Im Gespräch mit Sabine Höning, Textilreinigung Höning in Müllheim Die Chefin, die ihre Kunden schlau macht

Unsere Kunden werden immer anspruchsvoller, sagt Sabine Höning. Seit 17 Jahren führt sie gemeinsam mit ihrem Mann Michael den Familienbetrieb: aus Liebe und mit der Offenheit für einen informativen Kundendialog. Neben der Qualität sei dies im digitalen Zeitalter ein Erfolgsfaktor im Privatkundengeschäft.

Sabine Höning legt in ihrem Betrieb im baden-württembergischen Müllheim besonders Wert auf umweltschonendes Arbeiten, beispielsweise durch Nassreinigung. Foto: Höning - © reintextur

Sie will, dass ihre Kunden zufrieden sind, sich bestens informiert fühlen und die Textilreinigung weiterempfehlen. Daher beantwortet die Chefin, die stets höchstpersönlich an der Ladentheke steht, alle Fragen so ausführlich wie gewünscht. Dass es nicht einfach sein würde, eine klassische Textilreinigung erfolgreich zu führen, war ihr von Anfang an bewusst. Es sei bis heute eine unternehmerische Herausforderung, trotz der Tatsache, dass die Textilreinigung Höning im Herzen Müllheims, im Marktgräferland in Baden-Württemberg, inzwischen konkurrenzlos ist.

Das größte Problem liege derzeit im Mangel an geeignetem Personal. Die Textilreinigung, die ein Einzugsgebiet von rund 20.000 Einwohnern versorgt, liegt nur 35 km von der Schweizer Grenze entfernt. Wer einen Job sucht, schaut sich daher zunächst in der Schweiz um, in der das Lohnniveau deutlich höher ist. „Als kleiner Familienbetrieb können wir da nicht mithalten“, sagt Sabine Höning. Abgesehen davon, sei vor allem in der warmen Jahreszeit die Arbeit am Bügeltisch für die meisten nicht wirklich attraktiv. Glücklicherweise stehe Seniorchefin Heidi Höning noch als „Feuerwehr in Sachen Krankheits- und Urlaubsvertretung“ zur Verfügung.

Tatsächlich Liebe

Sie selbst sei in die Branche buchstäblich hineingerutscht, erzählt die Fachangestellte für Textilpflege und gelernte Apothekenhelferin. Es war tatsächlich Liebe. Nach der Hochzeit mit Michael Höning sagte sie ein zweites Mal entschieden ja, gab ihren ersten Beruf auf und stieg im Jahr 2005 in den Familienbetrieb ein, den ihr Schwiegervater Walter Höning im Jahr 1974 gründete. Sohn Michael hatte den Beruf des Textilreinigers im elterlichen Betrieb erlernt und sich als Textilreinigermeister weitergebildet. 2006 übernahm der Junior die Geschäftsleitung und modernisierte seither sukzessive den Betrieb, der im Jahr 1987 an den heutigen Standort verlegt wurde.

Für seine Frau war die Materie völlig neu, aber spannend. Sabine Höning fuchste sich schnell und interessiert ein; den Umgang mit Kunden hatte sie gelernt. Ihr Einfühlungsvermögen im sensiblen Privatkundensegment, auf das sich die Hönings spezialisiert haben, war und ist äußerst hilfreich. „Vor allem die jungen Kunden sind sehr kritisch“, erklärt sie. „Sie haben sich oft schon im Internet schlau gemacht, bevor sie mit einem Problem kommen und wissen eigentlich, wie es geht. Dann muss ich häufig erklären, warum wir es anders machen.“ In aller Seelenruhe informiere sie beispielsweise über die Funktionen der Nassreinigungsmaschine und warum es möglich ist, ein voluminöses Brautkleid in der Profimaschine zu waschen, aber eben nicht in der Haushaltsmaschine.

Von Nassreinigung überzeugt

Wie wichtig die richtige Technik für den Erfolg in der professionellen Textilreinigung ist, hatte die Quereinsteigerin schnell erkannt. Gemeinsam mit ihrem Mann setzte sie sich intensiv damit auseinander, als im Rahmen der Übernahme Modernisierungsmaßnahmen anstanden. „Unsere veralteten Per-Maschinen mussten dringend ersetzt werden und mein Mann war von der Nassreinigung überzeugt. Er hat Recht behalten.“

Von Anfang an führt Sabine Höning den Ladenbetrieb und wickelt das Rechnungswesen ab. Textilreinigermeister Micheal Hönig kümmert sich um die Qualitätspflege der Textilien, von denen inzwischen 70 Prozent in die Nassreinigung kommen und 30 Prozent in die energieeffiziente KWL-Maschine. Unterstützt wird das Erfolgsduo von vier Büglerinnen und Kooperationsbetrieben, die ihnen die Privatkundenwäsche abnehmen, Teppiche und Lederwaren reinigen und andere Spezialaufträge erledigen. So kann die kleine, feine Textilreinigung Höning ein breites Spektrum an Dienstleistungen abdecken und sich gleichzeitig auf die eigenen Schwerpunkte konzentrieren: den Hemdenservice, die Reinigung von Betten, Brautmode und schätzungsweise sämtliche Karnevalskostüme im gesamten Einzugsgebiet. Mitbewerber am Ort gibt es keine, die meisten Betriebe mussten schließen. Mit viel Fleiß und perfekter Betriebsorganisation ist es dem Ehepaar Höning gelungen, sich in Müllheim eine Alleinstellung zu erarbeiten. Uns interessierte nun vor allem die Frage:

R+WTextilservice: Frau Höning, wollen Ihre Kunden wirklich wissen, wie Sie reinigen?

