ComSecura Von Lasern und Strümpfen

Angefangen hat alles mit Wäschenetzverschlüssen aus Kautschuk. Heute ist ComSecura AG im niedersächsischen Neubörger Spezialist für die Aufbereitung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen – wobei das Waschen nur ein kleiner Teil der Aufbereitung ist.

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    Die Gummiverschlüsse für Wäschenetze sind das Ursprungsprodukt von ComSecura. Fotos: ComSecura
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    Mit dem Yag-Laser-Beschriftungssystem kann man verschiedenste Materialien bearbeiten und waschbeständig kennzeichnen.
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    In standardisierten Sammelbehältern mit je 75 l Fassungsvermögen kommen die Thromboseprophylaxestrümpfe bei ComSecura an.
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    Die Wäschenetze mit den MTPS befinden sich in patentierten Hygienehüllen.
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    Kontrolle ist bei der Aufbereitung von Medizin­produkten wichtig. Eine Mitarbeiterin entnimmt die Wäschenetze und liest sie ein.
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    Die Prüfung der Strümpfe erfolgt an zwei unterschiedlich arbeitenden Prüfplätzen.
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    Auf einem Lichttisch prüft die Mitarbeiterin den Strumpf. Defekte am Medizinprodukt müssen zuverlässig erkannt werden.
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    In der Kommissionierung werden die Wäschenetze wieder mit Hygienehüllen versehen und in die Transportbox gepackt.
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    „iLeg“, ein Gerät zum Anmessen eines MTPS, ist eine weitere Eigenentwicklung von Gerhard Wolfshohl.

3 „Wir sind ein patentes Unternehmen“, sagt ComSecura-Aufsichtsrat Gerhard Wolfshohl. Nicht zu Unrecht, denn Patente hat die Aktiengesellschaft aus dem hohen Norden Deutschlands einige inne. Seine Frau Hildegard, Vorstand der ComSecura AG, erzählt: „Seit 1946 fertigen wir mittlerweile in dritter Generation u.a. Verschlüsse für Wäschenetze. Zunächst gibt es da als Ursprungsprodukt, zusammen mit anderen Produkten aus Naturkautschuk, den klassischen Gumminetzverschluss. Er ist in unterschiedlichen Größen und Farben und der Möglichkeit der Nummerierung immer noch lieferbar.“

Ganz im Sinne einer modernen Ausrichtung des Betriebs wurde die Kautschukverarbeitung automatisiert und 1999 konnte ComSecura das erste Handlingsystem für die Entnahme, Kühlung und Sortierung der Teile in Betrieb nehmen. Den Anforderungen des Marktes folgend entwickelte das Unternehmen den Kordelverschluss „DiBe“.

Um die Produkte auch in Wäschereien einsetzen zu können, ist eine waschfeste Beschriftung Voraussetzung – sofern eine Kennzeichnung verlangt wird. Seit mehr als zehn Jahren nutzt ComSecura hierfür ein Yag-Laser-Beschriftungssystem. Diese Technik ermöglicht es, ohne Toner oder Tinte – also ohne jeden Zusatz – eine ausschließlich durch Licht ausgelöste Reaktion im jeweiligen Material zu erzeugen, die dann eine freie Beschriftung (z.B. auch mit einer Grafik) zulässt, ohne auf wenige Ziffern beschränkt zu sein. Anwendung findet diesen Verfahren bei ComSecura für Edelstahl, Wäschereinadeln, Gumminetzverschlüsse, Kordelverschlüsse („DiBe“) sowie Reinraumkennungen. Darüber hinaus kann der Laser aber auch spezielle Folien und eloxierte Materialien bearbeiten. „Sogar bis in den Weltraum haben wir es damit geschafft!“, berichtet Gerhard Wolfshohl. Dank einer engen Zusammenarbeit mit Transponderherstellern kann der „DiBe“ auch mit einem RFID-Chip ausgestattet werden.

Schutzrechte für ausgeklügelte Produkte

Im Laufe der Zeit zeigte sich, dass viele Verfahren und Produkte eines marken- sowie patentrechtlichen Schutzes bedürfen, so Wolfshohl. „Ein erstes Schutzrecht erhielten wir für eine Hygienehülle. Sie ermöglicht es, Waschnetze auch dort einzusetzen, wo kontaminierte Wäsche auftragsbezogen bearbeitet werden muss.“ Vertraut mit der Programmierung von Datenbanken, dem Einsatz moderner Computersysteme und dem immerwährenden Willen, Innovation zu leben, entstand vor zwölf Jahren dann die Zusammenarbeit mit BSN medical im Bereich der Aufbereitung von medizinischen Thromboseprophylaxestrümpfen (MTPS). Da es sich dabei um ein Medizinprodukt handelt, ist bei der Aufbereitung vieles zu beachten. Außer der Einhaltung der Krankenhaushygienerichtlinien (Hygienezeugnis für Krankenhauswäsche RAL-Gütezeichen 992/2), der weitgehenden Fleckfreiheit und der zuverlässigen Erkennung von Defekten am Medizinprodukt gilt es, zuverlässig die limitierte Nutzungsdauer zu kontrollieren.

