EFIT-Jahresmitgliederversammlung 2017 in Dietzenbach Forum für Innovationen

Am Samstag, 24. Juni 2017, lud die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) zur diesjährigen Jahresmitgliederversammlung. Neben digitalen Prozessen und Vertriebskonzepten ging es u.a. um Marketing für Textilreinigungen und aktuelle Verbandsprojekte. RWTextilservice war vor Ort.

  • Bild 1 von 13
    © Schönhaar
    2 Das Team der EFIT lauschte in der ersten Reihe gespannt den Fachvorträgen (v.li.): Robin Schmitt, Birgit ­Jussen und Maria Bischoff.
  • Bild 2 von 13
    © Schönhaar
    Robin Schmitt von der EFIT-Geschäftsführung informierte über die vielfältigen Tätigkeiten des Verbands.
  • Bild 3 von 13
    © Schönhaar
    4 Der für FashionCare-Zertifi­zierungen zuständige Dieter ­Essing betonte die Wichtigkeit eines Qualitätssicherungstools. Fotos: Schönhaar
  • Bild 4 von 13
    © Schönhaar
    3 Friedrich Habermeyer hatte neue Erkenntnisse zu alterna­tiven Lösungsmitteln ­dabei.
  • Bild 5 von 13
    © Schönhaar
    6 Matthias Koller präsentierte seine Software „clean it“ mit verschiedenen Modulen und Features.
  • Bild 6 von 13
    © Schönhaar
    5 Mit Clesyclean zeigte Franz Spindler ein neues, ­digitales Vertriebskonzept für Reiniger.
  • Bild 7 von 13
    © Schönhaar
    1 Stefan Pitsch und Monika Lammes von clean4you ­berichteten über ihr innovatives Geschäftskonzept.
  • Bild 8 von 13
    © Schönhaar
    3 Inhaber Ferda Camli gab ebenfalls bereitwillig Auskunft über die ausgeklügelten Abläufe.
  • Bild 9 von 13
    © Schönhaar
    2 MyClean-Inhaber Fatih Camli ­erläuterte bei der Betriebsbesichtigung die digitalisierten ­Logistikprozesse im neuen Betrieb.
  • Bild 10 von 13
    © Schönhaar
    Die Jahresmitgliederversammlung der EFIT fand Ende Juni in der Nähe von Frankfurt am Main statt.   Fotos: Schönhaar
  • Bild 11 von 13
    © Schönhaar
    1 Der neue Zentralbetrieb von ­MyClean in Heusenstamm beeindruckt nicht nur mit einer ­außergewöhnlichen Fassade.
  • Bild 12 von 13
    © Schönhaar
    Austausch unter Kollegen stand bei der Jahresmitgliederversammlung der EFIT im Fokus.
  • Bild 13 von 13
    © Schönhaar
    4 Dank digitalisierter Prozesse hat man bei MyClean ­jedes Teil immer auf dem Schirm.

3 Was gibt es Neues? Diese Frage stand im Mittelpunkt der EFIT-Jahresmitgliederversammlung 2017 Ende Juni. „Forum für Innovationen“ war das Motto. Robin Schmitt von der EFIT-Geschäftsführung begrüßte die Teilnehmer in Dietzenbach nahe Frankfurt am Main und dankte dem EFIT-Team mit Maria Bischoff, Birgit Jussen und Dieter Essing.

