Im Februar 2018 ist das Buch „Fachwissen Professionelle Textilpflege“ erschienen. R+WTextilservice hat mit einem der Autoren, Meinrad Himmelsbach, gesprochen. Er verrät auch, welche Hürden es bei der Entstehung gab.
Ein ganzes Stück Arbeit war die Erstellung des neuen Fachbuchs für die professionelle Textilpflege, das seit Februar 2018 erhältlich ist. Präsentiert wurde das Buch auf der Bildungsmesse Didacta, die von 20. bis 24. Februar 2018 in Hannover stattfand. Mitautor Meinrad Himmelsbach verrät im Interview mehr zur Entstehung des Werks.
R+WTextilservice: Herr Himmelsbach, das neue Fachbuch „Fachwissen Professionelle Textilpflege“ ist endlich da. Wie fühlt sich das an?
Meinrad Himmelsbach: Super! Das ganze Team freut sich riesig, dass die Arbeit endlich präsentiert werden kann.
Das Team?
Ja, zunächst die Autoren, die alle in ihrer Freizeit das doch recht umfangreiche Buch geschrieben und bebildert haben. Und das Team vom Verlag, angefangen beim Arbeitskreisleiter Werner Ring über die Verlagslektorin Anke Horst, zum Hersteller Nico Freitag bis zu den vielen Mitarbeitern aus dem Zeichenbüro des Verlags in Ostfildern, Grafik und Druck. Und als geschäftsführender Gesellschafter des Verlags Europa-Lehrmittel hat Dr. Jacob Kloepfer das Projekt stets unterstützt und uns gleich gratuliert.
Warum sahen Sie die Notwendigkeit, ein neues Fachbuch zu erarbeiten?
Da muss ich bei unserem Familienunternehmen anfangen. Wir sind seit mehr als 130 Jahren ein Ausbildungsbetrieb. Unser Vater und Großvater waren bereits in den Prüfungsausschüssen für die angehenden Gesellen. Wir hatten immer den Brauch, unseren Lehrlingen das jeweils aktuelle Fachbuch zu schenken – zu unserer Zeit die „Bildungsfibel“ des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV), die dann als Loseblattsammlung „Der Textilreiniger“ hieß.
Nachdem wir also wieder vor etwa 15 Jahren das Buch an unseren damaligen Azubi verschenkt hatten, hieß es plötzlich: „Tut uns leid, das Fachbuch ist nicht mehr erhältlich.“ Dadurch waren wir in der misslichen Lage, selbst kein Fachbuch mehr in die Hand nehmen zu können. Für die Ausbildung und die eigene Weiterbildung sehen wir es jedoch als erforderlich an, immer mal wieder etwas nachzulesen und neu zu durchdenken. Auch Kollegenbetriebe hatten ähnliche Probleme. Nachdem der DTV aus unterschiedlichen Gründen das Buch nicht mehr zugänglich machen konnte, sahen wir uns vor etwa sechs Jahren gezwungen, es selbst in die Hand zu nehmen.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit dem Verlag Europa-Lehrmittel dieses Buch zu erarbeiten?
Die Idee, diesen Verlag anzusprechen, kam mir beim Lesen des Buches „Fachwissen Bekleidung“, einem Lehrbuch zum Thema Textil und Bekleidung. Dort entdeckte ich Inhalte wie die Faser- und Stoffkunde, die wir für unser Buch komplett übernehmen konnten – und es dann auch weitgehend getan haben. Dadurch, dass nicht alles neu gemacht werden muss, so hoffte ich, ist der Verlag eher bereit, sich auf das Projekt einzulassen.
Und der Verlag war begeistert?
Der Verlag fragte zunächst interessiert nach Idee und Zielgruppe. Als ich ein Konzept erstellt hatte, bat mich der Verlag um ein Probekapitel. Ich hatte noch nichts, Weihnachten stand vor der Tür und Zeit für die Erarbeitung gab es im Prinzip keine. Aber es hat dann doch geklappt und das Probekapitel konnte pünktlich abgegeben werden.
Wie ging es dann weiter?
Der Verlag hat das Kapitel begutachtet, eine Marktanalyse durchgeführt und mit Werner Ring, der auch das Buch Fachwissen Bekleidung betreut, einen Arbeitskreisleiter gefunden, der das Projekt zusammen mit Verlagslektorin Anke Horst vorangetrieben hat.
Somit konnten Sie loslegen?
Zuerst musste noch ein Autorenteam gebildet werden, da mein Bruder und ich das Buch nicht alleine schreiben konnten und wollten. Mein Bruder Christian Himmelsbach und ich waren gesetzt, Werner Ring hat dann noch drei Berufsschullehrerinnen gewinnen können – Heike Gläßer und Sabine Ruchhöft aus Dresden sowie Michaela Rößler aus Frankfurt am Main. Wir wollten gerne noch jemanden aus einem anderen deutschsprachigen Land dabei haben und sind schließlich auf Rudolf Gämperle aus der Schweiz gestoßen. Er ist ein bekannter Fachmann in der beruflichen Bildung im Textilbereich. Eine vielfältige Zusammensetzung, die mit großer Diskussionsfreude gut harmoniert hat.
Hätte man nicht einfach die alten Bücher aktualisieren können?
