Die Stimmung der Textilpflegebranche kühlt sich weiter ab. Das ergibt sich aus der aktuellen Umfrage zum Geschäftsklima, die der Deutsche Textilreinigungs-Verband zwei Mal im Jahr erfasst. Der DTV befragt dabei Textilreinigungen, Wäschereien sowie Mischbetriebe. Von der Aufbruch-Stimmung im Jahr 2023 ist nichts mehr übrig. An welchen Stellen die Branche dennoch nach vor blickt.

Anders als die Thermometer im Sommer klettert die Stimmung der Textilpflegebranche nicht nach oben – sie kühlt ab. Und zwar erneut. Von der kurzen Aufbruchstimmung, die nach dem Ende der Pandemie zu spüren war, ist nichts mehr übrig. Diese Entwicklung zeichnet sich in der Geschäftsklima-Umfrage des DTV seit Ende 2023 ab.
Nun bewerten Textilservice- und Mischbetriebe erstmals seit dem Ende der Pandemie ihre Umsatzentwicklung im 1. Halbjahr 2025 nicht mehr überwiegend positiv. Auch die Erwartungen für das 2. Halbjahr bleiben verhalten.
Vor welchen Herausforderungen steht der Textilservice?
Laut der aktuellen DTV-Umfrage zum Geschäftsklima nennen die 80 befragten Betriebe folgende vier Herausforderungen:
Personalmangel
Steigende Kosten
Bürokratie
Politische Unsicherheit
Wie entwickelt sich die Personalsituation?
Die Personalsituation bleibt angespannt und hat sich sogar leicht verschlechtert. 60 % der befragten Unternehmen gaben an, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben – das sind 3 % mehr als bei der vorherigen Umfrage.
Für das zweite Halbjahr 2025 erwarten die Betriebe keine Entspannung, da die Prognosen für das Verhältnis von Mitarbeiterzu- und -abgängen sinken. Sorgen bereiten den Textilreinigungen und Wäschereien zudem das steigende Alter ihrer Belegschaft.
Gibt es positive Ausblicke für die Textilpflegebranche?
Ja, und zwar die anhaltende Nachfrage nach ressourcenschonender Lösungen, kann eine Chance sein, durch:
- neue Geschäftsfelder und -modelle
- wachsende Nachfrage nach textilen Kreisläufen
- steigendes Image der Textilpflege
Nähere Informationen finden Sie unter: Blick nach vorn: Wo liegen die Chancen?.
DTV Geschäftsklima-Umfrage 2025 im Detail
Ein Blick in die Details lohnt sich, denn einzelnen Branchenzweigen bewerten die Stimmung unterschiedlich:
- So schätzen 42 % der Textilservicebetriebe und Wäschereien ihre Umsatzentwicklung als "sehr gut" oder "gut" ein,
- aber nur noch 28 % der Mischbetriebe.
Auffallend ist, dass die Mischbetriebe bei der Umsatzentwicklung deutlich abfallen. Dies lässt sich darauf zurückführen, dass die Befragten ihre Umsätze mehrheitlich als "ausgeglichen" einschätzen.
Bei reinen Reinigungsbetrieben stellt diese verhaltene Einschätzung hingegen keine neue Entwicklung dar. Eine Erklärung dafür liefern die steigenden Lebenshaltungskosten der Verbraucher. Hohe Mietkosten und Lebensmittelpreise schmälern das verfügbare Einkommen, sodass weniger Geld für Güter und Dienstleistungen, wie etwa die Pflege von privater Bekleidung bleibt.
Steigende Preise belasten den Textilservice
Auch die Branche ist von steigenden Preisen betroffen:
- Mehr als 65 % der Betriebe verzeichnen höhere Einkaufspreise für Textilien, Wasch- und Lösemittel.
- Von höheren Gaspreisen berichten 45 % der Befragten.
- Tarifbedingte Steigerungen der Lohnkosten in 2024 und 2025 erhöhen den Druck zusätzlich.

Prognose: Gewinn und Umsatz
Für das 2. Halbjahr 2025 hoffen die Befragten, dass die Kosten weniger steigen als im 1. Halbjahr. Diesen leisen Optimismus spiegelt die Prognose wieder: Gut 42 % der befragten 80 Betriebe gehen davon aus, dass sich die Umsätze positiv entwickeln und 41 % erwarten eine positive betriebliche Auslastung.
Nach Branche aufgeschlüsselt, fallen die Erwartungen der Reinigungen und Textilservicebetriebe ähnlich wie bei der Umfrage im Winter 2024/2025 aus. Im Gegensatz dazu rechnen 40 % der Mischbetriebe mit einem "guten" oder "sehr guten" Umsatz. Der Wert steigt damit um 12 Prozentpunkte.
Mit Blick auf vergangene Umfragen fällt die Aussicht jedoch deutlich kühler aus, da die Werte i.d.R. bei mehr als 50 % lagen. Angesichts der angespannten gesamtwirtschaftlichen Situation Deutschlands und der weiterhin sehr hohen Kosten in der Branche, überrascht diese Zurückhaltung nicht.
Zurückhaltend, aber dennoch positiv gestimmt, glauben die Befragten in puncto Gewinn an ein stärkeres 2. Halbjahr.
- So rechnen erneut 30 % der Reinigungen mit einer "guten" oder "sehr guten" Gewinnentwicklung.
- Bei den befragten Textilservicebetrieben sind es 34 %, was im Vergleich zum 1. Halbjahr immerhin einem Anstieg von 1 Prozentpunkt entspricht.
- Deutlicher fällt der Anstieg bei den Mischbetrieben aus. Hier rechnen nicht mehr nur 16 % sondern 28 % mit einer positiven Gewinnentwicklung, das entspricht einem Anstieg von 12 Prozentpunkten. Bei den Reinigungen bleibt es bei 30 %.

