Firmengründer Heinrich Kettelhack hätte sicher stolz auf die beeindruckenden Kettelhack-Jubiläums-Feierlichkeiten geblickt, bei denen Kunden, Lieferanten und Wegbegleiter auf charmant-eindrückliche Weise auch die Bedeutung von Partnerschaften vermittelt wurde, um gerade auch heute innovative Ideen zu entwickeln und gemeinsame Ziele erreichen zu können. R+WTextilservice war in Rheine und sprach mit den Geschäftsführern.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte der mechanische Webstuhl die Hausweber im Münsterland arbeitslos. Als Garnhändler war auch Heinrich Karl-Georg Kettelhack plötzlich gezwungen umzudenken. Er beklagte nicht die neuen Umstände, sondern gründete am 3. September 1874 in Wettringen sein eigenes Unternehmen. Und damit eine Tradition, der sich das Unternehmen Kettelhack noch heute verpflichtet fühlt: den Mut, die eigene Zukunft zu gestalten.
Jan Kettelhack, Sie leiten in 4. Generation seit über 40 Jahren das Unternehmen. „Tradition“, sagen Sie, „ist auch nach 150 Jahren Firmengeschichte kein Ruhekissen. Im Gegenteil: Sie ist unser Motor“. Wenn Sie zurückblicken: Was war denn die größte Herausforderung in all dieser Zeit?
Jan Kettelhack: Die größte und wesentliche Herausforderung für jede Generation in der bisherigen Unternehmensentwicklung war es, auf der einen Seite das jeweils aktuell erfolgreiche Geschäftsmodell ständig weiterzuentwickeln und zu optimieren und gleichzeitig das eigene Handeln immer wieder in Frage zu stellen und offen für Neues zu sein. Als notwendig und sinnvoll erkannte Veränderungen müssen konsequent umgesetzt werden. Nur so gelingt es, sich von gewachsenen und überholten Strukturen zu lösen und das Unternehmen für die zukünftigen Herausforderungen leistungsfähig auszurichten. Dabei helfen Gespür für den Markt, textiltechnischer Sachverstand und der Mut, auch in sehr innovative Technologien, für die es noch keine Erfolgsgarantie gibt, zu investieren.
Ein Beispiel hierfür ist die Aufgabe der eigenen, rein technisch gesehen hochleistungsfähigen Spinnerei und Weberei im Jahr 2011. Wir haben uns damals von dem jahrzehntelang erfolgreich verfolgten Prinzip der vollstufigen Fertigung verabschiedet, weil wir nur so in der Lage waren, die Gewebequalitäten zu beschaffen und anbieten zu können, die in unseren Marktsegmenten gute Zukunftsaussichten hatten.
Oder nehmen Sie das Zurückholen der Bettwäschekonfektion aus Osteuropa nach Rheine im letzten Jahr. Voraussetzung war es, dass die Konfektion vollautomatisiert werden kann. Den hierfür erforderlichen Konfektionsautomaten gab es aber noch nicht. Der musste erst mühsam entwickelt und gebaut werden. Das ist dann natürlich mit etlichen Risiken und Anlaufschwierigkeiten verbunden und der Erfolg ist nicht ohne weiteres garantiert.
Sie sind ein Familienunternehmen und wollen dies nach eigenen Aussagen auch bleiben. Joan Kettelhack, Sie sind seit Januar 2024 nun mit Ihrem Vater auch Geschäftsführer und seit 2021 gemeinsam mit Ihrer Schwester Theresa als mittlerweile 5. Generation im Unternehmen tätig. Vor dem Hintergrund eines dynamischen Marktumfeldes gibt es nach Ihren Worten vielseitige Herausforderungen zu bewältigen. Was sind denn aktuell die dringlichsten Herausforderungen?
Joan Kettelhack: Als industriell produzierendes Unternehmen spüren wir auf vielen Ebenen Herausforderungen. Zwei große Themen dabei sind derzeit sicherlich die hohen Energiekosten, sowie die regulatorischen Auflagen und damit verbundenen Dokumentationspflichten. Um energieeffizient und wirtschaftlich produzieren zu können, ist es wichtig sich immer wieder neu zu hinterfragen: Wie können wir die Produktionsprozesse so gestalten, dass sie sich auch an verändernde Rahmenbedingungen anpassen können?
