Mit Gespür für Kundenbedürfnisse, Qualität und unternehmerischem Weitblick hat Ali Öysal aus der F+P Textilpflege KG ein regionales Reinigungsnetzwerk aufgebaut. Warum Textilpflege für ihn ein Luxusgut mit Zukunft ist – und wie er trotz Personalmangel Kurs auf Erfolg hält.
Seine Betriebe hat Ali Öysal im Blick, ist Ansprechpartner für sein Personal, steht bei Bedarf sowohl am Tresen als auch an den Maschinen oder entfernt einen Fleck. Er ist gern mitten im Geschehen. Natürlich könne er nicht zu jeder Zeit überall sein. Daher hatte er es sich gut überlegt, bevor er seinen vierten Laden in seiner Heimatstadt eröffnete: die Kingsgard-Textilpflege in Bielefeld-Hoberge, direkt an der Hauptstraße eines bevorzugten Wohnorts am Teutoburger Wald. „In diesem Ortsteil leben viele meiner Stammkunden, die bis dahin in meinen Kingsgard-Betrieb in die Innenstadt gekommen sind“, erklärt Ali Öysal. Sie will er nicht verlieren.
Standortstrategie mit Weitblick: Warum Kundennähe zählt
Also reagiert er prompt, als er vor rund zwei Jahren erfährt, dass eine traditionelle Mangelstube an dem hervorragenden Standort in Hoberge geschlossen werden soll. Sein Steuerberater gibt ihm den Tipp, dass die Besitzerin ihr Geschäft aus Altersgründen aufgeben will. Nun steht er vor der Frage: Was passiert, wenn ich es nicht mache?
„Hätte ich den Laden nicht übernommen, wäre sicherlich ein Mitbewerber auf die Idee gekommen, hier einen Reinigungsbetrieb zu eröffnen. Vermutlich hätte ich früher oder später meine Stammkunden verloren. Hoberge bietet mit einem eigenen kleinen Zentrum gute Einkaufsmöglichkeiten, unter anderem eine Apotheke und Physio-Praxis. Dann auch die Reinigung vor Ort zu nutzen, ist einfach naheliegend.“
Daher sei er seinen Stammkunden buchstäblich entgegengekommen, der Zielgruppe, die es sich leisten könne, ihre Textilien reinigen oder ihre Tischwäsche professionell waschen und mangeln zu lassen. Diese wirtschaftlich starke Klientel sorge in all seinen Betrieben für stabilen Umsatz. Textilreinigung sei ein Luxussegment, das müsse man realistisch betrachten, analog zur demografischen Entwicklung.
Selbst wenn die Produkte ‚jünger‘ würden, dann stets im hochpreisigen Segment. So ließen inzwischen viele anspruchsvolle Kundinnen und Kunden auch ihre Sneaker reinigen; nicht selten koste so ein Paar jedoch um die 500 Euro. „Wir reinigen etwa 20 bis 30 Sneaker im Monat. Nicht alle sind so teuer, aber in der Regel sehr hochwertig“, erklärt der modeaffine Unternehmer, der seine Branche, seine Stadt und das Kaufverhalten seiner Kunden kennt.
Erfolgreich durch Kontinuität und Vertrauen
Halbherzigkeit war nie sein Ding. Daher sollte auch sein vierter Betrieb ein Erfolgsmodell werden. Ali Öysal knüpft an den etablierten Service der ehemaligen Besitzerin an, setzt auf die Bekanntheit des Namens ‚Kingsgard‘ und eröffnet seine Annahmestelle für Textilreinigung und Wäschereileistungen in Hoberge. Er übernimmt eine versierte Mitarbeiterin, die weiterhin die Mangel- und Bügelaufträge vor Ort erledigt. Somit wird die Stammkundschaft weiterhin von einer vertrauten Person bedient und namentlich angesprochen.
„Meine Einschätzung war genau richtig“, so Ali Öysal. „Unsere Kunden sind dankbar, dass sie in ihrem Stadtteil in ihre Reinigung gehen können, wo sie viel einfacher einen Parkplatz finden als in der Innenstadt. Bequemlichkeit und Erreichbarkeit sind ihnen wichtig.“ Die Kombination von Mangel- und Bügelservice mit der Annahmestelle habe sich ebenfalls bewährt. Für die Bearbeitung der Wäschereitaufträge kooperiert Ali Öysal mit einem Mitbewerber in Bielefeld, einem Kollegen, den er schätzt.
Wie wichtig ein guter, kollegialer Kontakt zu den regionalen Marktpartnern ist, vermittelt ihm bereits sein ehemaliger Chef Klaus Knapp während der Ausbildung, die zur Grundlage seiner Karriere im Wirtschaftsfeld Textilservice wird.
