Jahrestagung der Gütegemeinschaft sachgemässe Wäschepflege 2016 in Kassel Mehrwert für die Mitglieder

Zum zweiten Mal fand die Jahrestagung der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege in Kassel statt. Vom 20. bis 22. Oktober 2016 trafen sich insgesamt mehr als 300 Teilnehmer, um sich über Aktuelles aus der Forschung, kommende Herausforderungen und Trends zu informieren.

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    Die Teilnehmer des Jahrestagung bekamen viele Anregungen für effiziente Prozesse in der Wäscherei. Fotos: Schönhaar
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    Karl-Rainer Dauer, 1. Vorsitzender der Gütegemeinschaft, begrüßte die Teilnehmer in Kassel.
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    Alfred Stöhr von der IHO informierte über die Biozidprodukteverordnung.
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    Stellten ihre aktuellen Forschungsprojekte vor (v.li.): Dr. Kim Hecht, Jasmin Haap, Dipl.-Ing. Markus Beeh, Dr. Anja Gerhardts, Dr. Igor ­Kogut und Dipl.-Ing. (FH) Simone Morlock.
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    Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zur Zukunft des Textilservice (v.li.): Ludger von Schoenebeck, Dr. Helmut Eigen, Lars Blechschmidt, Wolfgang Faist und Matthias Arndt. Fotos: Schönhaar
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    Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow ging auf die Gefahr von Krankheitserregern im Reisegepäck ein.
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    Vorstand und Geschäftsführung der Gütegemeinschaft (v.li.): Axel Schäuble, Ellen Petow, Jürgen Hoffmann, Karl-Rainer Dauer, Ludger von Schoenebeck (Geschäftsführer), Eric Fallak und Andreas Popp.
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    Wolfgang Kabus wurde neu in den Vorstand der Gütegemeinschaft gewählt. Fotos: Schönhaar

3 Erstmals mehr als 400 Mitglieder – darüber konnte sich die Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege bei ihrer Jahrestagung 2016 in Kassel freuen. Karl-Rainer Dauer, 1. Vorsitzender der Gütegemeinschaft, begrüßte am 21. Oktober die aus ganz Deutschland und auch aus dem europäischen Ausland angereisten Teilnehmer. Der Anteil internationaler Mitglieder in der Gütegemeinschaft steigt. Nicht nur aus Österreich oder Ungarn kommen neue Mitglieder, sondern auch aus China oder Japan. Aber auch Zuwachs aus dem Inland ist zu verzeichnen. Die Austritte hingegen sind vor allem Unternehmensschließungen oder Übernahmen geschuldet. Dauer betonte den Wert des Gütezeichens und der Gütegemeinschaft. Man setze sich in besonderer Weise für optimale Qualität und Hygiene bei der Aufbereitung von Wäsche aus Handel, Gewerbe, Industrie, Hotellerie, Gastronomie und dem Gesundheitswesen ein. Die Gütezeichen nach RAL-GZ 992 seien für die Betriebe in vielerlei Hinsicht von Vorteil, u.a. auch für öffentliche Ausschreibungen: So erfüllen die RAL-Gütezeichen 992 laut Gütegemeinschaft mit ihrem Gebot zu Neutralität, Transparenz und Chancengleichheit alle Voraussetzungen, um im Vergabeverfahren eingesetzt zu werden. Sie seien zukünftig gemäß Artikel 43 der Richtlinie 2014/24/EU als Ausschreibungsgrundlage auch nach europäischen Richtlinien zugelassen. Das RAL-Gütezeichen werde allerdings auch unberechtigt kopiert, berichtete Dauer (siehe auch RWTextilservice Ausgabe 10/2016). Ebenfalls mit Bedenken betrachte er den teilweise herrschenden Verdrängungswettbewerb unter den Unternehmen, der auf die Preisspirale drücke. „Ich wünsche mir hier mehr Vernunft – Qualität und Service sollten als Wettbewerbsfaktoren im Vordergrund stehen, nicht der Preis.“ Ein Zusammenhalt unter den Unternehmen sei wichtig, schließlich sei man eine Gemeinschaft, eine Gütegemeinschaft.

