Zu Besuch bei Schulthess in Wolfhausen, Schweiz Waschtechnik „Swiss Made“

Langlebig, ressourcensparend, zuverlässig – so sollte Waschtechnik sein. Die Schulthess Maschinen AG verspricht genau das. Man setzt konsequent auf Schweizer Qualität mit eigener Forschung, Entwicklung und Produktion – und das seit 1845. RWTextilservice war vor Ort am Firmensitz in Wolfhausen.

  • Bild 1 von 8
    © RWT
    Schulthess-Exportmanager Daniel Kolland zeigte RWT-Chefredakteurin Elena Schönhaar die Produktionsstätte in Wolfhausen.
  • Bild 2 von 8
    © Schönhaar
    Mehr als 600 Einzelteile sind in einer Schulthess-Waschmaschine verbaut.
  • Bild 3 von 8
    © Schönhaar
    Die Waschtrommeln mit verschiedenen Füllmengen warten auf ihren Einbau.
  • Bild 4 von 8
    © Schönhaar
    „Just in time“ werden auch die Gehäuse der Gewerbewaschmaschinen produziert.
  • Bild 5 von 8
    © Schönhaar
    Das Innenleben einer Gewerbemaschine mit ausgeklügelter, robuster Technik. Fotos: RWT
  • Bild 6 von 8
    © Schönhaar
    So entsteht Schritt für Schritt eine Schulthess-Maschine für die professionelle Textilpflege.
  • Bild 7 von 8
    © Schulthess
    Schulthess hat seinen Unternehmenssitz in Wolfhausen in der Schweiz. Foto: Schulthess
  • Bild 8 von 8
    © Schulthess
    Mittels moderner Robotertechnik werden die Teile montiert. Foto: Schulthess

3 Ob Uhren, Schokolade oder Käse: Schweizer Qualität ist weltbekannt. Aber auch Waschmaschinen kommen aus dem Land, das für Präzision und Hochwertigkeit steht. In einem kleinen, idyllischen Ort im Zürcher Oberland wird Hightech für die professionelle Textilpflege produziert. Hier hat die Schulthess Maschinen AG ihren Hauptsitz. Das international tätige Unternehmen bekennt sich seit jeher zum Standort Schweiz. Die gesamte Forschung, Entwicklung und Produktion von hochwertigen Wäschereimaschinen für Haushalt, Gewerbe und Industrie finden im hochmodernen Werk in Wolfhausen statt.

Ursprünglich gründete Kaspar Schulthess das Unternehmen im Jahr 1845 als Bauspenglerei in Zürich. Schon früh machte sich Schulthess Gedanken, wie man den Werkstoff Blech noch sinnvoll einsetzen kann. Und so stellte er im Jahr 1904 das erste Waschgerät her. Nachdem man 1917 die Fabrikationsgebäude in Wolfhausen bezogen hatte, folgten Meilensteine wie die Erfindung der Lochkartensteuerung für Waschmaschinen 1949 oder die Lancierung eines Waschautomaten mit Mikroprozessor 1978.

Von Anfang an stand die Erfüllung der Kundenbedürfnisse im Fokus. „Zufriedene Kunden sind die beste Werbung“, sagt Nicole Gillhausen, zuständig für das Marketing bei Schulthess. Und so erfüllt der Maschinenbauer fast alle Sonderwünsche seiner Kunden. Gillhausen betont: „Wir sind groß genug, um professionell zu sein, aber klein genug, um flexibel zu sein.“ So könne man auf Kundenwünsche eingehen und Spezialanforderungen rund um Waschmaschinen und Trockner in bester Qualität erfüllen. Zu den Kunden im gewerblichen Bereich gehören Hotellerie, Gastronomie und Cateringbetriebe ebenso wie Alten- und Pflegeheime, Spitäler und Kliniken sowie Gebäudereiniger; außerdem Handwerksbetriebe, Feuerwehren und Rettungsdienste, Fitness- und Wellnessbetriebe oder Sportvereine bzw. SB-Waschsalons und natürlich auch Textilreinigungen und gewerbliche Wäschereien.

