Zentralwäscherei Wasungen GmbH Von der Haushaltswäsche zum Komplettservice

Nach der Wende brachen in der ehemaligen DDR über Nacht die Aufträge aus Privathaushalten weg. Um zu überleben, waren Betriebe wie die Zentralwäscherei Wasungen nun gezwungen, möglichst schnell einen neuen Kundenstamm aus Gewerbe und Pflege aufzubauen. In der Zenralwäscherei Wasungen gelang der Schritt in die Privatisierung dank weitsichtiger Unternehmenspolitik. Heute stehen in dem mittelständischen Betrieb sogar mehr Mitarbeiter in Lohn und Brot als bis 1990.

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    Nach dem Waschprozess werden die Teile sortiert und per Wäschewagen je nach Finishingverfahren an die nächsten Stationen transportiert.  Fotos: Wylegalla
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    Am Paternoster wird die Wäsche zu kundenspezifischen Posten zusammengeführt.
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    Dipl.-Ing. Peter Sacki manövrierte die Wäscherei nach der Wende wieder in sicheres Fahr­wasser.

Bis kurz nach der Wende stiegen aus dem 33 m hohen Schlot schwarze Rauchwolken empor. Nachdem der braunkohle­beheizte Dampfkessel der Zentralwäscherei Wasungen verschrottet worden war, fand hier ein Storchenpaar sein Domizil. Jedes Sommerhalbjahr kann man per Webcam beobachten, wie die Adebars ihren Nachwuchs umsorgen, damit die nackten Nestlinge bis Herbst zu flugfähigen Vögeln heranwachsen.

Die Zentralwäscherei Wasungen steht heute noch permanent unter Dampf. Allerdings wird sie mit sauberer Energie betrieben. Unter der Geschäftsführung von Dipl.-Ing. Peter Sacki hat sich der Betrieb am Markt etabliert. Sacki ist in Meinigen aufgewachsen und hat im Betrieb seines Onkels in Hildburg­hausen das Textilreinigerhandwerk erlernt. Um sich beruflich weiterzuentwickeln, immatrikulierte er sich 1960 an der damaligen Ingenieurschule für Maschinenbau und Textiltechnik Karl-Marx-Stadt. Doch schon nach kurzer Zeit wurde es dem Studenten dort „zu eng“. Deshalb siedelte er im Februar des folgenden Jahres über Ost-Berlin in die Bundesrepublik über. „Ich hatte noch Glück, denn nur ein halbes Jahr später wurde die Mauer gebaut“, erinnert sich der Geschäftsführer. An der heutigen Hochschule Niederrhein in Krefeld setzte er das Studium fort und erwarb das Diplom. In der Gebr. Poensgen AG Maschinenbau, Düsseldorf, fand er eine Beschäftigung als Planungsingenieur. Gleich nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze reiste Sacki im Auftrag des Unternehmens in die Noch-DDR, um dort den Markt zu erschließen. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch Wasungen und nahm dort Kontakt zu den Kollegen in der Zentralwäscherei auf. Der alteingesessene Betrieb war 1972 in eine PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) umstruktiert worden und sollte von der Innenstadt auf ein Grundstück an der Peripherie verlegt werden. Ein moderner Neubau wurde projektiert und zehn Jahre später endlich fertiggestellt. Am neuen Standort bearbeiteten 44 Mitarbeiter im Einschichtbetrieb 1,2 t Wäsche am Tag.