Ihre Firma hat sich mit Haustextilien wie Tischdecken, Geschirrtüchern und Bettwäsche einen Namen gemacht. Wie würden Sie heute Ihr Sortiment skizzieren?
Joan Kettelhack: Unser heutiges Sortiment konzentriert sich auf zwei zentrale Bereiche: „Work“ und „Sleep“. Im Bereich „Work“ bieten wir Hochleistungstextilien für Berufsbekleidung an, die vor allem im Handwerk, im Gesundheitswesen sowie in der Gastronomie eingesetzt werden. Der Bereich „Sleep“ umfasst langlebige Bettwäsche, die speziell auf den Einsatz in der Hotellerie und Pflege ausgerichtet ist. Im Fokus stehen hier Industriewäschetauglichkeit und Langlebigkeit.
Im Jahre 2011 haben Sie sich, Sie sprachen schon davon, von der traditionsreichen Spinnerei und Weberei getrennt, im Jahre 2007 bereits von Ihrer Bettwäschemarke „Heike“ (eine Wortschöpfung aus den Anfangsbuchstaben von Heinrich und Kettelhack). Klingt nach radikalem Umdenken?

Jan Kettelhack: Das Ist richtig. Mit „HEIKE“ wurde 1955 eine Fachhandelsmarke geschaffen, unter der wir in den folgenden Jahrzehnten erfolgreich die Topqualitäten des produzierten Haustextilprogramms verkauft haben. Die angebotenen Kollektionen wurden permanent aktualisiert und ausgebaut. Zum Schluss hatten wir ein einmaliges Angebot von fast 1.000 Varianten an Betttüchern und Spannbetttüchern. Unser Bemühen, nur beste und hochwertige Qualitäten anzubieten, ließ sich aber bei der rückläufigen Entwicklung im Bettenfachhandel nicht durchhalten. Die Mengen wurden über die Billigschiene vermarktet, Qualitätsprodukte wurden über ein unrentables Klein-Klein-Geschäft verkauft.
2008 kam dann die Zäsur: wir haben uns von den endverbraucherorientierten Fachhandelsaktivitäten mit Spannbetttüchern und Bettwäsche unter der Marke „Heike“ getrennt. Diese Entscheidung fiel uns sehr schwer und ihre Richtigkeit wurde von vielen bezweifelt. Schließlich hatte die Marke „Heike“ das Unternehmen und seine Identität über 50 Jahre geprägt. Uns hat dieser Schritt jedoch die vollständige Konzentration auf unser Kerngeschäft, die Herstellung und den Vertrieb von „corporate textiles“, ermöglicht.
Somit ist das Herz des Unternehmens die Färberei und Veredlung?
Jan Kettelhack: Mit dem Bleichen, Färben und Veredeln auch vollkommen unterschiedlicher Fasermaterialien und deren Mischung, hatten wir uns schon lange beschäftigt und in diesen Prozessen ein beachtliches Know-how entwickelt. Um dafür noch besser aufgestellt zu sein, um noch gleichmäßiger und reproduzierbarer färben zu können, haben wir uns mit den weiteren Investitionen ganz auf die Ausrüstung fokussiert. Somit kann man schon sagen, dass die Veredlung das Herz der Produktion des Unternehmens ist.
Ist das nicht gleichsam auch die Stufe der textilen Wertschöpfungskette, die letztlich auch über die Qualität des Endproduktes entscheidet?
Jan Kettelhack: Ganz richtig. Natürlich spielt die Rohware, die wir unter anderem von langjährigen Lieferanten aus Pakistan und der Türkei beziehen, auch eine wichtige Rolle. Wenn wir jedoch über Qualität im Sinne von Industriewäschetauglichkeit, Farbechtheit, Reproduzierbarkeit und Langlebigkeit sprechen, findet in Rheine ein wichtiger Teil der Wertschöpfung statt. Wir sind zudem Sparringspartner für unsere Kunden, wenn es darum geht, für ihre Produkte und Einsatzzwecke die passende Gewebequalität und Ausrüstung zu erarbeiten und stehen beratend zu Fragen rund um Nachhaltigkeit und Lieferketten zur Verfügung.
Ihre Philosophie beinhaltet auch ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland?
