Entwicklung eines Smartphone-basierten Schnellnachweissystems zur mikrobiologischen Eigenkontrolle und kontinuierlichen Qualitätssicherung in gewerblichen Wäschereien (Dr. Anja Gerhardts):
Die Hygiene-App beruht auf der Fotodokumentation eines Farbnachweises von Bakterien. Nach erfolgter Farbreaktion kann die Probe zur Auswertung über die App mit der Smartphone-Kamera fotografiert werden. Dem Farbwert wird automatisch ein bestimmter Keimwert zugeordnet. Das Nachweissystem muss lediglich einmal zur Initialisierung der App kalibriert werden und kann dann ohne weiteren Aufwand angewendet werden. Sämtliche durchgeführten Farb- und Keimanchweise werden automatisch unter dem zugehörigen Datum gespeichert, können mit Kommentaren versehen und jederzeit aufgerufen werden. Trotz mangelnder Sensitivität des Nachweissystems kann die App laut Gerhardts als Werkzeug benutzt werden, um in gewerblichen Wäschereien eine kontinuierliche Überwachung zur Biofilmprävention durchzuführen. Die Zeit bis zum Ergebnis dauert nicht wie üblich mehrere Tage, sondern nur zwei Stunden. Aktuell ist die App noch nicht in einem App-Store erhältlich, wird aber von der Forschungsstelle für die weitere Erprobung in der Praxis zur Verfügung gestellt. RWTextilservice berichtete in Ausgabe 11/2017 ausführlich über die App zum Hygienemonitoring.
Stand der Schmutzwäschesortierung (Frank Tippelt; Jutta Secker):
Die Sortierung von Schmutzwäsche aus Krankenhäusern und Pflegeheimen mittels Sortierständen ist technisch möglich, kann wirtschaftlich effizient sein und ist auch rechtlich machbar, so die Referenten. Bei der Planung müssen diverse Vorgaben berücksichtigt werden, z.B. die Biostoffverordnung (BioStoffV), technische Regeln (TR) oder BG-Regeln. Es ist notwendig, eine Gefährdungsbuerteilung für die Arbeitsplätze am Sortierstand durchzuführen, d.h., man muss sich im Klaren sein, welchen Gefahren der Arbeitnehmer ausgesetzt ist (u.a. Stich- und Schnittverletzungen durch Fremdkörper wie Skalpelle oder Scheren; Absturzgefahr; Infektionsgefahr duch Kontakt mit der Wäsche oder durch luftgetragene Keime). Bei der konkreten Umsetzung aller Vorgaben sollte das TOP-Prinzip Anwendung finden: Zunächst sind technische Maßnahmen zu treffen (z.B. raumlufttechnische Anlage mit Filtern), dann organisatorische (z.B. Impfungen der Mitarbeiter, Kurzzeitpausen für Toilettengang und Trinken) und schließlich persönliche Schutzmaßnahmen (z.B. schnitt- und stichfeste Handschuhe). Bei der Vielzahl der zu beachtenden Vorchriften ist es sinnvoll, die Aufsichtsbehörden wie das Gewerbeaufsichtsamt sowie die BG ETEM von Anfang an in die Planung zu involvieren.
Lösungen zum Erhalt des Weißgrades bei industrieller Wäsche (Dr. Edith Claßen):
Eine aufgetretene Vergrauung von Textilien ist in der Regel irreversibel und kann daher nicht in nachgelagerten Waschprozessen rückgängig gemacht werden. Deshalb ist es wichtig, einer Vergrauung vorzubeugen. Die Vermeidung kann laut Claßen während der Wiederaufbereitung durch folgende Maßnahmen verhindert werden:
- Die Übertrocknung der Textilien muss vermieden werden. Eine Übertrocknung kann die Wirkung optischer Aufheller beeinträchtigen; das „Weiß“ wird schlechter.
- Ein Übersäuern des Waschguts ist zu vermeiden, da optische Aufheller ab einem pH-Wert < 5 geschädigt werden können und dies zu einer Vergrauung führen kann.
- Es sollte immer mit einer ausreichenden Menge an Waschmittel gewaschen werden, da so der Schmutz vom Textil vollständig gelöst und abgetrennt werden kann. Nicht gelöster Schmutz oder Schmutz, der nicht mit der Waschflotte abgetrennt wurde und wieder auf das Textil aufziehen kann, führt zu Vergrauung.
- Es sollte immer mit einer ausreichendne Menge an Wasser gewaschen werden, da so der Abtransport des vom Textil gelösten Schmutzes gewährleistet werden kann.
- Aufheller sind selbst hellgelbe Farbstoffe. Bei einer zu hohen Dosierung werden sie auf der Faser sichtbar und beeinträchtigen den erwünschten Weißeindruck. Deshalb ist eine Überdosierung von Aufhellern zu vermeiden.
Analyse von Fasern aus Abwässern von textilien Waschprozessen (Jasmin Haap):
Das aktuell laufende Forschungsprojekt soll die Problematik von Mikroplastik im Abwasser durch Faserabrieb beleuchten. Dabei stehen gewerbliche Wäschereien im Vordergrund, da es bisher nur Studien im Haushaltsbereich gibt. Es werden Waschtests im Labormaßstab durchgeführt mit leasingfähiger Berufsbekleidung und dann u.a. die Partikelanzahl pro Waschgang analysiert. Haap möchte herausfinden, was genau die Faseremission bedingt und in der Folge Reduzierungsmaßnahmen erforschen.
Recycling von Waschmittel und Wasser für gewerbliche Waschprozesse (Dr. Igor Kogut):
Im Verbundprojekt „REWARD“ untersucht das Hohenstein Institut für Textilinnovation (HIT) zusammen mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Deutschland und Polen effektive, praxisnahe Strategien für die Verwertung von Abwässern aus gewerblichen Waschprozessen. Ziel ist es, mit der neuentwickelten Recyclingtechnolgie das Abwasser nach Aufbereitung in den verschiedenen Waschprozessschritten wie Vorwäsche und Hauptwäsche optimal wiederzuverwenden. Die Qualität der Waschprozesse (Sauberkeit, Hygiene, Werterhalt der Textilien) muss erhalten bleiben. Das Herzstück der neuen Recyclingtechnologie ist die Dipolinduktionstechnologie gekoppelt mit einer maßgeschneiderten Membranfiltration. Nach einer Testphase in einem polnischen Wäschereibetrieb soll eine Kalkulation der Einsparung durch die Reduzierung der Einsatzmengen von Wasser und Waschmittel sowie der Menge des entstehnden Abwassers erfolgen. 2018 sind laut Kogut weitere Praxistest geplant. RWTextilservice berichtete in Ausgabe 11/2017 ausführlich über „REWARD“.
Infos: www.hohenstein.de