Investitionen mit Augenmaß

Sacki lud die Kollegen zum Besuch der Texcare International in Frankfurt am Main ein, damit sie sich über moderne Wäsche­reitechnik informieren konnten. „Es gab viel Gesprächsbedarf. Die Zentralwäscherei war auf Haushaltswäsche spezialisiert. Nachdem aber die Subventionen für Dienstleistungen gestrichen worden waren, mussten von heute auf morgen neue Kunden gewonnen werden“, so der Geschäftsführer. „Ich wurde an einem Sonntagnachmittag in Frankfurt angerufen und sollte schon am nächsten Tag nach Wasungen kommen, um Möglichkeiten einer besseren Auslastung zu besprechen“, berichtet der Diplomingenieur weiter. Mit Unterstützung des Landrats gelang es, das Bezirkskrankenhaus im nahen Meiningen als ersten Neukunden zu akquirieren. Nachdem auch einige Schulen in der Region als Kunden gewonnen worden waren, stand der Privatisierung nichts mehr im Wege. „Uns wurde aber zur Bedingung gemacht, 30 Mitarbeiter weiterzubeschäftigen“, sagt Sacki.

Nachdem auch die Forderung der Kreditgeber, westdeutsche Investoren ins Boot zu holen, erfüllt worden war, konnten Pläne für eine technische Erneuerung geschmiedet werden. „Wir investierten stets mit Augenmaß und nach verschiedenen Gesichtspunkten“, berichtet Sacki. Um Krankenhauswäsche nach Vorschrift bearbeiten zu können, musste die Halle mit einer Fläche von 1.000 m2 in einen reinen und einen unreinen Bereich unterteilt werden. Auch wurde eine Zertifizierung notwendig. Dann wurde eine neue Senking-Waschstraße mit 13 Kammern à 25 kg aufgestellt. Die „Giftschleuder“ musste durch eine zeitgemäße und umweltfreundliche Dampferzeugung ersetzt werden. Damals entschied sich die Geschäftsführung für eine erdölbetriebene Anlage von Loos. Inzwischen wurde der Kesselbetrieb auf Erdgas umgestellt.

Um kleinere Posten wirtschaftlich waschen zu können, investierte die Geschäftsführung in zwei Durchladewaschschleudermaschinen von Electrolux mit 20 und 30 kg Fassungsvermögen. Die Trockner und die Mangel aus der PGH-Zeit waren noch in so gutem Zustand, dass sie bis auf weiteres weiterbetrieben werden konnten. „Es war auch noch ein kleinerer Lieferwagen vorhanden. Weil wir nun aber Großkunden bedienen wollten, brauchten wir dringend einen Lkw mit Ladebrücke“, erinnert sich der Geschäftsführer. In der Folgezeit musste aufgrund der rapiden Marktveränderungen die Technik immer wieder angepasst werden. So wurde z.B. in Meiningen ein neues, größeres Krankenhaus gebaut. Das alte Bezirkskrankenhaus wurde nach der Umstrukturierung in eine geriatrische Klinik weiterhin bewaschen. Dem Geschäftsführer gelang es, Schritt für Schritt in einem Umkreis von rund 130 km neue Aufträge zu akquirieren. Im Jahr 2005 war die Tagesleistung auf 4 t gestiegen und es mussten zusätzlich Mitarbeiter eingestellt werden. Heute stehen in der Zentralwäscherei 55 Personen in Lohn und Brot.

Trotz Handarbeit rationelle Produktion

Die drohende Überlastung der Kapazitäten machte abermals eine Investition in den Maschinenpark notwendig. Nun wurde die Waschstraße gegen eine neue Anlage von Kannegiesser mit zehn Kammern à 36 kg und einer Leistung von 800 kg pro Stunde ausgetauscht. Kurz darauf wurde die Mangelkapazität mit einer Kannegiesser-Mangelstraße erweitert. Kleinere Posten Flachwäsche werden auf einer Einrollermangel mit 160 cm Durchmesser bearbeitet. Im Jahr 2009 wurde die Bearbeitung der Meininger Klinikwäsche endgültig aufgegeben. Statt dessen konzentrierte sich die Geschäftsführung auf die Auftragsakquise in Senioren- und Pflegeeinrichtungen. Bis heute wuchs die Auftragsdecke von Objekt- und Bewohnerwäsche für Seniorenheime auf 26 Objekte. Bereits vor neun Jahren war die Tagesleistung auf 6 t gestiegen.

