„handwerk magazin Denkworkshop“ Wenn Google Sie nicht findet

Für viele Unternehmen ist der erste Schritt in die Digitalisierung die eigene Website. Doch was ist, wenn Google und Co. ihre Website nicht listen? Der „handwerk magazin Denkworkshop“ zum Thema Suchmaschinenmarketing am 20. Oktober 2017 gab den Teilnehmern Werkzeuge an die Hand, mit denen sie ihre Sichtbarkeit im Internet verbessern können.

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3 „Ich will eine Chance gegen die Großen haben“, wünschte sich eine Teilnehmerin, als sie nach ihren Erwartungen an den Denkworkshop gefragt wird. Denn viele Unternehmen stehen vor dem Problem, dass sie zwar eine Website besitzen, aber Google diese bei Suchanfragen nicht oder erst auf Position 30 vorschlägt. Große Unternehmen hingegen stehen oft weit oben. Sie verfügen über das nötige Kleingeld, um Profis für ihr Suchmaschinenmarketing zu bezahlen. „Ich zeige Ihnen in den nächsten Stunden, wie Sie selbst ohne ein riesiges Budget, aber mit Zeit, Geduld und dem richtigen Know-how, Ihre Sichtbarkeit verbessern können“, erklärte Referent Tobias Fox, Geschäftsführer der Digitalagentur Verdure aus Stuttgart, zu Beginn seines Vortrags zum Thema Suchmaschinenmarketing (Search Engine Marketing, SEM). Das ganztägige Seminar von handwerk magazin, das wie RWTextilservice im Verlag Holzmann Medien erscheint, entstand als Vertiefung zur „handwerk magazin Denkwerkstatt“ über die RWTextilservice bereits in der Aprilausgabe 2017 berichtete.

Aber weshalb ist es überhaupt wichtig, dass Google Betriebe wie Textilreinigungen oder Wäschereien auch findet? Dazu sagte Fox: „Weil 80 Prozent aller Internetsitzungen mit einer Suchanfrage starten.“ Er fügte hinzu, dass 40 Prozent aller Suchanfragen nach Dienstleistungen in der Nähe des Anwenders suchen. Wie landet man also bei Suchanfragen wie „Textilreinigung München“ ganz oben? „Mit dem richtigen SEM“, erklärte Fox. Dabei haben Nutzer zwei Möglichkeiten, die Parameter von Google zu beeinflussen, die entscheiden, wer auf Platz 1 bei einer Suchanfrage landet, wie Fox erklärt. Dies kann entweder über eine Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization, SEO) oder die richtige Suchmaschinenwerbung (Search Engine Advertising, SEA) oder beides gelingen.

Schlüsselbegriffe auf Website einbinden

„Um über die Platzierung Ihrer Seite bei einer Suchanfrage zu entscheiden, scannt Google Ihre Website u.a. nach Keywords. Also nach den Begriffen, die Ihre Zielgruppe wirklich sucht“, erklärte Fox. Wer demnach eine Wäscherei in Hamburg betreibt, sollte auf seiner Website unbedingt die Wörter Wäscherei und Hamburg einbauen. „Wenn Google diese Wörter nicht finden kann, wird Google Ihren Betrieb auch bei einer derartigen Suche nicht vorschlagen“, sagte Fox.

Für jedes Keyword sollte auf einer Website eine Seite angelegt werden. Betriebe, die bei einer Suchanfrage nach der richtigen Reinigung von persönlicher Schutzausrüstung ganz oben landen wollen, sollten die passenden Keywords ermitteln und sich auf einer Unterseite der Website auf dieses Thema fokussieren. „Ordnen Sie jeder Unterseite einem Schlüsselbegriff zu. Betreiben Sie keine große Gemischtwarenseite“, riet Fox. Es sei außerdem wichtig, Keywords u.a. in der URL, den Überschriften, der Bildbezeichnung und im Fließtext unterzubringen.

Google bezieht in seine Suche auch mit ein, ob andere Webseiten  bzw. die Presse auf Betriebe verlinkt. Daher kann es nützlich sein, Betriebe in Branchenportalen wie www.wäscherei-suche.de listen zu lassen. Welche Querverweise es auf eine bestimmte Website gibt, finden Interessierte auf www.backlinks.com heraus.

Mobil lesbar und schnell abrufbar sein

„Mehr als 50 Prozent der Menschen surfen mittlerweile über ihr Handy im Internet. Und wissen Sie, was Google tut, wenn eine Seite nicht über ein Design verfügt, das für Smartphones geeignet ist? Es schiebt sie ganz weit nach hinten in der Liste der angezeigten Suchergebnisse“, erklärte Fox und riet dazu, auf ein responsives Design umzustellen. Ein anderes ausschlaggebendes Kriterium für eine schlechte Auffindbarkeit bei Google könne sein, dass eine Website zu lange lädt. „Häufig liegt das an zu großen Bildern. Grafiker können Bilder ganz einfach runterbrechen ohne große Qualitätsverluste. Lassen Sie sich nichts anderes erzählen“, fügte Fox hinzu. Um zu testen, wie schnell sich eine Website aufbaut, gibt es Seiten wie developers.google.com/speed/pagespeed.