Joan Kettelhack: Wir sind fest davon überzeugt: Eine leistungsfähige und zugleich ressourcenschonende Textilproduktion am Standort Deutschland ist möglich. Aus diesem Grund haben wir zuletzt eine große Investition in zwei neue Spannrahmen getätigt, bei denen eine hohe Energieeffizienz und die Digitalisierung des Produktionsprozesses wesentliche Entscheidungskriterien waren. Investitionen wie diese, können also als Bekenntnis verstanden werden. Gleichzeitig schließen wir aber auch internationale Partnerschaften mit langjährigen Lieferanten für die Zukunft nicht aus.

Wir sind fest davon überzeugt:
Joan Kettelhack
Eine leistungsfähige und zugleich ressourcenschonende Textilproduktion am Standort Deutschland ist möglich.
Gibt es in Deutschland eigentlich noch einen Wettbewerb im Bereich leasingtaugliche Berufsbekleidungsgewebe und Bettwäsche?
Joan Kettelhack: Wir haben unseren Fokus nie nur in Deutschland gesehen, die Textilindustrie war schon immer eine sehr global organisierte Industrie. Daher sehen wir unseren Wettbewerb im europäischen wie auch im asiatischen Raum. Mit diesem Wettbewerb messen wir uns in Punkto Qualität und Leistungsfähigkeit. Sicherlich haben wir hier in Deutschland einige nachteilige Standortbedingungen, aber auch zentrale Vorteile, wie einen sicheren Rechtsraum, einen engen Kontakt zum Markt und „noch“ stabile politische Verhältnisse.
Woher beziehen Sie eigentlich Rohgewebe oder Farb- und Hilfsstoffe?
Jan Kettelhack: Den Großteil unserer Rohgewebe beziehen wir aus dem asiatischen Raum, während die Farb- und Hilfsstoffe überwiegend von europäischen Partnern geliefert werden. Bei der Auswahl unserer Partner sind uns eine langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit, eine verlässliche Qualität, sowie Nachhaltigkeitsaspekte wichtiger als die Herkunftsregion.
Wie haben sich Gewebequalitäten in den letzten Jahren verändert?
Jan Kettelhack: Als Trend der letzten Jahre hat sich gezeigt, dass in der Berufsbekleidung neben der Industriewäschetauglichkeit der Tragekomfort eine zunehmende Bedeutung bekommen hat. Das hat dazu geführt, dass sich der Anteil an Stretchgeweben erhöht hat und in einigen Sektoren die Gewebe leichter, weicher und angenehmer zu tragen geworden sind. Außerdem spielt das Design eine wichtigere Rolle. Dadurch hat sich die Farbvielfalt erhöht.
Wenn Sie ein Bestseller-Produkt hervorheben sollten, dann wäre dies?
Jan Kettelhack: Einer unserer Bestseller ist unser Mischgewebe, bestehend aus TencelTM und Polyester. Diese Zusammensetzung zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort aus und kommt besonders als Berufsbekleidung in der Pflege zum Einsatz.
Sie bringen Ihren Anspruch an Qualität mit dem Begriff „Langlebigkeit“ auf den Punkt: „Hochwertige Textilien, die Menschen Tag für Tag durch das Arbeitsleben begleiten“. Das bringt mich, ich wollte dieses Thema nicht zu früh ansprechen, zum Thema „Nachhaltigkeit“.
Jan Kettelhack: Diese beiden Aspekte sind für uns eng miteinander verbunden: Langlebigkeit ist Nachhaltigkeit in ihrem ursprünglichsten Sinn. Denn entgegen den saison-abhängigen Kollektionen, die man aus dem Fast Fashion Bereich kennt, geht es uns darum, möglichst langlebige Textilien zu schaffen und in der Produktion verantwortungsvoll mit den wertvollen Ressourcen umzugehen.
Je länger ein Textil genutzt werden kann, desto seltener muss es neu produziert werden und desto seltener fallen die produktionsbedingten Emissionen, die übrigens den Großteil des CO2-Fußabdrucks eines Textils verursachen, erneut an. Diese Rechnung ist ein Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit auch wirtschaftlich sein kann.

Haben Sie nicht auch eine Nachhaltigkeitsbeauftragte?
