Sachverständigentreffen 2016 in Neuss Reflexmaterial unter der Lupe

Sachverständige aus dem Bereich des Textilreinigerhandwerks trafen sich am 8. und 9. Dezember 2016 in Neuss zum alljährlichen Austausch. Fokusthemen waren u.a. Feuerwehrschutzbekleidung, Reflex­material und Gutachtenerstellung. Auch über Imprägnierprodukte wurde diskutiert.

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    Zum Sachverständigentreffen 2016 kamen die Teilnehmer bei 3M in Neuss zusammen. Fotos: Himmelsbach
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    Reflexstreifen erhöhen die Sichtbarkeit von Berufsbekleidungsträgern – und damit auch die Sicherheit beispielsweise im Straßenverkehr.
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    Axel Meyer referierte über Reinigung und Wartung von Feuerwehrschutzbekleidung.
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    Jürgen Zimmermann (li.) und Christian Kurtz von 3M informierten über Reflexmaterialien und deren Pflege.
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    In Kleingruppen tauschten sich die Sachverständigen über Gutachten und Schadensfälle aus.

Einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Textilpflegebranche hat das Sachverständigentreffen. Es wird vom Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) einmal im Jahr für alle Sachverständigen und Interessierte veranstaltet. Auf Einladung der Firma 3M trafen sich Anfang Dezember vergangenen Jahres 22 Teilnehmer in Neuss. Im Mittelpunkt des ersten Tages standen retroreflexive Materialien, deren vielleicht wichtigste Verwendung sich im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) findet.

Die Begrüßung der Teilnehmer erfolgte im neugestalteten Foyer von 3M mit einer Einführung in die Produktwelt des international tätigen Konzerns. 3M ist ein weltweit agierender Multitechnologiekonzern mit Hauptsitz in St. Paul/Minnesota in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen führt etwa 50.000 Produkte unterschiedlichster Art. In der Einführung konnten nur einige wenige Produkte herausgegriffen werden, um einen ersten Eindruck von der Vielfalt der Produkte zu gewinnen. Dabei spielen Folien, Kleben und Beschichten eine besondere Rolle. Das gilt für viele der sogenannte Schlüsselindustrien wie Automobil (Automotive), Bau, Gesundheit (Healthcare), aber auch für Endkundenprodukte wie die bekannten Post-its – Notizzettel mit Selbstklebefläche.

Reinigung von Feuerwehrschutzbekleidung

Der Vortragsteil des Sachverständigentreffens startete mit einem praxisbezogenen Thema. Axel Meyer von der Meyer und Kuhl Spezialwäschen GmbH, Hardegsen, stellte sein Konzept zur Reinigung und Wartung von Feuerwehrschutzbekleidung vor. Selbst als Feuerwehrmann bei der freiwilligen Feuerwehr tätig, konnte er viel Detailwissen vermitteln. Mitgebrachte Feuerwehrbekleidung und zahlreiche Fotos von entsprechenden Schadensfällen ergänzten seinen Vortrag anschaulich.

Jürgen Zimmermann, 3M, brachte den Teilnehmern interessante Erkenntnisse zum Thema „Sichtbarkeit“ speziell für den Straßenverkehr näher. Sehen und gesehen werden ist, so untermauern es statistische Auswertungen, eine fundamentale Voraussetzung, um Unfälle zu vermeiden. Durch die retroreflexive, sozusagen zurückstrahlende Eigenschaft des 3M-Reflexmaterials, der sogenannten Scotchlite-Produkte, könne die Sichtbarkeit erheblich gesteigert werden. Dies wirke sich entscheidend auf Reaktionszeit und Bremsweg aus. Die Erfindung „Scotchlite“ aus den 1930er Jahren wird nach Unternehmensangaben stetig verbessert und weiterentwickelt, was an zahlreichen Beispielen dargestellt wurde.