Sabine Höning: Oh ja! Daher betonen wir den Umweltaspekt auch auf unserer Homepage und erklären bereits hier, mit welchen Verfahren und Lösungsmitteln wir arbeiten. Das Umwelt- und Hygienebewusstsein der Verbraucher hat spürbar zugenommen und wir hören immer häufiger: Bitte keine Chemie! Das ist natürlich paradox, denn auch in der Wäscherei wird Chemie verwendet. Unsere Kunden meinen allerdings die Lösungsmittel. Nach den jahrelangen Per-Diskussionen ist eine große Skepsis gegenüber der sogenannten Chemischreinigung geblieben. Daher bekommen wir viel positive Resonanz darauf, dass wir bereits im Internet deutlich machen, dass wir mit der Nassreinigung und umweltgerechter Reinigungstechnik arbeiten. Im persönlichen Gespräch können wir dann die letzten Unsicherheiten oder die Angst vor der Chemie nehmen.

Mit der Nassreinigung haben Sie zeitgleich Ihren Hemdenservice etabliert, auch das war vorausschauend, richtig?

Ja, die Möglichkeit, einen professionellen, preisgerechten Hemdenservice anbieten zu können, war ein wesentliches Argument für die Nassreinigung. Wir haben zeitgleich in einen leistungsstarken Hemdenfinisher investiert und sind davon ausgegangen, dass die Kunden früher oder später auch ihre Hosen und andere Bekleidungsstücke bringen. Genauso war es. Nach wie vor sind die Hemden ein starker Umsatzträger. Inzwischen lassen viele junge Leute ab Mitte 20 ihre Businesshemden bei uns waschen und bügeln, denn in der Generation gibt es nicht mehr so viele Mütter, die das tun. Bei dieser Gelegenheit erkläre ich unseren Nachwuchskunden gern, warum es sich lohnt, Geld für die Textilreinigung auszugeben.

Steigendes Hygienebewusstsein kommt Ihnen dabei entgegen?

Das stimmt. Themen wie Gesundheit und Hygiene sind im Trend und werden in den Medien immer wieder aufgegriffen. Das hilft uns, unsere Kunden von den Vorzügen der professionellen Textilreinigung zu überzeugen. Das beste Beispiel sind Bettwaren. Wir bekommen zunehmend mehr Bettdecken, Kissen und Wohndecken. All diese Warenarten können wir in der Nassreinigung ideal bearbeiten, nicht nur Daunen- oder Federbetten, sondern auch Kamelhaar- und Lamadecken. Unsere Kunden sehen den Unterschied, wenn beispielsweise ein Seidenbett nach der Behandlung im Wasser keine hässlichen, dunklen Schweißränder mehr hat. Dann sind sie begeistert. Solche Überraschungseffekte erzielen wir auch, wenn wir ein Brautkleid nassgereinigt haben, das dann wieder wie neu aussieht. Die meisten unserer Kunden lassen ihre Brautmode reinigen, um sie weiterzuverkaufen. Da wir mit der KWL-Maschine die Möglichkeit haben, z.B. empfindliche Seidenkleider im Lösungsmittel zu reinigen, sind wir flexibel. Wobei die meisten Hochzeitskleider heute aus Kunstfasern bestehen, aus teurem Tüll, wie ich es nenne. Und der lässt sich bestens nassreinigen.

Sie können aber auf die Lösungsmittelreinigung nicht verzichten?

Richtig. Wir sind froh, dass wir auf die KWL-Lösungsmitteltechnik zurückgreifen können, u.a. für die Bearbeitung der Fastnachtkostüme. Wir haben im Umkreis etliche Narrenzünfte mit aufwendigen Kostümen. Ich denke, so gut wie alle landen bei uns. Diese sind zum Teil im aufwändigen Materialmix verarbeitet, mit Pelzbesätzen und ähnlichem. Da schauen wir ganz genau, welches Verfahren wir verwenden. Aber auch Sakkos, Blazer oder Mäntel reinigen wir bei Bedarf im Lösungsmittel.

Sie geben die gesamte Wäschereiwäsche ab und tun damit gleichzeitig etwas Gutes. Wie funktioniert das?

Wir waschen nur besonders empfindliche Tischwäsche mit Stickerei oder Häkelarbeiten selbst. Alles andere macht ein Inklusionsbetrieb der Caritas für uns. Unseren Kooperationspartner für die Privatkundenwäsche haben wir mit Hilfe unseres langjährigen Waschmittellieferanten gefunden. Viele große Wäschereien wollen private Kleinstposten nicht mehr übernehmen. Dass wir dadurch auch etwas Gutes tun, war weniger geplant als ein positiver Nebeneffekt. Nun gewinnen alle: Wir fördern Arbeitsplätze für behinderte Menschen, profitieren von der räumlichen und menschlichen Nähe zu unseren direkten Ansprechpartnern und liefern erstklassige Wäschequalität. So wie es sich selbst unsere anspruchsvollsten Kunden wünschen.

Gabriele Rejschek-Wehmeyer

www.textilreinigung-hoening.de