Regional gefunden werden

Haben Sie schon einmal bei Google eine Anfrage nach einer Textilreinigung gestellt und Ihnen wurden Reinigungen in Ihrer unmittelbaren Nähe vorgeschlagen oder sogar auf Google Maps angezeigt? Und wussten Sie, dass Sie auch diese Ansicht beeinflussen oder gar beantragen können? Diese Funktion nennt Google „My Business“ . Es handelt sich dabei um ein kostenloses Onlinebranchenverzeichnis, in das Google Betriebe einträgt, sofern die Kontaktdaten ordentlich auf einer Website hinterlegt sind. Aber Google geht nicht wie ein Telefonbuch vor und sortiert die Einträge alphabetisch. Angezeigt wird zuerst der Betrieb mit den optimiertesten Inhalten. „Sie können und sollten ihren Eintrag auf www.google.de/business bestätigen oder erstellen lassen, wenn er noch nicht vorhanden ist. Dann können ihn bearbeiten“, sagte Fox. Nutzer können ihren Account mit Bildern, einem suchmaschinenoptimierten Text, einer Telefonnummer, Website und E-Mail ausstatten. Das erhöhe die Sichtbarkeit und wirke auf Benutzer ansprechender. „Und wer kann, bringt seine Kunden dazu, eine Bewertung dazulassen“, so Fox weiter.

Mit Werbung ganz oben

Bei vielen Suchen zeigt Google Anzeigen als erste Ergebnisse. Für einige Sucher spielt es laut Fox keine Rolle, ob das erste Ergebnis eine Anzeige ist oder nicht. Sie fühlen sich dennoch von Google gut beraten. Wer also mittels einer Anzeige – also eine AdWord-Kampagne auf www.google.de/Google_AdWords/Marketing – potenzielle Kunden auf seine Seite locken möchte, sollte ein paar Regeln beachten. Auch hier spielt die Verwendung der richtigen Keywords eine Rolle. Wer bei „Ölflecken Reinigung“ gefunden werden will, sollte auch die passenden Schlüsselbegriffe in seiner Anzeige verwenden und dann auch auf einen dementsprechend optimierten Eintrag auf seiner Website verlinken. Wichtig ist laut Fox eine regionale Einschränkung. Dabei können Nutzer bestimmen, dass die gewünschte Anzeige nur eingeblendet wird, wenn ein Sucher in einem Entfernungsradius von 20 km zum Betrieb nach diesen Worten sucht. „Eine regionale Eingrenzung kann Ihnen viel Geld sparen“, sagte Fox. Denn Google AdWords erhebt keine Gebühren für die Darstellung der Anzeige, sondern rechnet pro Klick eines Nutzers ab.

Externen beauftragen

Eine Website erstellen, dafür haben die wenigsten Unternehmer Zeit, noch verfügen sie über das nötige Know-how. Doch die Kontrolle von Grafikern (kann ich meine Seite auch auf dem Handy abrufen?) oder Webagenturen (Welche Keywords wurden eingebaut und wo? Wurde die AdWord-Kampagne regional eingegrenzt?) kann viel Frust sparen. „Wenn Sie einen Dienstleister haben, der Wunder verspricht? Dann lehnen Sie ab“, riet Fox jedoch. „Selbst wenn Sie alles umsetzen, braucht Google eine Zeit, um ihre Errungenschaften zu erfassen. Und manchmal ändert Google auch wieder seine Parameter. Ein guter Dienstleister weiß das.“

Allen, die selbst versuchen wollen, ihre Sichtbarkeit bei Google zu steigern, empfahl Fox: „Nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Fangen Sie mit einer Sache an. Vielleicht mit den richtigen Suchbegriffen.“ Im letzten Drittel des Seminars ging er die Websites der teilnehmenden Unternehmer durch, prüfte sie mit kostenlosen Onlinetools wie search.google.com/test/mobile-friendly u.a. auf ein responsives Design und machte Optimierungsvorschläge. Viele Teilnehmer erkannten nach seinem Vortrag sogar ohne die Tests, woran es hängen könnte, dass Google ihre Websiten erst spät in den Suchergebnissen listet. „Es gibt viele Tools, mit denen Sie sehen können, warum Ihre Seite nicht gut gefunden wird. Aber wie Sie selbst feststellen konnten, ist das beste Programm immer noch das eigene Gehirn“, sagte Fox abschließend und lächelte.

Infos: www.handwerk-magazin.de, www.verdure.de