Mitgliederversammlung mit Neuwahlen

Nachdem am Vormittag drei Parallelworkshops zu den Themen präventive Prozesssteuerung, Betriebshygiene und Marketing stattgefunden hatten, ging es mit der Mitgliederversammlung weiter. Ludger von Schoenebeck, Geschäftsführer der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege, zeigte auf, was der Verband im vergangenen Jahr alles umgesetzt hat. Neben zahlreichen Waschgang-, Betriebs- und Hygienekontrollen stand vor allem wieder die Forschung auf der Agenda. „Mit den Forschungsvorhaben wollen wir den Gütezeichenbetrieben einen Mehrwehrt bieten. Die Wettbewerbsfähigkeit soll damit gesichert und gefördert, unsere Dienstleistung weiterentwickelt werden“, erläuterte von Schoenebeck. Deshalb sei auch der Transfer der Forschungsarbeiten in die Praxis ein wichtiges Anliegen. Dies geschehe u.a. auch durch praxisnahe Unterlagen wie die Hohenstein-Wäscherei-Informationen, aber auch über Workshops und Seminare oder über die Webseite www.waeschereien.de. Themen der Antragsrunde 2016/2017 sind z.B. die „Dekontamination von Feuerwehrschutzbekleidung nach dem Einsatz“ oder die „Rückgewinnung von magnetfeldkontrollierbaren Tensiden aus Prozesswässern gewerblicher Wäschereien“. Auch ein topaktuelles Thema wolle man angehen: Mikroplastikteilchen in Abwässern. Ein Überblick über vergangene Antragsrunden und ausgewählte Forschungsprojekte in ausführlicher Form ist u.a. in der rund 260 Seiten umfassenden Informationsbroschüre zur Gütezeichenjahrestagung zu finden. Von Schoenebeck betonte weiterhin die Mitarbeit in Normungs- und anderen Gremien, um im Sinne der Gütezeichenbetriebe Einfluss zu nehmen. Neben dem Hotel- und Krankenhausmarkt will sich die Gütegemeinschaft auch dem Bereich Industrie zuwenden, um die Marktchancen der Mitglieder in diesem Segment mit Wachstums­potenzial zu verbessern. In einem ersten Schritt habe man einen Leitfaden „PSA Wegweiser Textilservice“ erarbeitet.

In diesem Jahr standen bei der Mitgliederversammlung auch Neuwahlen des Vorstands an. Für die nächsten drei Jahre wurden folgende Personen in ihren Ämtern bestätigt: Karl-Rainer Dauer (1. Vorsitzender; Busch Textilservice, Bärenbach), Andreas Popp (2. Vorsitzender; Textilpflege Mayer, Offenburg), Axel Schäuble (Wäscherei Wörsinger, Crailsheim), Jürgen Hoffmann (Ahrens Textil-Service, Elmshorn), Ellen Petow (Hesse GmbH, Dransfeld), Eric Fallak (MTR Mittelsächsische Textilreinigungs- und -handels AG, Riesa) und Joachim Krause (DTV-Abgesandter; Coburger Handtuch- & Mattenservice, Coburg). Neu in den Vorstand gewählt wurde Wolfgang Kabus (Textilpflege Kabus, Bad Saulgau). Er übernimmt für Jens Reimann (Ring-Textilservice, Waiblingen).

