Im Gespräch mit Joachim Krause, Inhaber des Coburger Handtuch+Matten-Service (CHMS) Vom Textilreinigermeister zum Erfinder

Die Liste seiner Aktivitäten ist mindestens so beeindruckend wie die seiner Ehrungen. Joachim Krause wurde im letzten Dezember der Ehrenmeisterbrief von der Handwerkskammer Oberfranken verliehen. Wir gratulieren dem Chef des Coburger Handtuch+Matten-Service (CHMS) und Obermeister der Innung Ober- und Unterfranken und nutzen erneut die Chance zum persönlichen Austausch.

Joachim Krause betreibt den Coburger Handtuch+Matten-Service (CHMS) in Rödental. Foto: CHMS - © CHMS

Sein Betrieb gehört zu den Klimaschutzunternehmen Deutschlands und trägt das Prädikat „Weltklasse Oberfranken“ der Handwerkskammer Oberfranken. 2003 wurde Joachim Krause zum oberfränkischen Botschafter für den Umweltpakt Bayern ernannt und der Umweltcluster Bayern würdigte den Coburger Handtuch+Matten-Service (CHMS) im Jahr 2010 als Leuchtturmprojekt für Prozess­optimierung. Chapeau, Herr Krause!

Missionieren will er nicht; sein Wissen teilen hingegen gern. Sein Engagement soll Früchte tragen und das tut es. Der Imagegewinn für die Dienstleistung Textilpflege ist eine gewünschte Nebenwirkung und ein starkes Motiv für sein Engagement als Unternehmer, ­Vizepräsident des Bayerischen Textilreinigungsverbandes (BTV), Präsidiumsmitglied im Deutschen Textilreinigungs-Verband (DTV) und insbesondere als Vorsitzender des Ausschusses „Technik und Umwelt“ im DTV.

Für das Thema Umweltschutz interessiert er sich bereits seit den 80er Jahren und verstärkt, seit er 1989 den Betrieb seiner Eltern Gertrud und Gustav Krause übernahm. 1970 stieg Sohn „Jochen“ in die „Schnellwäscherei Gustav Krause“ ein; zehn Jahre später machte er seinen Meister und avancierte schließlich zum Erfinder und Energieexperten Zunft.

R+WTextilservice: Herr Krause, woher stammt Ihre Leidenschaft für das Energiesparen und wie kam es zur Erfindung Ihrer Patentlösungen?

Joachim Krause: In erster Linie war es eine Notwendigkeit aufgrund der steigenden Energiekosten. Als wir 1990 von Coburg auf die „grüne Wiese“ in Rödental gezogen sind, hatten wir in unseren eigenen Produktionsräumen die Chance, energieeffiziente Maßnahmen umzusetzen. 2006 haben wir ein Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite dazugekauft und es durch eine Brücke mit unserem bestehenden Betrieb verbunden, um die Medienvernetzungen zu erhalten. Durch die Medien­einsparung konnten wir die Investition in sechs Monaten refinanzieren.

Auf diese Weise sind all unsere „Erfindungen“ entstanden: Ich habe mir die einzelnen Prozesse, Verfahren und Arbeitsabläufe so lange angeschaut, bis ich eine Idee hatte. Angefangen habe ich mit der Wassermehrfachnutzung; die Bearbeitung von Handtuchrollen und Schmutzfangmatten ist dafür bestens geeignet. Die erste Investition konnte ich innerhalb von neun Monaten refinanzieren.

Um die Wasserqualität für die Wiederverwendung zu verbessern, habe ich einen Trommelfilter entwickelt, in dem sich die Schwebstoffe aus dem Abwasser absetzen. Diese werden abgesaugt und die Flusen zur Wasseraufbereitung verwendet. Früher wurde der Waschbereich in den Betrieben mit viel Wasser gereinigt. Es hat mir immer gut gefallen, wenn sich die Flusen durch den Wasserstrom zu kleinen „Würsten“ zusammenrollten. Als ich eines Tages im Stau hinter einem Betonmischer stand, kam der Geistesblitz für meine Erfindung, die dann patentiert wurde.

Es ging weiter. Sie entwickelten u.a. einen Brüdenwärmetauscher für die Mangelabluft, der jede Menge Energie spart.

Ja, die Idee zu dem Mangelumluftsystem reifte während einer Vorabendveranstaltung zu einem Verbandstag. Wir hatten kontrovers über die Abstrahlungsverluste und die Wärmebelastung von Mangeln diskutiert. Daraufhin habe ich mir unsere Mangel genauer angeschaut, einen Plan für die Änderungen erstellt und mithilfe einer Schlosserei umgesetzt. Das Ergebnis hat mich selbst überrascht. Die Mangel konnte bei gleicher Trocknungsleistung um 20 Prozent schneller laufen und der Dampfdruck von 12 auf 8,5 bar gesenkt werden. Da die Mangelabluft durch Flusen und Wachse besondere Ansprüche an die Bauart des Wärmetauschers hat, wurde er mit einem Planer für Kraftwerke entwickelt. Wir arbeiten nun schon seit 15 Jahren damit – völlig wartungsfrei. Die Energie geht sofort in die Waschstraße und in eine Fußbodenheizung mit insgesamt 5 km Heizschleifen. So führen wir 480 bis 560 kW Leistung pro Stunde in den Prozess zurück. Durch einen nachgeschalteten Fettabscheider kann das Kondensat von 350 bis 400 l pro Stunde sofort wieder zum Waschen eingesetzt werden. Für die Bearbeitung unserer Schmutzmatten benötigen wir nur noch geringe Mengen an Frischwasser.

