Akkurate Handarbeit statt Hightech – das kommt bei den Kunden von Iris Martina Pagel gut an. Da sich die Wäscherei in der Innenstadt befindet, können keine größeren Maschinen installiert werden, auch nicht für die Bearbeitung von Flachwäsche. Doch die Restaurantfachfrau machte das Beste daraus.

3 Als vor mehr als 20 Jahren das Restaurant, in dem sie viele Jahre gearbeitet hatte, geschlossen wurde, erwartete Iris Martina Pagel mit der Übernahme einer alteingesessenen Wäscherei am Braunschweiger Wollmarkt eine neue Perspektive. Die Existenzgründerin sollte recht behalten: In „Meine kleine Wäscherei“ stehen die Maschinen nie still. Sieben Mitarbeiterinnen haben alle Hände voll zu tun, um für Kunden aus einem Umkreis von 50 km Haushaltswäsche sowie Kittel für „weiße“ Berufe und Wäsche für das Gastgewerbe zu pflegen. Weitere Standbeine sind die Wäschepflege für Hotelgäste, der Hemdenservice mit Handbügel-Finish und der Gardinenservice inklusive Abnehmen und Aufhängen.
Auch Flachwäsche ist ein großes Thema: „Von drei Annahmestellen in Salzgitter, Wolfenbüttel und Hildesheim holen wir jede Woche rund 60 kg Bettwäsche ab“, berichtet Pagel. Für den Flughafen Braunschweig-Wolfsburg werden jede Woche bis zu 900 Bettbezüge, Laken und Füllungen gewaschen. Seniorenheime gehören nicht zum Kundenkreis, aber für das Gastgewerbe vom kleinen Speiserestaurant bis zum Fünf-Sterne-Hotel pflegt das Team hochwertige Tischwäsche.
Individualität durch Handarbeit
Mit fünf Miele-Waschschleudermaschinen (7 bis 16 kg) und vier Miele-Trocknern (6 bis 19 kg), einer Miele-Mangel und zwei Bügelstationen von Veit sind die Platzkapazitäten bis auf den letzten Quadratzentimeter ausgereizt. Gerade diese Maschinenkombination erlaubt aber die gewünschte Individualität: „Wir können die Wäsche postenweise nach kundenspezifischen Waschprogrammen und mit individuell zusammengestellter Chemie pflegen“, erläutert die Unternehmerin. Nach dem Waschen wird jedes Teil mit Argusaugen auf verbliebene Flecke kontrolliert und gegebenenfalls nachgewaschen.
Gutes Betriebsklima mit fairen Löhnen
Die Akkuratesse hat natürlich ihren Preis, aber: „Bisher hat noch kein Kunde Preiserhöhungen übelgenommen“, sagt Pagel. „Ich spiele mit offenen Karten und ‚Meine kleine Wäscherei‘ ist zu jeder Zeit für jedermann einsehbar.“ Die infolge des Mindestlohngesetzes in vielen Betrieben notwendige Preiserhöhung ist an der Unternehmerin vorbeigegangen, weil sie ihre Mitarbeiterinnen schon seit eh und je fair entlohnt: „Die Menschen sollen leben können“, erklärt sie. „Ich möchte, dass meine Leute gut gelaunt aufstehen und mit Freude zur Arbeit gehen.“
Das positive Betriebsklima kommt über den Ladentisch herüber. Die Kunden spüren laut Pagel, dass ihr Team motiviert ist und sich engagiert. „Es fällt ihnen auch angenehm auf, dass ich zwei gehörgeschädigte junge Frauen und eine Afrikanerin beschäftige“, sagt die Chefin. Sie hat auch schon darüber nachgedacht, den Fuhrpark auf E-Fahrzeuge umzustellen. In Braunschweig gebe es bereits in unmittelbarer Nähe zur Wäscherei eine Stromtankstelle. „Leider sind E-Autos aber noch nicht so ausgereift, dass sie auch längere Strecken bewältigen können“, bedauert Pagel.
Mit dem Verleih von Tischwäsche und Hussen hat sie nach eigenen Angaben in Braunschweig ein Alleinstellungsmerkmal erreicht. Der Lagerbestand hat eine Kapazität für bis zu 2.000 Personen. So kann sie auch Großveranstaltungen wie z.B. in der Braunschweiger Volkswagen-Halle professionell ausstatten. „Es gibt Gastronomen, die nur noch auf Mietwäsche setzen. Für uns kein Problem. Was bis abends bestellt wird, liefern wir prompt am nächsten Morgen“, versichert Pagel. Dank Vernetzung mit Veranstaltungsmanagements, Caterern und anderen Dienstleistern ist der Mietwäscheservice sehr gefragt. So haben die Unternehmerin und ihr Team sogar schon muslimische Hochzeitstafeln professionell eingedeckt.
Kundentreue über Generationen
Mit Ausnahme ihres Onlineauftritts verzichtet Pagel auf Werbeaktionen. „Wir stellen uns im Internet als Wäscherei mit Herz dar. Das macht die User neugierig und mancher von ihnen kommt zu uns und wird unser Stammkunde“, sagt die Unternehmerin. Über die sozialen Medien steht sie mit ihrer Kundschaft permanent im Dialog. Kein Wunder, dass „Meine kleine Wäscherei“ unter Freunden weiterempfohlen wird.
Nicht ohne Stolz berichtet die Chefin, dass manche Familie ihr schon über Generationen treu ist: „Einige Kunden, die ich als Knirpse im Kinderwagen kennengelernt habe, vertrauen uns heute regelmäßig ihre Wäsche an in der Gewissheit, dass sie bei uns in guten Händen ist“, erklärt Pagel.
Infos: www.meine-kleine-waescherei.de