Biozidprodukteverordnung und ihre Folgen

Die Vortragssektion eröffnete Alfred Stöhr, Vorsitzender des Industrieverbandes Hygiene und Oberflächenschutz für industrielle und institutionelle Anwendung e.V. (IHO). Die Wäscherei gehört ebenso wie die Bereiche Küchenhygiene, Gebäudereinigung, Gesundheitswesen, Metallindustrie sowie Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung zu den wichtigsten Branchen des Verbandes. Stöhr, der bei Ecolab Deutschland in Monheim arbeitet und viele Jahre in der Wäschereibranche im Vertrieb für Wasch- und Desinfektionsprodukte tätig war, ging auf die Bedeutung der europäischen Biozidprodukteverordnung für die Produktentwicklung von Desinfektionsmitteln ein. Die Umsetzung der Verordnung sei geprägt von einem hohen Maß an Bürokratie sowie von zunehmend immensen Gebühren für die Anmeldung von Stoffen als Biozide. Diese Kosten und Gebühren fallen für jeden Hersteller in gleicher Höhe an – unabhängig davon, welche Menge seiner Produkte er in den Markt bringt. „Damit werden Bürokratie und Abgabenlast für mittelständische Anbieter, die heute die Mehrheit im Markt darstellen, im Einzelfall zur Existenzfrage werden“, sagte Stöhr. Auch für die Produktvielfalt stelle die europäische Gesetzgebung eine Gefahr dar. Hersteller müssten genau abwägen, welche Biozidprodukte künftig angesichts der Folgekosten aus der Gesetzgebung noch finanzierbar sind. Der IHO sieht eine Tendenz dahingehend, dass schnelle und kundenindividuelle Neuentwicklungen kaum mehr möglich sein werden. Die Vielfalt an Produkten werde sich zwangsläufig reduzieren; zusätzlich werde das Produktangebot teurer werden. Stöhr erläuterte: „Im Wäschereibereich wird es Rohstoffe, wie Chlor, Peressigsäure oder Sauerstoff, die zur Des­infektion der Wäsche verwendet werden, wohl weiterhin geben. Andere Rohstoffe dagegen werden voraussichtlich wegfallen.“

Aus der Forschung in die Praxis

Dr. Andreas Schmidt, Geschäftsführer Bereich „Function and Care“ an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim, läutete die folgenden Vorträge ein, die unter dem Motto „Aus der Forschung in die Praxis“ standen.

Dr. Anja Gerhardts – Praxistauglichkeit und Nutzen antimikrobieller Textilien in Krankenhaus und Pflege: Beim Forschungsprojekt zeigte sich, dass es große Unterschiede in der Performance verschiedener antimikrobiell ausgerüsteter Textilmuster gab. Der Nutzen, welcher sich aus den Testergebnissen für ein definiertes Produkt ableiten ließ, lässt sich nicht auf eine allgemeine Aussage übertragen. Die erzielten Keimreduktionen zeigten vielmehr, dass das Zusammenspiel von Faserbeschaffenheit, Ausrüstungsmix und biozidem Wirkstoff die keimreduzierende Wirkung in der Praxis wesentlich beeinflusst. Antimikrobiell ausgerüstete Textilien können grundsätzlich zur Verbesserung der Hygiene beitragen, können aber in der Pflegesituation keine üblichen hygienischen oder desinfizierenden Maßnahmen ersetzen. Als Wirkstoffe wurden u.a. Silber, Zinkpyrithion, QAV (quartäre Ammoniumverbindungen), Biguanid und Kupfer in Betracht gezogen.

Dr. Igor Kogut – Sichere Wäschedesinfektion bei stark kontaminierten Textilien in Taktwaschanlagen: Die organische Belastung bei Textilien aus Alten- und Pflegeheimen kann vielfältig sein: Kot, Urin, Blut oder Fettflecken von z.B. Salben. Wie Erfahrungen in der Wäschereipraxis zeigen, sind Mengen zwischen 50 und 150 g pro Kilogramm Textil nicht unüblich. Diese erheblichen Mengen an organischer Belastung müssen durch eine genügend hohe Menge an Waschmittel vom Textil in die Waschflotte gebracht werden. Um Flecken, Gerüche oder Verkeimung von Maschinen zu vermeiden, sind effektive Desinfektionsmaßnahmen gefragt. Eine ausreichende Menge an Desinfektions- und Bleichmittel ist notwendig, um ein hygienisch einwandfreies Resultat zu erreichen. Auch Temperatur und pH-Wert sollten für eine sichere Wäschedesinfektion stimmen. An Taktwaschanlagen ist es wichtig, die Prozessgrößen wie die Konzentration des Desinfektionsmittels zu erfassen. Für die Durchführung der Prozessanalytik gibt es laut Kogut drei sinnvolle Methoden: kolometrische Schnelltestverfahren, titrimetrische Verfahren oder Onlinemesstechnik.