Unsere Entwicklung war natürlich ein Prozess. Von 1990 bis heute haben wir ein System aufgebaut, das seit 1995 täglich mit Betriebsdaten gefüttert wird. So sehen wir, was funktioniert und was nicht.

Sie gelten als der Energieexperte der Branche. Sind Sie im Herzen immer noch Textilreiniger?

Selbstverständlich. Ich bin in erster Linie ein textiler Dienstleister, der seine Kunden zufriedenstellen möchte. Wir sind jedoch ein energieintensives Gewerbe und somit gezwungen, unsere Energiekosten zu minimieren. Gleichzeitig können wir unsere Außenwirkung als umweltbewusst handelndes Unternehmen stärken.

Darum arbeiten wir im Ausschuss „Technik und Umwelt“ intensiv daran, Forschungsvorhaben mit unseren Erkenntnissen auf den Weg zu bringen und branchenrelevante Forschungsprojekte zu unterstützen. Aktuell beschäftigen wir uns mit den Einsparpotenzialen für Wäschereien und Reinigungen. Da die Anforderungen jedes Betriebs so individuell wie ein Fingerabdruck sind, konnten wir ein umfangreiches Forschungsprojekt initiieren, das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit knapp einer Million Euro gefördert wurde. Die Cleaning Technology Institute Krefeld und die Technische Hochschule Nürnberg Georg-Simon-Ohm haben die wissenschaftlichen Arbeiten ausgeführt. Ein Projekt speziell für Reinigungsbetriebe wurde gerade fertiggestellt und bei der DBU eingereicht. Weitere Forschungsvorhaben werden derzeit im Bereich Schnelltests entwickelt, um die Hygienekontrollen zu verbessern. Unabhängige Forschung ist für unser Gewerbe wichtig, da sie uns tatsächliche Fakten präsentiert.

Ihre Kollegen schätzen Ihre Beratungskompetenz; aufgrund Ihrer Wurzeln in der Wäscherei genießen Sie doppeltes Vertrauen, richtig?

Ja, ich bin in einer traditionellen Wäscherei aufgewachsen und kenne die meisten Problemstellungen. Durch die Ausschussarbeit weiß ich, dass viele Lösungen zur Energieoptimierung falsch bewertet und installiert wurden. Daher empfehle ich nur solche Umstellungen, die für den jeweiligen Betrieb machbar und sinnvoll sind. Bis zu 80 Prozent unserer internen Energieoptimierungen sind jedoch theoretisch und mit individuellen Anpassungen in jeder Wäscherei realisierbar.

Im Rahmen der gesamten Kosten-struktur einer Wäscherei steht das Energiemanagement sicherlich nicht an erster Stelle; die Personalkosten sind weit höher. Das heißt, die Musik spielt eher im Bereich der Automatisierung und Spezialisierung. Ein umweltbewusst geführter Betrieb vermittelt allerdings Vertrauen und gibt der Belegschaft und den Kunden ein sicheres Gefühl. So gesehen ist der Imagegewinn durch Energiemanagement ein bedeutender Erfolgsfaktor. Daher trage ich unsere Leistungen auch regional in die Öffentlichkeit und wirke in Arbeitsgremien mit. In der IHK zu Coburg bin ich durch mein Eintreten für Energie- und Medieneffizienz in den Umweltausschuss gewählt worden, obwohl wir ein Handwerksbetrieb sind.

Sie sind Ihrem Handwerk treu geblieben. Hätten Sie lieber etwas anderes gemacht?

Tatsächlich war ich in der Familienplanung für die Wäscherei nicht vorgesehen. Daher habe ich zuerst eine Ausbildung als Müller abgeschlossen. Dann kam es doch so, wie es sollte. Im September 1981 habe ich die Prüfung zum Textilreinigermeister abgelegt und von 1984 bis 1987 die REFA-Ausbildung bis zum REFA-Fachmann im Abendstudium durchlaufen. Meine Frau Claudia kümmert sich seit 1985 um die kaufmännische Leitung. Ohne ihre Unterstützung wäre die Entwicklung zum CHMS nicht möglich gewesen. Bis Mitte der 80er Jahre waren wir eine Wäscherei mit 18 bis 20 Mitarbeitern. 1972 starteten wir mit dem Handtuch- und 1984 mit dem Mattenservice, um uns vom Wettbewerb abzuheben. Im letzten  Schritt haben wir 1994 unsere verbliebenen Wäschereikunden an Kollegen in Thüringen abgegeben.

Wir entwickeln uns stetig weiter und, wie es aussieht, bleibt diese Tradition in der Familie. Unser Sohn Fabian arbeitet seit vier Jahren im Betrieb. Ein Patentrezept für Erfolg mit textilen Dienstleistungen haben auch wir natürlich nicht. Aus meiner Sicht muss jeder, der vorankommen will, den Speckgürtel seiner Bequemlichkeiten überwinden und so viele Kontakte wie möglich knüpfen. Auf DTV-Jahrestagungen und in den Landesverbänden, aber auch auf branchennahen Fachmessen wie der ACHEMA oder der IFAT. Als Chefs müssen wir den eigenen Horizont erweitern.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer

www.chms.de