Saalfelder Wäscherei in Thüringen Zukunftstrends zu Chancen machen

Mit Flachwäsche aus Kliniken und Senioreneinrichtungen lässt sich der Maschinenpark gut auslasten. Die Pflege von Bewohnerwäsche und Berufsbekleidung erfordert zwar einen höheren technischen und personellen Aufwand, kann aber durch die Anwendung optimierter Waschverfahren ebenfalls rentabel sein. So auch die Erfahrung in der Saalfelder Wäscherei in Thüringen. RWTextilservice war vor Ort.

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    Vor Ort in der Saalfelder Wäscherei. Mit Flachwäsche lassen sich die Maschinen gut auslasten. Fotos: Wylegalla
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    Geschäftsführer Karsten Dietrich sieht Potenzial im Bewaschen von Seniorenheimen.

3 Bis Sommer 2018 ist zwar noch etwas Zeit. Aber Karsten Dietrich macht sich schon jetzt Gedanken, wie er die kommende Maut für die Benutzung von Bundesstraßen auffangen kann. „Preiserhöhungen werde ich nicht durchsetzen können. Also muss ich eine andere Lösung suchen“, sagt der Geschäftsführer der Saalfelder Wäscherei GmbH. Sein Einzugsgebiet reicht über ganz Thüringen bis nach Franken hinein. Als Ende 2015 die Straßenbenutzungsgebühr für schwere Nutzfahrzeuge auf eine Grenze von 7,5 t abgesenkt wurde, stellte Karsten Dietrich seinen Fuhrpark auf größere Lkw mit einer Tonnage von 12 t um. „Durch die höhere Transportkapazität der einzelnen Fahrzeuge und eine geschickte Tourenplanung konnten wir die Mehrbelastung einigermaßen kompensieren“, resümiert der Textilreinigermeister.

In der Saalfelder Wäscherei werden täglich in einer Schicht durchschnittlich 10 t Wäsche gepflegt. Ein großer Teil davon sind Flach- und Bewohnerwäsche sowie Berufsbekleidung für Seniorenheime. Ein weiteres wichtiges Standbein war Klinikwäsche. „Heute bewaschen wir allerdings nur noch sehr wenige Krankenhäuser“, räumt Karsten Dietrich ein. Der Grund: „Durch die zunehmenden Fusionen der Kliniken zu großen Konzernen wird dieser Markt für mittelständische Betriebe immer schwieriger. Die Konzerne bevorzugen industrielle Partner, die an mehreren Standorten präsent sind. Auch gelingt es mittelständischen Unternehmern kaum noch, in diesem Segment kostendeckende Preise durchzusetzen“, berichtet der Unternehmer.

Den Auftragsschwund im Klinikbereich konnte Karsten Dietrich mit Aufträgen aus der Hotellerie und Gastronomie ausgleichen. „Im ‚grünen Herzen Deutschlands‘ hat sich der Tourismus mittlerweile gut etabliert“, sagt er. Zwar würden die meisten Urlauber und Tagungsgäste nur relativ kurze Zeit in Thüringen verweilen, aber gerade dies sei ein Vorteil für die Wäscherei: „Bett- und Tischwäsche müssen in kurzen Abständen gewechselt werden, was uns wiederum mehr Aufträge beschert“, so Dietrich.

Viel zu tun haben die 48 Beschäftigten auch bei der Wäschepflege für Seniorenheime: „In diesem Bereich gelingt es uns immer ­wieder, neue Kunden zu gewinnen. Natürlich reagieren wir auch auf die Tendenz zum betreuten Wohnen, zu Senioren-WGs und Generationenhäusern“, so der Geschäftsführer. Zwar kommen aus diesen Einrichtungen meist kleinere Posten. Da aber ­immer mehr Einrichtungen für die individuelle Seniorenbetreuung eröffnet werden, ist auch dieses Geschäftsfeld für die Zukunft ­interessant.

Mietwäsche oder kundeneigene Ware?

