Zu Besuch bei Kreussler in Wiesbaden Wo die Chemie stimmt

Seit 1912 stellt die Chemische Fabrik Kreussler Chemie für die Textilpflege her. RWTextilservice hat sich die Produktion in Wiesbaden angesehen und den Mitarbeitern beim Mischen von Waschmitteln und Zusammenbauen der Dosieranlagen über die Schulter geschaut.

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    Im Labor werden Rückstellproben vorgehalten. Fotos: Schönhaar
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    Die Pulverprodukte lagern in großen Silos.
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    Im Technikum steht u.a. eine Reinigungsmaschine.

3 Ein Chemiehersteller hat es heutzutage nicht einfach. Gesetze, Regulierungen, Vorschriften werden immer mehr und immer komplizierter. Dazu kommt die zunehmende Forderung der Gesellschaft nach Nachhaltigkeit. Nicht zuletzt ist die Wirtschaftlichkeit eine Herausforderung, weil Preiskämpfe stattfinden und die Rohstoffkosten schwanken. Trotzdem gibt es erfolgreiche deutsche Chemiehersteller. So wie die Chemische Fabrik Kreussler in Wiesbaden. Das mittelständische Unternehmen wurde 1912 von Christian Kreussler gegründet, damals als „Spezialhaus in Anilinfarben und Chemischen Produkten für Kleiderfärberei, Chemische- und Dampfwäscherei“. Seit vier Generationen ist das Unternehmen im Besitz der Gründerfamilie Travers-Kreussler. Heute hat die Kreussler-Gruppe rund 200 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von über 40 Millionen Euro, davon circa 70 Prozent im Ausland. Zwei Bereiche werden bedient: Textilchemie und Pharma. Die zwei Standbeine geben Unabhängigkeit und erlauben einen Blick über den Tellerrand hinaus. Produziert wird alles in Wiesbaden. Tochtergesellschaften befinden sich in Frankreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Kooperationspartner hat Kreussler in zahlreichen Ländern weltweit. Dementsprechend ist das Unternehmen auch auf allen großen Messen international vertreten – im Textilpflegebereich u.a. auf der Texcare International und Texcare Asia, der JetExpo, der ExpoDetergo und der Clean Show.

„Textilpflege hat Zukunft“

Dr. Helmut Eigen ist der Geschäftsführer der Sparte „Textile Care“ bei Kreussler. Er ist überzeugt: „Textilpflege hat Zukunft und viel Potenzial. Wir unterstützen die Branche, unsere Kunden dabei, effektiv und erfolgreich zu arbeiten.“ Zu den Endkunden gehören industrielle genauso wie institutionelle Wäschereien und Textilreinigungen. Einen großen Teil produziert Kreussler im Auftrag für Händler oder den Export. Auch Lohnproduktion gehört zum Angebot. Kreussler übernimmt die Realisierung eines individuellen Produkts, wenn jemand ein Waschmittel mit eigener Marke oder eigenem Etikett vermarkten möchte.

Dass sich Kreussler auf keinem einfachen Markt bewegt, weiß ­Eigen: „Es gibt viele Mitbewerber, die Preise sinken seit Jahren.“ Überzeugen will man mit innovativen Produkten, gutem Service und hoher Qualität – bei akzeptablen Preisen. Bei der Chemie sollte man nicht sparen, so Eigen. Von der Kostenstruktur mache die Chemie in Textilpflegebetrieben nur etwa ein bis zwei Prozent aus. Dabei hat die eingesetzte Wasch- und Reinigungschemie aber Auswirkungen auf viele Bereiche – angefangen von reibungslosen Prozessen und Reklamationen über das Finish und den nötigen Personalaufwand bis zum Energie- und Wasserverbrauch.

Wie entsteht innovative Textilchemie? Dr. Helmut Eigen und Petra Gottwald, Referentin Marketing und Kommunikation bei Kreussler, zeigten der Redaktion von RWTextilservice die Produktion in Wiesbaden. Hier wird ein breites Sortiment an Textilchemie hergestellt – von Flüssig- über Pulverwaschmittel bis zu Lösungs- und Detachiermitteln und Produkten zur Textilveredelung. Pro Jahr werden etwa 10.000 t produziert. Eigen sagt: „Der Trend geht dabei stark zu Flüssigprodukten. Sie machen etwa 80 Prozent der Produktionsmenge aus, während Pulverprodukte eher im haushaltsnahen Bereich verwendet werden und 20 Prozent ausmachen.“ Dabei habe die flüssige Waschchemie nicht nur den Vorteil, dass sie einfacher zu dosieren ist – sie sei auch einfacher zu produzieren. Kreussler stellt 8 t flüssiges Produkt in etwa 30 Minuten her, für 1,5 t Pulver benötigt man ebenfalls 30 bis 40 Minuten.