Bedingung für die Wäsche der MTPS ist die Verwendung von RKI-gelisteten Produkten. Die ständige Kontrolle durch den Hersteller der Strümpfe, ob die Bedingungen seines Hohenstein-Gutachtens für die Aufbereitung eingehalten werden, ergänzt den Prozess. Unter diesen Voraussetzungen hat ComSecura nach eigenen Angaben ein Waschverfahren entwickelt und ein Gutachten der Hohenstein Institute erhalten, dass die Entfernung von Flecken, beispielsweise durch Kutane oder Salben, zu mehr als 98 Prozent ermöglicht, ohne die Wirkung des Medizinproduktes zu beeinträchtigen. Eine Nachwäsche, die zwangsläufig die maximale Zahl der Wiederaufbereitungen verringern würde, sei damit überflüssig. Gewaschen wird bei ComSecura nicht, hierfür hat das Unternehmen entsprechend kompetente, zertifizierte Partner. Mit diesen Wäschereien sprechen Gerhard und Hildegard Wolfshohl ­spezielle Voraussetzungen ab, beispielsweise, dass die MTPS nicht gepresst und nur separat in Waschschleudermaschinen gewaschen werden dürfen.

Das eigens entwickelte Waschverfahren und die Herstellungsqualität der MTPS des Vertragspartners BSN medical reduzieren die Defekte auf rein mechanische Zerstörung, sagt Gerhard Wolfshohl. „Damit haben wir weniger als zwei Prozent Ausschuss.“ Insbesondere der vom Strumpfhersteller angenähte Barcode des Strumpfes bleibe lesbar. „Das ist wichtig, denn er ist ja der Schlüssel zur Archivierung und Kontrolle. Unsere Kunden wollen wissen, welche Stationen was geliefert haben und wie der wirtschaftliche Einsatz in der Klinik ist.“ Die Datenbank von ComSecura enhalte mittlerweile mehr als drei Millionen Datensätze von MTPS, die schnell – und zwar im Nanosekundenbereich – abrufbar sein müssen. Die Legende jedes einzelnen Strumpfes wird 30 Jahre vorgehalten.

Gesicherte Abläufe

Das Stammdatenmanagement ist ebenfalls selbst entwickelt und ermöglicht es, den Kundenbedürfnissen nachzukommen: ob Produkte anderer Hersteller mitbearbeitet werden sollen, wie mit Produkten verfahren werden soll, die nicht MTPS sind etc. Die bei ComSecura eingesetzten Betriebsmittel sind der Schlüssel zur Lösung dieser Aufgabe, erläutert Gerhard Wolfshohl. Das fange schon bei den Sammelbehältern an. Hier handelt es sich um einen standardisierten Behälter mit 75 l Fassungsvermögen, der stapelbar ist. Ein an ihm angebrachtes Schild (eloxiertes Aluminium) trägt einen 2-D-Code, der ihn als einer bestimmten Klinik zugehörig ausweist. Damit ist sichergestellt, dass diese Box nur zwischen diesem Haus und ComSecura verwendet wird. Wird ein solcher Behälter bei dem Aufbereiter angeliefert, wird der 2-D-Code eingelesen und alle in ihm befindlichen Netze anhand des im „DiBe“ vorhandenen Transponders dieser Box zugeordnet.

In der Waschvorbereitung, die in der Wäscherei geschieht, werden auf der unreinen Seite die von ComSecura patentierten Hygienehüllen von den Netzen entfernt. Da das Netz größer ist als die Hülle, kann jetzt das gesamte Volumen für eine optimale Wäsche genutzt werden – eine Überfüllung der Netze soll damit ausgeschlossen sein.

Nach der Wäsche werden die Netze wieder in die zwischenzeitlich desinfizierten und gereinigten Boxen – das Unternehmen nennt sie „Outside-Box“ – verbracht und dem Prüfzentrum übergeben. Bevor die Boxen hier weiter bearbeitet werden, werden mit einem speziellen Verfahren alle Rückstände von Versandtaschen und Transportaufklebern entfernt. „Alles muss seine Ordnung haben, das nehmen wir sehr ernst“, betont Gerhard Wolfshohl. Deshalb hat sich auch jeder Mitarbeiter im Prüfzentrum mit seiner Personalkarte an den jeweiligen Arbeitsstationen zu identifizieren.