Einen Ausblick in die Zukunft der professionellen Textilpflege gab Maria Bischoff: Von Wareneingang und Teileerfassung via Strichcoderegistrierung sowie Foto über die Vernetzung aller Arbeitsstationen bis hin zu automatischer Verpackung und 24-Stunden-Ausgabeautomaten – die EFIT beobachte stets, wo es in der Branche weitergeht. Ein Praxisbeispiel konnten sich die Teilnehmer live vor Ort ansehen. Gemeinsam fuhr man nach Heusenstamm zur MyClean-Textilpflege. Im vergangenen Jahr besichtigten die EFIT-Mitglieder bereits die Baustelle, diesmal den neuen, laufenden Betrieb. Vor einem Jahr ist MyClean umgezogen und arbeitet nun im neuen Gebäude. „Nach vielen schlaflosen Nächten“, geben die Inhaberbrüder Fatih und Ferda Camli zu. Produziert wird jetzt auf 1.300 m2 auf zwei Stockwerken mit aktuell 45 Mitarbeitern. Die beiden Chefs haben aus ihrem Büro im ersten Stock den optimalen Überblick über das Geschehen. Auch die Server stehen hier in einem eigenen Raum – die Daten sind drei Mal abgesichert, denn sie sind für die digitalisierten, automatisierten Prozesse enorm wichtig. Bei MyClean funktioniert die betriebsinterne Logistik über ein Strichcodesystem in Verbindung mit einer speziellen Software. Bei der Annahme bringt ein Mitarbeiter den Barcode an der Ware an. An jeder Arbeitsstation wird dieser eingescannt, um so jederzeit nachvollziehen zu können, wo sich ein Bekleidungsstück gerade befindet. Die Mitarbeiter loggen sich via Fingerabdruck in das Zeit­erfassungssystem und auch an den verschiedenen Arbeitsstationen ein. Im System werden auch deren Leistungsdaten erfasst. „Das ermöglicht effektives Personalmanagement und eine Verbesserung der Performance im gesamten Ablauf“, berichtete Fatih Camli. Durch den Nachweis, wer was wann gemacht hat, sei auch eine Qualitätssicherung garantiert. Eine Anzeigetafel im Betrieb ermöglicht den Mitarbeitern, den Bearbeitungsstatus aller Aufträge im Prozess zeitgenau nachzuvollziehen. Ferda Camli erläuterte: „Bei geplanten 5.000 zu bearbeitenden ­Teilen pro Tag muss jeder Arbeitsschritt perfekt und zeitoptimiert ablaufen.“ In Zukunft soll es noch mehr Automatisierung geben. Es sind u.a. Bereiche für 24-Stunden-Automaten vorgesehen. Nach der Besichtigung ging es zur anschließenden Fragerunde im Hotel mit Ferda Camli und Uwe Piotrowski von der ident-projekt GmbH, die das Digitalisierungskonzept bei MyClean umsetzt und betreut.

Onlineservice für mehr Umsatz

Ein digitales Vertriebskonzept unter dem Motto „Geholt, gereinigt, gebracht“ präsentierte Franz Spindler mit Clesyclean. Der Geschäftsführer des Unternehmens betonte: „Der Onlinehandel hat zweistellige Zuwachsraten. Auch die Textilpflege muss sich dem Thema stellen.“ Mehr Freizeit durch mehr Service lautet die Devise bei Clesyclean. In Kooperation mit ortsansässigen Reinigungspartnern bietet das Unternehmen einen zeitgemäßen „Laundry Service“ und will so neue Vertriebswege schaffen, neue Zielgruppen erreichen. So funktioniert das System: Kunden registrieren sich online unter www.clesyclean.com. Sie bekommen dann einen speziellen Kleidersack zugeschickt. Nach der Aktivierung können die Kunden online den Wäscheservice bestellen, die Textilien im Kleidersack an entsprechender Stelle abgeben und später gereinigt wieder dort abholen. Bezahlt werden kann über Onlinepayment. „Wir wollen so auch mehr Flächendeckung in ländlichen Gegenden ermöglichen“, erläuterte Spindler. Dabei helfe u.a. eine Schließfachlösung: Mit dem „Clesy Cube“ biete man eine Komplettlösung für webfähige Schließfächer, speziell für die Textilreinigungsbranche. Der Kunde bekommt nach Be­zahlung eine Pin, mit der er das Schließfach öffnen kann. Dabei ist der „Clesy Cube“ kombinierbar bzw. erweiterbar mit Modulen für z.B. Paketlogistik. Diese Anbieter können über die Weban­bindung „andocken“ und Fächer mieten. Einsatzorte für die ­smarten Schließfächer sind laut Spindler z.B. Einkaufszentren, Tankstellen, Unternehmen, Parkplätze, Krankenhäuser, Seniorenheime oder Wohnhausanlagen. Für Unternehmen bietet Clesyclean den Office Service an. Die Wäsche wird direkt im Unternehmen abgeholt und dort wieder sauber angeliefert. Unternehmen können dies als Service für die Mitarbeiter anbieten. „So kommt die Reinigung dorthin, wo die Kunden sowieso sind – bei der ­Arbeit“, so Spindler. Aktuell gibt es Clesyclean nur in Österreich, Interessenten aus anderen Ländern können sich aber gerne bei ihm melden.