In der Flüssigproduktion kommen die Rohstoffe aus Tanks. Alles läuft über ein modernes Rohrsystem; die Steuerung sorgt für halbautomatische Abläufe und ist an SAP angebunden. Eigen erläutert: „In der Produktkette werden wir in der Produktion immer tensidreicher, d.h. es werden im Rhythmus von etwa sechs bis sieben Tagen erst tensidärmere, dann immer tensidreichere Produkte hergestellt, dann wird zu Lösungsmittelprodukten gewechselt und der Turnus geht von vorne los.“ Die fertig gemischten Produkte werden von Bodentanks direkt in verschiedene Gebinde abgefüllt. Die Größen variieren von 500-ml-Flaschen zu Plastikkanistern über Fässer bis zum Container. Auch bei den Pulverprodukten gibt es verschiedene Varianten, vom 1,5-kg-Karton über den Plastiksack bis zum Big Bag. Die Pulverprodukte lagern in großen Silos. Für Kleingebinde in Pulverform gibt es einen Halbautomaten zur Abfüllung. Vollautomatisch läuft z.B. die Verpackung – ein Roboter umwickelt die Gebinde mit Folie. Dank Effizienz und Flexibilität sind Bestellungen für das Ausland in etwa sechs bis acht Werktagen versandfertig, im Inland in der Regel in ein bis zwei Werktagen, so Petra Gottwald.

Gut ausgebildete Mitarbeiter

„Wir haben sehr gut ausgebildete Leute in der Produktion, denn hier dürfen keine Fehler passieren“, sagt Eigen. Für den Wissens­transfer gibt es Teams aus älteren und jungen Mitarbeitern. Im Familienunternehmen Kreussler haben Mitarbeiter generell einen hohen Stellenwert. Seit 100 Jahren ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Unternehmensziel verankert. Außerdem bildet das Unternehmen regelmäßig zwei bis drei Lehrlinge aus.

Der Besucher merkt beim Unternehmensrundgang: Bei Kreussler arbeiten Chemieexperten, die ihren Beruf lieben, so auch im Labor. Die Mitarbeiter kontrollieren alle ausgehenden Produkte und Rohstoffe; außerdem findet hier die Produktentwicklung statt. „Dazu braucht es Waage, Rührer und vor allem sehr viel Erfahrung“, weiß Eigen. Wichtig sei außerdem, dass die Produkte über einen weiten Temperaturbereich stabil bleiben müssen; sie dürfen sich also nicht trennen. Kreussler verkauft seine Produkte von Sibirien bis in die Wüste – gewisse Temperaturschwankungen bleiben also nicht aus. Um die Stabilität zu gewährleisten, arbeitet Kreussler vor allem mit Mikroemulsionen oder sogenannten echten Lösungen. Eine Mikroemulsion ist eine Emulsion, deren disperse Phase (z.B. Öl oder Wasser) derart kleine „Tröpfchen“ bildet, dass sichtbares Licht an ihnen nicht gestreut wird. Das bewirkt, dass Mikroemulsionen transparent wie Wasser sind, während normale Emulsionen undurchsichtig wie Milch sind. Der Vorteil der Mikroemulsionen ist, dass sie thermodynamisch stabil sind und sich auch über lange Zeiträume nicht trennen.

Ebenfalls wichtig bei der Produktentwicklung: Effizienz und Ökologie. Eigen betont: „Wir versuchen, Probleme mit bestimmten Stoffen vorherzusehen, und nehmen diese Stoffe aus unseren Produkten, bevor es Regulierungen etc. dazu gibt. Beispielsweise sind die Waschmittel seit Jahrzehnten frei von Zeolithen und Phosphaten.“ Ein gutes Beispiel für effiziente, ökologische Produkte seien auch das SYSTEM K4 für die umweltfreundliche Textilreinigung oder das Nassreinigungssystem mit den LANADOL-Produkten. Auf Umweltverträglichkeit achtet Kreussler nicht nur bei den Produkten selbst, sondern auch bei der Produktion. Pro Woche fallen laut Unternehmen nur etwa 20 m3 Abwasser an. Petra Gottwald ergänzt: „Das nach ISO 9001 und ISO 14001 zertifizierte Qualitätsmanagement sorgt für kontinuierliche Verbesserung bei Kreussler-Produkten und -Dienstleistungen.“