Dr. Kim Hecht – Möglichkeiten und Chancen für die Integration solar erzeugter Wärme in der Wäscherei: Das kürzlich abgeschlossene Projekt „SoProW“ hat das Potenzial solarthermischer Anwendungen für industrielle Prozesse exemplarisch anhand der Wäschereibranche untersucht. Beleuchtet wurden technische Fragestellungen, aber auch wirtschaftliche Aspekte. Zu Beginn wurden in 20 Wäschereibetrieben prozessrelevante Daten erfasst; für zehn dieser Betriebe erfolgte eine detaillierte Betrachtung über Betriebsbegehungen. Mithilfe der erhaltenen Daten wurden typische Wärmenetzwerke in Wäschereien definiert und potenzielle Integrationsstellen für solarthermische Anwendungen aufgedeckt. Es zeigte sich, dass die Erwärmung des Kesselzusatzwassers und des Waschwassers für Waschschleudermaschinen und Taktwaschanlagen häufig eine geeignete Integrationsstelle für solare Prozesswärme darstellt. Aktuell werden drei Leuchtturmprojekte durchgeführt, um die entwickelten Konzepte in der Praxis zu validieren.

Dipl.-Ing. Markus Beeh – Zertifizierung von Managementsystemen nach DIN EN ISO 9001 und 14001: Sowohl für das Qualitäts- als auch das Umweltmanagementsystem wurden 2015 Normrevisionen verabschiedet, die von bereits zertifizierten Unternehmen bis zum 14. September 2018 umgesetzt und von einer Zertifizierungsstelle bestätigt werden müssen. Unterschiede zwischen der alten und der neuen Version der beiden Standards liegen einerseits in der formalen Struktur: So ist z.B. die Forderung nach einem zentralen Managementsystemhandbuch entfallen. Die Verpflichtung der Unternehmensleitung ist verstärkt worden. Neu in die Normen aufgenommen ist das Wissen der Organisation: Es muss entsprechend den Anforderungen aufgebaut, erhalten und weiter ausgebaut ­werden. Insgesamt wurde der prozessorientierte Ansatz gestärkt. Bei den Änderungen im Umweltmanagementsystem kann das Hohenstein-Sustainable-Laundry-System (HSL) eine konkrete Hilfestellung bieten, da hier spezifische Kennzahlen erfasst werden. Seit Februar 2016 ist die Zertifizierungsstelle Managementsysteme der Hohenstein Laboratories akkreditiert für die DIN EN ISO 9001 und 14001 mit den Kernkompetenzen Textilien und Dienstleistungen. Weitere Informationen gibt es online unter www.hohenstein.de.

Jasmin Haap – Einfluss von Chemikalienrückständen auf den Wert­erhalt von Textilien: Ablagerungen anorganischen und organischen Ursprungs, sogenannte Inkrustationen, sowie Pigmentschmutzrückstände beeinträchtigen die Einsatzdauer von Miettextilien. Um anorganische Rückstände zu vermeiden, müssen Waschwasser und die Enthärtungsanlage regelmäßig überprüft werden. Außerdem ist die Builderkonzentration im Waschmittel entsprechend der Wasserhärte einzustellen. Gegen organische Inkrustation hilft es, den waschbedingten Resttensidgehalt so gering wie möglich zu halten. Dies kann über eine ausreichende Spülung oder eine Anpassung des Tensidsystems erreicht werden. Um Pigmentrückstände zu verhindern, ist der Waschprozess auf die Wäscheart und den Verschmutzungsgrad anzupassen. Mittel sind ein höherer Flottenstand sowie geeignete Zusätze wie Alkylarylpolyglykolether (AAP) oder Soil-Release-Polymerausrüstungen. Eine werterhaltende Wiederaufbereitung ist nur durch regelmäßige Prozesskontrollen zu erreichen.

