Hygiene in der Textilreinigung Sauber mit Ozon und UV

Hygiene und Keime sind nicht nur Themen für Krankenhauswäschereien, auch in Textilreinigungen ist hygienische Aufbereitung gefragt. Welche Möglichkeiten es für Reinigungsmaschinen gibt, um richtig saubere Ergebnisse zu erhalten, haben wir mit Horst Lange von der Feinen Reinigung Lange besprochen.

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    An diesem Wollmantel testete Horst Lange durch Abklatschtests die Hygienewirkung der Reinigung. Fotos: Lange
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    Das Ergebnis der Abklatschproben am Wollmantel vor und nach ­ der Reinigung mit Silikon.
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    Auch an einer Hose wurden Abklatschtests gemacht – vor und nach dem Reinigen bzw. nach dem Waschen des Textils.
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    Bei den Abklatschproben eines T-Shirts ist zu sehen, dass nach der Reinigung kaum noch Keime vorhanden sind.

3 Professionelle Textilreinigung steht für Sauberkeit. Dass die Garderobe der Kunden nicht nur optisch, sondern hygienisch sauber wird, ist ein Anliegen von Horst Lange. Der Textilreiniger mit zig Jahren praktischer Erfahrung und nicht nur textiler, sondern auch technischer Affinität ist immer auf der Suche nach Optimierungspotenzial. Der Redaktion von RWTextilservice präsentierte er jetzt mögliche Hygienemaßnahmen für die Textilreinigung.

Wir treffen Horst Lange in Ludwigsburg in einer Filiale der Feinen Reinigung Lange. Das Geschäft hier läuft gut, Lange ist zufrieden. „Textilreinigung kann wirtschaftlich funktionieren, Umsatzzuwächse sind möglich“, ist Lange überzeugt, „vorausgesetzt, man geht alle Bereiche und Prozesse konsequent an.“ So auch den komplexen Bereich der Hygiene. Lange arbeitet seit 2006 intensiv an dem Thema Keime und Textilreinigung. Unter anderem hat er Tests zusammen mit dem erfahrenen Experten Dr. Manfred Huppertz durchgeführt. Man kam zu dem Schluss, dass mit einer standardmäßigen Reinigung eine Keimreduktion von 10–6 erreicht werden könne. Die Lebensmittelindustrie verlangt eine Reduktion mit einem Faktor von 10–4 bis 10–5. An einem Projekt der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) zur Untersuchung verschiedener alternativer Lösungsmittel beteiligte sich Lange ebenfalls und berichtet hier von einer Keimreduktion von 10–7, die in einer Multitex-Maschine mit dem Lösungsmittel Silikon erreicht wurde. Zur Einordnung dieser Werte: Von Desinfektion spricht man bei einer Keimreduktion um einen Faktor von mindestens 10–5, das heißt, dass von ursprünglich 1.000.000 vermehrungsfähigen KBE (= koloniebildende Einheiten) nicht mehr als zehn überleben. Wäschedesinfektionsverfahren erfordern eine Keimreduktion um einen Faktor von 10–7.

Abklatschproben zeigen Keimreduktion

In weiteren Praxistests machte Lange Abklatschproben an gereinigten bzw. gewaschenen Textilien und ließ diese im Labor auswerten. Die Testplatten zeigten große Unterschiede bei der Vermehrung der Keime auf dem Nährboden. Die einen Proben ­wurden von bei 40 °C gewaschenen Textilien, die anderen von in Silikonlösungsmittel gereinigten genommen. Ergebnis: Bei den gewaschenen Textilien war Horst Lange trotz Einsatz eines Ozonfilters noch nicht zufrieden und sucht noch nach Möglichkeiten für ein optimales Ergebnis. Bei der Reinigung wurden die KBE von über 400 auf 10 KBE/dm2 reduziert. Auch hier zur Einordnung der Werte: Ein Textil mit einer Keimbelastung von maximal 50 KBE/dm2, also von höchstens 50 koloniebildenden Einheiten gemäß RAL-Gütezeichen 992/4, kann als keimarm und somit als hygienisch bezeichnet werden. In der 2011 eingeführten RAL-GZ 992/4 ist der Grenzwert von 50 KBE/dm2 für Bewohnerwäsche aus Pflegeeinrichtungen nach der Textilreinigung festgelegt. Der genannte Wert von 50 KBE/dm2 bezeichnet die erlaubten Höchstmengen von Mikroorganismen auf Textilien für Bewohnerwäsche aus Pflegeeinrichtungen nach der Textilreinigung. Er wurde aus dem Bereich der Lebensmittelhygiene entnommen.

Die Werte von Langes Praxistests bei den gereinigten Textilien kamen alle nach Installation eines UV-Filters an der verwendeten Multitex-Maschine zustande. Ultraviolettstrahlung, kurz UV oder UV-Strahlung, wird in Wäschereien bereits eingesetzt, um ­bestimmte Bereiche hygienisch sauber bzw. keimfrei zu halten (RWTextilservice berichtete u.a. in Ausgabe 11/2016). Warum nicht auch in der Textilreinigung von der keimtötenden Wirkung von UV profitieren, dachte sich Lange und fragte bei den Her­stellern solcher Systeme an. Sie sollten vor allem herausfinden, welche Lösungsmittel UV-beständig sind. Da Silikon auf mineralischer Basis besteht, sei es das einzige Lösungsmittel, das hier bestanden habe, berichtete Lange: Es wurde getestet, bestrahlt und die UV-Beständigkeit bestätigt. Also stieß Lange, der auch für den Textilreinigungsmaschinenhersteller Multitex tätig ist, die Entwicklung eines entsprechenden UV-Systems an. Auf der Texcare International 2016 zeigte Multitex bereits UV-Technologie mit ­einer Röhre, die auf der Reinigungsmaschine installiert ist. Das Patent dazu ist laut Unternehmen angemeldet. In der Filiale in Ludwigsburg der Feinen Reinigung Lange steht eine Multitex-Maschine MT 300 mit diesem UV-Filtersystem für das Lösungsmittel. Während des Reinigungsvorgangs werden hier laut Multitex 100 l Silikonlösungsmittel pro Minute UV-sterilisiert.

