DTV-Dampfseminar bei Viessmann Alles rund um Dampferzeugung

Da war Dampf dahinter: Die Teilnehmer des DTV-Dampfseminars am 11. Oktober 2017 im Informa­tionszentrum Viessmann in Berlin hörten Fachvorträge zu Themen rund um die Dampferzeugung und besichtigten den Produktionsstandort von Viessmann in Mittenwalde.

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    In Mittenwalde am Produktionsstandort von Viessmann informierten sich die Teilnehmer beim DTV-Dampfseminar über die Kesselproduktion.
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    Dr. Joachim Wieloch referierte über Dampfversorgung.
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    Klaus Büttner stellte das System Steam X vor. Fotos: Wylegalla
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    Gasbeschaffenheit war Thema von Sebastian Kretschmer.
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    Gordon Zittlau zeigte, wie man ältere Kessel optimieren kann.

3 Kosten bei der Dampferzeugung reduzieren, Nachdampf nutzen, mit unterschiedlichen Gasbeschaffenheiten umgehen und Anlagen modernisieren. Mit diesen Themen setzten sich die Referenten des Dampfseminars des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) im Oktober 2017 auseinander.

Dr. Joachim Wieloch von Viessmann eröffnete die Veranstaltung mit einem Vortrag zum Thema „Effiziente Dampfversorgung“. Er stellte Vitomax-Hochdruckkessel der neuesten Generation vor und erläuterte deren technische Details. „Je nach Erfordernis können die Kessel mit Gas, Öl, Schweröl oder Tierfett betrieben werden“, so Wieloch. Gegebenenfalls sei sogar ein Betrieb mit Biogas möglich. Ausgehend von einer Basisausstattung sollen die ­Anlagen individuell und kundenspezifisch ausgerüstet werden können. Die Kessel werden in Zusammenarbeit mit namhaften Brennerherstellern in Einzelfertigung aus zertifiziertem Stahl hergestellt und ­entsprechen der EN 12953, der DRGL 97/23/EG und den ­chinesischen Regelwerken, wie der Referent berichtete.

Die wärmetechnische Auslegung erfolgt mit moderner Software, die Flammraumgeometrie entspricht dem BDH-Informationsblatt Nr. 33, erklärte Wieloch weiter. Mit einem mittig liegenden Flammrohr und zwei Kesseltüren seien die Kessel sehr bedienerfreundlich. „Das Flammrohr befindet sich grundsätzlich unten und gewährleistet somit auch bei Versagen der Wasserstandsregelung höchste Sicherheit“, sagte der Referent. Die zulässige Spannung der Eckanker im oberen Dampfraum betrage 400 N/mm², wodurch höchste Betriebssicherheit und eine lange Lebensdauer gewährleistet werden sollen. Um die Dampfbelastung möglichst gering zu halten, werde das Volumen stets großzügig dimensioniert. Sämtliche Materialien werden vor der Verarbeitung im Werk geprüft, so Wieloch. Vor der Abnahme durch den TÜV erfolge auf dem werkseigenen Prüfstand ein Probebetrieb.

Anschließend schlug der Referent Maßnahmen für einen wirtschaftlichen Betrieb vor. Mitunter lasse die Effizienz nur aufgrund mangelhafter Kontrollen und Wartungsarbeiten zu wünschen übrig, gab Wieloch zu bedenken. Abstrahl- und Abgasverluste seien hingegen objektive Größen, die man durchaus beeinflussen könne. Um Abstrahlverluste zu minimieren, sei die Erhöhung der Isolierung eine mögliche Lösung (z.B. von 120 mm auf 160 mm bei einem 8-bar-Kessel). Wegen der Mehrkosten sei jedoch der Nutzen relativ gering, räumte der Referent ein. Eine Kostenersparnis könne indessen bei einer Automatisierung der Absalzungen erreicht werden. So werde die Absalzung durch Osmose auf ein Prozent gesenkt. Kosten werden auch durch eine Verminderung der Abgaswärmeverluste um bis zu fünf Prozent mit dem System ECO 100 bzw. 200 von Viessmann reduziert, wie Wieloch erklärte. Ebenfalls könne das Senken von Brüdendampfverlusten durch ein Regelventil und O2-Messungen wirtschaftlich sein. Deshalb solle diese Variante im Vorfeld genau durchkalkuliert werden. Eine Verbesserung der O2-Regelung könne Verluste durch den Brenner verringern. „Den Stromverbrauch kann man durch eine Drehzahlregelung reduzieren“, sagte der Referent. Die Ultima ratio sei indessen die Installation eines neuen Dampfkessels mit Optimierung aller Komponenten. Wieloch versicherte, dass sich die Investition aufgrund höherer Wirtschaftlichkeit binnen kurzer Zeit amortisiert.