In der Arbeitsvorbereitung wird wieder der Code der „Outside-Box“ eingelesen und damit werden alle kundenspezifischen Anweisungen angezeigt (z.B. wie mit „Nicht-MTPS“-Produkten verfahren werden soll).

Mit dem Wäschenetz elektronisch verbunden

Nacheinander nehmen die Mitarbeiter die Netze aus den Boxen und lesen sie ein. Bevor ein Netz bearbeitet wird, wird es auf eventuelle Schäden untersucht und dann entleert. Für die weitere Bearbeitung wird jetzt der Start-2-D-Code einer als „Inside-Box“ bezeichneten Steige eingelesen und mit dem Wäschenetz elektronisch verbunden. In diese „Inside-Box“ werden die für die Stückprüfung lagerichtig sortierten Netzinhalte (MTPS) gelegt. Ist das letzte Netz bearbeitet, geht diese Kommission geschlossen an einen der beiden Prüfplätze. Sie arbeiten unterschiedlich, aber für beide gilt: Wird die erste „Inside-Box“ einer Kommission eingelesen, erscheint der gesamte Bestand dieser Kommission. Bei der Prüfung wird jeder einzelne MTPS erfasst und beurteilt – entweder auf einem Lichttisch oder durch eine Kameraanalyse. Ist die „Inside-Box“ leer, wird der im Inneren befindliche – und dann erst sichtbare – End-2-D-Code eingelesen und damit der geprüfte Inhalt des Netzes einer bestimmten Kostenstelle des Kunden zugeordnet.

Entsprechend den Kundenvorgaben (z.B. befleckte MTPS entsorgen) und der Prüfung der Nutzungszahl oder des Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums gibt die Datenbank den Strumpf zur weiteren Verwendung frei, sofern er die optische Prüfung bestanden hat. Das Ergebnis dieser Prüfung wird archiviert und ein Datenblatt erstellt – hier erfüllt ComSecura nach eigenen Angaben schon heute die Empfehlungen des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVmed). Dieses Datenblatt trägt neben der Produktbezeichnung und Größe, dem Namen der Klinik, ggf. deren interner Kostenstelle, Stationsbezeichnung oder Bestellnummer auch die Seriennummer des MTPS, sowohl als QR-Code als auch klar lesbar.

Die Strümpfe werden zusammen mit dem Datenblatt automatisch einzeln in diffundierenden Hüllen mit Sollbruchstelle verpackt und von einer Sortieranlage übernommen. An den Kommissionierungsplätzen übernimmt wieder der „Outside-Box“-Code. Nach dessen Einlesen überprüfen die Mitarbeiter die Vollständigkeit. Die MTPS werden sortiert – entweder ausschließlich nach Typ und Größe oder aber zunächst nach Stationen und in der Folge nach Typ und Größe –, banderoliert und jetzt wieder mit Hygienehüllen versehenen Netzen zusammen in die Transportbox gepackt. Stimmen die Sollwerte mit dem Istwert überein, kann die Kommission abgeschlossen werden und der Lieferschein wird erzeugt. Auf diesem befinden sich wieder QR-Codes, die die Versand- und Rückholetiketten für den Transporteur (UPS) automatisch erzeugen. UPS übernimmt und der Kreis ist geschlossen. Bis zu zwölf Mitarbeiter werden bei ComSecura mit bis zu 15.000 MTPS täglich beschäftigt. Gerhard Wolfshohl betont: „Wir verstehen uns dabei nicht als Konkurrenz zu Wäschereien, sondern als Ergänzung und sehen hier eine Zusammenarbeit. Entsprechende Kooperationen bestehen, da wir keine Konkurrenz im Bereich von Klinik- oder Heimwäsche darstellen, sondern spezialisiert als Wiederaufbereiter für MTPS sind.“

In Zukunft noch einiges vor

Der Unternehmer hat in diesem Spezialgebiet noch einiges vor. So soll die selbstverständlich patentrechtlich geschützte Prüfanlage in Zukunft auch Auskunft über die Spannkraft des MTPS geben können. Aktuell werden empirische Daten ermittelt, um dieses Verfahren zu validieren. Das Gleiche gilt für die Kameradetektion – auch hier werde die Zuverlässigkeit zu 100 Prozent überwacht.

Für die Zukunft hat Gerhard Wolfshohl noch ein Projekt im Köcher: „iLeg“ ist ein elektronisches Handmessgerät, das das Anmessen eines MTPS übernimmt und erkennt, ob es sich um einen liegenden oder stehenden Patienten handelt. Zurzeit werden fünf Prototypen für die klinische Prüfung vorbereitet. „Wir denken mit der ersten Serie, nach erfolgter CE-Prüfung, im ersten Quartal 2017 in den Markt zu gehen“, so Wolfshohl. Auch hierbei handelt es sich um ein Patent von ComSecura.

Infos: www.comsecura-ag.de