Interview mit Helmut Dengel, „Haus zum Fels“ in Bretzfeld-Schwabbach Eigenbetrieb vs. Outsourcing

Warum entscheiden sich Pflegeheime für das Betreiben einer eigenen Wäscherei, statt die Wäsche­aufbereitung an einen Dienstleister auszulagern? Wir haben bei Helmut Dengel, geschäftsführender Gesellschafter des „Haus am Fels“ in Bretzfeld-Schwabbach, nachgefragt.

Helmut Dengel vom „Haus zum Fels“ hat die Entscheidung für die eigene Wäscherei nicht bereut. Foto: Electrolux Professional - © Electrolux Professional

3 Das „Haus zum Fels“ versorgt rund 350 Senioren im Umkreis von Heilbronn. Rund 700 kg Wäsche fallen pro Tag an: Flachwäsche, Frottier, Großteile wie Vorhänge und Inlets sowie Bewoh­nerwäsche der verschiedenen Einrichtungen inklusive den betreuten Wohneinrichtungen. Auch die Dienstbekleidung des Pflegepersonals wird gewaschen. Helmut Dengel ist der geschäftsführende Vorstand des „Haus zum Fels“ in Bretzfeld-Schwabbach im nördlichen Baden-Württemberg. Er hat sich vor drei Jahren entschieden, im nahe gelegenen Eberstadt eine zentrale Wäscherei für alle Häuser und Wohnungen zu bauen und zu betreiben.

RWTextilservice: Sie haben sich dafür entschieden, die Wäsche nicht nach ­außen zu geben, sondern im eigenen Haus zu waschen. Was sind die Hauptgründe dafür?

Helmut Dengel: Der Hauptgrund ist die Qualität. Als Eigentümer der Einrichtung „Haus zum Fels“ sind wir überzeugt, dass die Qualität der Wäscheversorgung mit Schnelligkeit und Bewohnerzufriedenheit gleichzusetzen ist. Unsere Erfahrung ist, dass Dienstleister nicht besser waschen als wir. Das zeigt sich an einem Beispiel, das immer wieder in Heimen vorkommt: die Suche nach einem persönlichen Bekleidungsstück. Im Haus zum Fels dauert es etwa ein bis zwei Tage bis klar ist, was mit dem Bekleidungsstück passiert ist. Bei einem Dienstleister müssen Sie ein bis zwei Wochen darauf warten, bis ein Bewohner etwas über den Verbleib erfährt. Auch der Transportzyklus ist bei uns öfter: Wir holen zwei Mal in der Woche Poolwäsche und Bewohnerwäsche ab und liefern zwei Mal die saubere Wäsche aus. Große Wäschereien liefern in der Regel nur einmal pro Woche. Dazu kommt, dass zwischen den Hauswirtschaftsleitungen, dem ambulanten Dienst und der Wäscherei sehr kurze Wege liegen – auch kommunikativ.

RWT: Sie haben vor der Entscheidung für die Inhouse-Wäsche eine Vergleichsrechnung von Eigenbetrieb und Outsourcing aufgestellt. Ist Ihre Wäscherei teurer als ein Dienstleister?

Dengel: Wir liegen auf dem gleichen Preisniveau. Der große Vorteil ist, dass wir unseren Bewohnern durch das Waschen im eigenen Betrieb einen höheren Komfort bieten können. Der finanzielle Gleichstand zwischen Inhouse- und Mietwäsche hat es uns aber erleichtert, uns für die eigene Wäscherei zu entscheiden.

RWT: Können Sie uns die wichtigsten Parameter nennen, die Sie bei ihrer Rechnung gegenüberstellten?