„In Wäschereien wird oft bares Geld in die Atmosphäre verdampft“, sagte Klaus Büttner. Der Inhaber der Isotech Gebäudetechnik in Plauen im Vogtland, ließ dazu Zahlen sprechen: Werden in einem 13-bar-Dampferzeuger bei einem täglichen Produktionsvolumen von 28 bis 33 t Wäsche an 255 Arbeitstagen à 15 Stunden stündlich 4 t Dampf abgelassen, sind dies im Jahr 15.300 t. Anhand des in seinem Hause entwickelten und patentierten Steam-X-Systems zeigte der Referent Wege auf, wie Unternehmer diesen Teufelskreis durchbrechen können. Das Rückgewinnungssystem mache scheinbar überflüssigen Nachdampf wieder nutzbar, indem dieser in das abfließende Kondensat eingebracht und dem Energiekreislauf erneut zugeführt werde. So könne die im geschlossenen System vorhandene Energie bis zur Speisewasservorheizung oder anderen Verbrauchern verschiedener Druckstufen optimal genutzt werden, so Büttner. Seit der Liberalisierung des Gasmarktes werden die Verbraucher mit Erdgasen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Beschaffenheit beliefert. „Dies führt unter den Anwendern zu Unsicherheit und mitunter zu technischen Problemen“, stellte Sebastian Kretschmer von der Firma Max Weishaupt fest. Würden diese mit niedrigkalorischem Gas beliefert, erhöhe sich der Brennstoffverbrauch infolge erhöhter Abgasverluste. Im umgekehrten Fall müsse neben einem höheren Verschleiß des Kesselkörpers unter anderem auch mit hohen CO2-Emissionen infolge unvollständiger Verbrennung bis hin zum Anstieg der Nox-Emissionen gerechnet werden. „Im Extremfall können diese sogar den Grenzwert überschreiten“, sagt Kretschmer. Die kontroversen Diskussionen zwischen Versorgern und Geräteherstellern hätten dazu geführt, dass die vor einigen Jahren aufgestellte EN 16 726 nur eine Grundnorm geblieben ist. Daher sei in Deutschland noch das DVGW-Arbeitsblatt G260 zur Beschaffenheit des Erdgases verbindlich. Wurden bis vor wenigen Jahren Nordsee-Erdgas und Gase mit annähernd adäquaten Wobbe-Indices eingespeist, so werden die Anwender heute auch mit Biogas, Wasserstoff oder LNG-Gasen im Wechsel beliefert, wie Kretschmer erläutert. Aus diesem Grund träten zusehends Probleme – bisher zum Glück noch unterhalb des Worst Case – auf, so der Referent. In Norddeutschland würden noch einige Anwender mit Erdgas L beliefert. Jetzt werde mit hohem Aufwand auf Nordsee-Gas H umgestellt. Zur Sicherung des Brennerbetriebs bei unterschiedlicher Gasbeschaffenheit zeigte Kretschmer verschiedene Lösungsmöglichkeiten auf. Aber auch die Lieferanten seien gefordert: So müsste die lokale Konditionierung der Gasbeschaffenheit auf ± zwei Prozent des Wobbe-Index EU-weit wirksam werden. Auch die Konditionierung auf ± vier Prozent des Wobbe-Index könne bei gleichzeitiger Information der Anwender über die aktuellen Werte beim Einstellen funktionieren.

Gordon Zittlau von Viessmann Industrial Service stellte das Unternehmen Etanomics Service in Mörfelden-Waldorf vor. Das unabhängige Beratungsunternehmen in Energiefragen unterstütze Kesselbetreiber produkt- und herstellerneutral bei der Optimierung ihrer Anlagen. Darüber hinaus zeigte der Referent anhand zweier Beispiele, wie durch gezielte Modernisierungsmaßnahmen an Kesseln älterer Baureihen Kosten gespart und die Einhaltung der Emissionsgrenzen erreicht werden können.

Infos: www.dtv-bonn.de