Sie wollen ein junges Publikum erreichen, das keine Zeit hat, in die stationäre Textilreinigung zu gehen. Onlinereinigungen und mobile Wäschereiservices setzen auf die Digitalisierung. Immer mehr Start-ups drängen auf den Markt. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, bietet R+WTextilservice zusammen mit der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege eine Serie. Im vierten Teil geht es um Jonny Fresh.
Im Bereich der Onlinetextilreinigungen tut sich ständig etwas. Deshalb wollen die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) und R+WTextilservice gemeinsam Orientierung geben. In der vierten Folge der Serie zu Onlinetextilreinigungen geht es um Jonny Fresh, einen Lieferdienst, der 2013 gegründet wurde und seitdem expandiert (siehe auch R+WTextilservice Ausgaben 4/2014, 6/2015).
Jonny Fresh: www.jonnyfresh.com
- Claim: Deine mobile Wäscherei & Textilreinigung
- Standorte: Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, München, Köln, Wien
- Zielgruppe: Geschäfts-/Privatkunden
- Leistungen: Abholung, Reinigung und Lieferung von Montag bis Samstag; Lieferzeiten abhängig von Stadt und Postleitzahl; in der Regel innerhalb von zwei Tagen
- Konzept: Buchung über Website, kostenlose Hotline oder App (Android/iOS.
- Preisliste (Auszüge für Postleitzahl 80333 München; Preise variieren je nach Gebiet)
– Hose/Rock: 6,49 Euro
– Hemd: 2,39 Euro
– Hemd gelegt: 2,99 Euro
– 10-Hemden-Paket: 19,90 Euro
– Sakko/Blazer: 9,99 Euro
- Zahlungsarten: PayPal, Kartenzahlung, Barzahlung. Für Geschäfts- und Stammkunden auch auf Rechnung
- Unternehmen/Geschäftsführer: Jonny Fresh GmbH/Geschäftsführer und Gründer: Stefan Michaelis und Sebastian Schmidt
- Corporate Design: Website und App in eigenem Jonny-Fresh-CD. Teilnehmende Textilpflegebetriebe treten mit eigenen Fahrern beim Kunden auf.
- Konditionen für teilnehmende bzw. interessierte Textilreiniger sind nicht öffentlich. Jonny Fresh bekommt eine Transaktionsgebühr je Order, also eine prozentuale Umsatzbeteiligung der von Jonny Fresh vermittelten Aufträge.
Jonny Fresh gibt es seit fünf Jahren; gestartet ist das Unternehmen in Berlin. 2016 wurde der Konkurrent WashNow aus München übernommen. Aktuell besteht der Onlinewäscheservice aus einem 35-köpfigen Team. Die Gründer Stefan Michaelis und Sebastian Schmidt kommen von der ökonomisch-theoretischen Seite, sind Spezialisten für Betriebswirtschaft bzw. Logistik. IT bildet laut Website den Kern im Bemühen um automatisierte Prozesse. Auch das Marketing übernimmt Jonny Fresh, beispielsweise über Social-Media-Kanäle oder Google Analytics. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Suchmaschinenoptimierungen und Google Adwords.
Durch eine „Trusted Shop“-Zertifizierung können Kunden Jonny Fresh bewerten. Für Reklamationen gibt es einen eigenen Kundenservice, der Probleme am Telefon oder per E-Mail behebt. Online gibt es ein Kontaktformular, mit dem man innerhalb von 14 Tagen ab Lieferdatum mit Foto des Reklamationsgrunds reklamieren kann.
Ein Vorteil bei einer Zusammenarbeit mit Jonny Fresh liegt in der Erschließung neuer Zielgruppen, vor allem jüngerer, onlineaffiner. Auch Umsatzsteigerungen verspricht das Unternehmen: So sei es Jonny Fresh nach eigenen Angaben durch seinen Service bereits gelungen, den teilnehmenden Reinigungsbetrieben zusätzlichen Millionenumsatz zu verschaffen.
Jonny Fresh braucht Partner, die die eigentliche Dienstleistung erbringen – im Namen von Jonny Fresh. Dadurch entsteht das Risiko, sich selbst zu kannibalisieren: also eigene Kunden an Jonny Fresh zu verlieren, obwohl man weiterhin die Arbeit macht. Auf der Webseite werden die Textilreinigerpartner nicht genannt und bleiben so für die Kunden zunächst „unsichtbar“. Die Fahrer und Fahrzeuge stellt aber die Textilreinigung.
