Aggressive Chemie und ein hoher Wasserverbrauch sind „Schnee von gestern“. Stattdessen hängt die Reinigung von Böden und Flächen stark von funktionierenden Reinigungstextilien ab, eine Abstimmung zwischen Reinigungschemie und Textilien ist wichtig. Mittels Labortests und Zertifizierungen kann die Qualität der Textilien in Hinblick auf Optimierungspotenzial für den Textilservice bewertet werden, so Thomas Leucht von Weber & Leucht.
Reinigungstextilien werden eingesetzt, um Flächen und Böden zu säubern. Nur Wenigen ist bewusst, dass die Reinigungsleistung überwiegend durch ein funktionierendes Reinigungstextil bereitgestellt wird und nur zum Teil durch die eingesetzte Reinigungschemie. Betrachtet man die Praxis der Gebäudereinigung, zeigt sich, dass Textil, Reinigungschemie und das genutzte Aufbereitungsverfahren aufeinander abgestimmt sein müssen. Lediglich ein bis maximal drei Wischvorgänge stehen zur Verfügung – damit muss die Fläche sauber und auch hygienisch rein werden. Die Zeiten, in denen aggressive Chemie und viel Wasser verwendet werden, sind längst vorbei. Heutzutage müssen 20 m2 Fläche mit deutlich weniger als 200 ml Wasser und mit schonenden Reinigungsmitteln geputzt werden. Den möglichen Umweltvorteil hat beispielsweise Skandinavien schon früh erkannt und vergibt seit 2003 für umweltfreundliche und leistungsfähige Reinigungstextilien das „Nordic Swan Ecolabel“ – das erste Zertifizierungsprogramm für mikrofaserbasierte Reinigungstextilien am Markt. Mittlerweile sorgen zahlreiche Labortests und Zertifizierungen für eine nachvollziehbare Qualitätsbewertung. Wichtige Merkmale, Eigenschaften und Normen werden im Folgenden näher vorgestellt und im Hinblick auf Optimierungspotenzial für den Textilservice bewertet.
Gebrauchstauglichkeit
Die Prüfung der Gebrauchstauglichkeit ermöglicht einen direkten Vergleich der Leistungsfähigkeit verschiedener Reinigungstextilien und Aufbereitungsverfahren. Diese Prüfergebnisse helfen dabei, das richtige Reinigungstextil und den passenden Servicepartner auszuwählen sowie die Wirtschaftlichkeit im Objekt über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu sichern. Ein Textil mit hoher Leistungsfähigkeit und langer Nutzungsdauer kann deutlich zur Optimierung des wirtschaftlichen Erfolgs des Gebäudereinigers und auch des Textilservicebetriebs beitragen. Die wichtigsten Kriterien sollten daher durch Nachweise belegbar sein:
Reinigungsperformance
Die Reinigungsperformance oder -leistung kann durch Wisch- oder Scheuertests geprüft werden. Diese Prüfung ähnelt oftmals der Qualitätsbewertung von Reinigungsmitteln: Testflächen werden definiert, mit einer unterschiedlichen Anzahl an Testschmutzen versehen und vor dem eigentlichen Reinigungstest einer Alterung unterzogen. Danach wird das Reinigungstextil in einen Halter eingespannt und die Wischbewegung durch ein Prüfgerät simuliert. Zur Simulation des Reinigungsvorgangs hat sich das Abrieb- und Waschbarkeitsprüfgerät etabliert, welches u.a. in der Norm ISO 11998 zur Prüfung der Reinigungsfähigkeit von Beschichtungsstoffen verwendet wird. Nachdem eine definierte Anzahl von Wischbewegungen ausgeführt wurde, erfolgt die Bewertung der Reinigungsleistung. Dabei helfen Ratingcharts oder eine computergestützte Bildauswertung.