Die hohe Zuwachsrate im wachsenden Segment Flachwäsche erforderte nun eine Neustrukturierung der Produktion. Um die Bewohnerwäsche herauszutrennen, gründete der Unternehmer auf dem Betriebsgrundstück in Kooperation mit der Lebenshilfe Meiningen die Wasunger Waschbären GmbH, in der unter Begleitung von pä­dagogischen Mitarbeitern der Lebenshilfe mittlerweile 15 Menschen mit körperlichen und/oder psychischen Handikaps die handarbeitsintensive Bewohner- und Haushaltswäsche bearbeiten. Für die Bearbeitung von durchschnittlich 1,2 t Wäsche pro Tag ließ der Geschäftsführer eine Pharmag-Kannegiesser-Durchladewaschschleudermaschine (60 kg) sowie eine kleinere Maschine für kleine Posten installieren. Um den Hauptbetrieb weiter zu rationalisieren, investierte man 2015 in neue Eingabe- und Falttechnik von Kannegiesser.

Die Kennzeichnung von Bewohner- und Haushaltswäsche erfolgt mit Datamatrix-Barcodes. Kundeneigene Flachwäsche wird ebenfalls mit Barcodes gekennzeichnet und je nach Waschverfahren sortiert. Nach der programmgesteuerten Bearbeitung in der Waschstraße werden die Teile auf einem Band sortiert, um sie den folgenden Bearbeitungsprozessen zuzuführen. Die Flachwäsche wird nach dem Mangeln maschinell gefaltet, Frotteeware unmittelbar nach dem Trocknen von Hand zusammengelegt. Formteile werden nach der Bearbeitung in der Waschstraße oder den Waschschleudermaschinen direkt zum Finishingtunnel überführt. Für das Finish von Arztkitteln, Bewohnerwäsche und anderer pflegeaufwendiger Ware aus dem Tochterbetrieb stehen Bügelstationen, Formfinisher und Flachtischpressen zur Verfügung. Das Zusammenlegen erfolgt ausschließlich von Hand.

Die innerbetriebliche Logistik erfolgt mit handgeführten Wäschewagen mit ergonomisch günstigen Federböden. „Die Platzverhältnisse in unserem Betrieb erlauben nur bedingt Transportbänder. Außerdem können Wäschewagen flexibler eingesetzt werden“, erläutert Sacki. In der Expedition sortieren Mitarbeiter die Teile und führen sie mit Hilfe eines rückenschonenden Paternosters wieder zu kundenspezifischen Posten zusammen.

Perspektivisch wird sich der Trend zur Mietwäsche – insbesondere in den Segmenten Flach- und Frotteewäsche und Berufsbekleidung – fortsetzen, was eine weitere Rationalisierung der Prozesse erlaubt. Aber auch die Kombination von Miet- mit Eigenwäsche – wie es z.B. im renommierten Eisenacher Romantik Hotel auf der Wartburg, einem Kunden der ersten Stunde, üblich ist – ist möglich. Die Pflege von Bewohnerwäsche aber ist und bleibt aufwendige Handarbeit.

Die Zukunft der Wäscherei schätzt der Unternehmer optimistisch ein. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Im Kundenservice sind heute täglich fünf Lkw unterwegs. Außer einer breiten Leistungspalette aus dem eigenen Haus bis hin zum Schmutzfangmatten- und Handtuchrollenservice bietet das Unternehmen auch in Kooperation mit ausgewählten Fachbetrieben die Reinigung von Garderobe, Bettfedern, Lamellenstores, Teppichen und Lederbekleidung an. Im Jahr 1999 trat Tochter Ute Ehrmann in das Unternehmen ein. Seit 2005 ist sie Geschäftsführerin, um den Betrieb eines Tages in zweiter Generation weiterzuführen.

www.zentralwaescherei-wasungen.de