor Wirtschafts- und Industriespionage schützen“, sagte FH-Professor Martin Langer, Studiengangsleiter im Fachbereich „Risiko- und Sicherheitsmanagement“ der FH Campus Wien. In nahezu der Hälfte der Spionagefälle kommen Mitbewerber als Täter in Frage. Nach Ansicht der befragten Unternehmensvertreter besteht in den Bereichen Technologie und Organisation Forschungsbedarf.

Mit Unterstützung der Wirtschaftskammer Österreich und der Industriellenvereinigung beteiligten sich an der Studie 1.149 österreichische Unternehmen. Neben der Industrie nahmen 19 Branchen an der Studie teil, wie etwa die Branche Information und Kommunikation und die Dienstleistungsbranchen im wirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen Bereich.

Infos: www.wko.at