Im Gespräch mit den Extrembüglern Björn Bader und Milan Bauer In der Felswand das Bügeleisen ausklappen

In den Bergen, am Strand. im Fernsehen oder sogar beim Gleitschirmfliegen: Björn Bader und Milan Bauer bügeln überall. Sie sind Extrembügler. Für dieses Hobby ernten sie nicht nur Lacher, sondern auch mediale Aufmerksamkeit. Im Interview verraten uns die beiden Pfadfinder, was sie am Extrembügeln reizt.

Außergewöhnliches Hobby in der Natur: Milan Bauer beim Extrembügeln in den Bergen.
Außergewöhnliches Hobby in der Natur: Milan Bauer beim Extrembügeln in den Bergen. - © Björn Bader/Milan Bauer

Bügeln ist langweilig? Nicht bei Björn Bader und Milan Bauer aus Wehr im Kreis Waldshut. Die beiden sind Extrembügler. Sie bügeln an allen möglichen und unmöglichen Orten. Auf Instagram teilen die naturverbundenen Kletterer und Pfadfinder ihre Bügelerlebnisse auf dem Account @extrembuegeln_n.n.e.v.baden. Wir haben die Anfang 20-Jährigen gefragt, wie es zu diesem außergewöhnlichen Hobby kam.

R+WTextilservice: Wie seid ihr denn auf die Idee  gekommen, ein Bügeleisen mit in die Felswand zu nehmen?

Björn Bader: Wir sind im Internet über diesen alten Trend gestolpert, der um die 2000er Jahre viral ging. Damals wurden sogar Meisterschaften ausgetragen, wie zum Beispiel 2002 bei München die WM im Extrembügeln. Im Sommer 2023 haben wir uns dann zur ersten Aktion getroffen. In einem örtlichen Klettergebiet suchten wir uns einen Felsvorsprung und bauten dort das erste Mal unser Brett auf. Mit einer Drohne haben wir diese Aktion gefilmt und den Film später auf unserer Instagram-Seite gepostet. Anfangs nur aus Spaß; doch schnell wuchs der Ehrgeiz, die Seite mit neuen Beiträgen zu füllen.

Was habt ihr euch gedacht, als ihr das erste Mal mit Bügelbrett losgezogen seid – „wir sind komplett verrückt“ oder eher „das wird unser Ding“?

Milan Bauer: Schon eher „das wird unser Ding“. Wir hatten schon beim ersten Extrembügeln viele Ideen, was wir noch machen könnten. Als verrückt würde ich uns nicht bezeichnen, wir sind schließlich nicht leichtsinnig oder machen etwas Unüberlegtes. Wir achten sehr darauf, kein schlechtes Vorbild zu sein, weil wir auch hoffen, andere mit unserem Hobby anstecken zu können.

Besonders motiviert haben uns die vielen Lacher, die wir bekommen haben, wenn wir in Gesprächen unser Hobby erwähnt haben. Und das viele positive Feedback von Freunden und Bekannten.

Was bedeutet euch Bügeln eigentlich wirklich – ist es Spaß, ist es Kunst, ist es Protest gegen langweilige Hausarbeit?

Björn Bader: Da kann man natürlich ganz viel reininterpretieren. Uns war einfach nur wichtig, etwas zu machen, das Spaß macht – und das draußen in der Natur. Der Erfinder des Extrembügelns bügelte unter dem Vorwand, mehr Freizeit zu haben, indem er Haushalt und Hobby kombinierte.

Gibt es einen „heiligen Gral“ des Extrembügelns für euch – einen Ort, an dem ihr unbedingt noch bügeln wollt?

Milan Bauer: Ein Großes Ziel haben wir nicht. Wir wollen einfach möglichst viele schöne Orte bereisen und etwas erleben. Eine weitere Errungenschaft wäre es für uns, einen Sponsor zu finden, der uns mit Trikots ausstattet.

Strom gibt’s in der Natur ja nicht – wie kriegt ihr das Bügeleisen heiß?

Björn Bader: Dafür haben wir einen Gaskocher dabei. Der wird an unserem Bügelspot entzündet und heizt das Bügeleisen auf offener Flamme auf bis es die optimale Temperatur zum Bügeln hat.

