Auf der diesjährigen Heimtextil in Frankfurt am Main präsentierte die Crimmitschauer Weberei Spengler & Fürst aus Westsachsen ein Gewebe, das multiresistente Bakterien vernichten soll. Nun stehen Praxisversuche in Kliniken an mit dem Gewebe, das auch Industriewäschetauglichkeit verspricht.
3 Das neuartige Gewebe „bacteria EX“ des sächsischen Textilherstellers Spengler & Fürst aus Crimmitschau soll helfen, die fortschreitende Verbreitung multiresistenter Bakterien (MRSA) und anderer lebensbedrohlicher Keime in Kliniken und Pflegeeinrichtungen einzudämmen. Laborversuche haben laut Anbieter ergeben, dass das silberhaltige Hightech-Textilsystem in der Lage ist, alle bekannten MRSA-Stämme innerhalb kürzester Zeit nachhaltig zu vernichten. Nun stehen erste Großversuche in der Praxis an.
Die Übertragung der Keime von Mensch zu Mensch kann nach Eckhard Bräuninger, Geschäftsführer bei Spengler & Fürst, unter anderem durch Bett- und Patientenwäsche, Personalbekleidung, Handtücher oder Vorhänge erfolgen. Die Textilien würden zwar beim Waschen desinfiziert, bei anschließender Nutzung jedoch oft wieder kontaminiert. Die aus den neuen Crimmitschauer Geweben gefertigten Wäsche- oder Bekleidungsstücke sollen ihre keimtötenden Eigenschaften während des gesamten Einsatzzyklus behalten und industriell waschbar sein. Voraussetzung für das Funktionieren ist laut Bräuninger ein geschlossenes System von Weberei, Konfektion, klinischer Anwendung und zertifizierter Wäscherei. Die Konfektionierung der Gewebe und den Vertrieb des Textilsystems „bacteria EX“ übernimmt der gleichfalls in Sachsen ansässige Kooperationspartner Brändl Textil. Die nun anstehenden Testläufe mit „bacteria EX“, die sich über mehrere Monate erstrecken, sind im Universitätsklinikum Dresden und Elblandklinikum Meißen vorgesehen.
Unterstützung durch Verbundprojekt
Unterstützung erhalten die beiden mittelständischen Firmen vom Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTI), der 2015 das vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderte Verbundprojekt „health.textil“ auf den Weg gebracht hatte. Beteiligt sind zwölf heimische Hersteller von Textilien für Klinik, Pflege, Gesundheitsschutz, Reha und Wellness sowie die AOK Plus für Sachsen und Thüringen, die Interessenvereinigung der sächsischen Gesundheitswirtschaft Healthy Saxony und das sächsische Textilforschungsinstitut. Koordinator ist die „e-hoch-x Beratungsgesellschaft“ aus Chemnitz. „Dank unseres Projekts konnten wir im Vorjahr wichtige Kontakte zu potenziellen Anwendern in Klinik und Pflege knüpfen. Geholfen haben uns dabei unter anderem zwei Sonderausstellungen, ein Symposium mit hochrangigen Teilnehmern aus Klinik und Pflege sowie die Herausgabe des Kompetenzatlas zu Gesundheitstextilien aus Sachsen“, berichtet VTI-Hauptgeschäftsführer Bertram Höfer.
Textilfirma mit 180-jähriger Geschichte
Die Weberei Spengler & Fürst schaut bereits auf eine 180-jährige Firmengeschichte zurück. 1837 von Carl Spengler als Tuchfabrik gegründet, trat 1900 Carl Bräuninger, der Urgroßvater des jetzigen Geschäftsführers, in das Unternehmen ein. Nach wechselvoller Geschichte wurde die bis dato in Familienhand verbliebene Firma 1972 verstaatlicht und in das DDR-Kombinat Wolle und Seide eingegliedert. 1990 reprivatisierte Karl Bräuninger das Unternehmen. Seit 2006 ist sein Sohn Eckhard Bräuninger alleiniger Geschäftsführer. Er engagiert sich als Vorstandsmitglied des VTI für die Belange der Branche. Inzwischen zählt die Weberei 25 Mitarbeiter, der Schwerpunkt des Unternehmens hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf die Herstellung technischer Textilien verlagert.
Infos: www.spengler-fuerst.de, www.bacteria-ex.de, www.healthtextil.de