Jahresmitgliederversammlung der EFIT 2018 Weichen gestellt für eine Zukunft mit FashionCare

Wohin geht es für die EFIT und FashionCare? Am 6. Oktober 2018 trafen sich die Mitglieder der Europäischen Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) in Stuttgart und stimmten über eine Neuausrichtung des Verbands ab. Es ging auch um verstärkte Zusammenarbeit mit der Modebranche. R+WTextilservice war vor Ort.

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    Dr. Volker Schmid (li.) übergibt die Geschäftsleitung der EFIT an Robin Schmitt (re.). Der 1. Vorsitzende der EFIT, Friedrich Eberhard, bedankte sich bei Schmid für seinen langjährigen Einsatz.
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    Sie sind für die EFIT-FashionCare-Betriebe da (v.li.): Maria Bischoff, Birgit Jussen und Dieter Essing. Fotos: Schönhaar
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    Sebastian Fohringer vom Damenmodelabel Rich & Royal diskutierte mit den Teilnehmern eine mögliche Strategie zur Zusammenarbeit.
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    Die Kooperation zwischen EFIT und DTV soll zukünftig verstärkt werden, so Robin Schmitt (v.li.), Friedrich Eberhard und Andreas Schumacher.

Zusammen. Wachsen. Das war das Motto der diesjährigen Jahresmitgliederversammlung der Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) in Stuttgart. Am 6. Oktober 2018 ging es für die Vereinigung von Textilreinigern um wegweisende Änderungen.

Am Vortag der Veranstaltung hat der Verwaltungsrat EFIT einstimmig einen neuen Geschäftsführer beschlossen. Robin Schmitt (Jahrgang 1983) ist bereits drei Jahre Mitglied der Geschäftsführung und übernimmt diese nun komplett von Dr. Volker Schmid. Der 1. Vorsitzende der EFIT, Friedrich Eberhard, bedankte sich bei Schmid für seinen Einsatz. Er hat die Geschäfte der EFIT seit mehr als zehn Jahren geleitet.

Doch nicht nur personell verändert sich die EFIT. Die Vereinigung für Textilreinigungen ist in den letzten Jahren aus dem Gleichgewicht gekommen. Mit einem neuen Konzept wollen Schmitt und das gesamte EFIT-Team den Problemen entgegenwirken. Im Mittelpunkt steht dabei das Qualitätsmanagementsystem FashionCare, das mit der EFIT noch fester verbunden werden soll. Was genau die EFIT vorhat und wie die Partnerverbände DTV (Deutscher Textilreinigungs-Verband) und DTB (Dialog Textil-Bekleidung) das Vorhaben unterstützen, berichtete R+WTextilservice in der Ausgabe 9/2018 ausführlich. Entscheidende Punkte der Neuausrichtung:

  • Neue Strategie: FashionCare als fester Bestandteil für alle EFIT-Mitglieder.
  • Anpassung der Mitgliedsbeiträge wegen FashionCare als Inklusivleistung.
  • Schaffen einer Beitragsgerechtigkeit zwischen verschiedenen Ländern.

Dadurch soll die EFIT für alle Mitglieder kommunizieren und netzwerken können: mit der Mode, anderen Verbänden und Behörden. „Wir schaffen eine starke Einheit aus hochwertigen Textilreinigungen, mit FashionCare als Synonym für Premiumtextilpflege“, so Schmitt. Der Modebranche fehlt laut Eberhard die Flächendeckung an zertifizierten Textilpflegebetrieben, um diese den Modekunden empfehlen zu können. Genau diese Flächendeckung will man durch ein Zusammenführen von EFIT und Fashion­Care erreichen. FashionCare als Qualitätsmanagementsystem umfasst aktuell u.a. ein Logbuch, ein Betriebssystem, Checklisten, ein Bügelposter und die Zertifizierung. Es soll keinen harten Übergang zum neuen System geben. Als alternatives Beitragsmodell zur FashionCare-Mitgliedschaft biete man das auf 18 Monate begrenzte Modell der „EFIT-Partner“.

Auf der diesjährigen Jahresmitgliederversammlung stimmten die Mitglieder über die neue, optimierte Verbandsstruktur von EFIT und FashionCare ab. Das Ergebnis: Einstimmig waren die anwesenden Mitglieder für eine Neuausrichtung.