„Mit einer Software zum komplett digitalisierten Betrieb“, hieß es bei Matthias Koller von „clean it“. Der Sohn von Textilreiniger Manfred Koller aus Wolkersdorf (Österreich) bringt bei der Softwareentwicklung die ganze Erfahrung des elterlichen Betriebs, der Textil-, Leder- und Pelzreinigung Klaus (kurz TeLePe), ein. Die Software ist auf individuelle Bedürfnisse der Branche zugeschnitten und für jeden Fall modular konfigurierbar, so Matthias Koller. Es handelt sich um ein Software-as-a-Service-Modell (SaaS), so dass Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung enthalten sind. Folgende Lösungen bietet Koller u.a.:

  • „clean it Kassa“: inklusive Abholbenachrichtigung per SMS oder E-Mail an den Kunden; kundenindividuelle und filialbezogene Preise, Status- und Locationtracking via Barcode oder RFID, Tagesabschlussübernahme in die Buchhaltung usw.
  • „clean it Tracking“: Basis für Abholbenachrichtigung via SMS oder E-Mail; soll dank Erfassung von Status und Ort einzelner Teile Warenverlust und Verzögerungen vorbeugen.
  • „clean it Route“: Modul, durch das Lieferscheine und Rechnungen nach Routenplanung automatisch gedruckt werden. Lieferanten bekommen alle Stationen ihrer Route via App zum Anfahren aufgelistet.
  • „clean it Marketing“: Hilfe z.B. beim Versenden von Newslettern inklusive Vorlagen etc.
  • „clean it Zeiterfassung“: ermöglicht An- und Abmeldung jedes einzelnen Mitarbeiters mittels Barcode oder RFID-Scan; Zeiteinträge am Smartphone oder im Web und Export an die Lohnverrechnung.

Allgemein punkten „clean it“-Lösungen laut Koller mit hoher Datensicherheit, Verfügbarkeit, kostenlosen Upgrades, universellem Zugang sowie professionellen Firewalls.

Um innovative Geschäftsideen, Marketing und lokale Kooperationen für das Neugeschäft ging es bei Stefan Pitsch, Inhaber von clean4you. Seit September 2015 betreibt der Quereinsteiger den Textil­pflegebetrieb in Wittlich (RWTextilservice berichtete ausführ­lich in Ausgabe 1/2017). Sein Motto: „Wir schenken unseren Kunden Zeit.“ Pitsch hat ein System mit 24-Stunden-Ab- und -Ausgabe installiert, um unabhängig von Öffnungszeiten einen optimalen Kundenservice bieten zu können. Auch eine App gehört zu dem System. Der Kunde bekommt eine Benachrichtigung, wenn seine Textilien fertig sind. Um als Dienstleister bekannter zu werden, präsentierte sich Pitsch mit clean4you eine Woche nach der Eröffnung auf einr lokalen Wirtschaftsmesse – mit Erfolg, wie er berichtete: „Der professionell aufgemachte Stand lockte viele Leute an.“ Auch verkaufsoffene Sonntage nutzt er: Am clean4you-Stand in der Stadt gibt es Gutscheine beim Glücksrad zu gewinnen – ein Publikumsmagnet, wie Pitschs Partnerin Monika Lammes berichtet. Außerdem kooperiert man mit anderen Unternehmen, z.B. mit dem ortsansässigen Reisebüro ebenso wie mit dem Café um die Ecke. Zudem ist Pitsch Mitglied im BNI. Das steht für Business Network International und ist eine Vereinigung regionaler Geschäftsleute, die sich einmal in der Woche zur Frühstückszeit treffen – mit dem klaren Ziel: Mehr Umsatz durch neue Kontakte und Geschäftsempfehlungen. Und auch digital setzen Pitsch und Lammes auf Wachstum: Erst seit einigen Wochen treiben die beiden das Marketing über Facebook voran. 271 Fans hat clean4you bereits. „Videos kommen besonders gut an“, berichtete Lammes. Nicht beworben hat kürzlich eines 1.431 Aufrufe erhalten. Lammes und Pitsch präsentieren sich meist selbst in den Videos – ganz authentisch dürfe es dabei auch mal verwackelt sein. Sie informieren über Angebote, das Unternehmen, Annahmestellen etc. Aktuell beschäftigt sich Lammes auch mit Instagram. Das Ziel: Markenbildung, in den Köpfen der Leute sein, immer wieder aufmerksam machen.