Dengel: Professionelle Wäschereien führen in ihren dezidierten Angeboten aus, was ein Kilogramm Wäsche kostet; dazu kommen die Kosten für spezielle Wäschestücke wie Gardinen etc. Der Kilopreis lässt sich auf die Bewohneranzahl hochrechnen. Aufaddieren müssen die Heimleitungen noch den Transport und die Personalkosten, die anfallen, wenn die Wäsche entgegengenommen und kontrolliert wird. Dieser Rechnung gegenübergestellt haben wir die Kosten, die bei unserer Wäscherei anfallen. Also: Was kostet das Gebäude bzw. wie hoch sind die jährlichen Abschreibungen, was kostet der Maschinenpark, die Instandhaltung, das Personal, die Verwaltung sowie Chemie, Wasser und Energie? Die Summen der beiden Rechnungen waren vergleichbar. Das Ergebnis: Die Balkenwaage hat sich weder auf die eine noch auf die andere Seite gesenkt.

RWT: Das heißt, Sie haben das Gebäude neu geplant und gebaut?

Dengel: Ja, dabei haben wir haben von Anfang an mit Experten für Wäscherei und Technik zusammengearbeitet. Ein Architekt konzipierte das Gebäude; Electrolux Professional entwickelte das Barrierekonzept; wir fragten beim Landratsamt wegen der Abwasserthematik an und beim Gesundheitsamt fragten wir nach, welche Auflagen zu erfüllen sind usw.

RWT: Wie ausbaufähig ist Ihre Wäscherei?

Dengel: Wir haben noch stille Reserven. Heute beginnen wir um 7 und schließen um 16 Uhr. Sollten wir weiter wachsen, können wir den Output nahezu verdoppeln; beispielsweise wenn wir um 6 Uhr starten und im Schichtbetrieb bis 21 Uhr arbeiten. Wir betreiben im Moment eine 50-kg-Waschmaschine sowie zwei 25-kg-Maschinen. Alle Maschinen sind vom Typus Barrierewaschmaschine, die an der Vorder- und an der Hinterfront über eine Öffnung verfügen. Zusätzlich betreiben wir ein eigenes Fahrzeug für den Wäschetransport.

RWT: Die Verantwortung dafür, dass hygienisch sauber gewaschen wird, trägt immer die Heimleitung – egal, ob die Wäsche nach außen gegeben wird oder selbst gewaschen wird, oder?

Dengel: Klar ist aber, dass das Heim verantwortlich für den Hygienestandard ist. Ich kann die Wäsche nach außen geben oder ich kann selbst sauber waschen. Wir haben uns für die zweite Alternative entschieden. Dafür haben wir ein internes und externes Netzwerk aufgebaut, mit einer qualifizierten hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin, mit einem Team von Mitarbeitern, auf die man sich verlassen kann. Uns betreut ein Electrolux-Werksvertreter und unser Chemielieferant Ecolab stellt unsere Maschinen ein, macht Abklatschproben und liefert die richtigen Waschmittel.

RWT: Hängt es von der Größe der Einrichtung ab, ob sich eine eigene Wäscherei rechnet?

Dengel: Unsere eigene Geschichte zeigt die Entwicklung zu einer größeren Einrichtung. Wir sind stetig gewachsen, zuerst von einem Haus auf drei Häuser. Als wir eine weitere Einrichtung unter unsere Fittiche nahmen, mussten wir uns neu orientieren. Das zusätzliche Heim betrieb zwar eine Wäscherei, aber ohne Trennung in reine und unreine Seite. Das heißt, die gewachsene Größe der Einrichtung kam uns bei der Überlegung, eine eigene Wäscherei zu bauen, entgegen.

RWT: Wie zufrieden sind Sie mit der Wäscheaufbereitung?

Dengel: Die Entscheidung für den Eigenbetrieb haben wir nicht bereut. Bis auf einen kleinen Wäscheschwund, der sich nicht gänzlich verhindern lässt, weil Angehörige z.B. vergessen, dass neue Wäsche ausgezeichnet werden muss, ist die Zufriedenheit groß.

Infos: www.hauszumfels.de, professional.electrolux.de