Jahrestagung 2017 der Textilreiniger-Innung Sachsen Dirndl, Weißwurst, Wissenswertes

Vom 20. bis 22. Oktober 2017 trafen sich Berufskollegen der Textilreiniger-Innung Sachsen in Chemnitz zur Jahrestagung. Nach einem zünftigen „Oktoberfest“ am Freitagabend standen am Samstag Vorträge, kollegialer Erfahrungsaustausch sowie Gespräche mit Vertretern der Industrie auf dem Programm.

  • Bild 1 von 4
    © Wylegalla
    Innungsobermeisterin Angela Zacher betonte: „Nicht Konkurrenzdenken, sondern Hilfsbereitschaft und Vertrauen stehen im Mittelpunkt der Innungsarbeit.“
  • Bild 2 von 4
    © Wylegalla
    Olaf Richter referierte über die Herausforderungen der Digitalisierung an das Handwerk und betonte, wie wichtig eine ständige Erreichbarkeit für Betriebe ist.
  • Bild 3 von 4
    © Wylegalla
    Jochen Schulz berichtete über seine Arbeit als Sachverständiger und gab Infos zu möglichen ­Reklamationsgründen und ­Herstellungsfehlern.
  • Bild 4 von 4
    © Wylegalla
    Daniel Dalkowski vom DTV ­informierte die Teilnehmer über Aktuelles und Zukünftiges aus der Verbandsarbeit. Fotos: Wylegalla

3 „Nicht Konkurrenzdenken, sondern ein Miteinander, Hilfsbereitschaft und Vertrauen stehen im Mittelpunkt der Innungsarbeit“, unterstrich Innungsobermeisterin Angela Zacher in ihrer Eröffnungsansprache zur Jahrestagung 2017 der Textilreiniger-Innung Sachsen. Die Unterstützung durch Berufskollegen könne man nicht mit Geld bezahlen, so die Textilreinigermeisterin. Gute Kontakte untereinander, kontinuierliche Weiterbildung sowie Erfahrungsaustausch seien wichtige Voraussetzungen für eine starke Innung, eine starke Kreishandwerkerschaft, eine starke Handwerkskammer und starke Verbände. Nur gemeinsam könne man bei den Politikern Gehör finden. Den Vertretern der Industrie dankte Zacher für ihre Präsenz auf der Tagung in Chemnitz sowie für zahlreiche Schulungen, die sie den Unternehmern und ihren Mitarbeitern zum Nulltarif angeboten haben.

Herausforderungen der Digitalisierung

Die Herausforderungen des digitalen Zeitalters an Unternehmer waren das Thema eines Vortrags von Olaf Richter, Vertriebsleiter Geschäftskunden Telekom-Shops in der Region Ost. „Mittlerweile stehen elf Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft mit der Digitalisierung in Zusammenhang“, so Richter. Bis 2025 werde ein Wirtschaftspotenzial von bis zu 11,1 Billionen Euro im Zuge der Digitalisierung vorausgesagt. In Deutschland nutzen mittlerweile 48 Millionen Menschen das Internet, 45 Millionen sind täglich im Web unterwegs, berichtete der Referent. Etwa 90 Prozent aller Verbraucher informieren sich online, 40 von 100 deutschen Arbeitnehmern arbeiten mobil und durch die Nutzung von Clouds kann die Produktivität eines Mitarbeiters um 25 Prozent gesteigert werden.

Richter unterstrich, dass bis 2018 das gesamte Telefonnetz auf IP-Technologie umgestellt sein wird. Das Handwerk brauche eine einheitliche starke Lösung. Deshalb hat die Telekom mit der Kreishandwerkerschaft ein Handwerkerpaket vereinbart, das persönliche Ansprechpartner im Telekom-Shop in Betriebsnähe, Mobilfunkrahmenverträge und einen Anschluss inklusive Zukunftssicherheit enthält. Die Umstellung sollte nicht selbst, sondern professionell mit der Telekom oder einem betreuenden IP-Spezialisten durchgeführt werden, so Richter. Unternehmen sollten alles digitalisieren, was sich nur digitalisieren lässt; z.B. Prozesse, Bürosoftware, Warenbestände, Schriftverkehr, Rechnungen und Kommunikation. Wichtig seien eine ständige Erreichbarkeit und mobiles Arbeiten sowie Internetauftritte, Social Media und Kontakte aus einer Cloud.

Mittlerweile seien 70 Prozent aller kleinen und mittelständischen Unternehmen mit einer Website im Internet präsent, so Richter. „Angesichts einer durchschnittlichen Onlinezeit von 128 Minuten am Tag pro Teilnehmer wird es für Unternehmer immer wichtiger, dass sie rund um die Uhr online gefunden werden“, betonte der Experte. Dies sei jedoch nur zu erreichen, wenn der Betrieb beim „Googeln“ schnell gefunden wird. Richter empfahl den Unternehmern eine Suchmaschinenoptimierung sowie mobil optimierte Websites. „Können Kunden auf ihrem Smartphone keinen angepassten Internetauftritt aufrufen, wandern sie ab und kommen nicht wieder.“

Aus der Praxis der Dresdener Schiedsstelle

Jochen Schulz, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Textilreinigerhandwerk, vermittelte einen Einblick in die Arbeit der Schiedsstelle für Textilreinigungsreklamationen der Verbraucherzentrale in Dresden. Mit 87 Einsendungen im vorigen Jahr stand die Dresdener Einrichtung nach Hamburg (257 Begutachtungen) an zweiter Stelle von insgesamt sieben Schiedsstellen. Reklamationen aus ganz Deutschland werden zu einem einheitlichen Preis von 23 Euro bearbeitet.