Das dachte ich zunächst auch. Das meiste war ja in irgendeiner Form bereits beschrieben worden. Man sucht das zusammen, fügt die Aktualisierungen hinzu und fertig.
Es stellte sich aber heraus, dass die Anforderungen an ein Lehr- und Fachbuch heute deutlich höher sind als zu Zeiten der „Fibel“, auch weil die Branche sich so professionalisiert hat: Neueste Entwicklungen, viele zusätzliche Abbildungen, die Farbdarstellung sind nun wesentlich aufwändiger und moderner. Und bei der Erstellung eines professionellen Fachbuches sind Urheberrechte ein großes Thema. Relativ einfach ist es, sofern die Urheber bekannt und willig sind, dass Teile unverändert mit Quellenangabe übernommen werden. Textteile gleichsam als „Steinbruch“ zu benutzen, ist jedoch leider nicht möglich.
Wie sah dann die Zusammenarbeit aus?
Wir haben uns alle zum ersten Mal im November 2013, also ein Jahr nach dem ersten Kontakt zum Verlag, zu einer Tagung getroffen und dort bereits den Umfang, die erste Gliederung und die Verteilung der Kapitel an die Autoren vorgenommen. Es gab im Verlauf insgesamt vier Tagungen, die der Verlag organisiert hat. Alles andere ging per E-Mail und auf einer vom Verlag gestellten Arbeitsplattform im Internet.
Welcher Autor hat welche Inhalte erarbeitet?
Nach außen verantworten wir gemeinsam die Inhalte. Jeder Autor hat alle Seiten der anderen Autoren mehrmals durchgearbeitet und mit Verbesserungsvorschlägen versehen, sodass der persönliche Sprachstil und die jeweilige fachliche Ansicht mehrfach gegengeprüft und sozusagen „vereinheitlicht“ wurden. Dabei war die Mischung aus Fachpraktikern und Lehrkräften ideal. Die letztliche Verantwortung lag aber beim jeweiligen Autor. Diese Vorgabe des Verlags sollte dazu führen, dass das ganze Buch wie aus einem Guss wirkt.
Es gab ja einige Fachbücher in der Vergangenheit. Welches sind die Besonderheiten dieses neuen Buches?
Zunächst die Aktualität, beispielsweise was die PSA-Textilien und deren Kennzeichnung betrifft, aber auch aktuelle Wäschereitechnik, neue Lösungsmittel, Reinigungstechnik, Gesetzgebung usw. Die Gliederung der Inhalte wurde neu erarbeitet und ist nun leicht nachvollziehbar. Es wurde seitengenau gearbeitet, d.h., einzelne Themen werden jeweils übersichtlich auf einer oder zwei Seiten dargestellt. Der Leser behält damit den Überblick. Es gibt mehr als 1.000 farbige Abbildungen, Tabellen und Grafiken. Die Inhalte sind kompakt dargestellt und in einem einzigen Werk zusammengefasst.
Welche Inhalte erwarten den Leser?
Einzig Fachrechnen und Kalkulation haben wir ausgeklammert. Ansonsten glauben wir, alle Inhalte, die für die professionelle Textilpflege relevant sind, erfasst zu haben. Es gibt einen großen Teil Textil- und Warenkunde. Auch chemische Grundlagen für unseren Beruf nehmen den ihnen gebührenden Platz ein. Die Praxis des Waschens mit Maschinen, Anlagen und Verfahren, mit Finishtechnik und Qualitätskontrolle sind weitere Schwerpunkte. Reinigung und Detachur werden ebenfalls ausführlich dargestellt. Arbeits- und Gesundheitsschutz sind heute keine Randthemen mehr, sondern rücken immer stärker in den Fokus. Dem trägt das Buch genauso Rechnung wie den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sowie Qualitätsmanagement. Im Kapitel Kundenservice werden die Verkaufs- und Serviceprozesse ausführlich und anschaulich beschrieben, bis hin zur Reklamationsbearbeitung.
Haben Sie denn genug Unterstützung für Ihr Vorhaben bekommen?
Wir wurden von vielen Institutionen, Firmen und Einzelpersonen sehr gut und zeitnah mit Informationen und Bildmaterial unterstützt. Dafür sind wir außerordentlich dankbar. Ohne diese vielfältigen Hilfen wäre ein solches Unterfangen schlicht nicht möglich gewesen. Darüber hinaus stellen im hinteren Teil viele Unternehmen der Branche ihre Leistungen vor und tragen damit zum Gelingen des Projektes bei.
Was wünschen Sie sich für das Fachbuch?
Zunächst, dass es für die Kollegen, ob im ersten Lehrjahr oder bereits im Beruf stehend, ein wertvolles Hilfsmittel ist. Dann, dass es sich für die Berufsschulen, die Meisterkurse und andere Fortbildungen als nützlich herausstellt und sich als ein Standardwerk etabliert, das auch gerne an alle Marktteilnehmer und Zulieferer weitergegeben wird. Dass sich viele Kollegen und andere Brancheninteressierte für das Fachbuch engagieren, Verbesserungsideen einbringen und ihr Wissen dadurch teilen. Ich sehe darüber hinaus in diesem Fachbuch und der Zusammenarbeit mit dem Verlag Europa-Lehrmittel großes Entwicklungspotenzial zu Gunsten der gesamten Branche.
R+WTextilservice