Udo Nagelschmidt, Inhaber der Elite Textilreinigung, Rheine Ausbildung als Mission und Ehrenamt

Es war die Großmutter, die Udo Nagelschmidt beeindruckte und inspirierte. Auch wenn er sie nie ­kennenlernen konnte. Sie legte den Grundstein für einen florierenden Familienbetrieb und zeigte schon in den 1920er ­Jahren, wie wichtig eine solide Ausbildung und meisterliches Handwerk für nachhaltigen ­Erfolg mit textilen ­Dienstleistungen sind.

Udo Nagelschmidt bei der Auszeichnung mit der DTV-Ehrennadel in Berlin.
Udo Nagelschmidt bei der Auszeichnung mit der DTV-Ehrennadel in Berlin. - © DTV

Als Meisterin ihres Handwerks gründete Elisabeth Nagelschmidt mit ihrem Mann Thomas die „Dampfwäscherei und Feinplätterei“, die Udo Nagelschmidt seit 1996 in dritter Generation als vollstufigen Textilreinigungsbetrieb führt – gemeinsam mit seiner Frau Christine Nagelschmidt. Mit ihr teilt er auch die Leidenschaft für Fort- und Ausbildungen in der professionellen Textilpflege, die für ihn vom Steckenpferd zur Mission wurde. Im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums des Deutschen Textilreinigungs-Verbands wurde sein konsequentes Engagement mit der Ehrennadel des DTV gewürdigt.

Repräsentant in Sachen Ausbildungsförderung

Der Textilreinigermeister ist niemand, der sich darauf ausruhen würde. „Es gibt noch viel für die Branche zu tun“, sagt der Inhaber der Elite Textilreinigung in Rheine und Leiter des Textilreiniger Bildungszentrums Münsterland e. V. (TBZ) mit diversen Ehrenämtern. Seit 2005 ist er unter anderem Vorsitzender des Ausschusses Aus- und Weiterbildung im DTV.

Der Name Udo Nagelschmidt ist ein Synonym für Ausbildungsförderung in der Branche. Er habe die Ehrung des DTV jedoch nicht allein dafür bekommen, sondern auch für seinen aktiven Beitrag in der Verbandsarbeit. Klarheit ist Udo Nagelschmidt wichtig, eine Eigenschaft, die seine Verbandskolleginnen und -kollegen an ihm schätzen. In mehr als 40-jähriger Verbandsarbeit konnten sie ihn als fachlich versierten, konstruktiven und stets sehr menschlichen Mitstreiter kennenlernen.

Im Bundesverband des DTV investierte er vor allem im breiten Bereich Aus- und Weiterbildung sehr viel ehrenamtliche Zeit. Darüber hinaus arbeitete er an der Entwicklung der damals zu erneuernden DTV-Satzung mit, brachte sein technisches und verfahrenstechnisches Know-how in unterschiedlichen Gremien ein und stand als Vorstandsmitglied im DTV-NRW Landesverband seinen Kolleginnen und Kollegen mit Rat und Tat zur Seite.

Treibende Kraft in zahlreichen Gremien

Eines der grundlegenden Projekte war seinerzeit die bundesweite Harmonisierung der heute noch gültigen Gesellenprüfungsordnung. „Dafür haben wir erstmals alle Berufsschullehrer zusammengeführt, für sie regelmäßige Treffen sowie Schulungen organisiert und Gleiches für die in Deutschland tätigen Prüfungsausschüsse getan. So wurden unterstützende Konzepte für die Ausbildungsbetriebe erarbeitet, Materialien und Hilfsmittel für Ausbildungsmessen zusammengestellt, diverse Informationsveranstaltungen für externe Berufs- und Ausbildungsberater durchgeführt – alles mit dem Ziel, die Ausbildungszahlen zu stabilisieren. Darüber hinaus haben wir die Berufsschulen unterstützt und brancheneigene Bundesleistungswettbewerbe in Abstimmung mit dem ZDH (Zentralverband des Deutschen Handwerks) durchgeführt. Ständige Themen waren zudem die Aktualisierung und Anpassung der bestehenden Ausbildungs- und Prüfungsordnungen, beispielsweise zur Gesellen- und Meisterprüfung.“

Erwachsenenbildung für potenzielle Fachkräfte

Leider habe man nicht alle Ziele erreicht. „Unsere fachlichen Bemühungen werden halt durch externe Einflüsse ausgebremst oder gar gestoppt, wie aktuell in der Entwicklung und Umsetzung einer neuen Gesellenprüfungsordnung.“ Umso wichtiger sei es nun, neue „niedrigschwelligere“ Fort- und Weiterbildungskonzepte für Mitarbeitende voranzutreiben.

Einen langen Atem und diplomatisches Geschick hat Udo Nagelschmidt hinlänglich bewiesen; sein Aktionsschwerpunkt habe dabei stets auf der Arbeit für das TBZ gelegen. So gelingt es ihm immer wieder, Schnittstellen und Möglichkeiten zur Kooperation mit dem DTV zu schaffen, um das TBZ zu erhalten.

„In der Vergangenheit waren das unter anderem die Mitarbeiter-Grundqualifizierung des DTV und das TBZ-Fachkraftseminar, in dem mehr als tausend Mitarbeitende praxisnah und zielgruppengerecht weitergebildet und motiviert wurden, oder die Gesellenvorbereitungslehrgänge des TBZ, mit deren Hilfe hunderte ungelernte Mitarbeitende auch im Erwachsenenalter noch zu einer Gesellenausbildung gelangen konnten – eine Zielgruppe, die auch bundesweit einen Teil des Fachkräftebedarfs abdecken könnte“, so der Leiter und Mitbegründer des Bildungszentrums.

