Ein Textilservicebetrieb, 75 Mitarbeiter und 2.500 Kunden: In Kirchheim unter Teck bei Stuttgart steht seit 2016 der Neubau des Miettextiliendienstleisters Textilservice Süd-West. RWTextilservice hat den Betrieb besichtigt, um mehr über die Hintergründe zu erfahren. Die Zeichen stehen auf Wachstum.
3 Es ist ein kalter, trüber Dezembermorgen. Passendes Wetter für eine Betriebsbesichtigung bei Textilservice Süd-West (TSW) in Kirchheim unter Teck bei Stuttgart. Rein ins Warme.
Der im Jahr 2000 gegründete Dienstleister TSW gehört nach eigenen Angaben zu den führenden süddeutschen Unternehmen der textilen Mietbranche. Als Partner der DBL – Deutsche Berufskleider-Leasing GmbH – ist TSW Teil eines bundesweiten Verbundes rechtlich selbstständiger und wirtschaftlich unabhängiger textiler Dienstleister. Die eigenständigen Unternehmen bieten Textilleasing von Berufsbekleidung und Fußmatten unter der Marke DBL – bundesweit an 24 Standorten.
Die Niederlassung von TSW in Kirchheim unter Teck eröffnete der Anbieter von Miettextilien im Februar 2016. Zuvor war das Unternehmen im Gebäude einer Wäscherei im Raum Stuttgart eingemietet, ohne eigene Mitarbeiter in der Produktion. Die Wäscherei als Vermieter bearbeitete die Aufträge von TSW mit. Daher hatte das Unternehmen vor seinem Umzug nur Mitarbeiter im Fuhrpark und in der Verwaltung. Steigende Nachfrage einerseits und mangelnde Erweiterungsmöglichkeiten am ursprünglichen Standort in Waiblingen-Bittenfeld andererseits machten den Neubau notwendig. Dafür suchte der Dienstleister ein Grundstück mit guter Verkehrsanbindung: Unmittelbaren Autobahnanschluss, um die Miettextilien an die Kunden mit dem Fuhrpark auszuliefern, sowie S-Bahn- und Busanbindung für die Mitarbeiter sollte der künftige Standort bieten. Nach einem Jahr Suche fand TSW schließlich das Grundstück im Gewerbegebiet Kruichling in Kirchheim unter Teck – mit direktem Anschluss an die A 8.
Mitarbeiter in Österreich geschult
Neben dem verkehrsgünstigen Grundstück suchte der Betrieb für den zukünftigen Standort auch rund 35 neue Mitarbeiter, hauptsächlich für die Produktion. Dafür holte sich der Dienstleister Hilfe bei der Bundesagentur für Arbeit in Kirchheim unter Teck. Die Berater der Arbeitsagentur wählten für TSW potenzielle Mitarbeiter aus; das Textilserviceunternehmen führte die Bewerbungsgespräche. Da der Neubau noch nicht betriebsbereit war, wiesen die Kollegen der DBL Staufer Textilpflege in Linz, Österreich, die ersten zehn neuen Mitarbeiter zwei Wochen lang in ihre neuen Arbeitsabläufe ein. Nach der Eröffnung und dem Anlauf der Produktion kamen weitere Mitarbeiter hinzu, die wiederum von ihren Kollegen eingelernt wurden, die sich zuvor in Österreich eingearbeitet hatten.
Rund acht Millionen Euro habe der Dienstleister für das zweistöckige Werk investiert. Auf rund 2.800 m² Produktions- sowie 1.360 m² Büro- und Lagerflächen arbeiten 75 Mitarbeiter. Dazu gehört auch ein Auszubildender zum Fachinformatiker für Systemintegration; ab September dieses Jahres soll es außerdem einen Auszubildenden zum Industriekaufmann geben. Momentan stellt die TSW weitere Arbeitskräfte für den Verkauf, den Vertrieb und die Kundenbetreuung ein, um die wachsende Anzahl von Kunden – aktuell 2.500 – auch künftig optimal versorgen zu können. Zu den Abnehmern der Miettextilien zählen unter anderem
- Handel und Handwerk,
- Caterer, Küchen und lebensmittelverarbeitende Betriebe,
- Industrie, Entsorger und Stadtwerke,
- Autohäuser und Werkstätten,
- Apotheken und Pflegeeinrichtungen sowie
- Medizintechnikunternehmen und chemisch verarbeitende Betriebe.
