Oliver Lerch aus Berlin-Steglitz hat gute Ideen in petto. Mit der Reinigung von Kinderwagen entdeckte er eine „exotische“ Marktlücke: Vor zwei Jahren fragte ihn eine Kundin, ob er auch Kinderwagen reinigen könne. Der Inhaber der „Oliver Lerch Textil-, Teppich- und Polsterreinigung“ nahm die ungewöhnliche Herausforderung an.
Ich kenne keinen Kollegen weit und breit, der Ähnliches anbietet“, erzählt Oliver Lerch. Der 39-Jährige aus Berlin-Steglitz bietet in seiner Reinigung „Oliver Lerch Textil-, Teppich- und Polsterreinigung” die Reinigung von Kinderwagen an und fand damit eine Marktlücke. Nach dem ersten Auftrag verteilte er in Kindergärten Flyer mit Informationen über seinen Kinderwagenservice. Die finden bei jungen Eltern gute Resonanz. „Einmal hat mich sogar eine Kundin aus Westdeutschland beauftragt“, erzählt der Dienstleister. In seinem Geschäft werden die Kinderwagen komplett demontiert. Nach der fachmännischen Reinigung des Corpus überprüft der Unternehmer das Fahrgestell, reinigt es und repariert gegebenenfalls Schäden.
Der gelernte Industrie- und Autolackierer ist Quereinsteiger. 2005 wurde er in der Berliner Teppich- und Polsterreinigung Klaus Scheinert eingestellt und machte sich dort gründlich mit dem Metier vertraut. „Ich arbeitete mich schnell ein und entdeckte meine Ambitionen für diesen schönen Beruf“, erinnert sich der Unternehmer. Im Jahr 2012 beschloss er, eine eigene Existenz zu gründen. In Seminaren an der Volkshochschule und in der Handwerkskammer Berlin machte er sich in der Unternehmensführung sattelfest. Ein Unternehmensberater stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Bis heute bildet sich Lerch regelmäßig fort. Unter anderem hat er sich in der Brand- und Wasserschadensanierung qualifiziert.
Start mit einem Lagerraum
Zur Existenzgründung mietete er in Berlin-Lichtenberg im Souterrain eines Gewerbeobjekts einen Lagerraum. Dann investierte er in einen Firmenwagen und professionelles Equipment für die Reinigung von Polstern und textiler Auslegeware. „Durch Flyer und Anzeigen gewann ich die ersten Auftraggeber. Außerdem vermittelte mir die Fischer & Thiele GmbH, mit der mein ehemaliger Arbeitgeber damals kooperiert hatte, Aufträge für Polster- und Teppichreinigungen vor Ort“, berichtet Lerch.
Ein Jahr später wurde in Berlin-Steglitz ein günstig gelegenes Ladengeschäft mit einer Fläche von 26 m2 und einem kleinen Keller frei. „Hier fand ich gute Voraussetzungen für eine kundenfreundliche Annahmestelle und einen kleinen Maschinenpark“, so der Unternehmer. Er trat der Textilreiniger-Innung Berlin-Brandenburg bei und wurde schon nach einjähriger Mitgliedschaft in den Vorstand als Beisitzer gewählt.
Auf eine Werbeanzeige, die er zur Eröffnung der neuen Geschäftsräume am 21. März 2014 geschaltet hatte, bewarb sich prompt eine Frau um Arbeit. „Zwei Monate später, als die Auftragsdecke stabil genug war, stellte ich sie als meine erste Mitarbeiterin in Teilzeit ein“, berichtet Lerch. Ein Vierteljahr darauf wurden die Öffnungszeiten erweitert. Die Mitarbeiterin betreute nun das Ladengeschäft und die Maschinen allein. So gewann der Unternehmer wieder Freiraum für die Reinigung von Auslegeware und Polstern vor Ort sowie das Abholen und Ausliefern größerer Wäscheposten und Garderobe, die bis heute im Partnerbetrieb chemisch gereinigt wird. Teppichreparaturen übernimmt eine freiberufliche Kunststopferin. Für die Bearbeitung von Hemden und waschbarer Berufsbekleidung sowie kleinen bis mittleren Posten Privatwäsche installierte der Unternehmer zunächst eine Haushaltswaschmaschine und einen Bügeltisch mit Absaugung. 2016 tauschte er die Wasch- und Bügeltechnik gegen leistungsfähigere Technik aus. Seitdem sind eine Danube-Industriewaschschleudermaschine „WED11“ (10 kg), ein Danube-Wäschetrockner „DD 11 E Gold“ (11 kg) sowie ein Multimatic-Saug-Blas-Bügeltisch „BBS 2“ mit Detachierarm in Betrieb. Die Druckluftversorgung des Bügeltischs erfolgt über einen ölfreien Kolbenkompressor Typ „XTR 2V“ mit 0,55 kW. Außerdem ließ der Unternehmer eine BWT-Trinkwasserenthärtungsanlage installieren und sämtliche Wasserleitungen gegen Edelstahlleitungen austauschen.
Maschinenpark mit Ökostrom betrieben
Nun kann auch Garderobe nach der Reinigung in der LAR Chemische Reinigung und Wäscherei im eigenen Betrieb fachmännisch gefinisht werden. Weil der Platz in den Räumlichkeiten beschränkt ist, ließ der Unternehmer unter der Decke drei elektrische Wäschetrockner mit Beleuchtung und Belüftung installieren. Der gesamte Maschinenpark wird mit zertifiziertem Ökostrom betrieben. Neuerdings können Großkunden gegen eine einmalige Gebühr ihre Ware in Wäschesäcken abgeben oder abholen lassen. Aufgrund der weiter wachsenden Auftragsdecke wurde im Frühjahr 2014 eine Bügelkraft als zweite Teilzeitbeschäftigte eingestellt. Seit Herbst des gleichen Jahres ist das Ladengeschäft auch samstags geöffnet. Nachdem die erste Teilzeitkraft Ende 2015 in den Ruhestand ging, stellte Lerch im Januar 2016 eine neue Mitarbeiterin in Vollzeit ein. Die Bügelkraft schied im November 2017 aus. Seitdem beschäftigt der Unternehmer eine qualifizierte Schneiderin als Allroundkraft in Vollzeit. Auch investierte er in einen Nähplatz mit Industrie- und eine Overlook-Nähmaschine für Reparaturen an Wäsche und Garderobe. Die Arbeitszeit wurde auf zwei Schichten ausgedehnt, damit die Aufträge noch schneller bearbeitet werden können und um den Kunden mit erweiterten Öffnungszeiten entgegenzukommen. Diese besuchen das kleine Ladengeschäft nicht nur wegen der fachmännischen und freundlichen Bedienung. Sie schätzen auch das gemütliche Flair, das ein Lüster, ein Röhrenradio und nostalgische Fotos an den Wänden in das kleine Ladengeschäft zaubern.
Reinhard Wylegalla www.oliver-lerch.de