Georgios Paraskevopoulos ist leidenschaftlicher Umweltschützer. Daher hat er in seinem Betrieb eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert – komplett ohne Fördergelder. Die gewonnene Wärme nutzt er sowohl für die Trockner als auch für die Waschmaschinen.
3 Für ihn ist Umweltschutz nicht nur irgendein Zeitvertreib, abhängig von den Launen der Gesellschaft. Georgios Paraskevopoulos beschäftigt sich bereits seit seiner Jugend mit dem Thema. Als der Bund für Umwelt und Naturschutz in den 1970er-Jahren in Deutschland gegründet wurde und unter anderem auf die Verunreinigung des Wassers durch Firmenabfälle aufmerksam machte, fing das Herz des damals 21-Jährigen an zu brennen. Und das tut es bis heute. Sein Öko Wasch Center hat der gebürtige Grieche komplett umgestellt und ein eigenes Konzept mit einer Wärmerückgewinnungsanlage entwickelt. Damit war er nach Unternehmensangaben deutschlandweit der Erste.
Zu seinem eigenen Betrieb ist Paraskevopoulos erst über Umwege gekommen, denn der 63-Jährige ist gelernter Elektrotechniker mit griechischem Abschluss, in Deutschland anerkannter Assistent der Elektrotechnik. In Bad Kreuznach, einer kleinen Stadt in der Nähe seines Wohnortes Wiesbaden, ist ihm aufgefallen, dass ein Ladengeschäft häufig leer stand. Kurzum: Er hat es gemietet und 1993 seine eigene Wäscherei gegründet, das Öko Wasch Center. Ursprünglich für Privatkunden zum Selberwaschen geplant, hat sich Paraskevopoulos durch den Anstoß seiner Schwester schnell auf die Wäsche von Gastronomiebetrieben und kleinen Hotels spezialisiert. Nach sechs Monaten zog der Betrieb nach Wiesbaden in den Stadtteil Dotzheim. Diese Gelegenheit hat Paraskevopoulos genutzt, den Betrieb ökologischer zu gestalten. Die beiden Geschäftsstellen liefen noch etwa ein Jahr parallel, bis Ende 1994 das Geschäft in Bad Kreuznach geschlossen wurde. „Schon zu Beginn ist mir aufgefallen, dass in der Wäscherei viel zu viel Wasser und Wärme verschwendet werden“, sagt er. „Der Verbrauch war gravierend. Um das zu ändern, habe ich mir für den neuen Standort ein Konzept mit einer Wärmerückgewinnungsanlage überlegt.“
Dieses Konzept funktioniert so: Die Gasflammen der Heißmangel beheizen ein Thermoöl. Die überschüssige Wärme der Mangel wird über einen Kamin und ein Abluftrohr abgesaugt. Um diese Wärme zu nutzen, installierte Paraskevopoulos in beiden Rohren einen Wärmetauscher. Dieser überträgt die aus der Luft gewonnene Wärme auf das Medium Wasser. Das fließt über einen Kanal in einen Speichertank mit 1.200 l Fassungsvermögen, dort herrscht eine konstante Temperatur von 80 °C. Damit die Trockner die Wärme nutzen können, ist nochmals ein Wärmetauscher nötig, der die Wärme des Wassers auf die Luft überträgt. Neben dem großen Speichertank steht zusätzlich ein kleinerer Frischwassertank (300 l) mit integriertem Wärmetauscher, in dem das Wasser bei etwa 50 °C zirkuliert. Von hier aus wird das warme Wasser zur Waschmaschine geführt. Da die Wärme im Winter nicht ausreicht, um die 50 °C zu erreichen, hat Paraskevopoulos noch ein Blockheizkraftwerk eingebaut, das in der kalten Jahreszeit für die nötige Temperatur sorgt.
Mit dem neuen Konzept spart Paraskevopoulos nach eigenen Angaben etwa 50 Prozent der üblichen Energie sowie 20 Prozent an Wasser. Die Umbaumaßnahmen kann er jedem Betrieb nur empfehlen. Bei der Umsetzung hätte er sich jedoch mehr Kooperation von Seiten der Behörden gewünscht: „Es gab bei den Ämtern überhaupt keine Vorschläge, wie man seinen Betrieb ökologischer gestalten könnte“, sagt Paraskevopoulos. Daher hat er regelmäßig Messen von Herstellern wie beispielsweise Kannegiesser besucht, um Informationen zu sammeln. „In dieser Hinsicht war ich von den Behörden enttäuscht, ich hätte mir mehr Unterstützung gewünscht“, sagt er. Außerdem empfiehlt er anderen Betrieben, die Fördergelder bereits vor der Umsetzung zu beantragen. Er weiß aus Erfahrung: „Ist die Anlage erst einmal gebaut, bekommt man keine Zuschüsse mehr.“ Bis die Wärmerückgewinnungsanlage im Öko Wasch Center ohne Probleme lief, habe es etwa fünf Jahre gedauert. Einige Maschinenteile oder Materialien, mit denen experimentiert wurde, musste nochmals gekauft werden – Kosten insgesamt: „50.000 DM“, schätzt Paraskevopoulos. Trotz der hohen Investitionen scheint die Begeisterung für das Thema Umweltschutz bei Paraskevopoulos in der Familie zu liegen. Sein Sohn Eleftherios hat in Deutsch-land Elektrotechnik studiert und sich als Diplom-Ingenieur auf den Bereich Umwelttechnik spezialisiert. Unter dem Namen „Dimocritos Physics“ bietet er neben seinem Hauptberuf anderen Textilpflegebetrieben die Einrichtung von Wärmerückgewinnungsanlagen an. Seit dem Jahr 2009 ist die Marke „Öko Wasch Center“ sogar beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragen und geschützt. Ziel sei es, über diese Marke Wärmerückgewinnungsanlagen für andere Wäschereien zu planen und umzusetzen.
Auch für den Vater ist noch nicht Schluss, obwohl er im Februar 2018 in Rente gehen will. Dann übernimmt seine Frau die Leitung der Wäscherei. „Im Moment experimentiere ich, wie ich die Abluft direkt zu Strom machen kann“, sagt Paraskevopoulos. Das Projekt ist jedoch zeitintensiv, zusätzlich müssen die dafür nötigen Maschinen und Geräte erst hergestellt werden. In spätestens drei Jahren rechnet er jedoch mit messbaren Erfolgen.