Stärkere Kooperation

Zur neuen Ausrichtung gehört auch eine stärkere Kooperation mit dem DTV. Themen sollen abgestimmt und gemeinsam erarbeitet werden, um so Mehrwert für alle Mitglieder zu schaffen. Kooperation und Kommunikation sind die Stichworte, so DTV-Geschäftsführer Andreas Schumacher, der in Stuttgart über die Pläne informierte. Einige Ansätze für die Zusammenarbeit gibt es bereits. So sind die kostenlosen Plakate im Rahmen der Branchenkampagne auch für EFIT-Betriebe erhältlich. Ebenso können EFIT-Mitglieder den Service unter www.reinigen-lassen.com nutzen. Die Verbraucherseite informiert über Themen rund um professionelle Textilpflege und bietet u.a. eine Suche nach Betrieben, in der sich auch EFIT-Betriebe eintragen können. Es gibt zudem reduzierte Seminargebühren für Verbandsmitglieder und sogar gemeinsam veranstaltete Seminare. Schumacher ging offen auf vergangene Konflikte zwischen den Verbänden ein und erläuterte, wie der Umgang in Zukunft aussehen soll. Man will vor allem Ressourcen bündeln und Doppelarbeit vermeiden. Schumacher erläuterte: „Der Fokus der EFIT liegt auf Fashion­Care und der Kooperation mit der Modeindustrie als Qualitätsverband, während der DTV vor allem die Aufgaben eines Branchenverbands übernimmt – von politischer Interessenvertretung über Aus- und Weiterbildung bis zu Arbeitgeberverbandsarbeit.“

Robin Schmitt betonte, dass es keinen Wettbewerb zwischen DTV und EFIT geben soll. Die DTV-Mitglieder sollen auch von FashionCare profitieren können. Das Qualitätsmanagementsystem soll Mitgliedern von DTV und anderen Verbänden weltweit gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung gestellt werden.

Bei allen Kooperationsplänen und Veränderungen soll die EFIT eigenständig bleiben, betonten Schmitt und Schumacher. Ein Zusammenschluss sei nicht sinnvoll und bei enger Zusammenarbeit auch nicht notwendig. Schon die verschiedene geografische Ausrichtung (Deutscher Verband vs. Europäische Vereinigung) spreche gegen eine Fusion.

Modetrends und FashionCare

Das EFIT-Team informierte die Mitglieder über verschiedene Themen. Birgit Jussen zeigte anhand von Zahlen, dass Mode immer günstiger wird. Vor allem synthetische Fasern werden mehr und mehr produziert; es gibt ständig neue Fasern auf dem Markt. „Hier stellt sich immer die Frage: Welches Pflegesymbol gilt für welche Faser?“, erläuterte Jussen. Die EFIT hilft den Bekleidungsherstellern bei der richtigen Auswahl, aber auch bei Reklamationen durch unsachgemäße Pflege oder Pflegekennzeichnung. Man biete auch Mitarbeiterschulungen für die Bekleidungsbranche oder den Einzelhandel, damit Verkäufer die Kunden in Sachen Textilpflege optimal beraten können. In der Modewelt gibt es laut Jussen zwei Bewegungen: Die der „Fast Fashion“ mit Discountpreisen und Wegwerfpolitik und die der „Slow Fashion“ mit Nachhaltigkeit und Wertebewusstsein. Die Vertreter Letzterer seien für die EFIT interessant, denn sie wollen Mode erhalten und pflegen. Um für den Konsumenten erreichbar zu sein, müsste es flächendeckend FashionCare-Betriebe geben. Auch ein starker Verbund sei wichtig, u.a. mit Partnern wie DTV oder DTB. Und eine stärkere Kommunikation sei unabdingbar. Die Message müsse laut Jussen sein: „Wir sind der richtige Partner für die Modebranche!“

EFIT-Mitarbeiterin Maria Bischoff zeigte auf, wie Fashion­Care ein Schlüssel zu mehr Qualität, Effizienz und Erfolg sein kann. „Effizienz ist kein Bauchgefühl“, betonte sie in ihrem Vortrag. Es gehe um Zahlen und Kontrolle. Mittels Logbuch und Betriebssystem von ­FashionCare könne eine Textilreinigung genau das machen. Ziel sei es immer, bei guter Qualität die Effizienz zu steigern, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dazu müssten Effizienzkiller ausgeräumt werden. In der Praxis könne z.B. eine Rückläuferstatistik helfen. FashionCare könne auch das Selbstbewusstsein und die Motivation im Team fördern. Bischoff empfahl, den Mitarbeitern zu kommunizieren, „was eigentlich pro Hemd hängenbleibt“. So können Unternehmer die Mitarbeiter für das Thema Kalkulation sensibilisieren.