Nach der Meisterausbildung arbeitet Ali Öysal noch zwei Jahre lang in seinem Ausbildungsbetrieb, bis er feststellt: Ich will mehr erreichen! Im Jahr 2011 nimmt er ein verlockendes Angebot der Firma Multimatic in Melle an. Die Erfahrungen, die er hier als Verfahrenstechniker macht, sind von unschätzbarem Wert für den Einstieg in die Selbstständigkeit, wie er betont. Der Kontakt zu Klaus Knapp bleibt durch Multimatic bestehen. Als dieser schließlich bereit für die Nachfolge ist, wird für Ali Öysal real, was bisher eher vage zur Diskussion stand.

Karrieresprünge wagen: Unternehmer mit Leidenschaft
Im Jahr 2018 wagt er den Sprung und übernimmt die drei heißen Betriebe seines ehemaligen Chefs und Ausbilders: die Kingsgard-Textilpflege in der Bielefelder City, die adrett Textilpflege in Bielefeld-Schildesche und den Cleanfix Betrieb in Bielefeld-Brackwede. Ein stabiles Gerüst bildet unter anderem das vorhandene Personal, erfahrene Meisterinnen, Meister und versierte Fachkräfte. Deren Akzeptanz gewinnt er, indem er deutlich macht: Ich bin nach wie vor einer von euch. So sieht er sich und sein Team bis heute.
Und so gelingt es ihm, das im Jahr 1982 gegründete Unternehmen erfolgreich weiterzuführen. Dass sich die Situation der Branche, insbesondere der klassischen Reinigungsbetriebe, in den folgenden Jahren drastisch verändern würde, war nicht abzusehen. Damit habe
er nicht gerechnet, würde es jedoch immer wieder tun, sagt der umtriebige und von Natur aus optimistische Unternehmer, der als DJ am Wochenende einen Ausgleich zum fordernden Tagesgeschäft findet. Auch das sei eine Leidenschaft, die er nicht aufgeben wolle.
Luxusprodukte pflegen
Sein Faible für schöne Kleidung motiviere ihn nach wie vor. Es gehe nichts über ein perfekt gebügeltes Hemd. Das gelte auch für die Qualität der Hemden, die seine Betriebe verlassen. Gepflegte Kleidung verstehe er als Statement – im Geschäft wie privat.
„Unsere Kunden akzeptieren, dass wir dafür einen angemessenen Preis nehmen müssen. Wenn wir ehrlich sind, können wir uns etwas anderes gar nicht leisten. Die Preise sind in allen Bereichen extrem gestiegen, ob für Hilfsmittel, Wasser- und Energie oder Personalkosten.“
Aktionsangebote mache er daher selten. Glücklicherweise gebe es in Bielefeld und Umgebung keinen unrealistischen Preiskampf unter den Mitbewerbern. Niemand mache Dumpingpreise, etwa im Bereich Hemdenservice. Denn Oberhemden, ob für Freizeit oder Business, seien nach wie vor die gefragteste Produktgruppe in der Textilreinigung. Die Nachfrage nach anderen Klassikern gehe zunehmend zurück. Abgesehen von gestiegenen Lebenshaltungskosten habe sich der gesellschaftliche Dresscode verändert, eine Trendwende sei nicht in Sicht. Kaum jemand trage heute noch einen kompletten Anzug, außer zu besonderen Anlässen, geschweige denn eine Krawatte. Lässiger Chic habe sich auch im Berufsleben durchgesetzt. „Kunden, die nach wie vor Wert auf hochwertige Mode legen und es sich leisten können, sind entsprechend anspruchsvoll. Erstklassige Reinigungsqualität ist für sie selbstverständlich.“
Personal wertschätzen
An dieser Stelle seien wir bei dem eigentlichen Problem der Branche: dem chronischen Personalmangel. Denn Qualität setze ausgebildete Fachkräfte voraus. Engagierten Nachwuchs zu finden, sei so gut wie unmöglich. Er könne junge Menschen allerdings gut verstehen: „Wie soll ich es einer oder einem 17-Jährigen erklären, dass sie oder er von Bielefeld nach Hannover zur Berufsschule fahren muss? Dafür ist unser Handwerk nicht attraktiv genug.“ Eine überzeugende Antwort habe er nicht. Umso mehr sei er als Chef gefordert, kreative Lösungen zu finden und flexibel zu bleiben.
Ali Öysal nimmt es mit der Gelassenheit, die den Blick nach vorn offenlässt. „Einige neue Mitarbeiterinnen hat tatsächlich meine Mutter angeworben“, verrät er schmunzelnd und erinnert daran, dass sie es war, die ihm als Büglerin in der Kingsgard-Filiale einen Ferienjob besorgt hatte.
„Ich habe an der Kasse angefangen und mich dann schnell in alle Bereiche eingearbeitet. Das gefiel Klaus Knapp. Als er mich fragte, ob ich eine Ausbildung bei ihm machen will, habe ich nicht lange nachgedacht, sondern mich auf seine Empfehlung verlassen“, sagt der zielstrebige Unternehmer, der bereits seine Gesellenprüfung mit Bestnoten abgeschlossen hat.
