„Nachhaltigkeit als Chance für den Textilservice, seine Lieferanten und Kunden“ lautete das Thema des 3. MaxTex Forums. Am 25. April 2017 luden MaxTex, WIRTEX und DTV in das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Berlin.

3 Gerade so reichte der große Saal im Bundesministerium aus, um die Teilnehmer aufzunehmen, die zum 3. MaxTex Forum nach Berlin angereist waren. Die Veranstaltung, die dieses Mal das Thema „Nachhaltigkeit als Chance für den Textilservice, seine Lieferanten und Kunden“ zum Inhalt hatte, wurde in Kooperation mit dem Wirtschaftsverband Textil Service (WIRTEX) und dem Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) durchgeführt. Aus gutem Grund: Stellt doch der Textilservice ein wichtiges Bindeglied zwischen dem textilen Herstellungsprozess und dem Endkunden dar. Und so fanden sich die Teilnehmer auf einer Reise von textilen Rohstoffen bis zum Endkunden und – für einige überraschend – zurück zum Rohstoff. Kreislaufwirtschaft par exellence.
Gerhard Becker, MaxTex-Geschäftsführer, und Dr. Andreas Marek, WIRTEX-Geschäftsführer, begrüßten die Gäste und eröffneten die Veranstaltung. Rückenwind und Lob für die Aktivitäten von MaxTex, seinen Mitgliedern und Partnern kam zu Beginn von höchster Stelle. Hans-Joachim Fuchtel, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), machte deutlich, dass neben einer großen Zahl von Aktivitäten, Projekten und finanziellen Förderungen des BMZ entscheidende Fortschritte von privaten und unternehmerischen Initiativen abhängen. Immerhin 90 Prozent der finanziellen Mittel kommen im Rahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus dem privaten Sektor, so Staatssekretär Fuchtel. Ausdrücklich dankte er für das Engagement der Unternehmen aus der Textilwirtschaft, die sich ihrer Verantwortung bewusst seien und sich für eine transparente und nachhaltige Entwicklung einsetzen.
Vom Rohstoff zur Konfektion
Als „Preferred Fibers“ gelten „ökologisch und sozial progressive Fasern, die mehr nachhaltige Eigenschaften als eine konventionelle Faser besitzen“. Spezialist dafür ist Ralf Hellmann, Geschäftsführer des Hauses Dibella und unter anderem Mitbegründer der Vereinigung MaxTex. Neben weiteren Voraussetzungen für die Einstufung nachhaltiger Rohstoffe wie zertifizierte Baumwolle, recyceltes Polyester und Cellulosefasern erhielten die Teilnehmer einen Einblick in den Stellenwert von Standards – von Fairtrade bis GOTS – sowie über die voraussichtlichen Anteile zertifizierter Rohstoffe im zukünftigen Gesamtmarkt.
Die mit vielen technischen, aber auch innovativen Herausforderungen versehenen Produktionsprozesse von Geweben und fertigen Textilien erläuterten Jacob Ørskov vom dänischen Unternehmens Beirholm sowie Corona Bregenzer von Lauffenmühle anschaulich. Während der Schwerpunkt von Beirholm im Bereich Innovation und Entwicklung textiler Produkte für die Hotellerie liegt, zeigte das vollstufig produzierende Haus Lauffenmühle eine außergewöhnliche Ausprägung hinsichtlich Nachhaltigkeit in allen Phasen des Produktionsprozesses auf.
Wie man sich im direkten Wettbewerb begegnet und gleichzeitig fair und freundschaftlich an gemeinsamen Lösungen arbeiten kann, zeigten die Geschäftsführer der Konfektionshäuser Greiff Mode und Bierbaum Proenen, Hans-Peter Beck und Matthias Goost. Unterschiedlich in der Positionierung ihrer Berufsbekleidung und Corporate Wear gilt die gemeinsame Suche nach pragmatischen Lösungen uneingeschränkt.