Neues aus der EFIT

EFIT-Mitarbeiterin Birgit Jussen stellte das Projekt „Neue Lösungsmittel 2.0“ vor (siehe Seite 9 in dieser Ausgabe). Friedrich Habermeyer, Geschäftsführer der Sauberland Textilpflege in Brake, berichtete anschließend von seiner Erfahrung mit dem neuen Lösungsmittel Sensene. Seit Ende März 2017 arbeitet er damit in seinem Betrieb. Er lobte, dass das Produkt gute rieche bzw. nach dem Bügeln geruchsneutral sei. Es ist kein Gefahrgut und sei ökologisch relativ unbedenklich. Habermeyer begrüßt, dass Sensene „wasserfreudig“ ist und sowohl bei fett- als auch wassergebundenen Flecken eine gute Lösekraft aufweise. Diese kräftige Wirkungsweise sei aber auch gleichzeitig ein Nachteil: Das Lösungsmittel könne Farbe vom Textil „herunterziehen“. Außerdem müsse man das Kontaktwasser behandeln, da hier etwa 30 Prozent Lösungsmittel enthalten seien. Positiv wiederum: Man benötige kaum Hilfsmittel und dadurch, dass kaum Schlamm etc. anfällt, seien die Entsorgungskosten gering. 

Zum Schluss folgte der Geschäftsbericht des Verbands. Robin Schmitt gab einen kurzen Überblick zu den Tätigkeiten der Geschäftsstelle. So habe man u.a. die Website neu auf „responsive design“ umgestellt, die Zusammenarbeit mit der Bekleidungsindustrie intensiviert und neue Projekte ins Leben gerufen; darunter „Neue Lösungsmittel 2.0“ und ein Projekt zum Verhalten von Reflexmaterialien bei der Pflege (RWTextilservice berichtete in Ausgabe 7/2017). Jussen erläuterte als Projektbetreuerin den Stand der Dinge der einzelnen Projekte und kündigte u.a. einen Infotag rund um FC-freie Imprägnierungen an. Zudem soll die Schulung zur BGR 500 überarbeitet und vereinheitlicht werden. Dieter Essing berichtete über die ständige Innovation des FashionCare-Qualitätssicherungssystems inklusive Logbuch und betonte die Wichtigkeit von Öffentlichkeitsarbeit, bei der die EFIT den Mitgliedsbetrieben auch helfe. Maria Bischoff konnte von erfolgreichen Checkpoint-EFIT-Veranstaltungen in Österreich und der Schweiz berichten, die fortgeführt werden sollen. Man will generell weiterhin ganz nah dran an den Themen bleiben, die die Textilreinigungen bewegen, und den Betrieben einen echten Merhwert bieten, so Robin Schmitt.

Infos: www.efit-textilpflege.de