Daunenweste mit KWL gereinigt Überraschender Farbeffekt

Eine Weste aus 100 Prozent Polyamid als Oberstoff und Daunen als Füllmaterial wird mit Kohlenwasserstoff­lösungsmittel (KWL) gereinigt. Danach stellte der Textilpflegebetrieb Flecken auf dem Textil fest, die weder durch nochmalige KWL-Reinigung noch durch Nassreinigung entfernt werden können. Der Sachverständige findet die Ursache im Inneren der Weste.

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    Links Diese Daunenweste wurde in der Textilreinigung mit Kohlen­wasserstofflösungsmittel (KWL) gereinigt. Fotos: Himmelsbach
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    Oben Das Füllmaterial unterscheidet sich farblich: Neben braunen gibt es auch grau-schwarze Daunen – die dunklen sind unecht eingefärbtes Material.
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    Beim KWL-Test mit dunklen Daunen (li.) durch den Sachverständigen zeigen sich eindeutige Abfärbungen (re.).
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    Verfärbungen auf der Weste sind u.a. in der zweiten Kammer von unten zu sehen.

Flecken können die verschiedensten Ursachen haben, wie auch der folgende Fall zeigt. Einen überraschenden Farbeffekt lieferte eine Daunenweste nach der Bearbeitung durch eine Textilreinigung.

Schadensbild

Nach der Reinigung in Kohlenwasserstofflösungsmittel (KWL) musste der Betrieb feststellen, dass sich über die gesamte Weste hinweg Flecken zeigten. Zunächst wurde ein „Abklatschen“ der Farbe eines mitgewaschenen Textils vermutet. Dadurch, dass die Weste sowohl innen als auch außen Verfärbungen hatte, schied diese Schadensursache jedoch sofort aus.

Mit dem Ziel, die Flecken vielleicht entfernen zu können, wurde die Weste nochmals gereinigt. Dies führte allerdings zu einer Ausweitung der Schädigung. Auch eine Nassreinigungsbehandlung konnte das Ergebnis nicht verbessern.

Um dem Kunden eine fundierte Erklärung anbieten zu können, wurde ein Gutachter um Rat gebeten.

Schadensanalyse

Bei dem Textil handelt es sich um eine olivgrüne Weste. Die Materialkennzeichnung gibt 100 Prozent Polyamid für den Oberstoff und Daunen für das Füllmaterial an. Die Pflegekennzeichnung lautet: Handwäsche; nicht bleichen; nicht im Tumbler trocknen; nicht heiß bügeln (110 °C), Vorsicht beim Bügeln mit Dampf; professionelle Textilreinigung, Schonverfahren (P).

Ein Flecktest mit sechs verschiedenen Detachiermitteln ergab keine Veränderung der geprüften dunklen Stellen. Aufgrund des Schadensbildes wurde an einer verdeckten Stelle eine Daunenkammer geöffnet, Material entnommen und dieses durchgemustert. Dabei konnte festgestellt werden, dass neben braunen auch grau-schwarze Daunen und Federn vorhanden waren. Vögel, die dunkelgraue, schwarze oder dunkelblaue Daunen aufweisen, sind dem Sachverständigen bisher noch nicht bekannt geworden. Amseln und Raben haben zwar schwarzes Gefieder, gehören aber nicht zu den Wasservögeln. Nur diese bilden überhaupt Daunen aus.

Es wurde untersucht, ob die dunklen Daunen bei Einwirkung von Lösungsmittel Farbe abgeben. Das Prüfmaterial – ein Gemisch aus den entnommenen Daunen und Federn – wurde zwischen zwei mit KWL getränkten Papiertaschentücher gelegt und mit einem Gewicht beschwert. Nach zehn Minuten wurde das Gewicht entfernt und kontrolliert, ob eine Anfärbereaktion auf den Papiertaschentüchern stattgefunden hat. Es war eine deutliche Anfärbung zu erkennen.

Schadensursache

Aus dieser Untersuchung ist zu schließen, dass es sich um eine nicht ausreichend reinigungsbeständige Färbung eines Teils der Daunen handelt.

Ein Färbeprozess kann nicht selektiv vorgenommen werden, sondern nur in der Gesamtheit einer Charge. Deshalb sind die dunklen Daunen dem Material offenbar beigemischt worden. Sie stammen aus einer Charge, die die nötigen Farbechtheiten nicht aufweist. Für die Verwendung als Füllmaterial bei der oliv­grünen Daunenweste ist es nicht erforderlich, dass die Daunen dunkel eingefärbt sind. Die Daunen scheinen für ein anderes Produkt gefärbt worden zu sein und wurden vermutlich als billige Beimischung unter das insgesamt weniger zerzauste und fragmentierte Neumaterial gemischt.