Aktuell arbeiten bei der Schulthess Maschinen AG etwa 400 Mitarbeiter, davon rund 150 in Wolfhausen. Zur Unternehmensphilosophie gehört es, die Mitarbeiter zu fördern und zu fordern; Aus- und Weiterbildung sind wichtige Themen. In der Produktion arbeiten beispielsweise ausschließlich ausgebildete Facharbeiter, die eine drei- bis vierjährige Ausbildungszeit absolviert haben. Das Know-how ist notwendig, denn die Angestellten arbeiten mit komplizierten Hightechmaschinen und bedienen ausgeklügelte Roboter. Jährlich investiert Schulthess nach eigenen Angaben mehrere Millionen Schweizer Franken in die Produktionsanlagen, um immer auf dem neuesten Stand der Technik zu sein.

Die Gesamtfläche des Produktionsareals beträgt fast 50.500 m2. Auf dieser Fläche werden Schweizer Präzisionsprodukte für die Textilpflege hergestellt, kleinste Teile ausgestanzt, großflächige Blechteile zugeschnitten und gebogen. Blecharbeit ist eine Stärke von Schulthess, „das haben wir unserem Gründer zu verdanken“, erläutert Nicole Gillhausen und ergänzt: „Dass unsere Maschinen ,Swiss Made‘ sind, schätzen viele unserer Kunden.“ Der Qualitätsgedanke steht bei Schulthess im Vordergrund. Schulthess ist z.B. auch nach ISO 9001 und ISO 14001 zertifiziert.

„Natürlich achten wir auch beim verwendeten Material auf hohe Qualität“, sagt Daniel Kolland, Exportmanager bei Schulthess. Alles, was nicht selbst produziert wird, kommt von zertifizierten Lieferanten. Entwickelt werden alle Teile in Wolfhausen und auch die Zusammensetzung aller Teile findet hier statt. Das verwendete Grundmaterial wie Blech und Stahl kommt aus der Schweiz.

Schulthess hat eine eigene Lackiererei; Pulverbeschichtungen werden in einem ressourcensparenden Verfahren ebenfalls selbst durchgeführt. Im ganzen Werk kommen moderne, effiziente Software, Maschinen und Roboter zum Einsatz. Je nach Bedarf sind die Roboter bei Schulthess sieben Tage pro Woche in Betrieb. Generell läuft die Produktion zweischichtig. Mensch und Maschine arbeiten dabei eng zusammen. Die Roboter haben sogar Namen von den Mitarbeitern bekommen: Bärbel und Arnold biegen Stahlbleche, Heidi montiert die Verkleidung automatisch. Teilweise arbeiten die Roboter in abgestimmter Choreographie mit einem Facharbeiter „Hand in Hand“. Automatisierung sorgt für Effizienz, aber wo nötig, ist das Know-how der Mitarbeiter gefragt. Beispielsweise werden bei den Gewerbemaschinen wichtige Teile händisch geschweißt, um perfekte Schweißnähte für eine optimale Robustheit zu bekommen. Schulthess produziert „just in time“: gestern bestellt, heute produziert, morgen geliefert. So spart man Lagerhaltungskosten. Laut Daniel Kolland müssen die Kunden trotzdem nicht lange auf ihre Maschinen warten: „Bei Gewerbemaschinen können wir sagen, dass diese in der Regel ab Bestellung innerhalb von 14 Tagen vor Ort beim Kunden sind.“

Ein umfangreiches Lager gibt es bei Schulthess für Ersatzteile. Denn das Unternehmen gewährt eine Ersatzteilgarantie von 15 Jahren – auch für Kleinstteile. „Ein enormer Aufwand, aber wir wollen unseren Kunden nachhaltige Maschinen bieten und deshalb auch nachhaltig die Ersatzteilelieferung garantieren“, erläutert Kolland. Schulthess hat nicht nur seinen Maschinen, sondern auch sich selbst als Unternehmen eine nachhaltige Ausrichtung auf die Fahnen geschrieben. Eine Zertifizierung nach ISO 14001 soll dabei nicht nur zur Kommunikation nach außen dienen. „Es zwingt auch, am Ball zu bleiben in Sachen Nachhaltigkeit – und genau das tun wir“, sagt Nicole Gillhausen. Regelmäßig tauscht das Unternehmen z.B. die Servicefahrzeuge aus und schafft spritsparendere Modelle mit weniger CO2-Ausstoß an. Die Servicetechniker erhalten Schulungen, wie sie ressourcenschonend fahren können. Forschung und Entwicklung bei Schulthess arbeiten kontinuierlich an nachhaltigen, immer energieeffizienteren Produkten. Und das nicht nur, damit die Kunden mit Schulthess-Maschinen Strom und Wasser einsparen können und damit die Umwelt schützen. Langlebigkeit durch Qualität lautet die Maxime.