Das Auftragsvolumen an Flach- und Frotteewäsche und Inkontinenzunterlagen für Senioren- und Pflegeeinrichtungen besteht je zur Hälfte aus Miet- und Eigenwäsche. „Große Betreiber mit mehreren Heimen bevorzugen in der Regel das Leasingverfahren“, so die Erfahrung von Karsten Dietrich. Er berät die Kunden beim Einkauf und versucht sie davon zu überzeugen, dass etwas preisintensivere Textilien mit höherem Qualitätsstandard auf Dauer die bessere Wahl sind. „Je nach Umgang mit der Ware beträgt die Haltbarkeitsdauer vier Jahre, in manchen Fällen sogar sechs bis sieben Jahre“, sagt der Textilreinigermeister. Ganz risikofrei sei das Vermieten für den Dienstleister nicht: „Stellen wir an der eingelieferten Mietwäsche eines Kunden besonders häufig Schäden fest, führen wir mit ihm ein Gespräch und versuchen, ihn für einen pfleglichen Umgang mit der Wäsche zu sensibilisieren“, so Dietrich. In Insolvenzfällen könne es mitunter schwierig werden, die vermietete Ware zurückzubekommen, gibt er zu bedenken.

Die meisten kleineren bis mittleren Senioren- und Pflegeeinrichtungen verfügen über einen eigenen Bestand an Bett- und Frotteewäsche sowie Inkontinenzunterlagen. „Das Personal geht zwar in der Regel sorgfältiger mit den Textilien um. Allerdings sind in den meisten Häusern wenig Reserven vorhanden und infolge engerer Nutzungszyklen ist die Lebensdauer der Ware kürzer“, vergleicht Dietrich. Grundsätzlich sei die Pflege von Flachwäsche aus Senioreneinrichtungen aber für die betriebliche Organisation vorteilhaft, weil die Maschinen dadurch gut ausgelastet werden.

Vermietung von Berufsbekleidung nicht risikofrei

Oberbekleidung von Bewohnern – etwa 1 t pro Tag – wird in der Kannegiesser Power­trans Plus PT 60-14 gewaschen. „Auf der Waschstraße erreichen wir sehr gute Waschergebnisse. Die Vorteile sind das einfache Handling im Betriebsablauf, insbesondere aber eine beträchtliche Ersparnis an Wasser und Dampf“, unterstreicht Karsten ­Dietrich. Um Verwechslungen auszuschließen, sind sämtliche Teile mit einem Datamatrixcode gekennzeichnet. In manchen Heimen wird die Ware unsortiert zurückgenommen und durch eigene Mitarbeiter an die Bewohner ausgegeben. In diesen Fällen berechnet der Unternehmer günstigere Preise. Der Aufwand für Bewohnerwäsche sei zwar höher als für Flachwäsche, unterm Strich sei aber auch dieses Segment durchaus rentabel, berichtet Dietrich.

Zur Rundumbetreuung von Senioreneinrichtungen gehört auch das Waschen der Berufsbekleidung für Altenpfleger nach RAL GZ 992/1 und des Küchenpersonals nach RAL GZ 992/3. Auch in diesem Bereich ist das Verhältnis zwischen Miet- und Eigenwäsche etwa 1 : 1. „Leider stelle ich fest, dass manche Mitarbeiter nicht gerade sorgfältig mit gemieteten Teilen umgehen. Es sind deutlich mehr Reparaturen als bei der Eigenwäsche erforderlich“, räumt der Geschäftsführer ein.

Hinzu komme die Gefahr, dass die angelieferte Wäsche Fremdkörper enthalten kann. Weitere Nachteile sind hohe Anschaffungskosten und das Risiko, dass die Ausstattung von Trägern mit außergewöhnlichen Konfektionsgrößen nach deren Ausscheiden nicht weitervermietet werden kann. Aus allen diesen Gründen bevorzugt Karsten Dietrich Aufträge für kundeneigene Berufsbekleidung.