Dipl.-Ing. (FH) Simone Morlock – Veränderung der Körpermaße von Männern und Frauen und deren Auswirkung auf die Passform von Berufsbekleidung: Um die Körperdimensionen von Männern und Frauen repräsentativ beschreiben zu können, werden in Deutschland seit 1957 Reihenmessungen durchgeführt und daraus Größentabellen erstellt. Die aktuellen Größentabellen stammen aus der deutschen Reihenmessung SizeGERMANY (2007 bis 2009). Hier wurden Menschen nicht mehr mit Maßband, sondern mit 3-D-Scannertechnologie vermessen. Im Vergleich zu früheren Messungen zeigt sich eine Verlagerung hin zu größeren Konfektionsgrößen. So hat beispielsweise der Brustfang der Durchschnittsfrau von 1994 bis 2009 um 2,3 cm zugenommen; der Taillenumfang um 4,1 cm. Der Durchschnittsmann ist von 1980 bis 2009 um 3,2 cm gewachsen, der Brustumfang beträgt 7,3 cm mehr. Die sich verändernden Körpermaße und -formen müssen schon bei der Schnittentwicklung von Berufsbekleidung berücksichtigt werden, um Passformsicherheit zu gewährleisten. Dabei helfen zielgruppen- und kundenspezifische Größentabellen. Letztere sollten in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Problematisch für Textilleasingunternehmen ist z.B., dass sie ihre Produkte über verschiedene Konfektionäre beziehen, die zum Teil mit unterschiedlichen Größentabellen arbeiten. Eine Standardisierung der Konfektionsgrößen fehlt, was zu Retouren und Reklamationen führen kann. Im Bereich der Berufsbekleidung gab es bereits den Versuch gemeinsamer Standards über die „intex-Maßtabellen“.

Podiumsdiskussion: Zukunftsvision 2040

Um Veränderungen ging es auch in der folgenden Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Zukunftsvision Textilservice 2040“. Die Teilnehmer versuchten, Antworten auf die Frage zu finden: Wohin entwickelt sich der Textilservice in den nächsten 20 Jahren in Mitteleuropa? Als Branchenexperten auf dem Podium saßen Dr. Helmut Eigen von Kreussler, Lars Blechschmidt von Kannegiesser, Wolfgang Faist von SoCom sowie Matthias Arndt von der Arndt Beratung GmbH. Moderator Ludger von Schoenebeck sprach zunächst das Thema Personal an: „Es ist für Textilpflegebetriebe immer schwieriger, Mitarbeiter zu finden. Was kann die Branche hier tun?“ Matthias Arndt ist überzeugt, dass ein Schlüssel in der Bezahlung liegt: „Wer vernünftige Mitarbeiter will, muss sie auch vernünftig bezahlen.“ Gut ausgebildete Fachleute brauche man vor allem auch wegen der zunehmenden Technisierung in der Wäscherei. So müsse eine Fachkraft nicht nur die Mangel in Gang halten können und auf entsprechendem Niveau mit dem Hersteller kommunizieren können, sondern auch Kompetenz in Sachen IT, Software etc. vorweisen. Wolfgang Faist ergänzte: „Große Betriebe haben oft schon einen IT-Spezialisten im Haus, aber auch die kleinen und mittleren sollten in diese Richtung ausbilden. Denn: Nicht alles kann und sollte als Dienstleistung eingekauft werden.“ Arndt ist sich sicher: „Die Lohnkosten in der Wäscherei werden steigen und auch die Lohstückkosten, da die Automatisierung nicht so schnell mithalten kann, um die Kostensteigerung aufzufangen.“

Zu Trends in der Chemie berichtete Dr. Helmut Eigen: „Wir müssen Chemie und Verfahren an die gegebenen Bedingungen anpassen. Textilien werden sich verändern – mit innovativen Ausrüstungen, Multifunktionalität und integrierten Chips. Und auch die Maschinen und der Trend zur Industrie 4.0 bestimmen über die Waschprozesse.“ Immer strengere Regulierungen (Biozidprodukteverordnung, REACH usw.) erfordern die Entwicklung neuer Produkte, die Normen und Gesetzen entsprechen und dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung tragen.