Die Praxis zu den theoretischen Ausführungen von Zimmermann wurde gegen Abend mit einer Livedemonstration unter dem Sternenhimmel von Neuss eindrücklich und unterhaltsam vermittelt. In der fortgeschrittenen Dämmerung versammelten sich die Teilnehmer um ein Auto mit eingeschaltetem Licht. In etwa 100 m Entfernung sind Personen mit unterschiedlich ausgestatteten PSA in das Scheinwerferlicht getreten. Dadurch wurden die Vorteile  retroreflexiven Materials nochmals verdeutlicht.

Zur Pflege der unterschiedlichen Reflexmaterialien von 3M-Scotchlite konnte Christian Kurtz, 3M, einen Überblick geben. Dabei ist hervorzuheben, dass die meisten Reflexmaterialien nur für die Haushaltswäsche bzw. vergleichbare Verfahren geeignet sind. Aber es gibt auch Materialien im 3M-Portfolio, die nach DIN ISO 15797 industriewäschetauglich sind. Aus Sicht von 3M ist die Haltbarkeit der Reflexstreifen ohnehin meist höher, als die der damit ausgestatteten Textilien. Diese These bezweifelten allerdings anwesende Praktiker bezogen auf Einsatzbekleidung für Feuerwehr und Rettungskräfte. Kurtz bot sich an, für Fragen rund um das Thema Reflexstreifen der Branche zur Verfügung zu stehen. Die Begehung des diesem Geschäftsbereich zugeordneten Labors als weiterer Programmpunkt machte deutlich, dass bei der Ursachenforschung eventueller Schadensfälle auf die einschlägigen Laboruntersuchungsmethoden zurückgegriffen werden kann.

Der Abend stand im Zeichen des kollegialen Austausches, der in einem Brauhaus auf Einladung von 3M einen zünftigen Rahmen fand.

Erstellung von Gutachten

Der zweite Fortbildungstag war der Erstellung von Gutachten und dem Austausch über Schadensfälle gewidmet. Claudia Toeller, als Abteilungsleiterin der Handwerkskammer Düsseldorf zuständig für das Sachverständigenwesen, hatte sich für ihren Impulsvortrag mit zuvor aus unserer Branche eingesandten Gutachten beschäftigt und konnte auf diese Weise einige wertvolle, praxisnahe Hinweise geben. In den Workshops fand ein reger Austausch über die Erstellung von Gutachten im Allgemeinen und über die mitgebrachten Schadensfälle im Besonderen statt.

Auf allgemeinen Wunsch wurde dieser Vormittag noch durch spontan eingebrachten Input von Leon Doelen, 3M, ergänzt. Er ist bei 3M Fachmann für Imprägnierprodukte und gab einen Überblick über den Stand der Imprägniermittelforschung. Der Ausstieg aus der sogenannten Perfluorid-C8-Chemie erfolgte aufgrund von Untersuchungen, die bewiesen, dass sich diese Stoffe im Körper anreichern können. 3M habe daraufhin freiwillig als erstes Unternehmen auf diese Stoffe verzichtet und damals sehr kurzfristig seine Scotchgard-Produkte vom Markt genommen. Von 3M werden zur Zeit Produkte mit C4-Chemie verwendet, so Doelen. Es sei jedoch ein freiwilliger Verzicht auf die ganze Stofffamilie geplant. Neue, umwelt- und humanverträglichere Produkte sind in der Erforschung und teilweise bereits in Erprobung. Es zeichnet sich jedoch ab, dass die breiten Anwendungsmöglichkeiten und Effekte sowohl im Hinblick auf die wasser- als auch ölabweisende Wirkung früherer Produkte nicht mehr erreicht werden können. Zur Erfüllung gültiger Schutznormen bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ist die C6-Chemie momentan alternativlos, die erforderliche Imprägnierung kugelsicherer Westen benötigt sogar noch Imprägniermittel auf C8-Basis. Ob ein weltweiter Ausstieg aus der Perfluoridchemie angezeigt ist, gilt im Hinblick auf Arbeits- und Gesundheitsschutz mehr als fraglich, zumindest bis entsprechende Alternativen marktfähig sind.

Im November 2017 wird das Sachverständigentreffen voraussichtlich das Hauptthema „Daunen und Federn“ haben.