Finishing mit Solarstrom und energieeffizienter Technik: Die thüringische Wäscherei Schildhauer setzt im Wasch- und Finishbereich auf ressourcensparende Prozesse. R+WTextilservice war in Bad Tennstedt vor Ort.

Der effiziente Umgang mit Energie wird in der Wäscherei Schildhauer in Bad Tennstedt (Unstrut-Hainich-Kreis, Nordthüringen) seit eh und je großgeschrieben. Seit vielen Jahren schwört Inhaber Steffen Schildhauer auf Solarenergie. Zusammen mit Technik der neuesten Generation kann der Textilreinigermeister in seinem Betrieb nicht nur die Energiebilanz spürbar entlasten. Es bleibt sogar noch Spielraum für weitere Projekte zur Umweltentlastung und Kostenersparnis – natürlich mit Hilfe von Sonnenenergie.
Seit 2007 wird das Wasser für die Waschschleudermaschinen durch Solaranlagen erwärmt. Sieben Jahre später investierte Schildhauer in drei neue IPSO-Waschmaschinen mit unterschiedlichen Beladungskapazitäten. Durch das innovative Aqua-Safe-System konnte der Textilreinigermeister nachhaltig Energiekosten senken. Natürlich führt er auch seit geraumer Zeit warme Abluft aus der Mangel in den Energiekreislauf zurück.
Verbrauchsbilanz entlastet
Im Sommer des vorigen Jahres nahm der Unternehmer den Energiebedarf für das Finishing unter die Lupe und entwickelte ein neues Konzept, mit dessen Hilfe er die Verbrauchsbilanz abermals spürbar entlasten kann. „In der Vergangenheit hatten wir einen Pony-Universalfinisher S 2000 mit Dampferzeuger in Betrieb. Auch der war schon energieeffizient, weil es keine Leitungsverluste gab“, berichtet Schildhauer. Nach der Investition in einen Pony EAGLE 2.0 E konnten aber die Betriebskosten für das Finishing eines Oberhemds oder eine Bluse im Vergleich zum S 2000 um 59 Prozent – und das trotz höherer Qualität – gesenkt werden, so der Textilreinigermeister begeistert.
Wie ist das möglich? Zuerst beschloss Schildhauer, das Finishing von der Dampfversorgung abzukoppeln und auf Strom umzustellen. Deshalb ließ er im August 2017 auf dem Dach seiner Wäscherei eine Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung installieren. Der nächste Schritt war die Auswahl eines Hemdenfinishers mit geringem Energiebedarf. „Den fand ich im Sortiment der Firma Treysse“, berichtet der Unternehmer. Im neuen EAGLE 2.0 E wird die Energie optimal ausgenutzt, weil die Wärme nicht über eine externe Energiequelle zugeführt werden muss, sondern direkt in der Maschine erzeugt wird.
Weniger Energie zum Aufheizen
Durch das patentierte „Hot Air Recovery System“ wird die erwärmte Luft der Schultervorrichtung – diese ist zur Beschleunigung der Trocknung am Hemdschulterbereich permanent mit 150 °C beheizt – über einen Leitungskanal in den Ventilator der Hemdentrocknung geführt. Die vorgeheizte Luft des Trocknungszyklus wird im Schulterbereich der Büste wiederverwendet und durch spezielle Luftführung im Finisher wird die bereits erwärmte Luft angesaugt. Dank dieses ausgeklügelten Systems ist weniger Energie zum Aufheizen der Luft notwendig. Last, but not least verbessert sich dank der geringeren Wärmeabgabe sogar das Raum- und somit das Arbeitsklima. Nach den Berechnungen Schildhauers können über das Jahr 50 Prozent des Strombedarfs in der eigenen Solaranlage produziert werden. Ein Batterieladespeicher ermöglicht, dass die Energie nur bei Bedarf abgegeben wird. „Aus dem öffentlichen Netz müssen wir nur noch 50 Prozent des benötigten Stroms beziehen. Ich spare also nicht nur Stromkosten, sondern kann darüber hinaus auch dank kürzerer Kesselbetriebszeiten Kosten für Gas sparen“, erläutert der Unternehmer. Schließlich wirkt sich die Verdoppelung der Produktivität im Finishing bei konstantem Strombedarf entlastend auf die Betriebskosten aus.
Auf einen Zuschuss vom Freistaat Thüringen hatte der Unternehmer leider vergeblich gehofft: „Meine Investition erfüllte alle Bedingungen für eine Förderung durch ‚Green Invest‘ von der Thüringer Aufbaubank. Die Förderung wurde mir aber leider verweigert, weil ich keinen Energieberater einbezogen hatte, der meine korrekten Berechnungen mit Brief und Siegel hätte bestätigen können“, so Schildhauer enttäuscht. In der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit sei es ihm aber nicht gelungen, überhaupt einen Berater zu finden, der mit Handwerksbetrieben vertraut ist.
Zukunftspläne: E-Mobility
Die eingesparten Energiekosten möchte der Unternehmer für sein nächstes Projekt in Sachen Ressourcenschonung verwenden: „Innerhalb der nächsten zwei Jahre werde ich auf unserem Grundstück einen Carport mit Solaranlage und E-Ladevorrichtung errichten lassen“, verrät Schildhauer. Dann soll sich auch endlich sein langgehegter Wunsch nach einem elektrisch betriebenen Kleintransporter erfüllen. Hofft er jedenfalls: „Viele umweltfreundlich denkende Autofahrer stehen in den Startlöchern. Bleibt aber abzuwarten, ob auch mein Favorit unter den Herstellern bis dahin den Markt entsprechend bedienen kann.“
Für die kontinuierliche Umsetzung energiesparender Maßnahmen innerhalb eines umfassenden Gesamtkonzepts erhielt Steffen Schildhauer bereits den von R+WTextilservice initiierten Award „RWin“ als Wäscherei/Textilservice des Jahres 2011.
Reinhard Wylegalla