Theresa Kettelhack: Für uns als Familienunternehmen in nunmehr fünfter Generation stellt verantwortungsvolles Handeln und langfristiges Planen eine Selbstverständlichkeit dar. Ziel der eigenständigen Stelle für das Nachhaltigkeitsmanagement ist es, das Engagement des Unternehmens in diesem Bereich auszubauen und strategisch auszurichten.
Als produzierendes Unternehmen ist es uns wichtig, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und die Auswirkung unseres Handelns auf die Umwelt zu minimieren. Deshalb haben wir in unserem Einflussbereich die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz neu strukturiert und bereits 2017 ein Umweltmanagementsystem nach dem europäischen Standard EMAS etabliert. Damit verpflichten wir uns, die betriebliche Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern und jährlich einen Umweltbericht zu veröffentlichen. Der Standard STeP by OEKO-TEX, der seit Ende 2020 bei uns implementiert und zertifiziert ist, ergänzt EMAS an vielen Stellen.
Ein besonderer Fokus liegt auf den Themen Arbeitssicherheit, Chemikalienmanagement und Abwasser. Diese Zertifizierung qualifiziert uns zudem als Lieferant für unsere Kunden, die sich nach dem staatlichen Siegel „Grüner Knopf“ zertifizieren lassen wollen.
Kettelhack-Jubiläum: Das war geboten
Anlässlich der Kettelhack-Jubiläumswoche fand in Rheine neben einem Jubiläumsempfang und einem Tag der offenen Tür auch eine Veranstaltung für Kunden, Lieferanten und Wegbegleiter aus der Branche statt.
Dieser Branchentag wurde unter dem Motto „ein starker Start“ eingeleitet und durch spannende Vorträge des Geschäftsführers Jan Kettelhack und der Resilienzexpertin Prof. Dr. Jutta Heller eröffnet. Im Fokus standen dabei ein Rückblick auf die ereignisreiche Geschichte des Unternehmens, sowie die Frage, worauf es in herausfordernden Zeiten und Krisen ankommt, um sich schnell aus der Schockstarre zu lösen und mithilfe von Transparenz, Offenheit und Kooperation Lösungen zu erarbeiten.
Am Nachmittag wurde das Leitmotiv zu „Willkommen Zukunft“ gewechselt und der Blick voller Zuversicht nach vorn gerichtet. Auftakt war ein inspirierender Vortrag des Unternehmers und Futuristen Christoph Burkhardt, der Impulse dazu gegeben hat, wie Unternehmen Innovationen begegnen sollten.
Im Anschluss hat Joan Kettelhack als Vertreter der fünften Generation im Unternehmen aufgezeigt, wie Kettelhack seine Zukunft gestalten möchte. Sehens-/ lesenswert sowie grafisch gelungen auch die verteilte großformatige Kettelhack-Festschrift „Willkommen Zukunft“.
Wie groß muss man sich eigentlich Ihr Unternehmen vorstellen? Mitarbeiter, Warenfluss, Umsatz?
Joan Kettelhack: Auf knapp 20.000 m² Produktionsfläche werden bei uns jährlich ca. 10 Mio. Meter Gewebe auf 13 Produktionsanlagen bearbeitet. Unsere Mannschaft besteht insgesamt aus ca. 100 Kolleginnen und Kollegen, die im Durchschnitt seit 17 Jahren das Team kettelhack ausmachen. In dieser Konstellation bewegen wir uns bei einem Umsatz von etwas über 30 Mio. Euro.
Gibt es ein aktuelles Projekt / eine Entwicklung, die Ihnen am Herzen liegt?
Joan Kettelhack: Ein zentrales Projekt, das uns aktuell intensiv beschäftigt, läuft unter dem Projektnamen „kettelhack 5.0”. Angelehnt an die 5. Generation, die meine Schwester und ich vertreten, und die tiefgreifenden technologischen Trends und Entwicklungen in puncto Digitalisierung und Automatisierung stellen wir uns der Frage: Wie kann eine moderne textile Produktion in Zukunft aussehen und wie kann sie auch am Standort Deutschland effizient und wirtschaftlich funktionieren? In diesem Projekt arbeiten wir eng mit verschiedenen Lieferanten, Partnern und Hochschulen zusammen, um strukturiert einzelne Wertschöpfungsstufen zu bearbeiten und Ansätze zu diskutieren.