Waschmonitore und Lösungsmittelanalytik

Konkret wird die Qualität beispielsweise im Labor durch Waschtests überwacht und optimiert. In Testwaschschleudermaschinen werden Waschmonitore gewaschen. Auch Dauerwaschtests werden durchgeführt. Anschließend sind Reißkraftverluste, Weißgrade usw. unter der Lupe. Farbmessung, Flammpunktmessung oder Lösungsmittelanalytik und einiges mehr gehören ebenfalls zur modernen Ausstattung des Labors. Im Technikum befindet sich ein komplettes Equipment einer Textilreinigung: Reinigungsmaschine, Miele-Nassreinigungssystem, Bügeltisch, Pressen usw. Hier werden die Kreussler-Produkte an vielen verschiedenen Textilien getestet, von OP-Gewebe über Wolle bis zu Berufsbekleidung. Kreussler erarbeitet auch Reinigungs- bzw. Waschempfehlungen, wenn Kunden sich bei bestimmten Materialien unsicher sind. Das Technikum und ein Schulungsraum bieten außerdem die Möglichkeit, Seminare abzuhalten.

Intelligente Dosieranlagen

Neben chemischem und textilem Know-how besitzt Kreussler auch technische Kompetenz. So werden beispielsweise Dosieranlagen für Flüssig- oder Pulverwaschmittel sowie für Waschstraßen selbst produziert. Eigen erläutert, warum zuverlässige Dosiertechnik so wichtig für eine Wäscherei ist: „Automatische Dosieranlagen gewährleisten die Einhaltung vorgegebener Prozessparameter, vermeiden kostspielige Überdosierungen und sorgen in jedem Programm für einen korrekten Ablauf des Verfahrens. Menschliche Fehler können weitgehend vermieden werden, jeder Wäscheposten wird individuell gesteuert und überwacht.“ Mit entsprechender Auswertungssoftware könne sogar der gesamte Waschprozess dokumentiert und auf einem Bildschirm abgebildet werden. Ein Kompetenzteam aus Computerfachleuten, Technikern, Elektrikern und Mechatronikern entwickelt bei Kreussler eigene Steuerungen, Betriebsdatenerfassung (BDE) und Visualisierung von Betriebsabläufen. Es programmiert und baut Schaltschränke, Dosierracks, Pumpenblöcke für Pulver-, Stammlauge- oder Flüssigdosieranlagen.

Kooperationen und Wissenstransfer

„Wir sind innovativ und kompetent.“ Das ist nicht nur ein leerer Ausspruch bei Kreussler. Mit Fleiß und Fachkenntnis forcieren das Unternehmen und seine Mitarbeiter fortschrittliche Entwicklungen. Dazu kooperieren die Wiesbadener mit Hochschulen und Instituten und stehen im engen Kontakt mit den Anwendern der Produkte, um deren Bedürfnisse genau zu kennen. Eigen betont: „Wir ­schauen auch mal über den Tellerrand, nicht nur zu den Kollegen der Pharmasparte, sondern beispielsweise auch zu den Herstellern von Geschirrspülmitteln, der Papierindustrie oder den Reinigungsbereich – was wird hier verwendet, was kann man adaptieren?“ Das Expertenteam von Kreussler engagiert sich auch bei Projekten, in der Forschung, bei Verbänden. „Wir wollen immer ,up-to-date‘ sein“, sagt Eigen. Er selbst ist u.a. ehrenamtlich als Gutachter für Forschungsanträge des FKT und der AIF tätig, und ist Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des wfk – Cleaning Technology Institute. Kreussler arbeitet in vielen Arbeitskreisen der textilen Kette mit wie z.B. beim ISO-Arbeitskreis Textilpflegekennzeichnung.

Zur Unternehmensphilosophie von Kreussler gehört auch eine gute Kundenbetreuung. Gottwald sagt: „Beim Service setzen wir ebenfalls auf Nachhaltigkeit und langjährige Beziehungen. Die Techniker gehören oft fast schon zur Familie in den Wäschereien und Textilreinigungen.“ Im Rahmen des technischen Services bietet Kreussler auch fachkundige Beratung zum Energiemanagement an.

Das Unternehmen entwickelt sich nicht nur auf der Kompetenzseite stetig weiter, sondern auch physisch, denn es ist ein neues Lager geplant. Das aktuelle ist mittlerweile zu klein geworden. Das neue Lager soll die Kapazität mehr als verdoppeln. Und auch online ist Kreussler nicht nur mit einer Website auf sieben verschiedenen Sprachen vertreten. Seit Juli dieses Jahres ist unter Federführung der amerikanischen Tochtergesellschaft der englische Kreussler Inc.‘s Blog am Start, mit vielen Tipps rund um die professionelle Textilpflege und den effizienten Chemieeinsatz.

Infos: www.kreussler.de

www.kreussler.de