Wirksamkeit und Nutzungsdauer
Optisch sauber heißt nicht zwangsläufig hygienisch rein. Mittlerweile fordern daher Gesundheitseinrichtungen Nachweise zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln bei der Anwendung im Wischverfahren. Diese Nachweise sollen sicherstellen, dass eingesetzte Flächendesinfektionsmittel in Kombination mit dem Reinigungstextil eine ausreichende Desinfektion erzielen können. Ein wichtiges quantitatives Prüfverfahren wird in der DIN EN 16615 beschrieben. Reinigungstextilien müssen hohe Anforderungen an die Aufbereitung und Nutzungsdauer erfüllen. Aufgrund des Verschmutzungsgrades und der Hygienerisiken ist im professionellen Bereich oftmals eine Desinfektionswäsche erforderlich. Viele Reinigungstextilien müssen weit mehr als 300 Aufbereitungszyklen sicher erfüllen können, damit sich der Einsatz lohnt. Die zu erwartende Waschbeständigkeit kann durch Dauerwaschtests – z.B. in Anlehnung an die Waschnormen DIN EN ISO 6330 oder DIN EN ISO 15797 – geprüft werden. Diese Prüfungen sind jedoch kosten- und zeitintensiv. Die Norm ISO 23231 („Accelerator-Verfahren“) bietet eine noch wenig bekannte Möglichkeit, vor allem professionelle Waschprozesse in deutlich kürzerer Zeit zu simulieren, da dieser Standard mit einer hohen Waschmechanik arbeitet. Diese Grundlage kommt der Realität von Reinigungstextilien sehr nahe.
Ein wichtiger Hinweis zur Waschbarkeit: Die Nutzungsdauer sollte immer mit der Erwartungshaltung zur Reinigungsperformance und Hygienesicherheit verbunden werden. Der Textilservice muss hier die Erwartungshaltung des Gebäudereinigers erfüllen, damit Textilien zum richtigen Zeitpunkt aussortiert werden können. Es gilt: Schlechte Reinigungstextilien können Kosten und Haftungsrisiken verursachen. Ein zweiter wichtiger Prüfpunkt ist die Scheuerbeständigkeit. Das leuchtet ein – ein Reinigungstextil wird zum Scheuern genutzt. Als Basisnorm dient das etablierte Martindale-Verfahren nach DIN EN ISO 12947-2. Dieser Rundscheuerversuch beansprucht das Textil bis zur Probenzerstörung – also bis zum Zeitpunkt des Durchreibens.
Schiebewiderstand und Oberflächenschonung
Der Schiebewiderstand (auch Gleitreibung) ist ein maßgeblicher Parameter, der eine Aussage zum ergonomischen Arbeiten ermöglicht. Reinigungstextilien sollten möglichst widerstandsarm über die Oberfläche gleiten und dennoch eine hohe mechanische Wirkung entfalten. Dies klingt widersprüchlich, moderne Fasern und Textilkonstruktionen bieten jedoch einen guten Ansatz, diesen Balanceakt zu meistern. Ist der Schiebewiderstand des Textils im nebelfeuchten Zustand zu hoch, ermüdet das Reinigungspersonal meist nach kurzer Zeit. Diese Prüfung kann in Anlehnung an ASTM D 1894 erfolgen. Übrigens: Eine Erhöhung des Schiebewiderstandes kann auch durch unpassende Aufbereitungsprozesse hervorgerufen werden.
Das Reinigungstextil darf die Oberfläche nicht zerkratzen oder beschädigen. Die sogenannte Oberflächenschonung ist deshalb auch Bestandteil der „Nordic Swan Ecolabel“-Zertifizierung nach Anforderung R37 für empfindliche Oberflächen. Diese Prüfung basiert ebenfalls auf dem Martindale-Rundscheuerversuch, wobei das Textil gegen eine empfindliche Acrylglasplatte scheuert. Nach einer festgelegten Anzahl an Zyklen darf sich das der Glanzgrad nicht wesentlich verändern. Dieser Test sichert zu, dass keine zu aggressiven Fasermaterialien Schäden auf empfindliche Oberflächen verursachen. Die Prüfung der Flächenleistung erlaubt eine Aussage, wie viele Reinigungstextilien für ein Objekt einkalkuliert werden müssen. Oftmals gilt die Vorgabe, dass ein Raum mit einem einzigen Wischbezug sicher gereinigt werden sollte. Diese Prüfung erfolgt meist durch manuelle Testverfahren.
Chancen für den Textilservice
Die genannte Auswahl an Qualitätsbewertungsverfahren kann eine Hilfe beim Einkauf passender Reinigungstextilien sein. Für den Textilservice bietet sich aber auch die Chance, diese Tests zur Darstellung der eigenen Aufbereitungsqualität zu nutzen. Letztlich entscheidet der Textilservice in hohem Maße darüber, ob das angelieferte Reinigungstextil auch wirtschaftliche Vorteile bietet. Das akkreditierte und unabhängige Auftragslabor Weber & Leucht bietet seit mehr als 15 Jahren Prüfprogramme zur Leasingtauglichkeit und Hygienesicherheit von Reinigungstextilien an und zertifiziert mittlerweile auch die Aufbereitungsqualität. Thomas Leucht
www.weber-leucht.com