Vergraute Blusen, vergilbte Brautkleider – neben Verfärbung sind sie ein häufiger Reklamationsgrund in der Textilpflege. Wo liegen die typischen Ursachen für Vergrauung und Vergilbung und wie kann man sie vermeiden? Grund genug einmal genauer hinzuschauen.

Vergrauung und Vergilbung gehören laut Statistik des Deutschen Textilreinigungs-Verbands (DTV) zu den häufigsten Reklamationen in der Textilpflege. Der Begriff Vergrauung ist dabei sehr allgemein – deshalb unterscheidet man zwischen mehreren Arten:
- Ganzheitlichen Vergrauungen/Vergilbungen: Das gesamte Kleidungsstück ist gleichmäßig gräulich oder gelblich geworden. Es betrifft Oberstoff und Futter oder nur den Oberstoff.
- Lokale Vergrauungen/Vergilbungen: Nur einzelne Stellen des Oberstoffes oder nur bestimmte Zuschnittteile sind betroffen.
- Faserartspezifische Vergrauungen/Vergilbungen: Bestimmte Faserarten zeigen verstärkte Anfälligkeiten
Wie entstehen ganzheitliche Vergrauungen?
Vergrauungen oder Vergilbungen, die das gesamte Kleidungsstück betreffen, entstehen in den meisten Fällen im Reinigungs- und Waschprozess. Wenn sich freier Farbstoff bzw. Schmutz in der Waschflotte befindet, der sich auf die anderen Kleidungsstücke gleichmäßig verteilt. Solche Fälle können auch als Verfärbungen bezeichnet werden.
Da die Kleidungsstücke in der Charge meist aus unterschiedlichen Faserarten gefertigt sind, zeigen die Kleidungsstücke auch unterschiedliche Vergrauungs- bzw. Vergilbungsintensitäten. Diese Art der Verfärbung kann oft durch mehrmaliges Spülen im sauberen Medium wieder behoben werden. Sollte die Verfärbung in einer Wäsche entstanden sein, ist es unter Umständen möglich durch "farbstoffaffine Produkte“ den Spülprozess zu unterstützen.
Elektrostatische Aufladung als Risikofaktor
In der Textilreinigungsmaschine im Lösemittelbad entstehen Vergrauungen auch durch elektrostatische Aufladung. Durch Reibung der Textilien aneinander laden sich die Kleidungsstücke elektrostatisch auf. Bei einer möglichen Unterdosierung des Reinigungsverstärkers werden Schmutz- und Farbpartikel "magnetisch“ vom Kleidungsstück angezogen. Diese Art der Vergrauung ist nicht mehr zu beheben.
Es ist nicht zwangsläufig immer so, dass weiße Kleidungsstücke im Reinigungsprozess vergrauen müssen, daher ist es zu empfehlen das Reinigungsprogramm für weiße Textilien und die zudosierte Menge Reinigungsverstärker im Zuge der Jahreswartung durch einen Techniker überprüfen zu lassen. Denn oft ist die Funktionalität der Dosierpumpe eingeschränkt und es wird zu wenig dosiert.
Vergrauungsinhibitoren in Waschmitteln
Waschmittel mit sogenannten integrierten Vergrauungsinhibitoren binden Schmutz- und Farbstoffpartikel in der Waschflotte. So dass die Textilien nicht vergrauen oder verfärben. Bei Unterdosierung des Waschmittels oder fehlenden Vergrauungsinhibitoren kann eine zu hohe Menge Farbstoff bzw. Schmutz dennoch zu Vergrauung führen – insbesondere bei weißer Wäsche.
Der optische Aufheller "verbraucht“ sich
Vergrauungen oder Vergilbungen, die nur den Oberstoff betreffen, haben eine andere Ursache. Sie entstehen in vielen Fällen nicht durch den Reinigungsprozess sonder durch Abnutzung. Weiße Textilien verändern im Laufe ihres Lebens durchaus die Weiß- und Strahlkraft. Weiße Wolle etwa verliert ihren Weißgrad durch den Verlust des optischen Aufhellers. Dieser "baut" sich im im Laufe der Jahre durch das UV-Licht ab und fällt gräulich oder gelblich aus. Dadurch werden weiße Wollartikel im Laufe der Zeit immer gräulicher oder gelblicher. Weder durch einen Reinigungsprozess im Lösemittel, noch durch eine Nassreinigung können solche "Farbveränderungen“ wieder behoben werden.