Derzeit bearbeiten die Mitarbeiter zwischen 8.000 und 9.000 Teile pro Tag mit einer Waschstraße. Das Werk ist so ausgerichtet, dass es genügend Raum für weitere Expansion bietet. Betriebsleiter Wolfgang Schätzle erklärt: „Die Dimensionen für eine zweite Waschstraße sind gegeben.“ Denn ausgelegt ist der Betrieb für die Bearbeitung von täglich bis zu 24.000 Teilen Berufsbekleidung und Mietfußmatten. Kunden können auch persönliche Schutzausrüstung leasen und Hygieneprodukte für den Waschraum über den Dienstleister beziehen.
Mehrschichtbetrieb ist möglich
Momentan arbeiten die Mitarbeiter von TSW im Einschichtbetrieb. Da der Textildienstleister seinen Sitz in einem Industriegebiet hat und somit nicht auf Anwohner Rücksicht nehmen muss, kann auch auf Mehrschichtbetrieb aufgestockt werden. Bei der Auswahl der Maschinen hat sich der Dienstleister für ein Sortier- und Verteilsystem von Kannegiesser und eine Waschanlage von Jensen entschieden. Wolfgang Schätzle zeigt sich zufrieden mit dieser Wahl. Die Installation der Systeme für die Waschstraße im Neubau und die Betreuung durch die Unternehmen seien vorbildlich.
Der kaufmännische Leiter Olaf Pohl fügt einen weiteren Aspekt hinzu: „Die Zusammenarbeit mit der Gewerbeaufsicht und der Wasserbehörde war von Anfang an konstruktiv.“ Das sei nicht selbstverständlich, schließlich wäre die Gemeinde Kirchheim unter Teck zuvor nie mit dem Neubau einer Großwäscherei und den dafür spezifischen Abwasservorschriften konfrontiert gewesen.
Ein grünes Dach und Bäume
Bei dem Neubau achteten die Planer auch auf den Energie- und Wasserverbrauch. Es gibt zum Beispiel eine Wärmerückgewinnungs- und Wasseraufbereitungsanlage. Auch außen gab es beim Bau Aspekte zu berücksichtigen. Das Dach dient als Ausgleichsfläche für das bebaute Grundstück und ist begrünt. Zusätzlich ist auf dem grünen Dach eine Photovoltaikanlage installiert. Auch Bäume wurden auf dem Grundstück gepflanzt. Den Mitarbeitern – und auch Besuchern – bietet sich nun ein Neubau, der ansprechend wirkt. Die breite Zufahrt führt auf den weißen Neubau mit rotem Logo zu, der sich von dem umliegenden Grün der Bepflanzung abhebt. Im Gebäudeinneren ziehen Details die Aufmerksamkeit auf sich. Der Treppenaufgang endet in einem lichtdurchfluteten Foyer, die Flure schmücken Bilder an den Wänden. Ein Künstler fertigte eigens ein Bild an, das den Neubau darstellt. Die Wände des Besprechungsraumes zieren ebenfalls Bilder – große Bilder. Allerdings dienen diese nicht in erster Linie der Optik. Nach der Eröffnung stellte sich heraus, dass die Akustik in dem Raum nicht optimal ist. Die Lösung: schallschluckende Akustikbilder. Wer die Werke genau betrachtet erkennt, dass das Motiv nur die oberste Schicht darstellt. Hinter der Optik verbergen sich dicke Platten, die den Schall auffangen. Bewusst achtet TSW im Besprechungsraum auf eine angenehme Atmosphäre – akustisch wie optisch.
Neubau beeindruckt Kunden
Vertriebsleiter Martin Geske legt Wert auf den persönlichen Austausch mit den Kunden von TSW. Eine Tagung von Hauswirtschaftsleitern und der Entsorgungswirtschaft fand bereits in dem Konferenzraum des neuen TSW-Gebäudes statt. Martin Geske begrüßt es, wenn die Kunden von TSW in der Großwäscherei tagen. „Die Teilnehmer sind beeindruckt, wenn sie vor Ort sehen, wie wir ihre Miettextilien reinigen.“ Denn die wenigsten Menschen hätten eine Vorstellung davon, wie technisiert und modern ein Textilpflegebetrieb sei. Solch ein Besuch schaffe Vertrauen bei den Kunden. Auch aus der Umgebung gibt es positive Stimmen zum Neubau. Betriebsleiter Wolfgang Schätzle verrät, dass Menschen aus der Umgebung von Kirchheim unter Teck ihm gesagt haben, dass die DBL Süd-West ein „architektonisch schönes Gebäude“ habe. Vertriebsleiter Martin Geske wirkt erstaunt: „Wirklich?“ Wolfgang Schätzle nickt.
Ein letztes Mal umdrehen. Der Neubau mit seinen markanten roten Farbakzenten verschwindet hinter der Straßenbiegung. Eine Wäscherei kann also sogar optisch etwas hermachen, wie TSW beweist.
Infos: www.dbl-suedwest.de