70 Jahre Kannegiesser Zwischen Innovation und Tradition

Im Juni feierte die Herbert Kannegiesser GmbH ihr 70-jähriges Bestehen im Rahmen der Hausmesse „Expo 2018“. Kannegiesser nutzte die Ausstellung, um der Öffentlichkeit eine Nachfolgeregelung zu präsentieren, die den Mitarbeitern Kontinuität und dem Unternehmen eine sichere Zukunft bieten soll.

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    Das zukünftige Führungsteam (v.li.): Engelbert Heinz ist CEO der Herbert Kannegiesser GmbH. Tina Kannegiesser wird Vorsitzende der Familienstiftung, sobald Martin Kannegiesser aus dem Unternehmen ausscheidet. Foto: Bürgle
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    Der ehemalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard (2.v.re.) besuchte auf der Hannover-Messe das damalige Start-up Kannegiesser und seinen Eigentümer Herbert Kannegiesser (3.v.li.). Foto: Kannegiesser

Der Wäschereitechnikhersteller Herbert Kannegiesser nahm die Hausmesse „Expo 2018“ zum Anlass, das 70-jährige Bestehen des Unternehmens zu feiern. Für Martin Kannegiesser, der das Unternehmen 1970 übernahm, steht passend zum Jubiläum ein Generationenwechsel ins Haus. Um die Zukunft zu sichern, veränderte der ehemalige Arbeitgeberpräsident erst kürzlich die Führungs- und Eigentümerstruktur der Firma.

1.750 Mitarbeiter in 54 Ländern

„Wir sind eines dieser kleinen Unternehmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden und später zum Weltmarktführer aufgestiegen sind“, sagte Martin Kannegiesser auf der „Expo 2018“. Für ihn ist es wichtig, das Firmenjubiläum im Kontext zu sehen, denn „70 Jahre Kannegiesser bedeutet auch 70 Jahre soziale Marktwirtschaft“. Heute beschäftigt das Unternehmen 1.750 Mitarbeiter in 54 Ländern – 800 davon arbeiten im nordrhein-westfälischen Vlotho, dem Stammsitz des Unternehmens. Nach fast 40 Jahren als Eigentümer und Geschäftsführer bereitet Martin Kannegiesser derzeit einen Generationenwechsel vor. Bereits vor vier Jahren schenkte er einer Familienstiftung Firmenanteile, sodass diese heute Alleineigentümerin der Herbert Kannegiesser GmbH ist. Den Vorstandsvorsitz der Stiftung hat Martin Kannegiesser bisher selbst inne, doch auch Tochter Tina Kannegiesser, die stellvertrende Vorstandsvorsitzende, soll an ihre zukünftigeFührungsposition herangeführt werden. Mit der Überführung in eine Stiftung ändert sich die Struktur der Firma grundlegend. „Bisher war der Eigentümer gleichzeitg CEO. Das haben wir geändert“, erklärte Kannegiesser. Vor einigen Wochen hat der langjährige Geschäftsführer Engelbert Heinz die Position des CEO übernommen. „Er kennt das Unternehmen so gut wie ich, wenn nicht sogar noch besser“, begründete Martin Kannegiesser die Entscheidung. Sobald Tina Kannegiesser den Vorstandsvorsitz der Stiftung übernimmt, soll sie mit einem professionellen Team zusammenarbeiten und alle Entscheidungen treffen. „Unser Ziel ist es, Familieneinfluss und professionelles Manage­ment zusammenzukriegen“, fasste Martin Kannegiesser zusammen. Bis es so weit ist, wird er selbst seine bisherige Rolle behalten: „Wann ich das Zepter übergebe, wird man sehen. Das muss sich ergeben.“ Zunächst werde er sich weiter auf grundsätzliche und strategische Fragen konzentrieren. Auf dem Plan steht außerdem die Anstellung jüngerer Manager, am liebsten aus den eigenen Reihen.

Deutschland als größter Einzelmarkt

Ein Generationenwechsel bedeutet für jedes Unternehmen eine schwierige Phase und Herausforderung, so Martin Kannegiesser. Doch die Geschäfte laufen gut für den selbsternannten Technologieführer: „Der Jahresumsatz 2017 lag bei 400 Millionen Euro. Das waren rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.“ Den größten Einzelmarkt mache nach wie vor Deutschland aus, gefolgt von den USA. Die von den USA verhängten Zölle auf Waschmaschinen treffen das Unternehmen laut Martin Kannegiesser nicht direkt. Indirekt mache sich der Protektionismus der USA aber im Klima bemerkbar. Aktuelle Entwicklungen bereiten dem Unternehmer Sorge: „Der eigenartige Trend geht weg von Globalisierung und freiem Austausch. Dabei war das für die letzten 70 Jahre prägend und hat Frieden gebracht.“ Gerade Deutschland habe stark von der internationalen Wirtschaft gelebt, der Drang nach überschaubaren Einheiten sei für seine Generation ein klarer Rückschritt. Mehr zur Kannegiesser-Firmengeschichte von 1948 bis heute lesen Sie online unter www.rw-­textilservice.de/kannegiesser70.

Tanja Bürgle