Vordetachierte Flecken werden zur Falle
Lokale Vergrauungen auf weißen oder hellen Textilien können durch eine Detachur entstehen. Ist die Fleckstelle noch zu wasserfeucht oder enthält zu viele Tenside, dann wirkt die feuchte Stelle bzw. die enorme Tensindmenge wie ein "Schmutzmagnet". Freier Farbstoff und Schmutz aus dem Lösemittel ziehen an dieser Stelle auf den Oberstoff. Bei Wolle findet an dieser Stelle häufig eine Verfilzung statt.
Hinweis:
Bei Vordetachur die Fleckstelle für die Behandlung im Lösemittel vorbereiten und die Bearbeitungsstelle leicht auftrocknen. Ein zu hoher Tensidgehalt sollte mit den Methoden der Nachdetachur teilweise ausgespült werden. Nach der wasserhaltigen Detachur die Fleckstelle leicht auftrocknen. Achten Sie außerdem auf einen ausreichenden Reinigungsverstärkerhaushalt im Reinigungsbad.
Vergrauung und Vergilbung durch falsche Lagerung
Ein zunehmend auftretendes Problem: Vergrauungen bei weißen oder pastelltönigen synthetischen Fasern wie Polyester oder Polyamid – z. B. bei Braut- oder Abendkleidern. Oft werden die Kleider gereinigt oder gewaschen und dann in Folie im Schrank eingelagert oder außerhalb hängend aufbewahrt. Weil das gute Stück nicht zu Schaden kommen soll. Die Kunststoffweichmacher der Folie reagieren jedoch mit Polyesterfasern. Die Folge: Farbveränderungen durch chemische Reaktionen mit optischen Aufhellern.

Beispiel:
In einem vorliegenden Fall aus der Textilreinigung zeigte ein Brautkleid im Oberstoff des Blusenteil sowie in der floralen Stickerei eine intensive Vergrauung. Im Rahmen der Untersuchung wurden optischer Aufheller gefunden. Dadurch war zunächst klar, dass die Vergrauung möglicherweise durch den falschen Einsatz eines Vollwaschmittels entstanden war.
Doch bei genauer Parallellegung der verschiedenen Zuschnittteile erkannte der Reinigungsbetrieb, dass der Rockstoff und die Stickerei der Schleppe keine Vergrauung zeigte. Die Ursache: eine Vergrauung als Lagerschaden, der durch den langen Aufenthalt unter der Folie entstanden ist. Die Weichmacher der Folie reagieren mit der lipophilen Polyesterfaser. Die optischen Aufheller sowie andere Avivagen verändern sich infolgedessen und werden gräulich.
Diese Vorschädigung ist in der Warenschau nur schwer zu erkennen. Deshalb sollte hier ganz besonders gut hingeschaut werden, um nach einem Pflegeprozess den möglichen Vorschaden im Schadensbuch dokumentiert zu haben.
Richtig lagern: Kleidungsstücke müssen "atmen“
Für den Lagerprozess gilt: Folie eignet sich nur als Transportverpackung – nicht zur Langzeitlagerung. Materialien wie Wolle und Seide vergilben unter luftundurchlässigen Bedingungen wie Folie. Auch Bettwaren können muffig werden oder Schädlinge anziehen. Eine lange Lagerung unter dem Bett ist ebenfalls nicht zu empfehlen.
Textilien müssen luftig gelagert werden. Die Kleidungsstücke müssen atmen und die Verpackung muss den Feuchtigkeitshaushalt regulieren können. Schauen Sie bei lange gelagerten und alten Textilien in der Warenschau genau hin und machen Sie sich einen Vermerk im Schadensbuch, um im Rahmen der Dokumentationspflicht auf fachlich einwandfreie Arbeitsabläufe verweisen zu können.