Wie schwer ist euer Equipment?

Milan Bauer: Gewogen haben wir es noch nicht, aber das Brett wird auf langen Wanderungen schon irgendwann eine Last. Deshalb haben wir es so umgebaut, dass es sich in der Mitte falten lässt. So kann man es im Rucksack transportieren.

Beim Dreh mit dem SWR: Björn Bader bügelte im motorisierten Gleitschirmflieger.
Beim Dreh mit dem SWR: Björn Bader bügelte im motorisierten Gleitschirmflieger. - © Björn Bader/Milan Bauer
Gab’s schon mal Situationen, in denen es gefährlich wurde oder fast schief gegangen wäre?

Björn Bader: Für den SWR haben wir in einem motorisiertem Gleitschirm gebügelt. Dabei durften wir das Bügeleisen nicht zu sehr aufheizen, zur Sicherheit. Beim Klettern sichern wir uns immer gegenseitig. Das Bügelbrett, das Eisen und der Gaskocher sind dabei immer an uns befestigt.

Auf eurer Instagram-Seite sieht man nicht nur Eindrücke von euren Extrembügel-Ausflügen, sondern auch vom ­Medienecho. Von SWR über ZDF-Fernsehgarten bis zu Pro7. Wie waren die Drehs? Freut euch diese Resonanz?

Björn Bader: Auf jeden Fall! Wir hätten nie gedacht, dass wir dafür so viel Aufmerksamkeit in den Medien bekommen. Als wir das erste Mal von einer Redaktion auf Instagram angeschrieben wurden, hielten wir es zunächst nicht für echt. Damals hat uns eine Produktionsfirma von Pro7 Taff angeschrieben. In dieser Sendung sah uns dann die Redaktion vom Fernsehgarten und so weiter. Wir haben uns jedes Mal aufs Neue auf die Drehs gefreut. Die vielen Menschen, die wir dabei kennengelernt haben, und die tollen Filme, die wir alleine nie hätten produzieren können, waren jede Mühe wert.

Zuhause in eurer gemeinsamen WG bügelt ihr gar nicht, wie ihr in einem TV-Beitrag erzählt habt. Gebt ihr manchmal Hemden in die Textilreinigung und überlasst das Bügeln den Profis?

Milan Bauer: Richtig, wir haben drei Bügelbretter und eine ganze Sammlung an antiken Bügeleisen, aber benutzt werden diese ausschließlich draußen. Die einzige Ausnahme ist dabei unsere Pfadfinderkluft. Die muss natürlich ordentlich gebügelt werden. Ansonsten ist unser Trick, einfach keine Hemden zu besitzen.

Lustige Story am Rande: Als wir im ZDF-Fernsehgarten in der Maske waren, wurde unsere Kleidung vor dem Auftritt für uns gebügelt. Wir haben dann mit dem Bügelbrett und dem Bügeleisen in der Hand unsere Klamotten bei einem Team abgeholt, das hauptberuflich bügelt.

Was macht ihr im „richtigen“ Leben?

Björn Bader: Milan ist zurzeit in der ­Ausbildung zum Schreiner im dritten Lehrjahr. Ich bin ebenfalls im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zum Jugend- und Heim­erzieher.

Und zum Abschluss: Wer von euch beiden ist der bessere Bügler?

Björn Bader: Ganz klar Milan. Er ist der Handwerker von uns beiden. Er ist aber auch der bessere Fotograf, weil er schon lange hobbymäßig fotografiert und Bilder bearbeitet. Das führt dazu, dass auch ich ab und zu bügeln darf.

Noch ein Fun-Fact: Auf jedem Bild ist zu erkennen, wer bei der Aufnahme zuerst gebügelt hat, denn: Milan ist es total egal, wie das Brett steht. Wenn ich es aber aufstelle, achte ich immer darauf das die Bügeleisenablage von mir aus gesehen auf der rechten Seite ist. Dieses Phänomen ist uns mit der Zeit aufgefallen und es zieht sich wirklich durch alle unsere Bei­träge.