Textile Dienstleistung: Bedarf wecken
Eine immer noch erkennbare, wenn auch abnehmende, Zurückhaltung kennzeichnet die Branche der textilen Dienstleister in Bezug auf den Einsatz nachhaltiger Textilien. Dass sich im Bereich der Ressourcenschonung, der Energieeffizienz und im gesamten Managementprozess vieles getan hat und weiterhin tut, zeigt nicht zuletzt das Projekt Ökobench des DTV. Marco Seifen, unter anderem zuständig für Umweltschutz und Technik im DTV, stellte die Vorteile des IT-gestützten Systems vor, in dem alle dem Verband angeschlossenen Textilpflegeunternehmen auf anonymisierte Weise ihre Wasser-, Waschmittel- und Energieverbräuche untereinander vergleichen können.
Im Hause CWS-boco geht das Thema Nachhaltigkeit inzwischen weiter. Obwohl schon lange vom Einsatz nachhaltig produzierter Textilien grundsätzlich überzeugt, hat man die Frage gestellt, wie weit diese Produkte sowohl bei den Kunden als auch bei CSR-Beauftragten in Unternehmen wirklich ankommen. Die Ergebnisse: Beide Gruppen sehen die unbedingte Notwendigkeit einer kontinuierlichen nachhaltigen Entwicklung gegeben. Dirk Baykal, CSR-Koordinator bei CWS-boco Supply-Chain-Management, sieht eine der vorrangigen Aufgaben auch darin, Angebote im Sinne konkreter Produkte zu schaffen und damit Bedarf und Nachfrage beim Kunden zu wecken.
Rolf Heimann ist eng mit dem Erfolg des Hauses Hessnatur verbunden. Sein Name steht für eine tiefe Kenntnis sämtlicher relevanter Prozesse in der textilen Lieferkette, ökologischer und sozialer Kriterien und der Wichtigkeit von Standards für Glaubwürdigkeit und Transparenz. Er war und ist Begleiter und Wegbereiter wichtiger textiler Standards. In seinem Beitrag – als Zwischenbilanz der bis dahin gehörten Vorträge – zeigte Heimann einen entscheidenden Paradigmenwechsel im Textilmarkt auf und machte auf die hohen Anforderungen aufmerksam, die für die Unternehmen damit verbunden seien. Ein ganzheitlicher Ansatz, von Markenbildung über Risikomanagement zu einem transparenten Stakeholder-Dialog, sei erforderlich.
Es gibt sie in zunehmender Zahl – Beispiele von Kunden, die sich aus vielerlei Gründen für den Einsatz nachhaltiger Textilien entscheiden. Michael Stober schilderte die konsequent nachhaltige Ausrichtung seines historischen Landguts Stober, das von der Renovierungsphase bis hin zum Einsatz von Wäsche aus Biobaumwolle unter dem Strich mit deutlichen wirtschaftlichen Vorteilen aufwarten kann. Nicht minder bemerkenswert schilderte Gabriele Obser den erfolgreich bestandenen Prozess öffentlicher Beschaffung von Berufsbekleidung für das Nürnberg Stift, einer öffentlichen Pflegeeinrichtung der Stadt Nürnberg. Neben wirtschaftlicher Machbarkeit zeigt dieses Beispiel, dass ein von Verantwortung und ethischer Überzeugung geprägtes Handeln bei den Beschäftigten motivierend und identitätsfördernd ist.
Der Kreislauf schließt sich
Vor wenigen Wochen machte Lenzing mit einer neuen Fasergeneration, der „Refibra-Faser“, auf sich aufmerksam. Sonja Zak von Lenzing stellte die Produktion und Gewinnung dieser Faser vor, die auf den Resten aus der Produktion von Baumwollbekleidung basiert. Es ist laut Unternehmen die erste Cellulosefaser, die neben Holz als Rohstoff Recyclingmaterialien verwendet. Auch wenn die Entwicklung zu einem vollständigen Recyclat aus gebrauchten Textilien noch eine gewisse Zeit benötigen wird, so ist dieser Ansatz ermutigend – hier waren sich alle Teilnehmer des MaxTex Forums einig.
Infos: www.maxtex.eu