Fachliche Qualifikation führt zum Erfolg

„Wie wichtig fachliche Qualifikation in unserem Handwerk ist, hat bereits meine Großmutter erkannt. Sie war eine sehr rührige Person, hatte damals schon einen Meisterbrief im ‚Wäscher-und Plätter-Handwerk‘ gemacht. Und sie war die erste Frau in Rheine, die einen Führerschein besaß.“ Leider habe er sie nie kennenlernen dürfen, da sie früh verstarb.

Nach ihrem Tod führte sein Großvater Thomas den Betrieb; bis dessen Sohn Thomas Nagelschmidt als junger Textilreinigermeister das Familiengeschäft übernahm. „Auch meine Mutter hat immer in Vollzeit im Betrieb mitgearbeitet. Meine Eltern haben ihr Geschäft gemeinsam weiterentwickelt und die wechselnden branchenbedingten Anforderungen gemeistert.“ Er selbst stieg als Jugendlicher in den Betrieb ein und absolvierte nebenbei die schulische Ausbildung. „Für mich war alles spannend – eine riesige Spielwiese. Mein Vater hat mir von Anfang an sehr viel zugetraut, Fehler toleriert und Fehlentscheidungen zugelassen.“ Das habe ihn geprägt.

Mitarbeiterqualität als Marketinginstrument

Während der Ausbildung und des BWL-­Studiums sei ihm deutlich geworden, wie erfolgsrelevant es sei, dass alle im Team ihre Aufgaben kompetent erledigen, nicht nur auf der Führungsebene. „Es macht einfach Spaß mit Menschen zusammenzuarbeiten, die ihren Job verstehen und dadurch eine gute Beziehung zu ihrer Beschäftigung haben. Diese Erkenntnis bin ich in der Abschlussarbeit meines Studiums angegangen, die sich mit dem Themenausschnitt Mitarbeiterqualität als Marketinginstrument beschäftigt hat.“

Sein Credo: „Was nutzt es unserer Branche, wenn du hinten einen super Job machst, deine Verfahren und Maschinen beherrscht, aber der Kundenkontakt und die Kundenpflege nicht funktionieren und du keine nachhaltige Kundenbindung erreichst?“ Mit dieser Haltung bildet Udo Nagelschmidt gern an der Basis aus, seit rund zehn Jahren als freiberuflicher Berufsschullehrer in Münster und Rheine. Bundesweit teilt und nutzt er sein breit gefächertes Wissen unter anderem als Dozent und Mitglied in Gesellen- und Meisterprüfungsausschüssen der Innung und der Handwerkskammer sowie im DTV-Bundesausschuss für Aus- und Weiterbildung.

Empowerment dank Doppelspitze

Ohne die Unterstützung seiner Frau habe er all das nicht verwirklichen können. Christine Nagelschmidt ist ebenfalls Textilreinigermeisterin und das Ehepaar versteht sich als Team. Kennengelernt haben sie sich in der Branche; Christine Nagelschmidt zählt zu den Mitgründern des TBZ und arbeitet nicht nur hier als engagierte Dozentin.

Teilen die Leidenschaft zur Fort- und Ausbildung in der professionellen Textilpflege: Christine und Udo Nagelschmidt.
Teilen die Leidenschaft zur Fort- und Ausbildung in der professionellen Textilpflege: Christine und Udo Nagelschmidt. - © Nagelschmidt

Auch sie hat in dem Familienbetrieb mit großer Leidenschaft, Kompetenz und Herzlichkeit ausgebildet. „Wir haben zu sehr vielen Auszubildenden bis heute Kontakt, bilden derzeit aktuell allerdings nicht aus“, sagt ihr Ehemann, der so oder so ein Ermutiger für motivierten Branchennachwuchs oder Quereinsteiger mit der Bereitschaft zur Fortbildung bleibt.

Dafür würde er sich mehr ehrenamtliche Unterstützung wünschen. Auch in Sachen Ehrenamt mangele es an Nachwuchs. Das liege weniger an der Qualität als an der Bereitschaft, sich uneigennützig in die Gemeinschaft einzubringen. Er selbst sei in seine Aufgaben hineingewachsen. Direkt nach der Meisterprüfung arbeitete er als Fachlehrer in der Textilreiniger-Berufsschulklasse in Münster und Rheine; im Dezember 1988 beteiligte er sich an der Gründung des Textilreiniger Bildungszentrums in Rheine.

Leistungsniveau der Branche sichern

Seit der Coronazeit sei die Nachfrage an Schulungen im TBZ allerdings gesunken. Das betreffe sowohl die Tagesseminare als auch die Vorbereitungslehrgänge zur Gesellen- oder Meisterprüfung, die inzwischen eingestellt wurden. „Ein Grund ist der Wegfall der Meisterpflicht. Zudem sind wesentliche TBZ-Akteure wie Heinz Iseppi und mein Vater verstorben. Zudem hat sich auch ein Großteil des oft ehrenamtlich tätigen Dozententeams zurückgezogen.

Gut besucht und effektiv sind nach wie vor unsere Sachkundeseminare für die Bedienung und Wartung von Trockenreinigungsmaschinen“, informiert Udo Nagelschmidt. Sein Optimismus ist ein wenig gebremst, dennoch: „Im TBZ-Förderverein flammen immer wieder neue Ideen auf, und vielleicht gelingt ein Wiederanstieg des Seminarangebotes, wenn auch nicht auf dem alten Aktionsniveau. Letztendlich stehen alle Akteure der Branche vor derselben Herausforderung: Das Qualitätsniveau textiler Dienstleistungen und damit die Akzeptanz auf dem Markt positiv weiterzuentwickeln.“