Doch damit nicht genug: Eine optimale Keimreduktion werde erreicht, indem das Lösungsmittel einmal mit UV gereinigt wird und am Ende der Charge die Filteroberfläche und lösungsmittelführenden Teile mit Ozon entkeimt werden. Beide Hygienetechnolgoien sind in alle Multitex-Maschinen integrierbar, so der Hersteller. „Pro Stunde werden dabei lediglich 200 g Ozon verbraucht“, erläutert Horst Lange. Damit sollen auch Probleme mit Gerüchen durch Bakterien im Tank der Vergangenheit angehören. Was laut Lange ebenfalls für Sicherheit und hygienisches Arbeiten sorgt: „Wir reinigen in der Multitex-Maschine von der ersten Sekunde an im Vakuum. Das Lösungsmittel geht permanent über den Filter.“ So komme kein ungefiltertes Lösungsmittel auf die Ware. Dank UV und Ozon werde jeder Liter Lösungsmittel in der Maschine entkeimt. Einen weiteren Vorteil des Arbeitens im Vakuum sieht Lange in den niedrigeren Siedepunkten. Bei 70 °C könne so beim Reinigen mit Silikon eine thermische Desinfektion erreicht werden. Bei destillierenden Maschinen könne es passieren, dass das Lösungsmittel eindickt (polymerisiert), wenn die Temperatur zu hoch ist.

Horst Lange ist es wichtig, den Kunden seiner Textilreinigung Qualität und Hygiene garantieren zu können. „Durch die Abklatschproben haben wir einen Nachweis, dass alles passt“, so der Fachmann. Die Entkeimungsmethoden seien vor allem auch für Textilpflegebetriebe interessant, die hygienesensible Textilien aufbereiten, beispielsweise Bewohnerwäsche aus Pflegeheimen oder Berufsbekleidung für Ärzte etc.

Für Hygienesicherheit sollten Betriebe nicht nur auf ihre Reinigungsprozesse, sondern auch auf Sauberkeit an anderen Stellen innerhalb des Betriebs achten, wo eine Kontamination mit Keimen möglich ist. Richtige Händehygiene aller Mitarbeiter ist dabei ein Thema; oder saubere Oberflächen von Maschinen bzw. der Boden. Letzterer wird bei Lange mit einem desinfizierenden Reinigungsmittel bearbeitet, das auch in Krankenhäusern verwendet wird.

Sauber ohne Rückvergrauung

Sauberes Arbeiten zeigt sich auch an der Qualität, ist Horst Lange überzeugt: Selbst bei einem 30-mal gereinigten Hemd gebe es bei seinem bevorzugten Reinigungsverfahren keine Rückvergrauung etc. „Wir reinigen bei Multitex mit einer Feinheit von 1 µ. Da kommen keine Schmutzpartikel an die Ware“, so der Experte. Auch im Hinblick auf Ressourceneffizienz sei Multitex eine „saubere Lösung“: Beim Energieverbrauch rechnet Lange mit 100 bis 120 l Kühlwasser und 5 kW pro Charge. Umweltschutz und Kosteneinsparungen ergeben sich außerdem durch die Arbeitsweise, die Lange präferiert: Er spart die Reinigungsverstärker und es gibt auch keine Vordetachur.

Nicht nur mit Silikon verspricht Multitex saubere Ergebnisse. Die Multitex-Reinigungsmaschinen sollen sich beispielsweise auch für HiGlo eignen, das alternative Lösungsmittel von Christeyns. Hier haben die beiden Unternehmen laut Lange schon gemeinsam Tests in den Niederlanden gefahren. Christeyns-Cole & Wilson haben das universelle Lösungsmittel entwickelt, das nach Herstellerangaben kein Gefahrgut ist. Nach Tests bei Kunden und Maschinenherstellern stellte man laut Unternehmen fest: Die Reinigungsergebnisse überzeugten sowohl bei wasserlöslichem als auch bei fettlöslichem Schmutz. Nach der Reinigung mit HiGlo sollen die Textilien außerdem einen angenehmen Griff haben. Der Faserabrieb sei minimal, die Knitterbildung gering. Nach der Reinigung sollen die Textilien nicht übertrocknet oder übermäßig faltig sein, sondern einfach zu finishen. Zusätzlich hinterlasse das Lösungsmittel keine unangenehmen Gerüche. Die Reinigung mit HiGlo benötigt nach Herstellerangaben normale Prozesszeiten von 50 bis 65 Minuten.

Silikon, HiGlo oder andere Lösungsmittel – Textilreiniger Horst Lange wird weiterhin testen und tüfteln, für saubere Ergebnisse und guten Kundenservice. Wer möchte, kann ihm dabei in der ­Feinen Reinigung Lange über die Schulter schauen.

Infos: www.multitex-gmbh.de