Kannegiesser als Maschinenlieferant will dazu beitragen, die steigenden Kosten für Chemie, Energie, Personal etc. aufzufangen. Ein Ansatzpunkt dabei ist laut Blechschmidt die innerbetriebliche Logistik. Die Wäsche soll vom Wareneingang bis zur Expedition automatisch einen vorgegebenen Weg haben. Das Ziel ist die Synchronisation von Material- und Datenfluss. „Mittels des Konzepts ,smart Laundry‘ wollen wir die Produktivität der Betriebe mit individuellen Konzepten steigern“, erläuterte Blechschmidt. Auch weitere Automatisierungsmöglichkeiten beispielsweise mit Robotern, die Wäscheteile vereinzeln, sprach Blechschmidt an, ebenso wie die Chiptechnologie. Letztere ist für Wolfgang Faist „die Zukunftstechnologie“. Nur damit könne jedes Textil und die zugehörigen Daten einzeln erfasst werden. Dabei müsse man nicht zwingend auf UHF-RFID setzen – für manche Textilarten seien andere Chiptechniken geeigneter. Matthias Arndt ergänzte, dass der Vorteil vor allem bei Mietwäsche auch darin liege, dass mittels UHF die Wäscherei jederzeit weiß, wo ein Teil sich befindet. Bestellprozesse lassen sich so automatisieren, es ist weniger Warenbestand im Umlauf – dadurch wäre auch eine schnelle Amortisation gegeben. Das Thema Logistik betonte Wolfgang Faist nochmals: „Unsere Straßen werden immer voller, die Zeitverschwendung in Staus immer länger. Deshalb ist es sehr wichtig, die Tourenplanung im Griff zu haben und ständig zu optimieren. Heute geht das beispielsweise mithilfe von Apps als mobile Lösung.“

Bei der anschließenden Fragenrunde aus dem Publikum kam die Idee auf, als möglichen neuen Markt die Wäscheversorgung mit über den Pflegedienst abzuwickeln. Matthias Arndt bemerkte, dass dies momentan an den kleinen Fahrzeugen der Dienste scheitere. Um eine Strategie für diesen Markt zu entwickeln, müsse man die Politik ins Boot holen. In Dänemark z.B. schreibt laut Arndt die Kommune die Wäscheversorgung für Pflegebedürftige, die zuhause wohnen, aus.

Krankheiten im Reisegepäck

Den Abschluss der Vortragssektion übernahm traditionell Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes Kliniken, Berlin. Er erläuterte: „Der weltweite Reisetourismus bringt neben den Urlaubsfreuden auch Krankheitsrisiken mit sich. Antibiotikaresistente Erreger beispielsweise werden zunehmend von Reisen mitgebracht.“ Viel Medieninteresse weckte im Rahmen der Olympischen Spiele 2016 in Brasilien das Zikavirus. Der Übertragungsweg des Virus ist laut Zastrow noch nicht ausreichend geklärt, erfolgt aber in der Regel durch Stechmücken. Erreger, die eindeutig nicht von Mensch zu Mensch übertragbar sind, sind beispielsweise Denguefieber oder Brucellose. Von Mensch zu Mensch ansteckungsfähig sind dagegen u.a. Typhus, Cholera oder Lepra. Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) für das Jahr 2015 ­zeigen: Die reiseassoziierten Krankheiten, die gemeldet wurden, sind entweder rückläufig oder konstant niedrig. Zastrow zog als Fazit: „Die meisten Erreger aus dem Reisegepäck sind für die Gütezeichenbetriebe keine hygienische Herausforderung, denn die Waschverfahren nach RL GZ 992/2 Kranken­hauswäsche inaktivieren alle genannten Erreger sicher, falls sie in die Wäsche gelangen.“

Natürlich gab es zur Jahrestagung der Gütegemeinschaft auch 2016 wieder ein Rahmenprogramm: Einen kurzweiligen Willkommensabend mit Comedian Tobias Gnacke verbrachte man im Südflügel des Kasseler Kulturbahnhofs. Am Freitag stand der traditionelle Festabend an, bei dem Petra Klein für ihre langjährige Tätigkeit bei Hohenstein geehrt wurde. Die nächste Jahrestagung der Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege findet vom 26. bis 28. Oktober 2017 in Kassel statt.

Infos: www.waeschereien.de

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