Die Reklamationsgründe waren zu jeweils einem Drittel Herstellungs- und Bearbeitungsfehler sowie unsachgemäßer Gebrauch. Der Referent räumte indessen ein, dass sich eine Zunahme der Fehler in der Textilreinigung abzeichnet, insbesondere was die Nachbearbeitung anbelangt. Durch mehr Sorgfalt könne aber manche Reklamation vermieden werden. Des Weiteren beobachtet der Sachverständige auch in der Konfektionsindustrie eine wachsende Tendenz zu schlechter Veredelung. Beschichtungsfehler und Maßänderungen würden die Risiken für Textilreiniger erhöhen. Zwar sei mit der Textilindustrie eine Veränderung bis zu zwei Prozent vereinbart worden, für Übergardinen gelte sogar eine noch höhere Toleranzgrenze. Dennoch komme es zu Reklamationen und mitunter müssten diese sogar vor Gericht verhandelt ­werden.

Hinweise zu Herstellungsfehlern

Für Herstellungsfehler sieht das Gesetz eine zweijährige Gewährleistungspflicht vor. Schulz wies ausdrücklich darauf hin, dass die Gewährleistung nicht für Chargen, sondern jeweils für das einzelne reklamierte Exemplar gilt. „Tritt z.B. nach einer Reinigung an einem Bekleidungsstück ein Frontfixierungsschaden auf, sollte der Textilreiniger dem geschädigten Kunden eine Reklamation beim Einzelhändler nahelegen“, sagte Schulz. Der Sachverständige warnte auch vor der Reinigung schlecht veredelter Teile. Rot-weiße Brautkleider aus China zum Beispiel sollten – wenn überhaupt – mit allergrößter Vorsicht behandelt werden. PVC-Beschichtungen oder -fasern dürfen nicht mit Lösungsmitteln behandelt ­werden.

Schulz hatte noch ein paar Tipps aus der Praxis: Die Ausstattung von Textilien mit Pflegesymbolen gilt als freiwillige Leistung des Konfektionärs. Ist die Kennzeichnung aber nicht stimmig, ist sie als Herstellungsfehler zu werten. Riskant kann die Reinigung von Polyurethan sein – zumindest bei schlechter Qualität. Metallfäden knittern bei der Behandlung mit Lösungsmitteln und können nicht mehr glattgebügelt werden. Polyamidanteile im Gewebe können beim Bügeln schmelzen. Polyquartprodukte entziehen der Flotte die Schmutzpartikel und lagern diese auf dem Gewebe ab. Insbesondere auf weißen Textilien bilden die Ablagerungen Flecke, die nicht mehr entfernt werden können.

Aktuelles aus dem DTV

Über die Arbeit des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) berichtete Daniel Dalkowski. Er erinnerte daran, dass seit dem 1. Oktober dieses Jahres für alle Bundesländer der gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro/Stunde (Untergrenze) verbindlich ist. In Hannover-Garbsen veranstaltete der DTV den ersten Workshop für Berufsberater der Agentur für Arbeit. Es wurde praxisnah Wissenswertes über die Branche und das Berufsbild vermittelt, damit die Berufsberater künftig auch Umschüler, Studienabbrecher, junge Mütter und Langzeitarbeitslose optimal beraten können. Der Referent appellierte an die Betriebe, Tagungsräume zur Verfügung zu stellen, um auch anderswo Berufsberatern zeigen zu können, was in der Branche passiert.

Darüber hinaus informierte Dalkowski über einen Fachmitarbeiterlehrgang. Dieser soll als zweitägiger Basislehrgang noch in diesem Jahr als Pilotprojekt stattfinden. Die Inhalte befinden sich derzeit noch in der Ausarbeitung. Aufbauend auf dem Grundlehrgang sind zu einem späteren Zeitpunkt Lehrgänge zu verschiedenen Schwerpunkten vorgesehen. In Transferpartnerschaft mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) soll zur ­Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe ein Projekt zur ­Digitalisierung des Handwerks durchgeführt werden. In ­Kooperation mit europäischen Partnerverbänden wurde für die Branche Bild- und Videomaterial entwickelt. Ferner stehen zur Gewinnung von Azubis neue Plakate und Giveaways zur Verfügung. Von der Homepage des DTV können Druckvorlagen für ­Plakate und ­elektronische Ladendisplays heruntergeladen werden.

Last, but not least teilte der Referent den Berufskollegen mit, dass die Geschäftsstelle Bonn verkauft und der Erlös in eine neue Immobilie mit Präferenz in Berlin investiert werden soll. Für den Terminkalender:

  • Am 8. Januar des nächsten Jahres beginnt in Rodgau bei Frankfurt am Main ein neuer DTV-Meisterkurs,
  • vom 26. bis zum 28. Januar treffen sich die Berufskollegen der Innung Thüringen zur Jahrestagung und
  • der DTV-Verbandstag 2018 wird vom 7. bis zum 9. ­September in Berlin stattfinden.

Während der Pausen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, sich mit Berufskollegen auszutauschen und bei den Vertretern der Industrie über neue Produkte zu informieren. Beim Rahmenprogramm mit Oktoberfest gab es bei Weißwurst & Co. ebenfalls viele gute Gespräche.