Jonny Fresh unterstützt bei der Logistik. Der komplette Ablauf vom Auftragseingang über die Fleckenbehandlung bis zur Auslieferung soll in einer eigenen App nachverfolgbar gemacht werden. Damit will das Unternehmen seinen Partnern ein Tool bieten, das Jonny Fresh einfach in den Ablauf der Reinigungen integrieren lässt. Dies werde notwendig, da die Reinigungspartner aufgrund der Zusammenarbeit ein starkes Auftragsplus verzeichnen. Interne Prozesse müssten weitestgehend digitalisiert werden. Und so funktioniert die App nach Angaben von Jonny Fresh:
Abholung: Jonny Fresh stellt den Lieferfahrern Smartphones zur Verfügung mit der integrierten „Jonny Fresh Driver App“, in der alle Aufträge verfolgt und nach Bedarf um Informationen ergänzt werden können. So befindet sich nach Anbieterangaben auf jedem Abholschein im Wäschesack ein QR-Code, der mit der Tablet-Kamera gelesen werden kann. Dieser sei eindeutig einem Auftrag bzw. Kunden zugewiesen. Die geplante Abholung könne vom Fahrer entweder als „erfolgt“ oder „gescheitert“ markiert werden. Am Ende seiner Tour entlädt der Fahrer sein Fahrzeug nicht nur physisch, sondern auch virtuell. In diesem Moment werden die bestätigten Abholungen in der neu konzipierten „Dry Cleaner App“ sichtbar und können nun durch den Wareneingang in der Textilreinigung weiterverarbeitet werden, verspricht Jonny Fresh.
In der Textilreinigung: Für jedes abgegebene Teil wird im Wareneingang ein wasch- und reinigungsbeständiges Label (inklusive QR- Code) gedruckt. Bei besonderen Wünschen können laut Anbieter auch Sonderlabels angefertigt werden, die z.B. anzeigen, wenn ein Bekleidungsstück zusammengelegt werden soll. Auch Wareneingangsinformationen zu einzelnen Textilien (defekt, Fleck etc.) können in der App hinterlegt werden und sind sofort für das Supportteam von Jonny Fresh in der Berliner Zentrale sichtbar. Von hier aus könne nun der Kunde direkt dazu informiert werden. Die eigens entwickelte, an die Bedürfnisse der Reinigungsbetriebe angepasste „Dry Cleaner App“ soll die Wertschöpfungskette in der Reinigung optimieren. Durch die Integration der App werden Medienbrüche – wie die Bekanntgabe von Änderungen des Wäschekorbes via Telefon – vermieden. Nach erfolgter Bearbeitung werden die komplettierten Aufträge durch das Drucken eines Bonlabels (QR-Code integriert) als fertig markiert und können zur Lieferung bereitgestellt werden. Je nach Anzahl der Pakete (Hängeware als auch Wäschepakete) können mehrere Bons gedruckt werden. Dieser Schritt soll das vollständige Ausliefern mehrteiliger Aufträge erleichtern.
Auslieferung: Bei der Auslieferung arbeiten die Fahrer wieder mit den bereitgestellten Smartphones und der „Jonny Fresh Driver App“. Zu Beginn seiner Tour wird der Fahrer dazu aufgefordert, alle auf seiner Tour befindlichen Lieferungen in umgekehrter Reihenfolge in sein Auto zu Laden. Durch dieses „Last In – First Out“-Verfahren sollen das Handling an der Tür des Kunden erleichtert und die Abwicklung effizienter werden. Bei der Lieferung hat der Fahrer neben den Grundfunktionen (erfolgt & gescheitert) auch die Möglichkeit, Reklamationen an der Tür anzunehmen und zu dokumentieren sowie Änderungen bei Bezahlprozessen zu vermerken. Als weiteres Feature kann der Fahrer auch selbst Aufträge annehmen, sollte der Kunde ihm an der Tür direkt neue Schmutzwäsche mitgeben wollen.
Wie sehen die Zukunftspläne des Unternehmens aus? Nach der Etablierung in allen deutschsprachigen Millionenstädten hat der Abhol- und Lieferservice weitere Expansionspläne in der DACH-Region, insbesondere in Städte mit 500.000 bis einer Million Einwohner.