Mittelständische Unternehmer, die in Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz investieren möchten, lässt der Staat nicht allein. Auf EU- und Landesebene gibt es zahlreiche Förderprogramme, die Investitionen in eine nachhaltige Produktion mit Zuschüssen honorieren, so die Erfahrung von Huberto Creutzburg aus Gotha in Thüringen. Wir haben den Unternehmer besucht.
Erst vor wenigen Monaten hat Huberto Creutzburg auf dem Dach seiner Wäscherei im thüringischen Gotha eine Photovoltaikanlage installieren lassen. Dem aktuellen technischen Stand gemäß hat der Gothaer Unternehmer nun alle Möglichkeiten zur Schonung natürlicher Ressourcen ausgereizt. „Durch die schrittweise Nachrüstung mit modernen Energiesparvorrichtungen minimiere ich nicht nur klimaschädliche CO2-Emissionen, sondern ich kann auch wirtschaftlicher produzieren“, so Creutzburg. Die solare Stromgewinnungsanlage zur Eigennutzung und die Stromspeicher wurden zur Hälfte durch das neue Thüringer Förderprogramm „Solar Invest“ finanziert. „Eine Prognose ist zurzeit noch schwierig, aber ich erwarte künftig eine attraktive Kostenersparnis“, ist der Unternehmer überzeugt.
Als der gelernte Maschinenbauingenieur 1991 die „Wäscher- und Plätter-PGH“ erwarb, rauchte der Schornstein noch wie eine Lokomotive. „Damals sah ich in einer Existenzgründung die beste Perspektive für eine sichere Zukunft“, berichtet er – und sollte Recht behalten: „Schon vor der Liquidierung der Produktionsgenossenschaft des Handwerks arbeitete ich mich in das Metier ein und begleitete den damaligen Betriebsleiter bei der Auslieferung“, so Creutzburg. Er lernte die wenigen Kunden, die noch geblieben waren, kennen und begann, in der damals boomenden Hotelbranche neue Aufträge zu akquirieren. „Als ich die Wäscherei übernahm, wurden täglich nur noch 150 bis 250 kg Wäsche gewaschen“, erinnert sich der Unternehmer. Gemeinsam mit vier Mitarbeiterinnen gelang es ihm, die Talsohle zu überwinden. „Unter den gegebenen Voraussetzungen war das allerdings nicht einfach“, erzählt Creutzburg weiter. Als nach zähen Verhandlungen endlich ein ERP-Kredit genehmigt worden war, konnten der kohlebeheizte Dampferzeuger, veraltete Waschmaschinen, die Zentrifuge und ein mit Stadtgas beheizter Trockner gegen moderne Waschtechnik ausgetauscht werden. Mit stetig wachsender Auftragsdecke aus Privathaushalten, schwerpunktmäßig aber aus dem Gastgewerbe wurden die Produktionsfläche nach und nach durch Um- und Anbauten erweitert und der Maschinenpark erneuert.
Wasserersparnis durch Enthärtung
Heute stehen in der Wäscherei sieben Waschschleudermaschinen mit einer Kapazität von 30 kg bis 60 kg und mehrere gasbeheizte Trockner mit einem Fassungsvermögen von 20 bis 50 kg. Die Flachwäsche wird auf einer großen Mangelstraße gefinisht. 23 Mitarbeiter pflegen in zwei versetzten Schichten bis zu 2 t Wäsche täglich von privaten und gewerblichen Kunden zwischen Gotha, Erfurt und Mühlhausen.
Creutzburg besuchte schon in den 1990er Jahren Seminare für Nachhaltigkeit und entwickelte Schritt für Schritt ein Konzept für eine ressourcenschonende Produktion. Als er sich vor 17 Jahren aufgrund zunehmender Nachfrage entschloss, eine Textilreinigung in seinen Betrieb zu integrieren, begann er erstmals seine Kenntnisse konsequent umzusetzen: „Die Installation einer KWL-Reinigungsmaschine von Fresenius war der erste Schritt zur Nachhaltigkeit“, berichtet der Unternehmer.
Dann überlegte er, ob und wie er die Abluftwärme der Mangel nutzen kann: „Ich habe eine Luftwärmepumpe an die Wäschetrockner und den Zufluss für das Waschwasser angeschlossen. Dadurch spare ich in den Trocknern Heizenergie ein und das Wasser wird kontinuierlich auf 30 °C erwärmt.“ Das in der Mangelabluft enthaltene Wachs bereite keine Probleme, weil im Thüringer Wald das Leitungswasser sehr weich ist, erklärt er weiter. In der Wäscherei Creutzburg wird es sogar noch zusätzlich über einen Ionenaustauscher enthärtet. Auf diese Weise steht für das Waschen Wasser mit 3 dH und für das Spülen Wasser mit 6 dH zur Verfügung. Die Dosierung der Waschchemie erfolgt über eine Dosieranlage von Burnus Hychem. Das Spülwasser wird nach dem Prozess gefiltert und für die Vorwäsche des nächsten Waschgangs verwendet. „Dank der Absäuerung des Spülwassers mit Zitronensäure – ein durch Burnus Hychem entwickeltes ökologisches Verfahren – genügt einmaliges Spülen“, so Creutzburg.
Wärmerückgewinnung und LED senken Kosten
Einen großen Schritt nach vorn brachte ihn aber das Thüringer Förderprogramm für Energieeffizienz, das Zuschüsse bis zu 80 Prozent des Investitionsvolumens gewährt: „Nach der Standortanalyse eines Energieberaters stellte sich heraus, dass die CO2-Werte des damals noch ölbetriebenen Dampferzeugers jenseits von Gut und Böse waren; die dampfbetriebenen Trockner heizten mehr die Umwelt als die Wäsche. Deshalb stellte ich die Dampferzeugung auf Erdgas um und schloss zwei Wärmetauscher an“, berichtet der Unternehmer. Anschließend ließ er die Trockner mit einer Trennwand einfassen. Dahinter wurde ein Umluftsystem installiert, das aus der Abluft die Wärme entzieht und den Trocknern permanent bis zu 40 °C warme Luft wieder zuführt.
Da die Arbeitsräume täglich 16 bis 18 Stunden beleuchtet werden, war auch die Umstellung auf LED lohnenswert. „Laut Prognose sollten die CO2-Emissionen um 76,5 t und der Stromverbrauch um 150.000 kWh reduziert werden“, so Creutzburg. Daraus errechnete er für die LED-Beleuchtung eine Amortisation innerhalb von dreieinhalb Jahren. Die Maßnahmen zur Energieeffizienz werden sich nach zehn Jahren amortisiert haben. Das Thema E-Mobilität ist für den Unternehmer zwar interessant, zurzeit aber Utopie: „Die Reichweite ist noch allzu sehr eingeschränkt. Kein Unternehmer kann es sich leisten, dass seine Fahrzeuge auf der Strecke stehenbleiben“, gibt er zu bedenken. Daher bleibt ihm vorerst nichts anderes übrig, als den Fuhrpark alle vier Jahre komplett zu erneuern, um im Hinblick auf den „Carbon Footprint“ jeweils den geltenden Normen gerecht zu werden.
Reinhard Wylegalla
www.waescherei-creutzburg.de