Gleichzeitig beschäftigen wir uns intensiv mit unseren Absatzmärkten und den Entwicklungen innerhalb dieser Märkte mit dem Ziel das Unternehmen für die kommenden Jahre richtig aufzustellen.
Stichwort Zukunft: Gemeinsam für ein „gutes Morgen“ sorgen – ist auf Ihrer Homepage zu lesen. Klingt nach großer Mission?

Theresa Kettelhack: Uns geht es zum einen darum eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich unsere MitarbeiterInnen wohlfühlen. Denn wir möchten nicht nur ein leistungsfähiges Unternehmen sein, sondern auch ein großartiger Arbeitgeber. Wichtige Aspekte in diesem Zusammenhang sind Vertrauen, Freiräume und Wertschätzung. Nur so können Potenziale ausgeschöpft und kreative Lösungen entwickelt werden. Zum anderen bezieht sich „gutes Morgen“ auf unsere Nachhaltigkeitsbemühungen. Wir übernehmen Verantwortung dafür, dass auch die Generationen nach uns eine lebenswerte Zukunft haben.
Das bedeutet für uns viel mehr als Siegel und Zertifizierungen. Es geht uns darum, alle direkten und indirekten Auswirkungen, die unsere Geschäftstätigkeiten haben, kontinuierlich zu reduzieren. Um Maßnahmen für diese Reduzierung zu priorisieren, werten wir zum Beispiel fortlaufend unsere Wasser-, Energie-, Chemikalienverbräuche, sowie Abfallkennziffern aus. Die Verantwortung für dieses Umweltmanagement tragen unsere Nachhaltigkeitsmanagerin und unser Technischer Leiter. Sie sorgen dafür, dass das Umweltmanagementsystem ganzheitlich umgesetzt und von allen gelebt wird.
Wo liegen die Märkte der Zukunft? Was macht der Senioren- und Pflegebereich?
Theresa Kettelhack: Aufgrund des demografischen Wandels ist der Senioren- und Pflegebereich definitiv ein interessanter Markt, dem wir uns mit unserer eigenständigen Tochterfirma Curabelle widmen.
Curabelle entwirft und vermarktet ganzheitliche textile Ausstattungs-konzepte, bestehend aus Flachwäsche, Frottierwaren, Tagesdecken, Bettwaren und Inkontinenzunterlagen für Alten- und Pflegeheime. Der Anspruch dabei ist leistungsfähige Textilien mit Wohlfühlambiente zu verbinden. Schließlich handelt es sich bei den Pflegeeinrichtungen um das „letzte Zuhause“ für die Bewohner. Das sollte man besonders bei den Produkten spüren, mit denen die Menschen tagtäglich in Berührung kommen.
Seit nunmehr 2015 sind Sie Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien, engagieren sich in verschiedenen Arbeitsgruppen. Dazu Lieferkettenmanagement und Code of Conduct. Seit Jahrzehnten sind Produkte nach dem Oeko-Tex Standard 100 zertifiziert. Unumgängliche oder selbstverständliche Notwendigkeiten dieser Zeit?
Jan Kettelhack: Beides trifft zu. Unumgänglich in dem Sinne, dass durch zahlreiche gesetzliche Auflagen, politische Erwartungshaltungen und Restriktionen klare Vorgaben bestehen. Das übergeordnete Ziel dabei sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein und wird in den meisten Fällen von allen Unternehmen mitgetragen. Allerdings sind zu oft wahre Bürokratiemonster entstanden, die in der Realität nicht umsetzbar sind oder sogar das Gegenteil der angestrebten Ziele bewirken.
Ein Klima schaffen, das Entwicklung ermöglicht, zu weitreichenden Entscheidungen ermutigt
Jan Kettelhack
und den Standort Deutschland stärkt.
150 Jahre Firmengeschichte! Glückwunsch! Als Geschenk dürfen Sie sich für die Branche etwas wünschen. Was wäre dies?
Jan Kettelhack: Dass es uns gesellschaftlich und politisch wieder gelingt, ein Klima zu schaffen, das Entwicklung ermöglicht, zu weitreichenden Entscheidungen ermutigt und den Standort Deutschland stärkt. In Form einer modernen Verwaltung, die Unternehmen bei Investitionsvorhaben engagiert begleitet, die Wachstum fördert, die mithilfe wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen den erforderlichen Spielraum für erfolgreiches unternehmerisches Handeln schafft.