Zur Qualitätssicherung wird jede Maschine vor dem Verlassen des Werks auf Herz und Nieren geprüft. Dies passiert in der Produktion bzw. ist Bestandteil des Prozesses. „Erst wenn alle Messwerte gut sind, wird die Maschine verpackt und verschickt“, erläutert Nicole Gillhausen. Jede einzelne Maschine macht so einen Probelauf – inklusive Waschgang. In der Entwicklungsphase vor der Serienproduktion fährt Schulthess mit den Maschinen außerdem Dauertests. Stefan Schlup und sein Team sind dafür verantwortlich. Der Mikrotechnikingenieur und Leiter Versuch/Labor bei Schulthess sagt: „Wir testen in der Praxis, was in der Theorie entwickelt wurde. Erst wenn wir mit den erreichten Werten zufrieden sind, gehen die Geräte in Serie.“ So wird beispielsweise untersucht, wie sich eine Türe nach 150.000-fachem Öffnen und Schließen verhält; oder wie gleichmäßig eine Waschtrommel nach 18.000 Stunden ununterbrochenen Laufens dreht. Alles wird mit Monitoren getrackt, gemessen, analysiert. Versuchsingenieur Schlup betont, es gehe bei den Tests zum einen um die Technik, um Energie und Ökologie; zum anderen um die Reinigungsergebnisse. Da wird jedes einzelne Waschprogramm akribisch getestet. Wichtig ist, ob sich eine gewünschte Temperatur zum richtigen Zeitpunkt einstellt und ob diese über einen bestimmten Zeitraum gehalten wird. Getestet wird auch, wie sich welches textile Material in den Maschinen verhält. „So wollen wir z.B. das Knitterverhalten oder die Schontrommel weiter optimieren“, erläutert Schlup.

Schulthess holt sich regelmäßig auch externe Einschätzungen und arbeitet z.B. mit Experten des wfk – Cleaning Technology Institute in Krefeld zusammen. Aus Wolfhausen gehen teilweise ganze Waschmaschinen für Testzwecke nach Krefeld, wo Mikrobiologen die gewaschenen Textilien auf ihre Virenfreiheit testen. „Wir kooperieren auch mit den Chemieherstellern“, berichtet Nicole Gillhausen. Verfahrenstechniker der Chemieunternehmen seien u.a. in den Entwicklungsprozess neuer Maschinen eingebunden. Und man biete Schulungen für die Partner aus der Chemiebranche.

Auch für die Servicetechniker gibt es selbstverständlich Schulungen rund um Funktion, Bedienung, Wartung usw. Denn der Service gehört für Schulthess zum Gesamtkonzept dazu. „Wir wollen schnell und nah am Kunden sein“, sagt Daniel Kolland. Auch in Deutschland hat das Unternehmen ein flächendeckendes Servicenetz. Beim Händlernetz sei man regional gut aufgestellt. Kolland betont: „Wir freuen uns aber noch über neue interessierte Händler, die das Qualitätsbewusstsein mit uns teilen.“ Deutschland sei aufgrund des Qualitätsbewusstseins nach wie vor ein interessanter Markt. Momentan hat Schulthess im Export 28 Vertriebspartner in 17 Ländern, v.a. in der EU. „Fans haben wir aber z.B. auch in Chile“, berichtet Kolland.

Schulthess ist allgemein zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. Selbst erschwerte Bedingungen mit der Frankenaufwertung im vergangenen Jahr konnten diese nicht eintrüben. Man musste sogar Personal aufstocken, erzählt Nicole Gillhausen. Und so freut sich das Unternehmen schon auf die Texcare International 2016. Geplant sind Livevorführungen zur Nassreinigung und einiges mehr.