Schließlich könne man als Betrieb die Nase vorne haben, wenn man mehr weiß als die anderen. Weiterbildung ist wichtig, z.B. beim Checkpoint EFIT (geplant sind für 2019 das Thema „Smart Textiles“) oder Praxisseminare (siehe Kasten). Nicht zuletzt sei für den Erfolg auch passendes Marketing ausschlaggebend. Der Fleckentag der EFIT bietet hier laut Bischoff einen guten Aufhänger, um für die Kernkompetenz der Branche zu trommeln. Onlinemarketing sei z.B. mittels einer Zusammenarbeit mit Textilkurier möglich (R+WTextilservice berichtete in Ausgabe 3/2018 ausführlich).

Aus seiner langjährigen Erfahrung als FashionCare-Auditor berichtete Dieter Essing. Auch er empfahl mehr Marketing, beispielsweise durch klassische Zeitungsanzeigen. „Annoncen lohnen sich, steigern den Bekanntheitsgrad der professionellen Textilpflege an sich, aber auch des einzelnen Betriebs“, so Essing. Wichtig sei, dass Betriebe ihre FashionCare-Zertifizierung nach außen kommunizieren. Essing befürwortet eine jährliche Auditierung (momentan wird nach FashionCare nur alle zwei Jahre zertifiziert). Durch regelmäßigere Besuche könne er als Auditor besser den Kontakt zu den Betrieben halten, aber auch der Betrieb könne seine Qualität besser öffentlich präsentieren und z.B. eine jährlich aktualisierte Urkunde im Betrieb aufhängen. Insgesamt wolle Essing aber nicht als Kontrolleur verstanden werden und betonte: „Wir wollen bei den Zertifizierungen den Betrieben helfen!“

Weitere Verbandsservices

Neben FashionCare will die EFIT auch zukünftig weitere Leistungen bieten. Dazu gehören Tagesseminare ebenso wie der BGR-500-Sachkundelehrgang vor Ort im Betrieb. Weiterhin steht ein Onlineforum für Schadensfälle zur Recherche und Kommunikation unter www.checkpoint-efit.de bereit. Ein Tool für Arbeitssicherheit und Datenschutz sowie ein Soforthilfe-Forum bietet die EFIT gemeinsam mit dem FATEX-Landesverband Baden-Württemberg an. Forschungsprojekte stehen ebenfalls auf der Agenda zu Themen wie neue Lösungsmittel und Pflege von Berufsbekleidung. Das „EFIT Wissen“ als postalisches Rundschreiben informiert rund um Textilien, Trends und Pflege. Seit einigen Wochen betreibt der Verband auch Influencermarketing auf Instagram mit dem Hashtag #fashion­care. Hierzu berichtet R+WTextilservice in einer der kommenden Ausgaben.

Wie die Kooperation mit der Modebranche aussehen kann, wurde bei der Tagung klar. Als Gastredner hatte die EFIT Sebastian Fohringer eingeladen. Er ist Store-Manager beim Damenmodelabel Rich & Royal in Stuttgart. Der studierte Textilbetriebswirt sprach über Verkaufsargumente und die Bedeutung der Pflege im Verkaufsgespräch. Vor seiner aktuellen Tätigkeit war er u.a. Flächenverantwortlicher bei Breuninger in Stuttgart. Rich & Royal ist in Boutiquen, Department-Stores, ausgewählten Onlineshops und im eigenen Onlineshop sowie drei eigenen Retail-Stores erhältlich. Insgesamt beliefert Rich & Royal über 1.200 Points of Sales in Europa, Russland und Australien. Gemäß der Philosophie „live rich – act royal“ zeichnen sich die Kollektionen laut Fohringer durch eine hohe Qualität made in Europe aus und versprechen einen zeitgemäßen und trendbewussten Stil. Vier Kollektionen gibt es im Jahr.

Chance für die Profis

Fohringer berichtete, dass die Nachfrage nach Textilreinigung zurückgegangen sei. Die meisten Frauen seien berufstätig und hätten wenig Zeit, darüber nachzudenken, was sie anziehen bzw. wie sie die Bekleidung reinigen – und wenig Zeit für die Textilpflege an sich. Darin sieht er aber auch Chancen für die professionelle Reinigung: „Die Leute haben keine Lust mehr, am Wochenende Wäsche zu waschen.“ Gerne würde Fohringer auf einen qualitativen Verband wie die EFIT verweisen, wenn es flächendeckend Ansprechpartner gibt. Mögliche Kooperationen wurden bereits angedacht, z.B. über Reinigungsgutscheine für die Kunden oder Schulung für die Verkäuferinnen. Eine Aufklärung über die richtige Pflege sei für alle Seiten wichtig: für den Reiniger, die Mode und den Kunden, so die einhellige Meinung der Tagungsteilnehmer.

sel

www.efit-textilpflege.de