Kein Gewinn erwartet: Steigende Umsätze decken steigende Kosten
Ein Vergleich der Prognosen zur Gewinn- und Umsatzentwicklung zeigt, dass die Branche nicht davon ausgeht, dass steigende Umsätze im selben Verhältnis zu steigenden Gewinnen führen.
Dieser Trend zeigte sich bereits bei den vergangenen Geschäftsklimaumfragen. Das Umsatzwachstum deckt demnach vor allem die steigenden Kosten sowie den wachsenden bürokratischen Aufwand. Gleichzeitig sind die Gewinnerwartungen im Vergleich zu vorherigen Umfragen deutlich gesunken.
Das untermauert die niedrige Investitionsbereitschaft: Nur 36 % erwarten an dieser Stelle eine "gute" oder "sehr gute" Entwicklung. Beides erklärt das kühlere Geschäftsklima.
Personalmangel und alternde Belegschaft
Wie schon im Vorjahr treiben politische Unsicherheit und der Fachkräftemangel die Betriebe weiterhin um. So gaben etwa 60 % an, Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser Wert um 3 Prozentpunkte.
Eine Entspannung der Personalsituation erwarten die Befragten nicht – im Gegenteil: Während im 1. Halbjahr 2025 noch 33 % der Textilservicebetriebe, 32 % der Mischbetriebe und 50 % der Reinigungen das Verhältnis zwischen Mitarbeiterzu- und -abgängen als "sehr gut" oder "gut" bewerteten, sinken nun die Prognosen für das 2. Halbjahr.
Nur noch 22 % der Textilservicebetriebe und 28 % der Mischbetriebe schätzen dieses Verhältnis als "sehr gut" oder "gut" ein. Sorgen bereiten den Betrieben die steigenden Lohnkosten sowie die alternde Belegschaft.
Blick nach vorn: Wo liegen die Chancen?
Dennoch sehen die Unternehmen am Horizont einen Silberstreif, und zwar in Form neuer Geschäftsfelder und -modelle, die sich im Zuge des anhaltenden Nachhaltigkeitstrends bieten.

- Ein mögliches Szenario ist die Versorgung mit und Reinigung von Wäsche im Bereich der ambulanten Pflege. Die Bruttowertschöpfung ambulanter Pflegeeinrichtungen in Deutschland wuchs zwischen 2012 und 2021 durchschnittlich um 7,7 % pro Jahr. 2021 betrug sie insgesamt 21,5 Milliarden Euro, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Angesichts der demografischen Entwicklung wird dieser Bereich weiter wachsen. Hieraus ergeben sich Geschäftschancen vor allem für lokale und regionale Textilservice-Anbieter.
- Der von der EU geplante digitale Produktpass könnte das Image der Textilpflegebranche zusätzlich verbessern. Er soll den ökologischen Fußabdruck von Produkten sichtbarer machen. Von dieser Transparenz profitiert der Textilservice dank seines etablierten Kreislaufwirtschaftsmodells, seiner materialschonenden Textilpflege und seiner umfangreichen Reparaturdienstleistungen. Zudem nimmt das Thema Textilrecycling europaweit an Schwung auf. Hier könnten innovative Geschäftsmodelle entstehen. Insbesondere die Sortenreinheit der Alttextilien in der Branche macht den Textilservice für Sortierer und Recycler attraktiv.
- Ein weiterer Bereich in dem die Branche profitieren könnte, ist die öffentlichen Beschaffung. Unter dem Begriff "Green Public Procurement" soll die Beschaffung nachhaltiger gestaltet werden. Insbesondere die Textilservice-Anbieter haben Dienstleistungen im Angebot, die im Rahmen dieser Initiative Geschäftschancen eröffnen könnten. Zudem lässt der Blick auf die Nachweispflicht einen politischen Umschwung erkennen. Dies könnte in den kommenden Monaten dazu führen, dass der bürokratische Aufwand für Betriebe endlich sinkt und somit wieder mehr Ressourcen für den eigentlichen Geschäftsbetrieb zur Verfügung stehen.