Hinter München, mitten im Mangfalltal, liegt die Wäscherei Kilian im Markt Bruckmühl. Von hier aus werden 120 gehobene Hotels mit frischer Bettwäsche, Tischdecken und Co. beliefert. Gewaschen wird dabei ausschließlich kundenbezogen. R+WTextilservice hat den Betrieb besucht.
Es riecht nach Waschmittel und frisch gestärkten Laken. Über den Köpfen der Mitarbeiter schaukeln prall gefüllte Wäschesäcke an Laufbändern durch die Halle. Wir befinden uns in einer Wäscherei im bayerischen Bruckmühl. Am einen Ende liefern Lkw mit der Aufschrift „Textilpflege Kilian“ im Stundentakt benutzte Bettwäsche, Tischdecken und Handtücher, um wenig später am anderen Ende die Rollwagen mit der sauberen Ware wieder aufzunehmen. „Wir sind auf die gehobene Hotellerie spezialisiert“, erklärt Sven Bestmann, Geschäftsführer der Wäscherei Kilian. „Dabei arbeiten wir ausschließlich kundenbezogen.“ Insgesamt beliefert das Unternehmen auf diese Weise 120 Häuser – logistisch eine Herausforderung.
Waschen für die Hotellerie
„Die Kunden wollen nicht alle die gleiche, weiße Wäsche. Also kaufen wir für jeden Kunden individuelle Produkte, die ihnen wirklich gefallen“, erzählt Bestmann. Mit mehreren Lkw wird die Wäsche aus Häusern wie dem Steigenberger Hotel München abgeholt, gewaschen und anschließend wieder ausgeliefert. Ein Konzept, das laut Bestmann einige Vorteile mit sich bringt: Zum einen entfalle ein großes Wäschelager im Betrieb und damit gebundenes Kapital. Zum anderen bekomme der Kunde mit diesem System genau dieselbe Wäsche zurück, die er abgegeben hat: „Die wissen das zu schätzen.“ Von allen Hotels sind Bestmann zufolge circa vier oder fünf so ambitioniert, das Sortiment regelmäßig umzukrempeln. Aber auch der Rest legt Wert auf Individualität: „Zur Zeit sind beispielsweise gedeckte Grau- und Brauntöne beliebt.“ Doch in den Vier- oder Fünf-Sterne-Hotels legt man nicht nur Wert auf Exklusivität, auch die Qualität der Wäsche und der Reinigung sind bedeutsam. „Vor allem beim Material sind die Ansprüche hoch. Wir kaufen in der Regel 100 Prozent Baumwolle“, so der Unternehmer. Mischgewebe seien auch möglich, wenn von den Kunden gewünscht. Die hohe Qualität sorgt für eine Langlebigkeit der Produkte. Zudem gehen die Kunden mit der eigenen Wäsche sorgsam um, erzählt Bestmann: „Es ist eben keine Poolwäsche.“ Im Falle eines Sortimentwechsels wird die B-Ware nach Polen verkauft oder gespendet: „Wir spenden manchmal an die Tafel und auch bei Hochwasser, beispielweise in Serbien, haben wir versucht zu helfen.“
12 t Produktionsleistung
Ausgestattet ist die Wäscherei Kilian mit Maschinen von Kannegiesser. Erst kürzlich investierte Bestmann in eine neue Mangel inklusive Zentriereinheit. „Das erleichtert die Arbeit für die Mitarbeiter“, so der Unternehmer. 50 Personen gehören zum multikulturellen Team der Wäscherei, in einem Drei-Schicht-System bearbeiten sie am Tag bis zu 12 t Wäsche. „Früher haben wir nur 4 t geschafft“, erklärt Bestmann. Erst durch den Umzug in einen größeren Neubau im Jahr 2007 sei die Produktionsleistung deutlich gesteigert worden.
Bestmann und Nierle führen den Betrieb seit 2012, als der Vorbesitzer aus gesundheitlichen Gründen aus dem Betrieb ausschied. Beide waren zuvor lange im Betrieb tätig. Seit der Übernahme haben die Gesellschafter das Konzept der individuellen Wäscheausstattung verfeinert und ihre Nische gefunden. Das kommt nicht nur bei den Hoteliers, sondern auch bei den Gästen gut an. Manche Gäste lassen sich sogar regelrechte Fanpakete mit Bettwäsche und Frottee zusammenstellen, die sie dann in Bruckmühl abholen. Oder aber Bestmann verschickt seine Produkte per Post: „Für mich heißt das auf jeden Fall, dass wir irgendetwas richtig gemacht haben.“ Das Unternehmen Kilian ist voll ausgelastet, zurzeit werden keine neuen Kunden mehr aufgenommen. „Wir wollen erstmal ausloten, ob unser System funktioniert, weil wir keine festen Lieferzeiten haben. Wir möchten keine bestehenden Kunden in Nachteil bringen, wenn wir nicht pünktlich liefern.“ Wie es für die Hotelleriebranche üblich ist, unterliegt die Arbeit der Wäscherei starken saisonalen Schwankungen. „Wir achten auf einen Mix aus Hotels, die jeweils im Sommer oder im Winter besser besucht sind“, so Bestmann. Trotzdem könnten die saisonalen Schwankungen bis zu 100 t Unterschied im Monat ausmachen.
Für die Zukunft des Unternehmens hat Bestmann bereits Vorstellungen: „Mein Sohn macht derzeit eine Ausbildung zum Textilreiniger in der Wäscherei Kabus in Bad Salgau.“ Bestmann ist stolz auf seinen Sohn, der sogar Jahrgangsbester ist. Die Tür der Wäscherei Kilian steht für den Junior auf jeden Fall offen. Nichtsdestotrotz ist sich Bestmann der Probleme in der Branche und des Fachkräftemangels bewusst. Für ihn ist das Textilreinigerhandwerk sogar eine „aussterbende Zunft“. Es sei schlichtweg verpasst worden, den Beruf interessant und zeitgemäß zu gestalten, so der Unternehmer. „Warum muss man beispielsweise in der Gesellenprüfung heutzutage immer noch eine Rüschenbluse bügeln?“ Tanja Bürgle
www.waescherei-kilian.de